Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 10 u. 11 (Oktober-November 1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Der Sabbath. Seilte aber eiue Streichung des :■ 4 de> Entwurfs nicht statrtinden, so müsste wenigstens verlangt werfen, dass eine Beschäftigung von Angestellten an Sonntagen nur solchen Geschäften gestattet sein dürfte, die an Samstagen uberbanpt mehr, also auch nicht nach Beendigung des Sabbaths arbeiten lassen. Diese Forlerung messe vor allem im Interesse der in jüdischen Geschäften tätigen julis-hcD Angestellten gestellt werden, da di- >e sonst weder einen völlig freien Samstag noch Sonnt.ag halten“. Wir glauben dagegen, diesen Bedenken keine aus schlagt: ebenda Bedeutung beimessen zu sollen Die Ausn tu n :bc-titnnanng *les S 4 b.-stabt ber dts in verschiedenen Stäken und bat unseres Wissens zu keinen B 'schwer ien Anlass gegeben. Wir halten es auch nicht für unbillig, dass in den jüdischen Geschäften, die a» Sibbttb und an jüiischen Festtagen aus religiösen Gründen -chll-S'-ki. im Interesse ihrer Konkurrenzfähigkeit während einiger weniger .Stunden mgehäufte schriftliche Arbeiten, die in den übrigen Geschäften am Samstag bereits'erledigt sind, n< ch nachgebolt werden kunm n. Pbwurde ein': Bevorzugung derselben nicht bedeuten und ihnen auch nicht ermöglichen, in besonderer Weise die Konjunktur für sieb iszunui/.en. ■ SpkuDtive Anuni Verkäufe von War n werden meistens Vo n ‘le.-enaftsinh ib-T selbst besorgt und können d.'ijilo aUm von den l’rsnzip.Jei, deren Geschäfte am Sonntag geschlossen sin 1, ausg. tuhrt w-rlen. Im übrigen ist bei dem Buhen »lli-.r V.;rk<**'•■ tr b’ ingeu und dem Gescblossense;u der Geschäftsräume "eine mnu*ai-w. rte ge.-chätäliebc Tätigkeit, abgesehen von dem Aufirbeiteu Von Knek-tändcL. ausgeschlossen. Di** B> stimtuang des 5 t y. ri(r,.vr auch nicht gegen die berechtigten lut ressen der Ang.-i allen. Da: jüdischen Angestellte dieser G«..- 1, itt leben durc :sg«:.i>tlich unter Berücksichtigung der Sabba he und ju tischen Fest ige Fee-tage mehr als die übrigen Angestellten Da in den jüdischen G*- fast aussehliesslicü orthodoxes Personal besch iftigt wird, sm 1 f.-rner Streitigkeiten unter den Handiung'g.a.-tkcn ia: a.-e di;••* :r 1!-tim naag nieiit zu besorgen. Gas Verbot der;r..a. wurde sogar von -Nachteil tur die Handlun„'g< na:i--n sein, i» r j 1 li- :hc Gcsch.tfisiierr w.tre gezwungen, um die am .'aa,-; *g :ii :.a .a^-.a irgca' a »gehäufte K /rre-p mdenz zu crlconvm, 1 GIliiLll £ r^il' 1er mehr als »isher zu beschäftigen un 1 .-ick in 1. er .$’i"* t « v./iitt fen grc--* rc Beschränkung aufzuerlc^" ■ iL-uf.uN iiL*ht i:. . Ir, eres.-e der Ange-tclllcn gelegen wäre T- * n! i.;ü n.<l;i iss eine g-iiiae Kuutr.Jle ni> r die Zeit Oer li. intf:;_ua;x uit i 10 in Bei lucht k.turnenden Personen ausg-. i"'. 1-' k Ui*;*- Z H, vorgH-ehriebcn werden," dass Von denj mU'.-n : . i*;:. u. Idg u:u S.» L>g .ür Persona! zu b-schaftigen Wltns u :U, ii i V 'V.tiiOlinis tlca V'jl 1 1 men beschäftigtet) Personals einzarcich-.» ist. A ... *nt«- i »• - .a oioung* : s diejenigen Firmen, welch? von der Eri.e.oiid-r Sonntag-' *.:.i;.t iebraueb machen wollen, atu Samstag nach ' .1 :g adu-r n:-ul i. -hr an eiten dürfen, h illen wir nicht für , erfoTUeri 1 ji. Für di Arb.it i.äeu .'Mobaib-chlu" kommen nur die Wintcrmona-e in li*; recht, da hier der S tbbaih bereits um 5 Für enkrif in den mrinoiiateu. in denen der aalibath erst um!t L’ür ablirlK ist eine T .tigKeit dr usisciieti Angesteliten nach Sabbathschiuss niefit nietif möglich. Im übrig* n b etet der entsprechen! frühe ' i -eiiati -ctduss am Freitagabend einen völligen Ausgleich fiir die* Be-i Läfiigiiag am Samstag Abend nach Sabbathschluss. Wiesbaden, In einer cd zwiteu R .-ch hu-ehono Tage vor der hie.iigii Mivi'.kaiiiiner angc-l indene« Strafsache, War u. a. auch der Händiir i’itrfii*-a ba u m aus Mainz ge a len. Bereits einige Tage vor dem T'.r aui hatte er?.i Jon Akten mitgr'eiir, de>s er mfolgo der Indien indischen Feiertage (Neujahr-fest) nicht zu dem Termin erscheine» könne. er bat deshalb um Verlegung des Termins. Der Vorsitzende der!• erienstratkamm* r li-ss dom Zeugen darauf die Xa bricht /.»gehen, dass er hei Vermeidung einer Strafe zu der Verhandlung erscheinen müsse. Eine Verlegung der Sache sei wegen der Anderen geladenen Zeugen unmöglich. Citronenbaum leistete jedoch der Vorladung am Freitag keine Folge, sondern sandte ein Telegramm des Inhalts: „Mein? Religion verbietet mir jegliches Reisen. Citroneubaum*. Der Staatsanwalt beantragte bieranf geg* n den ohne 'Entschuldigung ausgebliebenen Zeugen 20 Mark Ordnungsstrafe. Dis Gericht sah jedoch von einer Bestrafung ab, indem es annabm, dass der Zeuge, [wenn religiöse Bedenken dem Erscheinen vor Gericht enrgegenstchen, als entschuldigt anzusehen sei. Zu Fuss von Mainz nach Wiesbaden zu gehen, könne dem Zeugen keineswegs zugeinutet werden, auch könne man die°es vielleicht als ein Reisen auffassen. Breslau. Die hiesige Ortsgruppe beabsichtigt, wie /es in Hamburg bereit^ mit Erfolg geschehen, bei der Verwaltung der Strasseobabn eine Eingabe zu machen, dass es den Inhabern von Strecke ukarten, Schiller-^ud Studentenkartdn^ gestattet wird, ihre Karten, die jetzt . am Sonntag keine Gültigkeit haben, als Ersatz für den rar an dem darauffolgenden Tage |zu benutzen. Die Eingabe kann jedoch erst dann gemacht werden, wenn sich eine best im inte Anzahl von Inhabern der Karten hierzu bereit erklärt". Deshalb ersucht die Ortsgruppe alle Besitzer der oben erwähnten Karten sich bei dem Herrn W. Freyhan, Theaterstrasse 2 zu meldent da natürlich nur bei genügender Beteiligung. Anssicht besteht, dass die Verwaltung die Eingabe — so wie es bei der Hambarger Gr sseu Strassenbahn geschehen — berücksichtigt. A' J. Wien, 25. Oktober. Am Mi ttvö^i, 23. Oktober 1. J. veranstaltete der Verein der Sabb ithfreunde einen Vortragsabend, an welchem Herr Dr. Arno Ijl Klein, Rabbiher aus Nürnberg, der dem Wiener Publikum von seiner glänzenden RÄie in der Versammlung der „Aguti.uk“ her bekannt war, einen Vortrag über „Die Zukunft des Judentums und der Sabbath“ hielt. Lange vor der festgesetzten Stande wir Ter Saal bis anf das letzte Plätzchen gefüllt. Der Obmann, Herr Moritz Felsenberg eröffnete die Versammlung mit einem kurzen Bericht über die diesjährige Vereiustätigkeit und erteilte dem Referenten das Wort. Herr Rabbiner Dr. Klein, stürmisch begriisst, führte Folgendes ans: Während mau früher die Lebenskraft des jüdischen Volkes anstaunte, seine Zukunft als fraglos ansah, wurde iu der letzten Zeit die Zukunft des Judentums als Problem behandelt. Erst durch den Rückguug des alten gläubigen Jüdenqims wurde die früher feststehende Tatsache znr Frage. Die Erhaltung eines selbständigen geistigen Seins ist tiir die Erhaltung des Judentums Voraussetzung. Fiir das traiitiouelle Judentum ist der geistige Inhalt der alte, der gegebene, es ist bereit, dafür jedes Opfer zu bringen, somit ist ihm seine Erhaltung kein Problem. Wohl muss man bedacht sein, in der L'uguust der Verhältnisse Vorkehrungen gegen die Schwierigkeiten zu treffen, die dem alten traditionellen Judentum sich entgegenstellen. Eine solche Sckutzmassregel bilden die bestehen ien Vereine der Sabbatbfrennde. Der Sabbath nimmt eine derart zentrale Stäliuug im Judentum m)d in seinem Gesetze ein, dass trotzder gleichen Verbindlichkeit aller Gebote für ihn besondere Vorkehrnngen gerechtfertigt erscheinen. Dar“'iSabbath drückt dis Wesen des Judentums am klarsten aus; wer" also für die Erhaltung des Sabbaths sorgt, sorgt somit auch ,fiir die Erhaltung des Judentums j wer den Sabbath gefährdet, gefährdet das Judentum. Referent führt dann im einzelnen die Gef ihren aus, von denen der Sabbath bedroht ist. Zunächst ist er praktisch gefährdet von d?n Schwachen. Dieselben hängen noch innerlich am Judentum, sie üben noch dessen Gebräuche und Vorschriften, auch die auf den Sabbath bezüglichen doch sie entweihen ihn, wenn auch schweren Herzens, durch ihre gewerbliche, durch ihre Erwerbsarbeit. Sie sind inkonsequent, doch die Inkonsequenz wird früher oder später überwunden and zwar nach der negativen Seite. Allmählich werden die Erinnerungen an deren Jngend und Jagendleben, verblassen, mm verlässt die Uebuug der väterlichen Lehre, für die Kinler wird das Judentum ein inhaltloser Begriff und sie mehren die Reihen derer! die das. Judentum leicht verlassen. Theoretische Gegner des Sabbaths sind diejenigen, die den Sabbath als blossen Rahetag, als blosse sociale Einrichtung bezeichnen. Sie bringen die Frage, ob der Sabbath verlegbar ist, ab- •sichtlich oder unabsichtlich anf die Tagesordnung. Als entschiedenste Gegner des Sabbaths müssen feruer diejenigen, die wie die Vertreter