Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 10 u. 11 (Oktober-November 1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 75 i des „liberalen Judentums in Deutschland* den Sabbath erhalten zu wollen vorgeben, sogar die Erwerhsarbcit fiir verboten erklären. Schliesslich aber erklären — anstatt für den Sabbath in seiner Reinheit und Heiligkeit zu kämpfen — es gehe auch so, man müsse den Sabbath aller Erschwerungen zeirgemiiss entkleiden. Diese theorethischen Gegner können ihre Auffassung nur im offenen Gegensatz gegen die Quelle, gegen die heilige Schrift vertreten. Der Zweck des Sabbatbs ist ausdrücklich und deutlich angegeben. Kr ist ein Zeichen zwischen Gott und Israel, „damit ihr wisset, das Ich, der Ewige, encb heilige“. Er bezeugt in sinnfälliger Weise die Theozenirische Anschauung des Judentums, im Gegensatz zur anthropozentrischen der übrigen Völker. Der Sabbath geht von Gott aus und soll dem Menschen seine Stellung und seine Pflichten zeigen. Indem wir den Sabbath hüten, bezeugen wir, dass wir Gott als Schöpfer der Welt anerkennen, dass wir Gittes Diener sind, dass wir von der Erde und deren Darbietungen nur den Gebrauch marheu dürfen, den er uns gestattet. Nur wer den Sabbath in seinen traditionellen Vorschriften einbälr, gibt damit Zeugenschnft für seinen Schöpfer. Wer ihn als blossen Rnhetag ansiehr, betrachtet das Judentum höchstens als ethische Vorschrift. Wer also den Sabbath angreitt, greift das innerste Wesen des Judentums an. Gerade weil heute der Erwerbsgedanke überwuchert, muss der Jude sein Judentum besonders hüten. Je schwerer der Sabbath zn halten, desto nötiget ist er. Es genügt also nicht, den Sabbath selbst zu feiern, jeder,mnss auch dazn mithelfen, dass andere ihn mitfeiern können. „Diejenigen, die schwach genug sind, selbst diese Pflicht nicht zu erfüllen, sollen aus Liebe znm angestammten Judentum diese K> rntruppc, die Sahbathftiernden fördern und ihnen die Erfüllung ihrer Pflicht leichter zu machen sich bestreben. Alle, insbesondere die in einflussreichen gesellschaftlichen und öffentlichen Stellungen müssen bestrebt sein, gesetzliche Massnahmen zu fördern, die den Sablathfcieiuden die tapfer erleichtern. Wer für die Eihaltung des Sabbath einetcht, steht ein für die Erhaltung, die Zukauft des Judentums.* 1 (Oestem ichisclieWochtnschrift.) Virovitica^(Croaticn) Der diesjähr:ge Herbstjahimarkt in V'irovitica, der sehr stark besucht zu sein pflegt, /sollte auf den 21. September, also anf einen Tag, an dim wir dieses Jahr das heilige Jomkippurfest feierten, fallen. Dir Vorsteher unserer ism-litiscLen Eultusgemeinde, Grundbesitzer uul Grotskaufniann Julius Reich wandte sieb daher sehon im Mai d. J. mit einem Gesuch an den hiesigen Gemeinderat um Verlegung des betreffenden Jahrmarkts auf einen anderen Tag, das aber erst im Juli mit der .Motivierung zuttickgewiesen wurde, dass die Zeit bereits zu fortgeschritten sei, um den Jabrmarkfauf einen anderen Zeiipuikt verschieben zu können. Herr Knltnsvorsteber Julius Reich ergriff gegen den einstimmigen Rrsrhluss der Ablehnung des trwäbnten Gesuches den Ke-kffis an die Viroviiicaer Komit&tsbebörde und an die hohe K. Lardesregiernng in Agram mit dessen Abfassnrg und Ctberrciebung-de r hiesige Advokat, Dr Felix Kohn betraut wurde. Gleichzeitig aber wandten sich Rabbiner Dr. H. E. Kaufmann und Kultusvorsteher Julius lleich an Herrn Dr. Hugo Spitzer, Präs, der isr. Kultusgemeinde in'Ksseg, und an Herrn Dr. Lavaslav Sch.i’ck, Advokaten in Agram, um .Intervention bei der hoben K. Landeslegierung in Angelegenheit der Vertagung des Jahrmarktes. Und in der Tat bat die Jnterveniion der Herren Dr. Spitzer und Dr.;Schiek grossen Erfolg gehabt. Denn die hohe'K. Landesregierung zu Agram hat dnreh einen Erlass ungeordnet, dass der anf den 21. September l‘.tl2 fallen le Jalnmarkt in Virovitica wegen ,des jüdischen Versöbnungsfesies erst .am 2:!. September stattzuflnden bat. — Es sei noch an dieser St*Ile bemerkt dass dieselben.Gemeindernte, welche dafür waren, dass das Gesuch der jüdischen Gemeinde um Vctlegung des Jahrmarktes ahgclehnt werde, bei der am 17. August stuitgebabten Gcmcindcraiswuhl in Virovitica um jüdische Stimmen geworben haben. (Oesterreich. Wucher»cbiilt). Berlin, im Nov. Der Entwurf eines Gesetzes b e t r. Sonntagsruhe im Handelsgewerbe setzt die Sonntagsarbeit der Deteilgescbafte im allgemeinen anf drei Ständen fest. Jedoch ist es der höheren Verwaltungsbehörde Vorbehalten, an den Orten mit starker •ländlicher Kundschaft eine Beschäftigung bis zur^ Dauer von vier Stunden znzuhisscti, Der ,jVe-rhaud Deutscher Warentin I Kanfhäuser, e. V.“ vertritt die Ansicht,' da.-* es nntwen lig wäre, dass d e höhere Verwaltungsbehörde von dieser IDfugnis auch für. grössere Gebiete Gebrauch (nacht, und die Aiheii-zedt in naht-gelegenen Städten, für die die gleiche I.andkur.dschatt in Erage kommt, gleiohinässig lcuft. Zur Rpgriindurg dieses Wunsches wird angeführt : es habe sijch gezeigt, dass die verschiedenartige Begehu g der Geschäftszeit .in süh-h-n Orten oft zu starker Benachteiligung der Geschäfte mit kürzerer Sonutagsarbeitszeit geführt hat. Eine einheitliche Haudhnhmig für grössere Bezirke wird es deii dort ansässigen Detaiilisten viel leichter machen, sich mit den im Entwurfs niedergelegu-n sozialpolitischen Ideen zu bgtreuuden. Frankfurt a. M, 3. Nov. Eine stattliche Anzahl voll;geladenen Gästen und Vertretern vcischiedener Köiperschufteu landen sich Samstag Abend im Hotel Drexel zusammen, um das .V» jährige Arbeitsjuldlänm des Dmekereibesiizers Herrn Louis Golde zu begehen. Die Veranstaltung hatt■ von Anfang bis zu Ende dis Gepräge einer herzlichen Familienfeier. Nach einigen vom .Sohne des Jubilars, Herrn Marcus Golde, gesprochenen Worten dr Begriissung namens der Familie ergriff der Vorsitzende der Bachdrurkt-rei-Iieruf-genossenschaft, Herr Euge-n Mahl an. das. Weit und federte* Herrn iiolde als einen Mann der Arbeit. 'deip aber dennoch Zeit und Sinn für.ilie idealen Besudlungen seines Berufes, besonders zur Hebung der materiellen und -ideellen Intet essen seines Standes,, übrig bleibt. In seinem schlichten Wesen, mit seinem lauteren Charakter und seiner verständnisvollen Mitarbeit zur Förderung aller 'Standesinteresscn habe er sich die Liehe und Wertschätzungaller liVrutsgtnossen in hohem Masse erworben. Zum Zeichen der Vereinung überreichte er dem Jubilar unterherzlichen.Se genswiiii-i l.en ein künstlerisch uusgefilhrtcs E b r e n d i p 1 o m. Die Glückwünsche de-r Ai.-gi -teilten der Druckerei überhraebte Herr Max Tiator. der in schlichten Weiten schilderte,- wie das Personal in Louis Golde einen treuen hiriiml, ein-n für-ofglichen Vater und ein leuchtendes VerbiM'sieht, an dem es le-rneii könne, wie mau unter treuer Wahrung der Religion, unter strikter Beobachtung von Sat hat und Festtagen sich doch auch ,im Dienste der Arbeit zur Ehre und zum Woble des ganzen Standes betätigen kann. Als Ausdruck der Dankbarkeit der Angestellten überreichte er dem Jubilar ein prachtvolles G e <1 e n k b 1 a 11. Darauf ergriff Herr Jakob Rosgu he im da» Wort nnd schilderte die idealen Gesichtspunkte, unter denen Louis Golde seinen •Beruf uusübt, mit welchem tielin Verständnis, mit welch'glühender Liehe er seinen vielfachen Aufgaben gerecht wird. Im Namen der „ReligionsgesellscLali", d-r „Freden Vereinigung-, der „Agudas Jisrocl“, des „Volksschrifteu-Verlagc»- n. s. w., diealle die Dienste des. Herrn Louis Golde in Anspruch nehmen und »ehr zu sch^tzenwissen, spricht der Redn r dein Jubilar liTzln-he Worte der Anerkennung nuil Regltickwtin.-rhuiig aus in launiger W*ise rühmt dann Herr Piotessor Wcyl die persönlichen Eigenschaften des Herrn Golde und 'dessen Gattin, die sie der Nachbarschaft und den Freunden so lieh und wert machen. Edi kleines Festspiel, gedichtet v, n dem Föhne des Jubilares, dem unter dem Schriftstellcrnamciv Ben J a i r bekannten Herrn Marcus Golde, und wirkungsvoll vorgetragen von einigen Damen und einem Herrn der Gesellschaft, führte in allegorischen Bildern nnd schönen Versen dem Vat-r Gu*-«berg die Welke und Leistungen seines treuen Sohnes Louis Gollle auf dem Gebiete des Buchdruckereigewerbts vor» A'n Hand riesiger Plakate sahen wir hier alle bei Golde erschienenen tiu-l <isdieineuilen Bücher, Zeitschriften und Broschüren am dem Gebiete des jüdischen Wissens und efer jüdischen Literatur anschaulichdargestellt. Das Festspiel fand ungeteilten Beifall, uni! spä' nach Mitternacht 'ging' man von dannen, mit dem Gefühle, einem ganzen Manne und einem ganzen Juden die ihm gebührende Ehre erwiesen zu haben. Bemerkt sei noch, dass von Seiten des Rabbinats der israelitischen Eeligionsgesellschaft Herr Louis Golde an seinem Ehrentage mit dem » ■ ' l'