Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 10 u. 11 (Oktober-November 1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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72 Der Sabbath. Nichts kann weniger als zehn פסחים als Scheidewand oder als Zaun gelten. Aber der letztere Grundsatz selbst wird daraus bewiesen, dass איר שבינה יורדת למטה מי־. Niemals stieg der heilige Geist. der unter den Menschen ruht, niedriger als zehn שש־דש nieder (Suckoh 5 a). Der Ort, wo die שנ־:ס zu ruhen beginnt, wird als nicht mehr zur Erde gehörig angesehen, und demnach als eine höhere Sphäre betrachtet. Jede Erhöhung, die die Höhe von zehn •מסהיש. erreicht, worauf die שבינה ruhen könute, wird daher als eine richtige Scheidewand oder Zaun betrachtet. Wenn du deine Stadt, dein Dorf oder Gehöfte mit einer Erhöhung umgeben hast, die geeignet ist, dass darauf der heilige Geist niederstiege, du dich folglich wie im Heiligtum, wo die vier Wände den Ort der שבינה bezeichneten, von d«־m heiligen Gottesgeist umgeben fühlen darfst, sö(ist die erste Bedingung erfüllt, die erste Voraussetzuqg. vorhandeu, dass deine Gegenstände und Sachen, di§ sons*" in deinen! Haus-Heiligtum geheiligt werden mussten, nunmehr in dem Stadt-, Dorf-, und Gehöftehedigtum ihre Weihe und Heiligung empfangen können. Wenn du einen mächtigen Wall, eine mächtige Festung nm deine Stadt und Wohnort aufgeführt hast, dieselben aber nicht derart gestaltet hast, dass auf ihrer Höhe der Gottesgeist ruhen kann, so dass deine Stadt und deinen Wohnplatz der Gottesgeist nicht umfasst, so bleibt noch deine Stad und dein Wol nplatz unheilig, so musst du deine Gegenstände und Fachen in deinem Haus-Heiligturr, deren Wände dir besser als deine Stadt die Gegenwart Gotttes zu sichern mag1», ,heiligen und weihen. Wenn du dagegen mittels eines zehn צסה־ש hohen Drahtes angedeutet hast, dass deine Stätte ringsum geeignet ist, die Heiligkeit Gottes zu empfangen, dann vermag dir dein Stadtheiligtum dein Hausheiligtum zu ersetzen. Denn siehe, spricht der Prophet Jesaja i« Namen Gottes ■א• זה בית אש־ תבני לי. Welches Haus-Heiligtum wollt ihr mir denn erbauen? ..ואי זה־ .מקוש מ״התי* und welches ״Orts-Heiligtum“ mir als Wohnstätte errichten? (Jes. 66, 1). WTahrlicb, nicht dapk eines Prachtbaues, nicht auf Grund einer Festung bist du der Gegenwart Gottes sicher; vielmehr einzig und allein, wenn du es verstehst fjär Gott eine würdige und geweihte Stätte zu errichten. Wenn daher die Stadt, in der wir uns niedergelassen, das!Dorf, in dem wir uns angesiedelt, das Gehöfte, wo wir jms aufbalten, mittels eines Zaunes, einer Schranke, Umwällung und Befestigung uiiser Sinnen und Trachten auf die Wände des Heiligtums binlenkeu, wenn diese Umfassung ip uns das Bewusstsein wacbrufen, dass wir uns in einem Stadt- Dorf- und Gehöfteheiligtum befinden, wo wir mit dem Nächsten gemeinsam Gottesdienst errichten, wo wir alle nur Diener des Schöpfers, alle uns bestreben gemeinsam das Menschheitsideal, wo Kampf und) Streit aufhört und alles nur brüderlich geeint, um Gott zu huldigen, zu verwirklichen, dann werden die Heligtümer nur Bausteine zu einem Stadt- Dojf- und Gehöfteheiligtum, wo all deine Gegenstände dieselbe Weihe und Heiligung wie in deinem Hausheiligtum empfangen können und werden. Aber das jüdische Sittlichkeitsideal war immer, .לא מקומו של אדש מבבדו אלא האדש מבבד את מקומו־ (Tanit 21 b) ,Nicht die Stätte, und mag es das.schönste Gotteshaus sein, ehrt und weiht den Menschen^ vielmehr der Mensch heiligt und weiht durch seine sittliche Führung die Stätte, ja selbst das Gotteshaus, und Jerusalems Heiligtum war solange heilig und geweiht und demzufolge auch unzerstörbar, als Israel heilig und geweiht dastand. Soll daher auf diese zehn טס־דם Höhe, die für das Buhen der שכינה geeignet ist, auch wirklich die Heiligkeit Gottes niedersteigen, so musst du dies erst durch dein sittlich-religiöse» Handeln und Wandeln erwirken und erstreiten, durch dein sittlich religiöses Sinnen und Trachten erst erkämpfen. Durch Mauer, Wall und Zaun ist dir somit nur die Möglichkeit gegeben, die Gelegenheit gewährt, dass deine Stadt und Dorf sich zum Heiligtum wandeln könne, würdig ist als Heiligtum dazustehen; eine andre Bedingung musst du aber erfüllen, damit dies auch in Wirklichkeit geschehe, dies auch eintrete; du hast einen עירובי חצרוח־, beziehungsweise einen שתוסי מבויות־. ein Einigungsfest (eigent. Ver- Durch diese Schatten, die fast greifbare Finsternis, aus der nur hin und wieder ein Denkstein, vom Mondstrahl beleuchtet, *ich hob, hatte Marcus zu Sara Katz Grabe Esther geführt. Nicht ein Wort war über ihre Lippen gekommen. Lautlos hatte das Mädchen die Schaufel gesucht, welche Täubchen verborgen hatte, und dann die Stelle, wo die geheimnisvolle Rolle lag. Esther kniete nieder, um zu graben, da fühlte sie Marcus’s H; auf ihrer Schulter. Aber sie zuckte nicht und tat keinen I.a >ie liess die Schaufel sinken und hielt stille. Esther Katz, fürchtest du dich noch, mit mir allein zu *ein ר ־ .׳ allein in dunkler Nacht?“ ,ich fürchte mich nicht mehr vor dir, Markus“, flüsterte sie leise und begann zu graben. ,Glaubst du auch jetzt noch, Mädchen, dass freventliche Lust es war, die mich wahnwitzig einst machte, dir zu tun was dich erzürnt hat? Oder glaubst du. es — es sei — ein anderes — Besseres gewesen, was mich verführt hat?“ ,Es war ein Anderes. Besseres, Marcus!* Sie setzte ihre Arbeit fopfc ,Esther, wern ich dächte, es brächte dir den alten Frieden, brächte dir Freude und Helle in's Gemüt — — — wenn ich wieder nach Spanien ginge? der Krieg ist ja aus, die Prager )uden bedürfen meiner jetzt nicht mehr I“ Estser schluchzte auf. Sie liess den Spaten fallen und er- ..griff Marcus’ Hand, die noch auf ihrer Schulter geruht hatte. ״O, gehe nicht mehr weg, Marcus! Zerreisse nicht ganz mein Herz!“ ־ Zitternd presste sie seine Hand an ihre Lippen und llüsterte: ,Bleibe hier, bleibe bei mir, wenn ich Frieden haben soll!* Marcus nahm ihre Rechte, mit der sie seine Hand an ihren Mund gedrückt hatte, und legte sie auf sein klopfendes Herz. ,Esther, glaubst du, dass ich dir Frieden bringen, deine Sehnsucht stillen, dein Herz fröhlich machen kann? — -f — Glaubst Du’s? — — — Höre, wie!mein Herz schlägt!!״ ,0 fa. Marcus! Lieber Marcus, das glaube ich!!‘ ,So will ich dir in dieser Stunde, hier, wo alle unsere Väter und Mütter ruhen .und wo auch w ir e;rst schlafen werden,• Esther. Aas Geheimnis offenbaren, das der Herr gesetzt hat zwischen mich und dich in wunderbarer Kraft! Es soll dein Haupt za Freuden und Dankbarkeit erheben-— Als ich dich beleidigt habe vor fünf Jahren im Rausche meines armen Herzens, haben die Eltern dir dein Recht gegeben und mich gebannt nach Spanien. In Spanien aber habe ich gesehen wie die Stiere kämpfen mit Menschen! Ich bin zurückgekommen mit Schmerzen der Reue und doch voll Liebe für dich, da bin ich gefallen unterי die Schweden! Ich habe von ihnen gelernt, wie die Menschen kämpfen mit Menschen durch GdValt und List! Ich habe aber nicht gewusst, wozu mir das soll! — — Ich bin nach Prag wiedergekommen und bin ein Viehhändler ge> worden, damit ich wandern könne umher im Lande, und ich brauchte nicht dich, du brauchtest nicht mich immer zu sehen. Da hab ich das Böhmerland kennen gelernt Weg und Steg — warum? Ich hab’s auch nicht gewusst. Noch einmal geriet ich unter die Schweden und habe die ganze Verräterei mit dem Odowalsky erfahren, und dass Prag wieder bedroht sei. Ich habe mich gefragt, Esther, weshalb der Herr zugelassen hat meinen Wahnwitz zu dir, meine Verbannung und mein Wissen von Streit und Krieg und von Prag’s zukünftigem Elend? Ich habe mich gefragt, ob das eine Fügung sein sollte, durch die mich Gott machen wollte zum Streiter für unser Volk und unser Land! Ich habe es aber immer noch nicht glauben können. Da bist du gekommen, Esther, in unser Haus mit deinem alten Groll und Stolz und deiner Verachtung zu mir! Hierher bin ich gegangen! An dieser Stelle, wo du kniest, hab’ ich gelegen und geschrien zum Herrn um Ertarir.en, und in mir hat eine Stirrrr.e geiufen, ,Steh auf und streite. Hat sie dich verworfen mit deinem armen Herzen, will ich dich machen zum Streiter in der Not für alles Volk und den Kaiser 1“ So bin ich denn hingetreten und habe getan, was ich gekonnt, und so ist meine Verirrung an dir und meine Liebe, so ist dein Zern und deine Verachtung nur die Gabe des Herrn gewesen, ist der Panzer geworden, der mich stark gemacht und mir hat gelir.gen lassen die Errtttung von tausend Leben — — — Ist das nicht wunderbar, Esther? Und ist nicht wunderbar, dass du hier kniest an Sara’s Grab, um die Rolle zu holen, die dir geweissagt hat? (Forts, folgt.)