Mannheim
Compact Memory

Der Sabbath · 1912-10-01 · 10 u. 11 (Oktober-November 1912) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
12 (1912)
Issue
10 u. 11 (Oktober-November 1912)
Date
1912-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4874912-5428468-5428607--787-4875634
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Sabbath 71 den Weg, auf welchem wir diese Ideale erreichen, zeigt ans die Form und die Art von der menschbeglückenden Seligkeit, die uns bei richtigem Verständnis und Erkenntnis des Gegenstandes, die Erlaubnis zum Tragen gewährt. Beide das Verbot und das Gestattetsein vom Tragen müssen ähnliche und wesensverwandte Ideale zu verwirkliehen suchen. Nur vielleicht mit dem Unterschied, dass das Verbot — dies liegt im Wesen eines jeden dem Einzelnen •vorgeschrieben Verbots — weil es mehr jeden Einzelnen betrifft, und die Gemeinde und die Gesamtheit nur insofern berücksichtigt als sich aus diesen Einheiten die Gemeinde uod die Gesamtheit zusammensetzt, an erster Stelle das Individuum zu versittlichen und zu verklären ins Auge fasst, dass dagegen die Erlaubnis zum Tragen, weil damit die Gegenstände, die eigentlichen Vermittler unter den Menschen, von einem Besitz in den anderen wandern können und dürfen, und somit ein Band, von einem Menscheii zum andren geknüpft, die Annäherung unter einander gefordert und gestärkt wird, mehr die Allgemeinheit und die Gesamtheit zu verklären und zu versittlichen sich anschickt und hierzu geeignet und bestimmt ist. Die Erlaubnis zum Tragen, die Einzelbestimmungen hierzu, sollen, so hören wir schon die Frage, irgendwelche sittlichen Momente enthalten? Gewiss : ist es Leichtsinn und Gleichgültigkeit gegen die Gebote Gottes, die die Verletzung und Uebertretung des Tragenverbots verur- Sachen und bewirken, so ist es anderseits der Vorwitz und ein mitleidiges Lächeln, das sich den Lippen des Unkundigen entwindet, wenn es heisst, eine Stadtmauer, eine Festung und eine Umzäumung gestatte das Tragen von Gegenständen, was ohnedies untersagt ist. Hört denn mit diesen Vorrichtungen der Privatbesitz ,auf zu existieren P besteht denn nicht weiter und bleibt nicht weiter die Strasse ein öffentlicher und gemeiner Besitz, die Stube oder das Zimmer nicht weiter ein Privateigentum? Bleiben doch die Umstände und die Verhältnisse, die gleichen 1 Wie vermag überhaupt Menschenhand und Menschenkuost ein göttliches Gebot aufzuheben? Und zuletzt darf sogar ein dünner Draht eine Mauer ersetzen, kann ein dünner Faden an Stelle einer Festungsmauer treten, wodurch dann das Tragen ebenfalls gestattet ist. All diese Bestimmungen sind nur, so lautet das voreilige Urteil des ״konserv a t i v e n * Kritikers, kasuistische Klügeleien, die aus einem Draht eine Mauer machen, die wieder urplötzlich aus Privat- und Gemeinbesitz ein Kommunismus heraufzazaubern vermag, auf Grund dessen das Tragenverbot von einem Besitz in den andren eo ipso wegfällt. Aber sehen wir nur ein paar dieser Bestimmungen an und wir werden sogleich gewahr werden, dass ihne■ ein tiefer Sinn und eine tiefere Bedeutung unterliege. An die Erlaubnis des Tragens ist weder die Bedingung geknüpft, dass es eine Stadtmauer oder gar eine Festung sein müsse, noch wird verlangt, dass das Ding, welches die Erlaubnis bewirken soll, gerade in die Höhe ragen muss; ein Graben, der zehn ,טפחים. tief ist, also ungefähr 60 Centimeter, oder ein Fluss, der diese Tiefe besitzt und um die Stadt sich windet, bat dieselbe Wirkung. Anderseits gestattet ein dünner Draht, der zehn .•מפחים, hoch ist, das Tragen, was eine mächtig-dicke Festungsmauer, die diese Höhe nicht erreicht, nicht bewirken kann. Daraus ergibt sich klar und deutlich, dass es bei dieser Erlaubnis nicht auf eine Stadt- oder Festungsmauer ankommt, vielmebr-eiflgig und allein auf eine Erhöhung von zehn '״— .מסודםob dieso nun in der‘Vertiefung der Erde oder über der Erde sich )erhebt, ist vollkommen Nebensache, — Gewicht gelegt wi^d. Ijbenso muss neben dieser Erbötping von zehn •מפודק• noch •eine andre Vorrichtung getroffen werden. Es, ist dies: *דיוני חצרוס beziehuugsweise ,מנויות ,cwif.AEs vereinig! sieb-alle Einwohner eines Hofes beziehtH^gkwgise die Einwohner aller Höfe durch ein Mahl zu eiüem BuTtde^Beide ausarammen, die Erhöhung von zehn ,מפחים, und dmW^einigung aller zu einem Bunde gestatten erst das TragenTv^l-^ Die Forderung von zehn מסחיס־. ist vorerstSuig dem allgemeinen Grundsatz abzuleiten; dass אין מחיצה פחותה מיי meiner Väter, die heilige Rolle am Grabe meiner Aeltermutter Sara Katz in die Erde gebracht, an dem Morgen nach dem Tage, da Marcus ist der streitbare Hauptmann der luden geworden. Alle Weisheit des Weibes ist Torheit. All’ sein Reichtum, seine Schönheit sind Spreu) ... Ich hab’ aber auch gelebt nach dem Urteil, aufzuwecken, was begraben war, aufzuwecken die ertötete Liebe in mir, Sara und ich bin damals zu dir gekommen, habe es dir gesagt und habe in Liebe alles gesucht zu lindern, was da-litt, und zu heilen, was todeswund wart Aber in mir ist gamichts gelindert I In mir ist keine ׳ Ruhe I In mir schreit das Weh und bluten die Wunden, und was in mir auferweckt ward, ist — Sehnsucht, und sie wird mich töten 11.... Aber ich will strenge gegen mich sein' und gerecht 1 Ihr sollt darum annehmen, was ich gebe, und gewähren was ich bitte, damit ich bei Euch am Sabbathtische sitzen kann. . . Die Weisheit der Väter, die mir nur nütze war, damit ich erkenne, ich sei eine Törin, die heilige Rolle meines Geschlechts, mein Stolz, sie ist dein I Dein bleibt sie, Rabbi Simon, Mann des Gesetzes unserer Väter! Nur für dich hole ich sie aus meiner Urahne Grab!“ Sie erhob sich undjlegte einen Schlüssel in Spiras Hände. ,Ausgelöscht ist meiner Väter Name weggegeben meiner Väter Weisheit, mein Haus soll deins und du sollst sein Herr seinl* Bevor Marcus und seine Mutter aus ihren Staunen erwachen und Worte für das finden konnten, was sich ereignet hatte, trat der alte Rabbi zu dem flammenden. Mädchen und legte seine Hand auf ihre Schulter. ,Der Sabbath soll ein Friede sein für alle, Esther, eine Herzensfreude, eine ruhige Seligkeit im Gemüt! Wird deiner Väter Weisheit, die vergrabene heilige Rolle uns etwa seliger machen im Herzen, da sie dir doch nur Unruhe gegeben hat in's Gemüt? Wird uns etwa mehr Frieden geben dein Reichtum, der dich nicht glücklich gemacht hat? Niemand, Mädchen, hat Macht, den Menschen aufzurichten und zu stürzen, als der Herr! Wehe dem, der sich selber stürzen oder erheben will, denn sein Kleinmut wie sein Hochmut sind Sünde I Ist es denn nicht dieselbe Starrheit, Esther, sich unter seine Mitmenschen herunterzustellen, als hoch über sie lljinweg?-Behalte deine Weisheit, behalte deinen Reichtum, Esther Katz, aber gib uns dein Herz T Gebührt dem Manne die Weisheit,, dem Weibe die Güte und beiden die Liebe, welche alles schafft und die Seele zum Lichte hebt, und glaubst du dieser Offenbarung, wie ich ihr aufrichtig glaube, dann erfülle mein Gebot als eine Magd Gottes, nicht als meine Magd, und du wirst gerecht sein gegen dich und uns alte 1* .Ich tue, was du mich heissest, Rabbi, entgegnete Esther gesenkten Hauptes. So lass’ Sabbathruhe einziehen in Deine §eele. Ist dann der Sabbath von uns gegangen, so lasse dich von Marcus zum Grabe deiner Ahne führen, hole das heilige Buch, das teure Vermächtnis deiner Väter, dann schenke es dem, den — dein Herz am höchsten hält, und mit der Weisheit gib ihm alles, was du hienieden — zu geben hast. Was der dir aber dafür wieder tut. das nimm als deinen richtigen (jottpslohn an! Dein Herz wird dann still werden und nicht mehr wund sein! Marcus kann dir die Rolle vom Grabe tragen, wohin du willst. Kommst du dann wieder in Rabbi Spiras Haus, so sollst du fröhlich und friedsam mit uns zu Tische sitzen!* * , * * Kaum hatte der Rabbi die Habdala gesprochen, als Esther auch schon Marcus gesenkten Blickes die Hand reichte, ,Führe mich zu meiner AhneT Marcus nahm den Schlüssel zum Friedhofe vom Nagel am Thürpfosten, und sie schritten stumm in den Abend hinaus . Wenn der Alt-Neu-Friedhof schon am Tage die Herzen beklommen macht und dem Geiste das Ende aller Dinge melancholisch düster vor Augen stellt, wie schreckhaft grossartig erscheint er bei Nacht! Der Mond steht tief am Himmel links über dem Hradschin und wirft seine schrägen Strahlen durch’s dichte Laubdach des Hollunders auf die Leichensteine, die da aussehen wie eine ungeheure Versammlung auferstandener Toter, in Grablaken gehüllt Am blauschwarzen Himmel droben zitterten die Sterne und sehen friedlich sehnsuchtsvoll nieder auf die Stätte des Verfalls und der Trümmer, die in fast undurchdringlichem Schatten liegt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.