Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 7, 8 u. 9 (Juli-August-Septbr. 1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Der Sabbath 1 Dieser Zusatz ist merkwürdigerweise auch beim 5. Gebote כנד א־. אנץ־ ואת אדך angeführt. Es müssen daher unbedingt Gründe für die oben angeführte Abänderung des Sabbatbgebotes und diese eben erwähnten Zusätze notwendig gewesen sein und eine Erklärung | gibt kurz und scharf den Sinnenunter־ schied von ־•ptr und ־־:r. <Dasl —br wurde den Kindern Israel gegeben, die soeben ausgerufen עשה ונשדע;, Worte, die eine hohe Begeisterung in sich tragen. Mose selbst, der für sein Volk und seinen ihm von Gott anvertrauten Beruf begeisterte Mann, war innerlich überzogt, dass so wie er, das ganze ' Volk Israel von dem Gottesgedanken durchdrungen war und vdlfihin zu allem Hohen und Edlen begleitet werden würde. In dieser begeisterten Stimmung genügte vollkommen fein״ die blosse Erinnerung musste schon das Mittel sein, den von Gott eingesetzten, von ihm selbst innegehaltenen* heiligen Tag für alle Zeiten festzuhalten. Aber die Begeisterung erlosch, kleinliche, für das tägliche Leben notwendige Tagesfragen traten in!len Vordergrund. Neid, Missgunst, Ruhmsucht machte sieh bis in die engste Familie Mosehs geltend: kurz, jede menschliche Schwäche, die da in der 40jährigen Wüstenwanderung zu Tage getreten, machte es dem Führer klar: noch sind die Kinder Israel, die zu Kulturträgern auser?ehe!1, kein vom Gottesgeist durchdrungenes Volk und gerade das Sabbatgebot war eines der Mittel zu diesem, aber auch das Mittel, •das den Kindern Israel i.1 der Sorge um das tägliche Brot und in;dem so oft gezeigten Mi.-strauen gegen Gottes Allmacht am leichtesten verloren , gehen konnte. Sollte also dieses Gebot tiefer in die Herzen und in den Geist der Kinder Israel eindringen. so genügte nach all diesen Erfahrungen kein ־־:•. keine blossel matte Erinneren״, sondern es musste strenger geboteji und menschlicher begründet werden, daher beginnt{ Mose dieses Gebot nicht mit ׳:־־ sondern mit ,״־ד־־ א; ״נ השב־ דר־־צ־ und setzt noch als Verstärkung sofo.t hinzu; באש־ in gewesen; Ewigen, deinem Gotte. Die nachfolgende Begründung bestätigt das eben Gesagte in vollstem Maße: Die Begründung des Sinai Gebotes war aich inzwischen gewiss schon als nicht den Tatsachen entsprechend angezweifelt worden, und dadurch lag die Gefahr nahe, dass durch den Unglauben an die Tätigkeit oder sogar an das Dasein j Gottes, dieses Gesetz als nicht bindend erachtet werden würde; darum die erweiterte Ausdehnung des Sabbatj gebotes auf das Vieh, die verstärkte Betonung der Sabbat-! ruhe für Knecht und Magd und zur Durchführung dessen die wachgerufene Erinnerung an die Leidenszeiten Aegypten, da Du selbst Knecht und Magd ׳ denn nichts wirkt in den Tagen des Wohlseins und der Behaglichkeit zur Durchführung eineB Sittengesetzes besser als die Erinnerung an die eigenen Leidenszeiten. So liegt also in der Hervorhebung der Sabbat ruhe für Knecht, Magd und Vieh ein praktisch greifbarer Gedanke für das Sabbatgesetz, der doch allen Geschlechtern einleuchten musste. Ist dieses שדוד zusammen mit deu nachfolgenden Sätzen nicht wie aus einem Guss zusammengehörig? Liegt nicht die durch die Erfahrungen unbedingt notwendige, vor unseren ס ״___. ___ _ _ _. Israels und des Sabbats diesen notwendigen Abänderungen Recht, gegeben? Haben nicht soziale Gründe oft genug Platz greifen müssen, um ihn zu bewahren (שמור)? Mose hatte, das Volk erkannt und für;die Zukunft deshalb dieses Sittengesetz dem Wortlaut־ der Kinder Israel so einprägen wollen, dass diesem dadurch eine wirksamere Durchführung gesicherter schien. .Mögen auch wir durch diese von uns angenommene Absich( Moses, durch dieses wörtliche Abänderung dieses Gesetzes -klar Augen? Hat. nicht die spätere Geschichte ¬¬שד noch leichter zu den השבת wie durch das hohe ideale זנו־.*) קדוש geführt werden, *) Der Gedanke, den der Verfasser ausführt, ist beachtlich genug, dass wir ihm, unbeschadet des 1שמ:ד בדבר אמד נא8ת ■nr gern Platz geben. (Red.) [ganz so wie dir geboten von dem צ— ־. א־“—־ א•־. .^,•Esther Katz“, sagte er, ״ich kann nicht eher die Ruhe des heiligen Tages,geniessen, bevor ich dich nicht noch einmal fragte. Dein Wille ist geschehen, die Steinmetzen haben ihr Werk getan! Willst du nun wirklich ausführen deinen Plan, willst Alles austilgen, Alles hingeben ־r Esther Katz. willst du nicht mehr du selber sein — die Letzte eines grossen Geschlechtes aus alter ehrwürdiger Zeit? “ ,Ich weiss, was ich will und dass es richtig ist, (oach: ich danke dir für Alles, was du an mir Liebes getan hast Gehe ruhig heim und sei fröhlich bei leuchtender Lampe, du darfst es J Meine Lampen brennen nicht mehr — in mir ist’s dunkel! Ich will warten, ob Einer von Gott ^bewegt, sie je wieder anzündet — odef nicht! — — — Friede sei über deinem Haupte und deinem Hausei!“ Sie ging hastig an ihm vorbei und verschwand westwärts in der von Abendschatten erfüllten Hompasgass? . . .! Rabbi Simon sass mit Frau und Sohn beim Abendtische. Freundlich glänzten die Lampen, die würzigen Speisen dufteten, Ernst und Stille herrschte, nur unterbrochen von des Rabbi sanften, herzlichen Worte, das so gut zu der Stimmung passte, die aus dem Bewusstsein floss, im Got'esfrieden zu stehen, nach den Tagen heissen Ringens und redlicher Pflichterfüllung. Wie es sich ziemt, sassen JoeL Marcus’ Knecht und Leah. des Rabbi Magd, mit an dem Festtische, denn am Sabbath sind Herr und Knecht gleich, die Dienstbarkeit hört auf am Tage Gottes Ein Geräusch machte Alle auffahren — die Tür hatte geklappert. Esther Katz war still hereingetreten und sass jetzt bei der Türschwelle auf einem Schemel, das Haupt gebeugt. Erschrocken stand die Familie auf. Der Rabbi schritt zu der Angekommenen und reichte ihr die Hand. ״Esther, mein Kind, was tust du? Was ist dein Begehr? Hast du keine Ruhe daheim und drückt dich ein Kummer? Setze dich an unsern Tisch, teile unsere Speise, unseren Frieden und unsere Freude 1“ ״Nicht so, Rabbi! Lass’ mich hier sitzen, so lange sitzen an deiner Tür, bis ihr gehört habt, was ich sage, und getan habt, was ich will!“ ״Esther, dif bist krank!* erwiderte der Rabbi mild. ,Du hast dich nicht blos so verändert, dass{ es alle Herzen erfreut, du hast dich auch verändert, wie es unser Herz schmerzt“. ״Mädchen“, fuhr Rabbi Simon fort, ״warum ist von deines Vaters ehrlicher Tür das alte Bild deines Geschlechtes gefallen? Weshalb hast du es getilgt?!“ ״Ich habe das alte Bild gestürzt, Meister, weil durch mich, mein altes Geschlecht gesunken ist, ausgelöscht seine Weisheit durch meine Torheit, zu Schande geworden all’ sein Verdienst durch meinen Stolz und Hochmut! In meinem Hause brennen die Lampen nicht mehr, in meinem Herzen glichet das Ljcht nicht mehr; Reue, Klage und Verzagtheit ist mein Lo^, und ich suche Frieden auf eurer Schwelle!“ ״Wie sollen wir dir Frieden geben, Kind? erwiderte der Rabbi. ״Ist unter uns doch keiner sich bewusst, dass er dir den Frieden genommen habe, der bisher jeden Sabbath dein Teil war!“ ״Ich habe keinen Sabbath gehabt, keine Ruhe seit dem Tage, wo du mir Sara, prophezeit hast, was mit mir geschehen werde — seit dem Tage, wo ich mich im Hochmut verschwor und mich versündigt habe und ungerecht geworden bin vor Gott, vor den Menschen und vor mir selber!“ Sie erhob sich, wankte zu Sara, fiel ihr zu Füssen und umklammerte ihre Knie. O, Sara, Sara gieb mir — gieb mir meinen Frieden wieder!“ ״Mein armes, mein geplagtes Kind“, rief die Frau des Rabbiners, sie zu sich emporziehend, ״wie soll ich wissen, was dir wahrhaft Frieden giebt?“ ״Wenn es in unserer Macht liegt, dir zu Frieden zu helfen“ entgegnete Spira, ,so sollst du ihn nicht umsonst erflehen. Setze dich zu uns, Esther!“ Das Mädchen riss sich heftig aus Sara’s Armen los■ ״Bei euch sitze ich nicht! So nicht — bis von meiner Seele herunter ist, was auf ihr liegt und ihr zu meinem Willen ja gesagt habt, dass es so sein solle! — Sie setzte sich wieder auf ihren vorigen Platz. ״Rede denn, Esther 1“ entgegnete tief atmend der alte Rabbi. j (Fortsetzung folgt).