Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 7, 8 u. 9 (Juli-August-Septbr. 1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4874912-5428468-5428605--763-4875611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
rr 1:!— Der Sabbath. jedem Manschen ein völliger, von keiner Arbeit unterbrochener Ruhetag per Woche dringend notwendig sei. Herr Rior. tyr. Günther tührte dann aus, dass es eben nur ein ^t'-dkr Toleranz sei, den jüdischen am Schabbos geschlossp^qj Geschäften zu gestatten, ihr jüdisches Personal 4m Sonntag einige Stunden hinter verschlossenen Türerj׳ zumieschäftigen. In dem Bericht wird der ausser-; ordentlicWgute Eindruck, den die Reden des Herrn Dr. Günther Waphle, besonders betont; aber natürlich konnten sich einige Iraiftdlungsgehilfen mit den letzten Ausführungen! nicht einverstanden erklären. Trotz verschiedener Anj griffe blieb Herr Dr. Günther bei seiner, von wirklicher 1 Toleranz zeugenden Meinung, von der ibn, wie er hervor- | hob, alle angeführten Gegengründe nicht abbringen können. In en&JVachscbrift des Berichterstatters wird nunmehr nochmamjf versucht, die Argumente des Herrn Dr. Günther als falsch hinzustellen. Da er keine merklich stichhaltigen Gegengründe machen kann, so versucht er es mit Verdächtigungen. Da wird zunächst aber selbstverständlich vorausgesetzt, dass die'begünstigten jüdischen ('!eschältsinhaber, entgegen dem Anträge, auch ihr Christliches Personal arbeiten lassen würden. Der Berichterstatter scheint allerdings nicht zu wissen, wie die jüdischen Geschäftsinhaber schon jetzt unter Denunciationen zu leiden haben, meistens unter falschen, sodass jeder sich hüten würde, eineWirkliche Gesetzesübertretung, die ibn in die Hände seinefi^ersonals liefern würde, zu begehen. Bei dem geringjten Streit mit einem seiner Leute wäre jeder Prinzipal sicher, vor den Strafrichter gebracht zu werden. Ausserdem haben sich die jüdische Firmen bereit erklärt, sich der schärfsten Controlle zu unterziehen. Daun kommt das Argument, dass es nur ein kleiner Teil der jüdischen Geschäfte sei, die Schabbos geschlossen i halten. Dia: meisten hielten doch offen und diese Minorität müsste sich fügen! Auch eine Begründung! Als ob nicht eben darin sich die Toleranz zeigte, dass man Minoritäten schützte, und besonders wenn es sich um religiösen Anstand handelt. Gewiss gibt es eine Anzahl jüdische Firmen, welche um in der Sprache des Berichterstatters zu redenes nicht über sich bringen konnten, für ihre Gewissens, pflicht materielle Opfer za bringen. Aber ob es deshalb notwendig ist, denjenigen welche Jahre lange solche Opfer in erheblichem Masse gebracht haben, indem sie wöchentlich einen vollen Arbeitstag ausfallen Hessen, nun nochmals neue Opfer aufzuerlegen, darüber darf man doch wobl anderer Meinung sein, als der Berichterstatter im Bezirksboten. Auch die Reichsregie! ung war doch anderer Meinung, als sie den § 4 einbrachte, in voller Würdigung der Opfer, welche jüdische Geschäftsinhaber ihrer Heberzeugung gebracht haben und wöchentlich bringen. Ist es doch der Regierung sicher auch nicht unbekannt geblieben, wie viele Geschäftsleiter, welche vor 1892 am Sonnabend streng geschlossen hatten, schweren Herzens ihre Betriebe öffneten, als die teilweise Sonntagsruhe eingefübrt wurde, weil ihnen die materiellen Opfer nunmehr zu gross schienen; welche Gewissensnot dadurch hervorgerufen wurde, ist allerdings statistisch nicht zu erfassen, aber vielen tiefen Dank köBnen wir nun der Regierung zollen, welche in dieser Weise die heiligsten Gefühle auch einer kleinen Minorität achtet und schützen will, da gegenteilige Interessen absolut nicht berührt werden. Aber da hat unser Berichterstatter auch wieder einen Interessenconflict herausgefunden. Böse Stimmung würde erzeugt werden, wenn christliche Geschäfte heute eine Anfrage, eine Offerte machen können, welche eine jüdische Firma erst am nächsten Tage erledigen könne, und umgekehrt: Man sieht, dass die Argumente wechseln! Bisher wurde immer behauptet, die christlichen Geschäfte würden ungeheuren Schaden erleiden, wenn die jüdischen Geschäfte späterhin ihre Offerten etc. am Sonntag absenden könnten, die christlichen erst am Montag; das wird nicht mehr behauptet, es war auch zu lächerlich, denn die christlichen Geschäfte hatten doch auch schon Offerten abgesandt, am Sonnabend, was den jüdischen Geschäften erst Sonntags möglich sein würde. Und merkwürdigerweise, waren es immer nur die Haudlungsgehilfen, welche hierdurch für die Geschäfte Schaden be- .,Insbesondere,“ fuhr Eduard fort, ״ist der Sabbath dein Thorästudium gewidmet. Da lernen wir die Sidrah mit der Erklärung von Raischi. Und wie schön versteht da unser Rabbiner, der als alter Herr unserer Verbinduug angehört, alles darzustellen. Da geht uns erst eine Ahnung von der TiMe des Gotteswortes und von der 611ו1ת6י seiner Gedanken auf.“ Ja sägte ein junger Viehhändler: ״da ist doch das denleben eine Rette von lauter Arbeit und Anstrendas habe ich mir nie so vorgestellt. Aber wenu Ihr fertig studiert habt, habt Ihr es um so besser?“ ,.Da. mein lieber Ludwig“, antwortete Eduard, ״da fängt die Arbeit des praktischen Lebens, vor allem aber die Verantwortung, an, und da kann es einem manchmal bange werden, l.'rnl neben den Sorgen, ob man alles recht macht, auch die Geldsorgen. Wenn man sich irgendwo als Arzt oder Rechtsanwalt niedergelassen hat und man auf zahlungsfähige Patienten oder Klienten wartet, da wird manchem die Zeit ■lang und es gehört schon ein gut gefülltes väterliches Portemonnaie dazu, sich über die einkommenlose, schreckliche Zeit, die oft viele Jahre dau- > ern kann, hinweg zu trösten und zu fristen. Ich möchte darum niemand das Studium anraten, er sei denn sehr gut begabt und ךvermögend. Denn die Concurrenz ist unter dnn Studierten bedeutend grösser und schärfer als 1m Handelsstande“. Gespannt batten die jungen Leute zugehört, da war ihnen vieles neu und unbekannt gewesen und sie lernten manches im neuen;Lichte betrachten, insbesondere nachdem ihnen vom Leben der armen Studenten erzählt wuide von ihrer. Not und den Anstrengungen, denen sie sich unterziehen müssten, um durch Privatunterricht die Mittel für Wohnung und Nahrung zu erwerben. Die Gesellschaft war ernst geworden und das Gespräch stockte. Da fragte ein junger Mann, der immer gerne den Dingen auf den Grund ging: ״Weshalb ist denn das Telephonieren am Sabbath verboten? zur Zeit Mose’s und der Chachomim hat es doch gar kein Telephon gegehen, da konnten sie es doch gar nicht verboten haben?!“ (Fortsetzung folgt.) I Sabbathgruss. (Nach Jehuda Halevi.) Den Becher leer ich auf den Grund, Grusa, Sabbath, dir mit Uerz und Mund! Nur zu deinen Diensten sind die and’ren Tage; Mir bieten sie doch nichts als Müh’ und Plage, Weil ich nur einzig mich an dir behage, Ist rasch verlaufen einer Woche Rund. Was ich am ersten Tag tu’ allerwegen? Ich rüst’ zum Sabbath mich danti schon entgegen: Er hat allein den vollen Himmelssegen t Ist alles Segens heissersehntes Regen.