Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 7, 8 u. 9 (Juli-August-Septbr. 1912)
- Date
- 1912-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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51 Der Sabbath. wieder das Stammesheiligtum, das deinen Entschluss beherrsche, beeinflusse^ Wie schön, wie sinnig und wie geistreich ist doch die Bemerkung unsrer Weisen zu dem Bericht von Ruths Entschluss ihr Heidentum zu verlassen, um sich dem Judentum anzuschliessen. Noemi konnte ihre Schwiege! tochter Ruth trotz des vielen Zuredens nicht abbringen, ihre alte Heimat für ewig zu verlassen. ״Ruth sprach: dränge doch in mich nicht, dich zu verlassen, mich von dir abzuwenden, denn wohin du gehst, dahin gehe ich auch, wo du weilen wirst, da weile ich auch, dein Volk ist mein Volk, dein Gott ist mein Gott“ (Ruth 1,16). In dem Bewusstsein wie unerwünscht, ja wie ungesund fiir das Judentum ein ״äusserlicher Zuwachs ist (“קשה נ־*ס לישראל נספחת") wollte Noemi die Heidin von der Annahme des Judentums abhalten; die überzeugte Jüdin rief der Fremden zu: “״ .״אסור ל; תחוס שבתFür uns ist beim Verlassen des eigenen Haus-IIeiligtums verboten das Stammesheiligtum zu überschreiten“ (Jebamot 47 b). Dein Anj Schluss an das Judentum darf kein nur von den Verhältnissen bedingter sein, vielmehr ein innerlich überzeugter; wenn du dein bisheriges Heiligtum verlassen, das Heidentum als überwunden betrachten, um dich dem Judentum zu nähern, dann wisse dass das Stammesheiligtum des Judentums niemals überschritten, die da gepflegten Ideale immer für heilig gehalten werden müssen. Und dieses Stammeslieiligtum der Wüste, das die Schritte und Bewegungen des Einzelnen, am Gottestage bemessen sollte, musste auch für denjenigen Teil Israels, für denjenigen Stamm massgebend sein, dessen Aufgabe Gottesdienst, dessen Bestimmung Erfüllung der Willensäusserungen Gottes war, der Israels Gesamtheit vor Gott vertreten, und somit sein ganzes Leben als einen Gottesdienst sich darstellen sollte; üir den Stamm Levi. Und eben; daher bemerken wir, dass als den Leviten, diesen Gottesdienern ״Wohnstätten“ zuerteilt w urden, wo sie ein Gott wohlgefälliges Leben führen sollten, da wurde ihnen rings um jeden Ort ein Stammesheiligtum errichtet; 2000 Ellen um jede Stadt und um jeden Ort wurden diesen Gottesschaaren zugemessen. Wozu der Einzelne nur am Gottestage sich erheben vermochte; das Leben und Weben des Levi sollte davon durchdrungen sein, überzeugt sein.“ Und ihr sollt ausserhalb der Stadt messen: Tausend Ellen an der Ostseite, Tausend Ellen an der Südseite, Tausend Ellen an der Westseite und Tausend Ellen an der Nordseite und die Stadt, sie sei in der Mitte“ (Num. 85,5). Eben daher konnte auch der Totschläger, der den Nächsten ungewollterweise getötet hat, in der Levitenstadt Sühne erhalten, Vergebung erwarten, denn hier war ihm die beste Gelegenheit ein gottwohlgefälliges Leben zu sehen und selbst, zu führen (vgl. ‘״ד׳ח ע- ל״ס קולס־נ לדעת Mackot 10a5).. Sonntag und Sabbat, Der Nürnberger Bezirk des V. d. II. j[v. 1858) hielt am 1. April mit mehreren .anderen Vereinen eine Ver- Sammlung ab, behufs Stellungnahme wim Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe. Laut Bericht unter obiger Ueber- Schrift im ״Bezirksbote“ waren als Redner gewonnen ein Pfarrer, ein Arzt und der Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Günther. Diese beleuchteten die Frage vom religiösen, ärztliehen und socialen Standpunkte und kamen alle drei zu dein Resultat, dass von jedem Standpunkte aus betrachtet, 6) Erst nach dieser Ausführung werden uns auch folgende zwei Deduktionen Unserer Weisen recht begreiflich: «א; •צא א-ש =:קי ונקב ם:ישד וגושד :!גבול :ג נול מח.ץ :•;es ארי אדני: א:־. ש:1; אי דכ־א ־:־גי רקום יד ץ שד-ן דנדיב ושי• דש שד-; רעיי אד £אד קז־:ה א-£יש כאשד" "‘Erubirt 5.1a. Der Techym Sabbat wird also von der Stadtgrenze der Leviten ent-׳ sprechend, bemessen. Dass aber die levitische Stadtgrenze nicht nach reiner Willkür abgemessen war, wird anderseits gelehrt: אשד ftLK יד ידיד ־דש.ש;־ש• דע־-ש:, (ibid.) זה יד-וז ב' ש-שדי שבד oder :ישי, דדי ששד. Die Stadtgrenze der Leviten weist auf die Stammesheiligtumsgrenze des Sabbat hin; beide sollen und wollen dieselbe Idee verwirklichen, denselben Grundsatz ausführen. ״Du irrst dich,“ entgegnete Eduard, ״so leicht und angenehm fliesst dem Studenten der Tag nicht dahin, zumal nicht dem jüdischen und erst recht nicht dem frontmen. Für wenig andere Berufe gilt es in so starkem Masse, wie für den Studierenden, die Zeit und zumal die Lehrzeit gut auszunützen. Da eilt der auf seinen Zweck bedachte junge Mann von Vorlesung zu Vorlesung, hört und sieht genau und schreibt nacb. Zu Hause muss er das Gehörte sich einprägen, vielleicht auch noch ergänzen und vervollständigen. Er besucht die Uebuntren, bereitet sich darauf vor, arbeitet Aufgaben für dieselben ans. Das Studium dauert ja nur 4—5 Jahre, in den Prüfungen wird viel und vielerlei gefragt und verlangt, roch mehr erfordert der Beruf und das praktische Leben, da gilt es, möglichst viele Kenntnisse und Fertigkeiten sich in den paar Jahren des Studiums anzueignen. Wenn Ihr hier zur Erholung geht, dann besuchen wir die Museen, die Theater und Konzerte, wenn wir — Geld dazu in der Tasche haben. Nicht um uns zu amüsieren, sondem um zu lernen, den Gesichtskreis und die Erfahrung zu erweitern. Denn von jedem Gebildeten wird erwartet, dass er mit der Kunst sich beschäftigt hat, dass ihm die Literatur geläufig ist, dass er sich, wie man sagt, im Leben Und in seiner Zeit auskennt. Und wo hätte man besser und schöner Gelegenheit dazu als in der Universitätsstadt, wo alles geistig Bedeutende zusammenströmt. Selbst an unseren Kneipabenden arbeiten wir, indem wir über irgend einen Gegenstand uns Vortrag halten lassen und darüber diskutieren, unsere Meinungen austauseben und manches bestreiten, manches noch dazu ergänzen. Und wenn man'fromm ist und in einer frommen Verbindung ist, dann hat man fast jeden Tag Jüdisch zu lernen oder den jungem Semestern, den neu eintretenden Studenten, die man Füchse nennt, den sogenanuten Fuxenunterricht zu erteilen. Glaubt ja nicht, dass dies ein Tändelei sei, das ist ernstes Studium. Manche von uns üben sich daliehen auch im Turnen, Schwimmen und anderen körperliehen Fertigkeiten, denn wir wollen in Allem unsern Mann stellen und-beweisen, dass ein orthodoxer Jude auf der Höhe der Zeit stehen kann, ja dass der Strengfromme allein es ist, der die verschiedenartigsten Seiten menschlieber Betätigung in seiner Person vereinigt. Allerdings, auf die Mensur* geht unsere Verbindung uicht, denn wir achten das Gel)0t״lhrs011tE11ch nicht verstümmeln“ und werden am allerwenigsten das menschliche Gesiebt, das Ebenbild Gottes, verunstalten oder verletzen. Nicht zu verwunden, sondern zu heilen, ist. unsere jüdische Aufgäbe.“ \ ״Aber das muss doch mutig sein,“ warf ein siebzehnjähriges Schwarzköpfchen ein, ״es muss herrlich .aus* I sehen, wenn zwei Herren so kühn gegen einander kämpfen“, i Da lachte Eduard: ״Ja, es ist wirklich schade, dass | du nicht auf dem Paukboden zugegen sein kannst. Da I wirst du alles sehen, nur nichts Schönes und Erhebendes. Die Herren des Mutes und der Kühnheit sind mit einem wattierten Sack bekleidet, den Kopf und das Gesicht bedeckt eine Art Maske, die Augen sind noch besonders durch, eine Drahtlmlle geschützt, und du nimmst nur wahr, wie eine Art plumper Gestalten in der Luft herum fuchtelt. Sieht nach allem andern, als nach Romantik aus.״