Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 3 u. 4 (März-April 1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 39 Die christliche Welt feiert ihn zar Erinnerung an den Todestag des Stifters am Sonntag, die mohammedaniscbe am Freitag, auch die ostasiatischen Völker werden ihn bald aufnehmen und ihn vieleicht am Montag feiern.. Er bleibt stets derselbe Sabbath von Moses und den Prppiieten auch in seiner Verkleidung. Seine Bedeutung liegt in der Tatsache der Weihe einer wöchentlichen Pause für Ruhe und innerliche Sammlung mit besonderer Betonung der Allgemeinheit dieser Institution der Freiheit. Ausdrücklich heißt es: ״Auf daß dein Sklave und deine Sklavin ebenso feiere wie du!“ Mit diesen Worten wurde der Gesetzgeber das prophetische Sprachrohr der Gesetzgebung vom Horeb für Israel, für die Menschheit, das Organ der göttlichen allgemeinen Gerechtigkeit^ ein Anwalt der Armen und Unterdrückten: ״Auf dass am Sabbathtage der Arme und Abhängige ebenso raste wie der Herr“. Wie gut kannte der Gesetzgeber die menschliche Natur, wenn er hinzufügt (Deuteron. V. 15): ״Dein Gold und deine Seide und deine Würden sind blos von gestern her. Ein Sklave warst du in Aegypten und ich der Ewige habe dich befreit; denke also daran, daß du nicht als Herr geboren und übe Recht «egen den Armen und Niedrigen; auch er soll am Sabbath aüsrufen: ״Heute bin auch ich frei, habe Teil an dem Glücke, das die Erholung und freies Atmen, Lebensfreude bietet im Kreise meiner Familie, meiner Freunde, bin I£ins mit meinem Gott e“. Langsam aber sicher verschaffen sich die vielseitigen Ziele und Absichten der mosaischen Institution der Sabbathruhe allgemeine Geltung. Seit dem Aufleben des demokratischen Gedankens nach den französischen, amerikanischen und andern westeuropäischen Revolutionen ist die Sabbathruhe als souveraines Mittel und willkommene Gelegenheit zur Selbsterziehung und geistigen Erhebung der arbeitenden Klassen erkannt worden. In der Zeit des Materialismus, des aufs äussersle angespannten Kampfes um den Mammon ist es wohl eine Hauptaufgabe der Institutiou des Sabbath, den einen Tag von den sieben der Woche für nicht materielle Belange zu retten. Sie gewährt die Müsse für seelische Befriedigung durch Gebet, geistige Erhebung und Erbauung, sei es durch Predigt oder Lektüre; auch die Muße für Kunst und Naturgenuss, für Wohlfahrtspflege in der Familie, Muße für eingehendere Beschäftigung mit den Kindern, den Freunden, den Gemeindeangelegenheiten, was alles in den Werktagen immer mehrjpefnachlässigungen erfahren muss. Nun zur prCktischen Seite der Frage: Unsere praktischen, ökonomischen Interessen leiden unter dem Sabbath, den vieleu doppelten Feiertagen, den zwei wöchentlichen Ruhetagen. Aber unsere Väter waren politisch und ökonomisch uoch weit schlechter daran und hielten trotzdem ihren Sabbath und ihre Feiertage. Sie waren der Armut durch den Boykott und die Verfehmnng der ganzen Woche verfallen, nicht durch ,.die Sabbathruhe. Man sage nicht, man müsse jetzt mehr als früher für die Bedürfnisse der Familie, der Kinder sorgen. Gerade die Kinder bedürfen des guten Beispiels von Ueberzeugung, Charakter und Prinzipien! בי לא על הלחם לבדו יחיה האדם Was sollen die Kinder von ihren Eltern denken, die in Missachtung der zehn Gebote die ganze Woche and an Sabbath und Festtagen arbeiten, sie aber zur Schale schicken, am dort zu lernen: ״Gedenke des Sabbaths, am ihn zu heiligen!“ Uns kommen Auch jene stillen Bestrebungen zu Hilfe, welche den Sabbath neben dem regulären Sonntag freizamachen trachten und zunächst in den Schulen, dann im Handel und teilweise in Landwirtschaft und Industrie, namentlich in den Gewerkschaften in diesem Sinne tätig 6ind. Die breiten gebildeten Massen der Christenheit •werden nicht umhin können, anzuerkennen, dass die Minorität, welche die Juden darstellen, ein Recht habe, beachtet zu werden, dass die Bibel und der Dekalog deutlich den siebenten Tag verlangen und nicht den Sonntag des alten Polytheismus. So ist der Sabbath nicht unwiederbringlich verloren. Er kann gar bald wieder ein gezetzlicher Feiertag werden, wenn fünf Tage Wochenarbeit für die körperlichen Bedürfnisse vorgesehen werden und zwei Tage den geistigen und moralischen überlassen bleiben. - Die grosse Bewegung für den Achtstundentag zeigt deutlich diesen Weg. Der Arbeiter ist heutzutage tatsächlich überarbeitet. Fünf Tage Arbeit und zwei Tage seelischer und geistiger Entwicklung gewidmet, wäre wohl eine Lösung des sozialen Problems, des Pauperismus wie der Arbeitslosigkeit. Wenn das geschieht, wozu sollen wir an unseren Prinzipen, unserer Geschichte, an unseren Vorfahren und der Menschheit Verrath üben? Wenn man bedenkt, das vor 1900 Jahren der Occident mit dem Christentum der Bibel der Hebräer und dem Dekaloge näherkam, vor 1200 Jahren der Orient der Mohammedaner, dass vor 400 Jahren der Protestantismus den nächsten Schritt dafür tat und heute die liberale Christenheit mit ibern reformatorischen TenzenTen kommt, ersieht man deutlich, dass die Menschheit fortschreitet, Vernunft und Recht am Marsche sind. Wir können uns den Liberalen dieser Welt anschliessen und werden dadurch stark werden,, dass wir unsere Pflicht erfüllen. Wir können unsere Lehre, den Monotheismus, unsere Fahne, den Sabbath nicht preisgeben, ohne unsere tausendjährige Mission für die Menschheit zu verraten. Bis diese Hilfe von Aussen, von dem yormarsch der liberalen Christenheit zu den zehn Geboten hin uns zu teil wird und uns den Mut gibt, den Sabbath der Religion vom Sinai in seiner Vollkommenheit wiedereinzuführen, behalten wir den Freitagabend und den Sabbath zu unserer Erbauung und feiern unsere Sibbathruhe im Heiligtume der Familie. Der jüdische Sabbath! Unter allen Religionsgemeinschaften, deren Anhänger. den einigeinzigen Gott als ״Schöpfer und Krhalter des Weltalls verehren, nimmt das Judentum die hervorragendste Stelle ein. Israel war es ja, welches der götzendienerischen Welt zuerst die erhabene Lehre vom einigeinzigen Gotte verkündete, die es a!11 Sinai durch Mose erhalten und die es, kraft seiner ,Aüserwähltheit als ,Priester-Gottes“ unter die .Menschen verbreiten sollte. Und zum Heile wurde. der Menschheit diese Gotteslehre. Von allen Geboten nun, die Israel der aufhorchenden Menschheit verkündete, mit denen das Judentum die Menschheit beglückte, ist keins so heilig und erhaben, birgt keins eine solche Fülle von Poesie und Glück- Seligkeit in sich, wie das Gebot von צט־־ה •צנה• der ,Sabbathheiligung“. Wohl haben andere Religionsgemeinschaften auch allwöchentlich wiederkehrende Ruhetage; aber alle sind nur dem Sabbath nachgeahmt, sind nur ein Abglanz des Sabbaths. Was unserm Volke Israel der Sabbath bedeutet, das hat es auf seiner jahrtausendelangen Wanderung erfahren, da hat es wahrlich die Not gelehrt. All’ seinem Leben und Treiben hat die Zeit, die Not und