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Der Sabbath · 1912-03-01 · 3 u. 4 (März-April 1912) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
12 (1912)
Issue
3 u. 4 (März-April 1912)
Date
1912-03-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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32 Der Sabbath,! r schwierigen Angelegenheit. Mit keiner Silbe dachte der Mann aber daran, für dieses eine Mal, wo doch seine ganze Existenz auf dem Spiele stand, und er und seine Familie nicht das Brot im Hause hatten, den Sabbath zu entweihen, sondern er fragte nur den Rabbi deshalb um Rat, weil er sich nicht getraute, das Geschäft seiner Familie wegen glatt auszuscblagen, und weil er nicht nur seiner^ Gotte, sondern auch seiner Familie gerecht werden wollte” Dem Rabbi gelang es durch seine weitreichenden Verbindungen auf telegraphischem Wege einen Aufschub der Lieferfrist zu erreichen und der Mann hat sich heute durch die kleine Summe, die* er damals verdiente, wieder zu einem ziemlich wohlhabenden Kaufmann heraufgearbeitet. Bei solchen Beispielen, schloss der Rabbi, die ich Ihnen noch hundertfach wiederholen könnte, braucht man um die .Tüdischkeit nicht zu verzweifeln, und auch ich ging beruhigt nach Hause, der Worte des Propheten gedenkend: ע־־ נה עש־־•ה ושנה ודדהה לנע־ :אלה ונאל־ן אש־• *7to 0F y 5imop Spira und sein Sohn. * Historische Erzählung. Von Alb. Em. Brachvogel. (Fortsetzung) Die Andrängenden Fanden Marcus Spira von Schweiss und Blut bedeckt inmitten seiner vordersten Fähnlein. Rings ächzte und wimmerte es. mancher Jude hatte ein verbunden’ Haupt und wundenbedeckten Leib, aber jauchzend hiessen Alle Collorado willkommen. Vor *den .,spanischen'Reitern“ sah es um so grauenhafter aus, als im Entsetzen der Nacht und nachdem Graf Königsmark eefallen war, die Schweden sich in voller Panik zurückgezogen und ihre Gefallenen auf der Brücke gelassen hatten. Sie bildeten einen entsetzlichen Anblick. Ihre Leichen hingen verzerrt Zwischen den eiseren Stacheln der . spanischen Reiter“, der Tod hatte hunderterlei Gestaltungen angenommen und vor der Verteidigungslinie einen Wall schwedischer Menschenleiber gebildet, welcher beim letzten Angriffe, dem Feinde selber zum FTndernis geworden war. .,Marcus“(rfief der Statthalter, dem Tapfern die Hand reichend, ,.Seine Majestät und die Einwohnerschaft dankt Euch ur.d Euren Freunden die Erhaltung der Stadt. Sagt, welche Gnade begehrt Ihr für Euch urfd die judensfhaft? Ehre und Ansehen will ich einsetzen, damit Euer •Lohn Eufch werde’“ MarcuS hatte Esther Katz wie seine Mutter sehr wohl gesehen, doch was auch in seinem Herzen nach den Stunden überstandener Angst jetzt vorging, er blieb äusserltch kalt und ein Soldat, Weichet sich‘seiner Aufgabe bewusst ist. ,.Wtr haben nicht um Lohn und Gnade gefochten, Herr Statthalter“ entgegnete er, ״sondem um der Gerechtigkeit Gottes und des Kaisers unseres Schutzberrn wegen, darum bitten wir auch um Nichts. Wir verlangen nur, Herr Graf,. dass Sie uns die Brücke und den Turm gegen den Feind halten lassen, so lange noch ein lebendiger Odem in meinem Leibe ist und ich .Sie nicht selber um Hülfe anschreie!“ ,.WackeriJude. du bist ein ander Gideon!“ rief Kinsky. ״Wenn, ich leben bleibe; will ich nach dem Frieden Euch israelitischen Leuten beweisen, dass ich Euer guter Freund bin!“ Er schüttelte Marcus die Hand■ ■ ..Hauptmann Spira,“ entgegnete der Statthalter, ״ich ernenne Euch nunmehr ausdrücklich und unwiderruflich zum Kommandany ten des Alt'tädter Turms und der Brücke! Niemand — selbst ich nicht, soll Euch in Euer gutes und kluges Tun hineinpfuschen. Habt Itjr viel L^ute verloren? ״Von Gtfth Schewas vier Söhnen* sind zwei gefallen, Herr, ' auch Schmul Udampas ist nicht mehr, und von Rebecca Löw’s Söhnen liegt Ara« auf den Toi. Auch drei Brüder Sincas von fün fen und den Herz Fischet nahm der Herr gu sich. Abgekriegt aber habe . wir fast Alle was Heran Weibel, die Ihr einmal da seid,“• wendete er sich zu den Frauen, ״steht und schreit jetzt nicht,! Meine eigene Mutter soll mich nicht eher segnen, als bis sie den Toten ihr Recht, den Verwundeten ihre Barmherzigkeit erzeigt hat!" Eben nahte Czernin mit dem Mediziner) der Universität, den .Betten der Mönche, und schweigend taten di^ Frauen ihre Pflicht, nur leise weinend und klagend, wenn sie einen ihrer Teuren ohne Leben fanden. Nachdem Marcus inzwischen i neue Streitkräfte in die vordere Linie postiert und damit das Wegbringen der Toten .und Wunden gegen einen plötzlichen Angriff stattete er Colloredo und Kinsky leisen Berl! des Odowalsky ab. Er erzählte, wie die Schweden ihn gezwungen hätten, zwei ihrer Offiziere zu dem Verräter zu bringen, und was ihn bewogen habe, zu schweigen und nur darauf zu sinnen, den Angriff auf die Ostseite der Stadt unmöglich; zu machen. Er habe durch Irel, seinen Diene׳, des Odowalsky alten Knecht Böbevie mittels Geld und Drohungen bestochen, damit derselbe den Irel vom Fortgange der Verräterei genau unterrichtete• Er habe somit Tag für Tag das Wachsen der Gefahr Nacht, als die Schweden wirklich angerückt der Laterne das letzte Zeichen gegeben und gesichert hatte, ercht über den Verrat erkannt. Gestern seien, habe Irel mit den Bobovie mit Hülfe Eli's herüber in des Sochesers Haus gebracht, wo er noch sitze und dem Statthalter seine Aussagen machen könne. ,Ich sehe, Marcus“, entgegnete Collorailo, ״Ihr konntet nichts Anderes bei unserem geringen Glauben an Eure Warnungen tun, als Ihr getan habt. Freilich ist die Kleinste zum Teufel, aber besser, als wäre es ganz Prag -Was denkt Ihr jetzt zu tun, Marcus?* ״Am besten ist’s, wir postiren vier bis! fünf Feldstücke hinter die spanischen Reiter, die die Brücke der Länge nach bestreichen. Kommen die Schweden dann heraus, ihre Tpdten zu bestatten, so werden die Kugeln noch ein paar Hundert; mehr zu ihnen legen. Angreifen werden wir Juden nicht, und jeder Tag ist gewonnen, den wir aushalten, aber hereinkommen zu uns feollen die Feinde auch nicht, es müsste denn das Neustädter Tor erst von todten luden so verstopft sein, wie die Brücke von Schweden. Dann können Sie aber noch immer mit Ihren christliche^! Soldaten, Herr Graf, Ihr Letztes und Bestes tun! Ha'ten Sie unterdessen nur die beiden Tore der Osteite und lassen Sie ’s Wasser scharf bewachen, denn wenn die Schweden nicht über die Brücke;können, werden sie’s auf andere Art versuchen.“ Collorado nickte. ״Schade, Marcus, dass Ihr kein Kaiserlicher Offizier seid und nur —“er stockte und wendete sich verlegen ab. ״Sondern nur ’n gemeiner Jude, wollen Sie sagen, Herr Graf! Nit ’s ist einmal so! ich denke aber, es ist augenblicklich für Prag besser, dass ich auf der Welt bin, wenn auch von israelitischen Eltern geboren, als wenn ich garnicht da war'! Lassen Sie uns nur die Feldschlangen heranbringen, wenn die Leute da mit den Verwundeten weg sind.“ Der Graf entfernte sich lächelnd mit Czernin. Marcus ging seinen Anordnungen zur weiteren Verteidigung nach, indes mit Hilfe der Frauen die Aerzte und Mönche die Brücke von den gefallenen und verwundeten Juden befreiten Als die Frauen im Begriff waren, den letzteren nach der Stadt zu folgen, trat Sara und hinter ihr Esther mit Täubchen zu Marcus heran. ״Sohn“, begann Sara bewegt, ״hast Du keinen Blick für Deine Mutter, die von unserem Gott gesegnet ist durch Dich?“ Er küsste ihre Stirn. ״Ich weiss, was in Dir vorgeht, Mutter, ich weiss es gewiss! Ich will Dein Heri jetzt nicht unüTDu sotist - auch meines nicht bewegen; es ist zum Weh und zur Lust, ist zur Bewegung im Gemüte hier keine Zeit! — — Als Dein Sohn lebe und als Dein Sohn sterbe ich, Du aber sollst Dich erachten als eine Mutter, die — keinen Sohn mehr hat, nachdem soviel unserer jüdischen Brüder gefallen sind! Glaube von mir und uns Allen hier, dass wir Rüstzeuge sind unseres Gotties, um zu schlagen den Bedränger und zu schützen die Stadt! Wer des Geistes teilhaft 1 ist und entflammt in ihm zum Werke, der frage nicht nach Vater

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