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Der Sabbath · 1912-03-01 · 3 u. 4 (März-April 1912) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
12 (1912)
Issue
3 u. 4 (März-April 1912)
Date
1912-03-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Der Sabbath. 33 und Mutter, Weib und Kind, sondern tue das Gebet dessen, der diese Nacht unsere Hände so wunderbar gelenkt hat!“ Sara machte schweigend das Segenszeichen über den Sohn wie alle Streiter, die leuchtenden Blickes ihn umstanden, dann wandte sie sich und ging. Esther Katz kreuzte die Arme über den Busen und trat gesenkten Hauptes todtenbleich an ihn heran. ״Marcus Spira*, sagte sie bebend, ״ich habe gesündigt! Ich weiss es jetzt, weiss es seit — gestern Morgen; vorher habe ich es nicht gewusst! Verzeihe mir!“ Der athletische Jude im Panzer reichte ihr wehmütig lächelnd die Hand. .Zwischen uns, Esther Katz, ist kein Schatten mehr. Ich habe Dir nichts zu verzeihen, ich habe Dir zu danken! Vielleicht hat der Herr in der Höhe gewollt, dass Du Nichts wissen, dass Du irren solltest, damit seine Weisheit, Herrlichkeit und Kraft offenbar werde an mir und uns, zu Aller Heil!“ ״Lasse mich bei Dir bleiben, Marcus, im Namen Gottes als Magd zu dienen Euch Allen!“ ״Esther, wir erkennen wohl Deine Guttat, hier aber ist nicht Raum für Dich. Weiber sollen uns so wenig schwach machen, wie sie es nach alter Sitte auch nicht sollen beim Gebet. Gieb den Wunden Deine Hülfe, wir lebenden Gesunden müssen allein vom Geiste geführt werden, der in uns ist!“ — Er winkte ihr zu, ernst und wie Einer, der über irdische Gedanken hinweg ist. ״Ich werde Dir gehorchen, Marcus! Der Herr Israels segne Dich und Deinen Geist, Deinen Muth und unser Volk, Er segne Dein Herz, das mir verzeiht!״ Sie* ging wankend hinweg, von Täubchen geführt, denn eben rasselten die Feldschlangen aus dem Tor und Alles war kriegerisches Leben und Erregung .... Den ferneren Kampf, welcher sich nach dieser ersten Ab- Weisung der Schweden entspann, im Einzelnen zu schildern, unterlassen wir und begnügen uns mit einem Ueberblick des allgemeinen Ganges desselben und der Mittel, durch welche die Alt- und Neu- Stadt Prag's es ermöglichte, sich über ein Vierteljahr gegen einen Feind zu halten, der Nichts unversucht liess, die Stadt zu bezwingen. Ohne Schwertstreich hatten die Schweden die Kleinseite weggenommen und bis an’s Ende der Sporergasse unterhalb des Hradschins besetzt. Diesen selbst zu überrumpeln, gelang ihnen jedoch eben so wenig, wie der Sturm auf die Brücke, denn General Clam-Martinitz mit der Besatzung, dem sich der gesamte Adel anschloss, machte es ihnen unmöglich, die steile Bergfeste zu , bewältigen. Dafür schwelgte der Feind in den Palästen der Klein- . Seite, und ihr noch im Schlafe gefangen genommener Kommandant General Wratislav, wie Graf Marzin mussten Angesichts ihrer beraubten und .verwüsteten Stammsitze es bitterlichst bereuen, die Warnungen des jüdischen Viehhändlers verlacht zu haben. Als der Morgen des 15. Juli angebrochen war und die Terrainverhältnisse besser überschauen fiess, wurde den Schweden klar, dass dem Alles dominirenden Hradschin selbst mit einem regelmässigen Bombardement nicht beizukommen sei und man sich begnügen müsse, ihn; isolirt zu halten. General Clam Martinitz konnte seinerseits aber i wiederum nichts tun, als jeden neuen Versuch eines Sturmes durch seine Wallgeschütze abweisen. Da sie sich von Seiten des Hradschin ziemlich ungefährdet wussten, begnügten die Schweden sfeh^ denselben zu beobachten um einem etwaigen Ausfall entgegenzutreten, wendenten dagegen ihre volle Aufmerksamkeit der Gewinnung der Alt- und Neustadt mit der fatalen Brücke zu. Die furchtbare Zurückweisung ihres nächtlichen Angriffs und die Verwundung ihres Generals hatte sie ganz raseng gemacht. Sie schworen, von der Alt und Neustadt solle kein Stein auf dem andern, kein lebendes Wesen verschont bleiben, sobald sie erst hinüber kämen. Das Hinüberkommen war aber eine schwierige Sache! Mittels direkten Angriffs war vorläufig nichts zu machen, und selbst ein Beschiessen der Alt- und Neustadt von dem Ufer der Kleinseite aus zeigte sich wegen der Breite des Stromes unwirksam. Da dasselbe niedriger als das jenseitige östliche lag, so schossen die Schweden entweder zu kurz und ins Wasser, oder zu hoch und vermochten nur einige Baulichkeiten am Uferrande zu beschädigen. Wurfgeschosse blieben gleichfalls ohne besondere Wirkung, da , kein Raum war, sie entsprechend zu postiren. Die Schweden stellten deshalb ihr Bombardement, wie jeden Angriff auf die Brücke ein, um mit List zu versuchen Was der Gewalt nicht gelang. Nachdem sie, um die Juden in ihrer Wachsamkeit zu ermatten, etliche Nächte hatten verstreichen lassen, sendeten sie nächtlich kleine Detachements Infanteristen aus, welche sich heranschleiclhen und den Leichenwall ihrer schwedischen Kameraden forträumen mussten. Marcus Spira bemerkte bald mit Besorgnis, dass sich die Schutzwehr auffallend vermindere und demnach ein Sturmangriff in umfangreichstem Masse sich wiederholen werde. Er liess die Brücke deshälb durch Fackeln beleuchten und auf.die schwedigen Abteilungen, deneo das schwere Geschäft oblag, die Leichen wegzuräumen, schiessen. Marcus konnte es verzögern, aber nicht hindern, ohne selbst eine Angriffsbewegung zu machen, welche aber ver*־ derblich gewesen wäre. (Fortsetzung folgt. Die Kraniche des’lbykus in neuer Bearbeitung, oder: — Ein Freitagabend imMekorGhajim. - 1 zu Frankfurt a M. Zum M’kaur Chajim, wo Freitag Abend . An Tee und Plätzchen sich erlabend Die jüd'sche Jugend froh vereint. Zog heut, so mancher Sabbathfreund, Der uns mit des Gesanges Gabe Durch S’miraus sabbathfreudig stimmt, — Krächzt auch manch einer wie ein Rabe, So keiner dies ihm übel nimmt. Schon winkt von ferne, welch Entzücken, Sein Duft er möcht uns fast bestricken, Der Tee in Gläsern uns gereicht — ßo manchem ist er zwar zu leicht! — Nichts regt, sich um uns her, da plötzlich Hebt jemand eine Rede an, . .־;• Und diese klingt so gar ergötzlich. Wenn er gut deutsch noch reden kann. ״Seid mir gegrüssfl befreund’te Schwären!י* — So fängt e£ an uns» zu belahren — . ■> ״Zum guten Zeiöhtn netyu' ich Euch, Mein Los, es ist dem Euren gleich; s: v 4 Von Hause komme ich gezogen. Zu-finden hier ein wirtlich Dach, Doch hab’ ich dem-noch vorgezogen, ' י-. Dies schön geräumige Gemach. ■. .< % i * . * . . Drüm!runter‘fördert’ ich die Schritte, * י;,; Und will Euch nun pach alter Sitte.» Verkünden manches schöne Wort, . Verwahrt in unserer Taurö Hort-i י• Wie Jakob sich zum Kanjpi« musst’ bereiten, J Zur Wehr erheben seine Hand, ין< Mit Esaus Genius zu‘ streiten,' ,'־ t -־־*' Des’ Kraft er siegreich überwand “ ־ ׳■' r ־ ׳ Was grad’ der Sidra Inhalt wäre,! ־ . , Das nützet er zu seiner Lehre. *' *. Wie weit er auctydie Stimme schickt, . ־ '» Man ist von seinem Wort entzückt Und hat geendet er dann wieder, Dann rauscht kein Beifallssturm hernieder; Einmütig ruft man ״(lascher Kauch’*, Wie dies ein sinnig alter Brauch.

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