Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 3 u. 4 (März-April 1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4874912-5428468-5428601--732-4875582- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Sabbath 47 auf BaDd 4 (Naturwissenschaft!. Hypothesen usw.) hingewiesen, als ein Buch, das vorzüglich geeignet ist, das דע מדי שתשיב לאפיקורס zu lehren, und deshalb namentlich der reiferen Schuljugend in die Hände gegeben werden sollte. Im Anschlüsse daran sei auch noch eiu Buch aus demselben Verlag für die allerjüngste Jugend genannt: Das Bilderbuch von Adele Sandler. Das Buch will jüdische Sitte und Gebräuche, jüdisches Empfinden in die Herzen der Kleinsten der Kleinen einpflanzen — mit Erfolg! Das Buch — das sei besonders daran gerühmt — hütet sich vor Einseitigkeit und scheut sich nicht auch Bilder aus dem nichtjüdischen Kinderleben vorzuführen, was ihm in gewissen Kreisen freilich nicht eben zum Lobe angerechnet werden wird. Dass die Verse nicht immer ganz künstlerisch — von den Lesern wird’s kaum einer merken; und das ist schliesslich die Hauptsache. E. B. Vermischte Nachrichten. 1 . Scbönlanke. Die Ferienordnang für Höhere Schalen für das Schuljahr 1912 bestimmt den 3. April als Beginn der Osterferien. Da dies der zweite Tag Pessach und insbesondere für auswärtige Schaler Befreiung vom Schulbesuch am Erew Pessach erforderlich ist, hat auf einen diesbezüglichen Antrag des hiesigen Kubbiners Dr. Bamberger das königliche Provinzial-Schulkollegiara in Posen den Direktor der hiesigen königlichen Realschule ermächtigt, auswärtigen Schülern aaf schriftlichen Antrag der Eltern schon am Montag, den 1. April, die Heimreise zu ermöglichen. Die Verfügung ist keine generelle, sondern nur eine spezielle für Schönlanke. Es ist deshalb Sache der Rabbiner resp. Gemeindevorsteher, einen darauf bezüglieben Antrag sobald als möglich bei dem betreffenden echalcolJegium der Provinz za stellen. «\♦/» X7Z. ז Erwiderung. In dem in der vorigen Kammer Ihres geseb. Blattts wiedergegebenen ״Protokoll des Delegierientagcs des Bundes gesetzestreuer jüdischer Jagendvereine‘ findet sich folgender mich betreffender Passus*): ,,Plessner rügt die scharfe Ausdrucks weise des Vorredners und wünscht Kritik innerhalb der Grenzen parlamentarischen An- Standes.‘ Im allgemeinen gilt es bekanntlich als selbstverständlich, persönliche Bemerkungen,; j wie die in Frage stehende, welche für die Beurteilung der Materie durchaus unerheblich sind und das lesende Pablikam nicht interessieren, in den Berichten nicht zu verewigen. Nachdem jedoch in diesem Falle anders vcifabren wurde, \sehe ich mich zu folgender kurzen Entgegnung genötigt. Allerdings war ich gezwungen an der Tätigkeit des Bundes- Präsidiums scharfe Kritik za üben, blich jedoch dumit m. E. durchaus im Rahmen parlamentarischen Verhaltens. Eine genügende sachliehe Widerlegung wurde mir nicht zu Teil, doch versuchte der Vorsitzende dieses Manco durch sehr verletzende Bemerkungen personlicher Natur, wie die oben wiedergegebene za ersetzen. Ich sah mich hierdurch veranlasst, meine Mandate niederzulegen und wurde nur später durch die Bereitwilligkeit des Vorsitzenden seine Worte znrückzanebmen, bestimmt, an den Verhandlungen weiter teilznnehmen. Ich hoffe und wünsche, dass die weitere TätigkeP des Präsidi ums eine ebenso intensive, wie erspriessliche sein w .d, sodass die Möglichkeit zu derartigen persönlichen Garambolagen entfällt, Jacob Levy, \ Durch ein Verleben zum Hitabdruck gelangt. Ein Sabbath in der Sommerfrische. Vortrag, gehalten in der Ortsgruppe des V. d. S. zu Berlin von MoritzPosen. Meine Damen und Herren! Die kleine Geschichte," die ich Ihnen jetzt erzählen will, ist beinahe wahr. Ich könnte ja sagen, sie ist ganz wahr, aber erstens wurden!Sie nur dies ja doch nicht glauben uud zweitens will ich nicht lügen. Wenn ich aber sage, die Geschichte ist beinahe wahr, so ist dies nicht gelogen, denn die Personen, die darin vorkoiumeu, existieren wirklich, freilich unter anderem Namen, und die Gedanken, die sie .aussprechen, existieren auch wirklich, nur sind sie nicht alle an dem einen betreö'enden Tage ausgesprochen worden. Um Irrtumer zu vermeiden, möchte iclp aber gleich im־־Voraus bemerken, dass es sich durchaus nicht um einen Schlüsselroman handelt, und ״dass deshalb, wenn jemand _der verehrten Anwesenden, vielleicht in dem Herrn Meyer, oder Herrn Weyl einen bekannten oder verwandten Herrn wieder zu erkennen glaubt, dies sicherlich eiu Irrtum ist, denn es ist daun, ganz bestimmt der andere Herr Meyer oder Herr Weyl, der nicht mit Ihnen bekannt oder verwandt ist. Es war also an einem Sabbath in der Sommerfrische, an einem jener glühend heissen Tage, die uns der vergangeue tropische Sommer des Jahres lllll etwas zu reichlich beschert hatte. Ich verliess gerade die kleine Synagoge des kleinen Platzes, in welcher uns ein alter, im Amte ergrauter Kultusbeamter den Thoraabschnitt zwar sehr korrekt, aber in einem näselnden, langweiligen Tonfall vorgelesen batte, der wohl auch den Anstoss dazu gab, dass sich an diesem Orte der Jlinliag herausgebildet hatte, dass die meisten Ortjangesessenen die Synagoge nach der■ Mussafkeduschoh verllessen. Wir Kurgäste blieben natürlich •bis zum Schluss, weil wir dies von der Großstadt nicht anders gewöhnt waren, wenn auch die Luft in dem kleinen Kaum nicht gerade kühl, und die Aussicht auf den Heimweg durch die Sonnenglut nicht gerade sehr verlockend war. Ich hatte?u diesem Heimweg schon mehr Lust, im Hinblick auf deu naben Buchenwald, der mit seiner erfrischenden Kühle und seiner wunderbaren ozonreichen Luit mir bald Ersatz für die überstandene Hitze geben sollte. Mit raschen Schritten strebte ich seinem kühlenden Schatten zu und hatte nach einer knappen Stuude eine der schönen Bänke erreicht, mit denen der Kurvereiu deu Wald reichlich versehen hat. Mit einem befriedigten Aufatmen liess ich mich, nieder und sah einem niedlichen Buchlinkchen zu, das sich von Zweig zu Zweig flatternd sein Frühstück suchte und dabei sein Liedchen plitf. Von der nahen Wiese tönte das Tiriliren einer aufsteigenden Lerche herüber und Star und Drossel Hessen ihre munteren Weisen ertönen, sodäss der ganze Wald von Gesang und Gezwitscher erfüllt war. Im Stillen bedauerteich, nicht die b ähigkeit des Königs Salomo zu haben, der die Sprache der Vögel verstanden ^aben soll. Sie hätten mir vielleicht damals schou verraten können, wie die Maroeco-Affäre, die alle Gemüter erregte, ausging, und wie die Kurse am nächsten Montag von Amerika kommen werden. Ich verscheuchte aber diesen unsabbathlicheu Gedanken, und gab mich ganz der beruhigenden Wirkung des schattigen Waldes hin. Die grünen Blätter der alten Buchen wogten im leisen Winde auf und nieder. Einige kleine Sonnentlecke drangen durch das dichte Blättermeer und erhöhten durch den Gegensatz noch die kühlende Wirkung des tiefen Schattens.