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Der Sabbath · 1912-03-01 · 3 u. 4 (März-April 1912) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
12 (1912)
Issue
3 u. 4 (März-April 1912)
Date
1912-03-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Der Sabbath. 26 Zur Sonntagsruhe-Gesetzgebung. Unter den Vorlagen, die dem neugewählten Reichstag demnächst zugehen werden, befindet sich, wie aus den Tageszeitungen ersichtlich, auch eine Novelle zur Gewerbe- Ordnung, die die Gesetzgebung hinsichtlich der Sonntags* ruhe neu zu regeln bestimmt ist. Der jetzt ausgearbeitete Entwurf unterscheidet sich wesentlich, und zwar in einer für die sabbathtreuen Juden hocherfreulichen Weise von dem ursprünglich im Reichsamt des Innern ausgearbeiteten Vorentwurf. Wie unsere -Leser aus der erschöpfenden! Berichterstattung, die wir damals dieser Angelegenheit widmeten, wissen, sah der ursprüngliche Entwurf die obligatorische, völlige Sonntagsruhe als die Norm an und wollte die, überdies sehr verkürzte Sonntagsarbeit nur als Ausnahme, die von den nacbgeordneten Stellen zu beschliessen oder zu versagen sein sollte, angesehen wissen. Der jetzige Entwurf zeigt ein anderes Gesicht. Er unterscheidet zwischen offenen Verkaufsstellen und Betrieben ohne solche, Kontore, Bureaus u. s. w. Für die letzteren bestimmt der Entwurf, dass die höhere Verwaltungsbehörde resp. die Communalbehörde eine Beschäftigungsdauer bis höchstens zwei Stunden zulasseu darf. Als Höchstmass der Sonntagsarbeit in offenen Verkaufsstellen setzt der Entwurf drei Stunden fest; doch kann für Orte, die auf die Landbevölkerung aus der Umgebung als Kundschaft angewiesen sind, das Höchstmass auf vier Stunden erweitert werden. Von besonderer Wichtigkeit ist aber die Bestimmung des § 4, wonach in Hetrieben, die am Sabbath und an jüdischen Feiertagen gänzlich ruhen, Angestellte jüdischen Glaubens an SonnundFesttagen bis zur Höchstdauer von fünf Stunden beschäftigt werden dürfen, vorausgesetzt, dass die Geschäftsräume für den allgemeinen Verkehr geschlossen bleiben. Dieser Erfolg ist vor Allem der rührigen, aufklärenden Tätigkeit, welche die ,Freie Vereinigung für die! Interessen des orthodoxen Judentums“ in dieser Hinsicht bei der Centralstelle und den Staatsbehörden der einzelnen Bundesstaaten entfaltet hat, zu danken. Mit Dank sei aber auch die in gleicher Richtung sich bewegende Tätigkeit des ״Verbandes־der deutschen Juden“ verzeichnet. Der ״Verband der Sabbath freunde“ aber darf für sich die Anerkennung in Anspruch. nehmen, dass er zuerst die Initiative zu dieser Tätigkeit nach allen Seiten hin gegeben und viele Kreise, die zunächst einem Vorgehen dieser Art mehr als skeptisch gegenüberstanden, zum Glauben an die Möglichkeit eines Erfolges erst erzogen hat. Und auch seine Stellungnahme für die Interessen des Detailhandeis, die zuerst so heftig bekämpft und getadelt wurde, hat sich schliesslich als die richtige herausgestellt und ist in dem jetzigen Entwurf zur vollen Anerkennung gelangt. Zu wünschen bleibt nur, dass die unseren Wünschen so entgegenkommende Haltung der Reichsregierung ihr Placet durch den Reichstag finden möge!. *"4 _ . 's Literarisches. -l Dem Körper Ruhe, dem Geiste Erholung — das ist das Segensgeschenk, das der Sabbath den jüdischen Häusern bringt Die körperliche Ruhe ist leicht erworben, wenn die Hand von werktätiger Arbeit feiert und ledig aller Pflicht frohem Lebensgenuss sich hingiebt. Schwerer ist ן der עוג; דגשש zu gewinnen; und doch bezeichnet in höherem j Maße als die körperliche Rahe gerade diese Seite der \ Sabbathheiligung die besondere Eigenschaft des jüdischen Sabbaths, welche ihn heraushebt aus allen ähnlichen Einrichtungen anderer Bekenntnisse und Nationen. Nur wenige Begnadete verfügen über eine genügend grosse, aus Jahrzehnte umspannendem Studium der Thora gewonnene Samine inneren Erlebnisses, das es ihnen ermögliebt, ohne Anregung von aussen her, aus ureigenem Besitz sich jene gehobene Seelenstimmung zu eröffnen, die dem jüdischen Sabbath erst seine rechte Weihe giebt. Wir Anderen müssen erst immer wieder an jedem Sabbath mit den äusseren Einflüssen ringen, die unser Seelenleben in den Bann des gewohnten Werktäglichen und in den Sturm und Drang des Daseinkampfes hineinzuzieben tätig am Werke sind, und müssen erst wieder jene Athmosphäre seelischer und geistiger Ausgeglichenheit in uns ergänzen, die die Voraussetzung der מנוחת שלום ושלוה ist Wie aber könnte diese Abkehr vom Alltag, diese Erhebung in die Sphäre des Heiligen besser, anders erzielt werden, als dadurch, dass man den Geist durch Anregung seiner Kräfte und Hinweis seiner Energie auf die Beschäftigung mit dem Geistesgut des Judentums aus dem Bereich jener feindlichen Mächte entführt lind in die Zelle der Thora geleitet? Darum — ist es schon Pflicht jedes Tages einen Teil seiner Zeit dem Thoralernen zur Verfügung zu stellen, so doppelt und dreifach am Sabbath. Nur dass leider, unter den Schäden unserer Zeit gerade die Unwissenheit auf dem Thoragebiete der grösste und verbreiteste ist und nur Allzuviele der Möglichkeit ermangeln ihren Wunsch nach Kenntnis der Thora sich zu erfüllen. Diesen Kreisen Nahrung des Geistes zu bieten ist die ״Binliothek des Jüdischen Volksfreundes“, herausgegeben von Rabb. Dr. Wolf-Cöln bestimmt und ganz vorzüglich geeignet. Die Bibliothek erscheint in monatliehen Liefeiungen in Stärke von acht Grossoktavseiten und kostet im Abonnement pro Jahr nur eine Mark. Auch können die abgeschlossenen Serien, geheftet und brochürt, zu einem sehr billigen Preise bezogen werden. An solchen Serien liegen bis jetzt vor: Band I, Die Vorschriften für die Trauerzeit vom Herausgeber; Band II, Die Vorschriften für die Mahlzeit von Rabb. Josua Schill- Pressburg; Band IV, Die Sprüche Salomos (Kap. 1—9). Im Erscheinen ist Band III, Die Speisegesetze vom Herausgeber. Die Anschaffung und — Lektüre dieser Werke sei daher wärmster.s; anempfohlen. (Zu beziehen vom Herausgeber Cöln a. Rh. Hohenstaufenring 14.) Gleichen Zielen strebt die von dem Jüdischen Volks- Schriftenverlag G. m. b. II. Frankfurt a M. heransgegebene ״Jüdische Volks'büclierei* und die damit verbundene ״Guggenheim-Bibliothek“ zu. Erschie- 11 en sind bisher: Band I, Sabbathstimmungen von Arth. Kahn; Band 2, Kinderträume von Herrn. Schwab (Bildet Bd. 1 der Guggenheim-Bibliothek). Band 3, Ein Tag aus dem Leben eines Juden von Judäus; Band 4, Naturwissenschaftliche Hypothesen im Lichte des Jndentums von Prof. Fink (Band 2 der Guggenheim-Bibliothek); Band 5, Skizzen aus Littauen von S. Schachnowitz; Band 6 und 7, Daheim und Draussen, ein Geschichtenbüchlein von Max Speier; Band 8, Feierstunden (Gedichte zum Vortragen); Band 9 und Baad 10, Jüdische Helden (Hillel, Akiba von Dr. J. Weigl, Rabbi Jehuda Hannasi, Raw von demselben); Band 11, Rabbi Akiba Eger, eine volkstümliche Biographie von Rabb. Dr. Wreschner und Band 12, Aus Israels Wanderungen. Bilder aus der jüdischen. Uescbicbte von B. Stern. Diese Uebersicht zeigt, da§s diese Volksbücherei die verschiedensten Wissensgebiete in Angriff nimmt und sich so bemüht, jedem etwas zu bringen. Ohne den Wert der anderen zurücksetzen zu wdllen, sei aber noch besonders

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