Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 3 u. 4 (März-April 1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 21 direct auf das fast besetzte Coupö, sieht auf die Nummerntafei und richtig, er batte den Platz am Fenster bestellt. Nu, Sie Reisemarschall, sagte Herr N., haben Sie das Bicbt gesehen? Das ist doch hier שבות הנד und dahin sind alle Hoffnungen für ein gesetzestreues Coupö. Wo werden wir nu unsere Claus’ aufschlagen? Das sind curae posteriores sagte beruhigend der Reisemarschall, Herr G. Ich bin blos froh, dass Sie auch da sind, Herr L. ’n Zustand hat Ihr Telefon, wild kann nfan dabei werden. Guten Morgen, meine Herren, liier sitzen Sie doch alle, ich komme schon heute aus Posen. Scbolem Aleichcm, Herr D., kommen Sie als Delegierte!? Ja, sowohl zum Sabbath-Verband wie auch zu dem Moria. Zum Verband komme ich aber erst später. Herrn Oberrabbiner möchte ich gerne hören. Dann müssen Sie Punkt 11 23 > ._> Minute da sein, sagte Herr N. Ist denn Biberfeld nicht da? Nein, der kann erst Nachmittag dort sein. Das ist sehr schade. Ja, uns tut es auch allen sehr leid. — Nu, wer wird eröffnen und präsidieren? Wie ich höre, Herr Lazarus. Cbein, wie kommt der dazu? Schon miess, ich geh’ erst zu dem Moria. Wo kann man aber hier doch dawnen? Das sii.d curae posteriores, sagte wieder das. Aus- Schussmitglied. Wen vertreten Sie eigentlich? fragte Herr W. Rawi'sch, Posen und Pinne. Unberufen haben Sie auf sich geladen! Wie machen Sie das eigentlich bei einer Abstimmung, wenn Sie einen Antrag für Posen gut und für Pinne fälsch halten. Wie stimmen Sie da? Selbstverständlich für Annahme, was für Posen gut ist, ist doch für Pinne schon lange gut. Nu, und umgekehrt? Was fragen Sie erst: Was für Posen nichts taugt, ist doch überhaupt nichts wert. Für wieviel Seelen haben Sie denn im Ganzen die Verantwortung übernommen? Unberufen für 185, man kommt sich orden׳ lieh gewaltig vor, geht Ihnen das nicht auch so? Nun nein ne! Auf Wiedersehen nachher. Der Delegierte aus Posen, Itawitsch, Pinne ging in sein Nebencoupö, wo noch einige Moriasten kampfesmutig zusammen sassen. Wir werden doch froh sein, wenn die Sache ohne Biberfeld gut abläuty, fing das Ausschussmitglied wieder an und Alles stimmt fihtii bei. Nach dem Brief, den Sie bekommen haben, muss doch die Sache sehr feierlich enden. Wenn wir uns nur nicht zu sehr in Aeusserlichkeiten verlieren, in Hamburg i»t man doch seinecklich äusserlieh. Ich habe deshalb auch meinen Frack mit. Meine Frau hat mir nur den Smoking eingepackt. tue sind doch so nachdenklich, Herr L. Ja, ich denke über den Antrag Berlin nach und bin im Zweifel, ob ich gleichzeitig als Delegierter von Ostrowö dafür stimmen kann, Ostrowo bat davon garnebts. Machen Sie sich doch nicht meschugge, stimmen Sie für Berlin ja und für Ostrowo nein. Dann werden mich doch aber die Herren von Ostrowo zur Verantwortung ziehen. 1 Nu, lassen Sie sie ziehen! Rabbaussaj Sman Krias Schmäh schel SchacharisU“ So erschien in seiner ganzen Fülle in der Coupölür Herr D. Delegierter für Posen, Rawitsch und Pinne. Ein Coupe 2tcr will er uns nicht geben, aber sein Dienstcoupd können wir haben. Das ist doch schon gut“! Die Rollen wurden verteilt und in Trupps von drei und drei wurde der D. Zug durchwandert und jeder schritt mit seinem Päckchen beladen, zum Gottesdienst ins Dienstcoupö. Inzwischen war es Tag geworden, Hamburg rückte immer räher und die Erwartung wurde grösser. Schon beim Passieren der Vororte sah man viele Leute im Cylinder an der Bahn und auf den Strassen und alle wurden für Teilnehmer am Delegiertentage gehalten, überhaupt schien den doppelt und dreifachen Delegierten ganz Hamburg sabbathfreundlich (es war ja der erste Weihnachtstag) gestimmt zu sein. Am Bahnhof wurden die Herren von einigen Herren des Vorstandes der Ortsgruppe; Hamburg nach den Hotels geleitet und dann dem prachtvollen Curio-Haus, in dem die Versammlungen und Beratungen stattfinden sollten, zugeführt. Hier war bereits eine stattliche, wirklich sabbathfreundlich gestimmte Menge versammelt und harrte gleichfalls erwartungsvoll, was der Verband der Sabbathfreunde leiste, was die Redner reden, und was die Delegierten beraten werden. Ziemlich pünktlich wurden die Herren vom Vorstand auf grossen Umwegen durch einen kolossalen Saal und einige Hintertreppen auf das Podium geführt, von dem herab man auf die erwartungsvolle Menge, in der sich mancher interessante und prachtvolle Kopf befand, sah. Mit einem vornehmen, altjüdischem Cborgesang ward die Feier eingeleitet und dadurch sofort eine feierliche Stimmung hervorgezaubert, dann folgte Rede auf Rede, eine immer geist- und reizvoller als die andere und es war erstaunlich zu hören, wie verschieden der gleiche Stoff' von jedem der Redner gepackt und behandelt wurde, und man merkte an dem immer stärker werdenden Beifall, wie das geweckte Interesse sich zur Begeisterung steigerte. Es zeigte sich die Lösung des Problems, dass die arrangirten Aeusserlichkeiten das vorhandene Interresse nach aussen zum Ausdruck brachten und dadurch eine begeisterte und begeisternde Stimmung für die ganze Tagung geschaffen war. Hamburg hat sich mit seiner Grosszügigkeit als die trefflichste Arrangeurin bewährt. Denn alle beteiligten Kreise spendeten dem Lokal-Oomitd ungeteiltes Lob, indem sie sich selbst innerlich gehoben fühlten. Der Veibai d der Sabbathfreunde war durch diese Tagung aus seinem inneren Rahmen heraus an die breito Oeffentlichkeil, getreten und alle Arbeiter am Werk haben erkennen ' können, dass ihre Arbeit nicht nur eine allgemeine Befriedigung, sondern geradezu eine Begeisterung für die heilige Sache hervorgerufen hatte. So verliefen auch die Beratungen harmonisch und mancher Gedankenaustausch ward zum Stein für den weiteren Ausbau des Verbandes der Sabbathfreunde und seiner vielseitigen Tätigkeit. Noch kui z vor Schluss der Sitzungen, erst am zweiten Tage Vormittags hielt Herr Dr. Rothschild aus-Halberstadt sein Referat über ,der Sabbath als Erziehungsmittel“. Es war dieses Referat eine Abhandlung über Pädagogik, diese Pädagogik zeugt von tiefernster Religiosität und in dieser Religiosität bildet der Sabbath die Krone, und in diesem Sabbath liegt das Heilmittel der inneren Befriedigung uud Zufriedenheit, da-s der heutigen Generation so vollkommen fehlt und ohne unseren heiligen Sabbath auch vollkommen fehlen wird. Eine Stimme der überzeugten Anerkennung und e i n Bedauern, dass dieses