Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 3 u. 4 (März-April 1912)
- Date
- 1912-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Der Sabbath. Referat nicht vor dem ersten grossen Forum gehalten ־war, war die allgemein lobende Kritik über diesen Teil der Delegiertentagung.! Zum Schluss derselben fand man noch Gelegenheit zu einer persönlichen Annäherung durch die arrangierte Hafenrundfahrt mit daran anschliessender Besichtigung ei!je8 der schönsten Schnelldampfer der H. A. L., der ,,Augusta Viktoria*. Wenn auch diese Veranstaltung nicht eigentlich mit dem Sabbathtage und der Sabbatbidee in Verbindung stand, so bewunderten doch alle Teilnehmer diese ungeheuren Schöpfungen des Menscbengeistes und der Menschenhände. Herrliche Schöpfungen aber nur. von Menschen für Menschen, und deshalb bei aller Vollkommenheit mit allen Fehlern, die eben menschlichen Schöpfungen anhaften, denn wo prägt sich die Unrast und die Unruhe des heutigen Menschen, wo das geschäftliche Jagen und Treiben nach irdischem Erwerb, wo die Gegensätze von dem Kleinen und Winzigen und dem Grossen, gewaltigen mehr aus, als im Hafen von Hamburg an einem Wochentag und in so einem grossen Schnelldampfer. In letzterem fällt besonders für den fühlenden Menschen und gar für den empfindenden Juden die Klasseneinteilung des Menschengeschlechts auf. I. Caj., 2. Caj., 3. Caj, Zwischendeck. Wer mehr hat, wer besser zahlt, der hebt sich heraus von seinem Mitmenschen, der ist zunächst der lieber Gpsewne. dem werden, alle Segnungen der menschlichen Behaglichkeit z^Teil. wer aber wenig oder garniebts hat, dgj• wrd zwar auch noch des Fortschritts -der schnelleren Bef&Mkrurg :eiliaftig. aber er muss sich mit dem Notwendii'St-' Lizer. Licht und Luft begnügen. Merkwürd:z;cv-i dass in dem Raum des Zwischendecks alle Auf^rn'•«:״ die für das Publikum bestimmt sind, t]|Wz ösl vf-rs'biederen Sprachen auch in hebräischen L^terr. 2eoruckr stehen, also hier rechnet man mit den armen Jaden, man braucht ihn hier zum Füllobjekt für 4ie grossen -Dampfer, man kann ihn garnicht entbehren, denn sonst würden diese grossen Dampfer sich nicht rentiereD. Hier wird er auch koscher verpflegt und so sehen wir in einem Schnelldampfer zusamraengedrängt die ganze Geschichle des heutigen Menschengeschlechts. Jagd nach Reichtnm, Reichtum, schafft Bequemlichkeit "und Luxus. Reiche, Bemittelte und Arme, eingeteilt in verschiedene Menschenklassen, und dennoch kann der Reiche den Armen nicht entbehren, er braucht ihn zu: seinem eigenen Vorwärtskommen und Vorwärtsstreben. Bei den Reichen ist von Religion nicht viel zu sehen, selbst wenn sie sie innerlich noch empfinden, soll man nichts davon merken, bei den Armen aber ist die heilige Sprache Umgangssprache, ihre Religion ist ihr Leben, und das gibt ihnen die Behaglichkeit, vor allem aber die wahre innere Zufriedenheit ihres Lebens. Bei diesen Betrachtungen finden wir auch den inneren Zusammenhang dieses Ausflugs zur Sabbatbidee, die uns nach Hamburg geführt. Hier lag die Erläuterung zum Sabbatbpsalm, in dem sonst kein Wort vom Sabbath steht. Wie gross sind Deine Werke, 0 Gott, wie sehr tief Deine Gedanken? Der Dumme erkeftnt nicht und der* Thor sieht solches nicht ein. Wenn die Freyler aufblühen wie Gras und alle Uebeltäter aufspriessen, dann wollen sie sie (Deine Werke) verderben auf ewig. Du aber, 0 Gott, bist ewig erhaben. Denn, siehe Deine Feinde geben unter, es zerstreuen sieb alle Deine Feinde. Also wie in der grossen Welt, zeigt sich’s in der kleinen jüdis’chen Welt. Die Reichen, die eraporspriessen, "glauben den Sabbath (ein Werk Gottes) vernichten zu können, aber Gott u4d auch seine Werke bleiben ewiglich. Mit solchen Gedanken erfüllt, traten wir die Heimreise an, anders als wir gekommen waren, sowohl in anderen Gruppen als auch mit anderen Gedanken und Empfindungen fanden wir uns in der Bahn wieder. Alle erfüllt von dem Erlebten freuten wir uns auf die Stunden des Gedankenaustausches, auf die Heimreise. Im Speisewagen sassen wir zu zweien eifrig vertieft in einige rmn-Erklärungen, als ein bekannter Herr und auch seiner Gesinnung nach eigentlich Genosse dazu kam. Ach, guten Tag, wie kommen Sie denn hierher? Vom Delegiertentag in Hamburg. Waren Sie denn nicht auch da? Nein, ich wusste ja garnichts davon, ich war bei meiner kranken Schwester. Aber ganz Hamburg, besonders die fromme Kille war doch dort, urd auf dem Banket. Es war grossartig, wundervoll und erfolgreich. Nun, sagen Sie, Sie wissen, ich bin ein Mann der Praxis, was kommt eigentlich von Ihrem Verbände heraüs? Hat er denn schon praktische Erfolge erzielt? Nicht blos einige, sondern sogar .viele. Aber warum die Frage? Sie wollen doch eigentlich sagen, Ihr habt bisher .mit Eurer vielen Arbeit noch nichts praktisches erreicht, wozu werbet Ihr also immer weiter und weiter? Ich will das nicht sagen, aber ich möchte mich gern eingehender informieren über Ihre Leistungen. Nun, so hören Sie! Ist je vor Gründung des Verbandes der Sahbathfreunde ein Mann aufgetreten, der ein Referat gehalten hat, wie das. welches wir heute von Herrn Dr. R. gehört haben? dieser Mann ist in seinen Arbeiten doch wohl erst ein Produkt des Verbandes der Sahbathfreunde; hat nicht die Verzweiflung, dass unser Sabbath verloren ist, Schon etwas nachgelassen, weil er auch heute noch, trotz allem Ansturm von draussen, in aller Welt von Männern der Praxis, als das unveräusserliehe Gut des Judentums hinausgerufen wird. Sind nicht vom Verband der Sabbalhfreunde die Peab’s in Deutschland gegründet worden, die heute mindestens 50 000 Mark Löhne und Gehälter pro Jahr an ungelernte Arbeiter zahlen, ohne dass diese den Sabbath entweihen? Ist nicht die Herausgäbe der Sabbathvorschriften durch unseren Vorsitzenden, Herrn Dr. Biberfeld ein Produkt seiner Tätigkeit für den V. d. S.? Aber haben Sie nicht seihst die Segnungen des Verbandes erfahren, indem wir Ihnen die Gesetzgebung betreffs Befreiung eines Kindes vom Schreiben am Sabbath zustellten? Wer war vorher da, der diese Materie sammelte? Sie haben Recht, ich hatte von alledem fast nichts gewusst. Und warum nicht? Weil Sie sich, obgleich Sie Ihrer ganzen Gesinnung nach eigentlich dazu verpflichtet wären, uns nöch nicht angeschlosson haben, und deshalb auch unsere Schriften, Sabbath ,etc. nicht erhalten. Ja, es ist traurig, dass selbst solche Männer wie Sie abseits stehen bleiben, weil sie glauben, es kann hier nichts geleistet werden, und dabei könnte noch viel mehr geleistet werden, wenn nur alle unsere Gesetzestreuen zu uns gehören würden. Bitte melden Sie mich zum Mitglied au und schicken Sie mir Ihre Schliffen zu. Spandau! Es wird Zeit, dass wir uns trennen, wir müssen uns zurecht machen. Auf Wiedersehen in Berlin als Mitglied hei der nächsten Versammlung. Zwei, die wir zusammen abgereist, fahren noch in Berlin bis fast an unsere Wohnung zusammen. Hier erwarteten uns Weib und Kind mit strahlenden Gesichtern, eine Krönung unserer Tätigkeit für die Sabbathheiligung.