Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 1 u. 2 (Januar-Februar 1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 13 Schabbos eine Grosstat zu nennen und sein Wirken von Segen geklönt, 80 war doch das technische Verfahren mangelhaft. Die Bewerber mussten auf oben geschilderte Weise 8 ehr erhebliche Mühe aufwenden, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Die Chefs wurden mit Offerten überschüttet, dann durch per.-öulichc Empfehlungen von Bekannten und Verwandten des Bewerbers überlaufen, ohne dass es ihnen möglich gewesen war, in Rübe das passende Bewerbermaterial auszusnehen. Diese Mängel veranlassen im Jahre 1S!12 einige Hamburger junge Leute, eine Stellenvermittlung auf anderer Basis ins Leben zu rufen. Als Muster wurde das Verfahren genommen, welches sich seit einigen Jahren bei den grossen nichtjüdischen Verbänden bewährt hatte. Es wird folgcndcrmassen gchandhabt: die Bewerber füllen ein Formular aus, welches ihre genauen Personalien, die bisher innc gehabten Stellungen, ihre Kenntnisse, ihre YVfiusche etc. enthält, und reichen solche nebst einer Anzahl nach Vorschrift abgcfassten Bewerbungsschreiben und ev 1. Zeugnisabschriften ,dem Vereine ein. Hier laufen auch sämmtfiche Vakanzen zusammen, in denen - die Chefs auch ihre Wünsche betr. des zu engagierenden Personals bekannt geben. Dann wird von geübtem, dafür sachverständigem Personal aus den vorliegenden Bewerbern eine Ausgabi getroffen und die am passendsten erscheinenden durch Vorlage ihrer Bcwer-’ bungsschreiben den Chefs empfohlen. Diese suchen sich dann aus dem nicht zu grossen vorgesichteten Material mit Leich'igkeit das ihren Wünschen entsprechende heraus, und dann beginct der direkte Verkehr zwischen Chef und Bewerber, welcher, da doch meistens die Vorbedingung der Vakanz ziemlich gegeben sind, schnell zu einem Ziele führt. Auf Wunsch übernimmt der Verein die Vorunrerbandlungcn oder stellt dom Prinzipal nettes inzwischen eingelaufencs Material zur Verfügung, falls nichts brauchbares unter der erst״n Auswahl vorhanden war. Die Vorteile dieses Verfahrens sind in die Augen fallend. Zunächst die strengste Wahrung der Discretion beiderseitig : Sehr häutig ist es den Chefs erwünscht, dass die bei ihnen vorhandene Vakanz nicht vorzeitig bekannt wird, noch öfter aber ist es den Be- Werbern erwünscht — die sich vielleicht noch in ungekiindigter Stellung befinden, — von ihrem Stellungsgesuch nichts in die Oeffeutliebkeit dringen’ zu lassen. Wenn nun ein junger Mann sich auf Annoncen meldet, vielleicht noch auf ('hitfreannoncen oder seihst Offerten in die Welt hinausschickt, weiss er nie, an wen sein Gesuch gelangt, und woher es plötzlich all und jeder weiss. dass er seinen Posten wechseln will Die Vereine dagegen bewahren absolutes Stillschweigen, und besondere Wünsche der Bewerber, wohin ihre Schreiben nicht gesandt werden sollen, werden stets berücksichtigt. Ein weiteres Moment ist die Ersparung einer ungeheuren Arbeitslast für die Bewerber, das unausgesetzte Anfertigon von BewcrbuDgsschreiben verursacht viel-Mühe, Zeitverlust und ist schliesslich auch mit nicht unerheblichen Kosten verknüpft. Bei der Vereinstätigkeit genügen 4—6 Bewerbungsschreiben, um bei einer 4—5fachcn Anzahl von Vakanzen zur Vorlage zu gelangen. Schliesslich ist es für dje Chefs der grosse Vorzug der Vereinstätigkeit, dass sie in Buhe — ohne mit hunderten bei ihnen cinlaufenden Bewerbungen und persönlichen Vorstellungen Rücksicht nehmen und Antwort geben zu müssen, ihre Auswahl treffen können. Alle diese Vorzüge und noch einige mehr haben den diversen betreffenden uichtjüdischen Vereinen einen bedeutenden Aufschwung gegeben und •ihre Tätigkeit unentbehrlich gemacht, was allgemein anerkannt ist. Die Vereine geben dann ausserdem noch hin und wieder öffentliche Vakanzenlisten herau», und zwar von den offenen Stellen, für welche keine passenden Bewerbungen Vorgelegen haben oder die passend erschienenen abgelehnt siud. Es sollen hierdurch also neue Bewerber zunächst für bestimmte Vakanzen herangezogen werden. Melden sich nun solche, dann wird ihnen nicht etwa die Vakanz namhaft gemacht, sondern ihre ordnungsgemäss eingerichtete Bewerbungsschreiben werden stets den Chefs vorgelegt und denselben die Wahl überlassen. Dieses durchaus bewährte Verfahren hat, wie erwähnt, der Israel. Stullenvermittlungsverein zu Hamburg angenommen und uach ihm sämtliche später gegründete jüdischen Vereine, die sich mit Stellenvermittlung befassen und welche nunmehr in der I Israel. Stelleavermittlungs-Centrale vereinigt sind. Letztere hat nur ihre Vakanzenliste etwas weiter i aasgebaut, indem nicht nur die Vakanzen darin veröffentlicht werden, 1 für die keine Bewerber vorhanden sind, sondern es werden samtliehe bislang noch unerledigten Vakanzen^ bekannt gemacht. Die; Angaben sind ans Gründen d e ין Diskretion ganz unbestimmt gehalten und dieneD! dazu auf das reiche Ma- 1 turial hinzuweisen. Es befinden sieb darunter natürlich eine . Anzahl Vakanzen, für die passende Bewerber fehlen — ist es doch Tatsache, dass eine grosse Anzahl guter Stellen nicht besetzt werden können, weil passendes, gut vorgebildetes Bewerbt material fehlt — für die meisten augekündigten Vakanzen aber sind bereits Vorschläge ׳ gemacht, resp. Un'erhandhingen angeknfipfr. Es ist also kaum ' nötig, wenn ein bereits bei der Zentrale gemeldete Beweiber meint, dass eine bestimmte Vakanz besonders für ihn passe, dass ihm dies die Centrale mitteilo, denn *ist er wirklich passend, dann wird er sicher schon vorgeschlagcn sein; wohl aber sollen Stellensuche n!i c, die sich bislang nicht bei der Centrale gerne ld c t waren, sich an diese wenden und um die Vermittlung ersuchen; wie vorher erörtert, kann diese nun nicht so geschehen, dass dem Bewerber nun einfach der Name dev Vakanz m'i t g e t e i 11 wird Das ist nun und nimmer . angängig. Der Bewerber soll vielmehr die ihm zugehenden Papiere ausgefertigt mit dem Bewerbungsschreiben einreichen,, dann wird er nicht unr bei dem ihm passend erscheinenden, sondern auch bei vielen anderen^. besonders auch bei den täglich ciulaufendeii neuen, noch nicht veröffentlichten Vakanzen, vorgeschlagcn. Von diesem Gesichtspunkt aus EetrachUt haben die Wunsche der Ortsgruppen, dass׳ ihnen—regelmässig die : Vakanzenlisten der Centrale zi^gtsnndt yrerde, cur problematische Bedeutung. Dennoch hat die Centrale sieh CLtscbkssen, diesen ' Wünschen naclznkommen nnd die Vakanzenlisten allmonatlich den Ortsgruppen zugängig z.t machen. Diese Zusendung ist aber nur im Sinne der obigen Ausführungen gedacht: es ist also Pflicht der Ortsgruppen, die sich bei ihnen anmeldenden Bewerber so- ן fort mit den nötigen Formularen^ zu versehen. Solche stellt j ihnen die Centrale in jeder gewünschten Anzahl zur Verfügung, um sie zur direkten Bewerbung nach Frankfurt zu veranlassen. Das Gleiche soll auch mit allen bekannt werdenden Vakanzen ge• sebtben, soweit solche nicht zufällig direkt besetzt werden können. Je mehr sieh Angebot und NacLfiagc in einem Punkt zentralisiert, desto grösser der Erfolg der Stellenvermittlungs-Centrale, desto mehr Besetzungen kann sie bewirken. *Und jede besetzte Stelle bedeutet_ ■ die Erhaltung eines jungen Mannes für unsern Schabbos, bedeutet! Cinen Sieg unserer SchablosidX‘, bedeutet eine Tat für unser Juden- I tum, eine Kräftigung und Stärkung aus Verbandes der Sabhathfreundc. Mögen alle, die es augeht, nachj£*aftcu daran mitwiiken. * * — * Zu dem vorstehenden Artikel schreibt uns die Centrale für Stellenvermittelung Folgendes: 1. Dass die Vakanzenliste künftig nicht mehr im ״Sabbath“ veröff-ntlieht werd-n solle, ist niemals beschlossen und auch weder im ״Israelit* noch sonstwo behauptet worden. Der lle־cbluss der Stelleuvermittlungszentrale geht nämlich dahin, neben der regclmassigen Veröffentlichung der Vacanzen)i<te im ״Sabbath“ Abzüge davon allmonatlich den Vorständen der Ortsgruppen des ״Verhairds der Sabbathfrcundc“ zu übersenden. [ 2. Wenn ni^kt bestritten werden >0B, -d.ss die Stellenvcrniittlungszentrale zuweilen Bewerbungen an s lchen Stellen in Verlage .bringen mag, die den Wünschen der Bewerbs r nicht entsprech-n, so ist doch die Möglichkeit eines-derartigen Irrtums: weit geringer, als die Wahrscheinlichkeit v< n Miss Verständnis, en, de : beim' Hcraussuchtn von VaeanzcuJ nach den allgemein gehaltenen j Angaben der Vacauzenliste den Bewerbern selbst unterlaufen würden. I Es ist im übrigen Sache der Bewerber; das g ro s s e.Formular, das | von der Zentrale sehr genau studiert wird, mit solcher Ausfuhri liehkeit anszufülleu, dass die Wünsche des Bewirbers unzweideutig j und mit voller Klatheit daraus ersichtlich sind.