Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- 1 u. 2 (Januar-Februar 1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Der Sabbath. Eine ganz ähnliche Erscheinung mit nnserm Sabbatb. Je mehr die Sonntagsruhe gepflegt und gefordert wird, desto schwieriger werden die Existenzbedingungen der sabbathhaltenden Juden und in dieser Periode setzt die Gründungldes Verbandes der Sabbatbfreunde ein, ersucht zu retten, «ras zu retten ist, und neu zu beleben, was halb erstarrt sehen ist. Hätten nicht so viele unserer Brüder den Sabbatu •preisgegeben, die Not wäre heut nicht so gross* , t : ■ ' 1 Der •«־eitere Entwicklungsgang Josefs zeigt uns, wie er durch?Wijne ihm von Gott gegebene Klugheit ein Retter seinem Vtmrhause geworden, aber seinen Brüdern immer ein Fremdftftgebljeben war, vor dem sie dauernd in Angst und Furcläflebten. In tjanem Stadium befinden wir uns jetzt, denn schon winÄH von ferne die Anzeichen, dass die erweiterte Sonntags*« verbunden mit grösserer socialer Fürsorge zurürkgreätt auf den vorhergehenden Wochentag, sodass allmähliches Geschäftsleben der Sonnabend kein Arbeitsfasr mohr/SPn wird und unser Sabbat leichter wieder in >oiue alteiu Hechte eingesetzt werden kann, aber vorläufig müssen’«־!fr'noch auf der Wacht sein! Wie^'aber Josef rach seinem Tode nur bei seinen Brüdern s'ejn wollte, und ihnen, als die Pharaonen ihn längst vergessen hatten, ein Wegweiser durch die Wüste ward׳•, in jler seine irdischen Reste neben den Gesetzes- •afeln \1)!i{n getragen wurden, so möge auch für uns in!:״r Zukunft die Aussicht winken, dass durch die gleichzeitigt• Pflege von Verstand und Gemüt unser heiliger SaM ith wieder von allen unsern Brüdern als unser Buideszoichen mit Gott erkannt und gepflegt wird. Mögen unsere Beratungen hier in der freien Stadt Hamburg dieses unser Ideal um ein gutes Stück fördern. י: Das walte Gott! entflossen, darüber, dass es erst dieses Wiederfindens bedurfte. So sehr es mich freut in Ihnen, meine Herren, meine Brüder wiederzufinden, Männer, die es als ihre heiligste Aufgabe betrachten, dabin zu streben und zu wirken, dass die Sabbathheiligung in den Herzen befestigt werde, damit der Schabbos wieder in seine alten Rechte eingesetzt werde, so traurig stimmt es mich, wenn ich daran denke, dass es notwendig geworden ist zur Sabbathheiligung erst aUe Kreise aufzurufen. Mit Betrübnis erfüllt es mich zu sehen, dass der religiöse Abfall so grosse Dimensionen angenommen hat und wir leider von einer grossen Zahl unserer Brüder sagen müssen: Sie wissen nicht mehr להבדיל ב*ן קדש לחול, einen Unterschied zwischen Heiligem und Unheiligem zu machen. Für solche Gefühle hat die Sprache keine Worte! Wo die Empfindungsströme so reich fliessen, da ist das Wort zu arm, wo das Herz so laut pocht, da versagt die Kraft der Zunte. So schliesse ich alles, was mich in diesem weihevollen Momente bewegt, alle meine Segnungen und Wünsche für Ihre Vereinigung und Ihre Arbeiten in den alten Wunsch; יהי רצון שיזיזי ביאתבש לברך דד. לשלוש! Zur Ehre Gottes und zum Heile des Judentums!“ Ihm schloss sich Herr Hermann Gumpertz- Hamburg mit folgenden Worten an : ,Namens!des Vorstandes der Ortsgruppe Hamburg des Verbandes der Sabbatbfreunde ist mir der ehrenvolle Auftrag geworden, Sie, meine Herren Delegierten, die Sie von Nah und Fern hierhergekommen sind, um das heilige Werk, das Ihnen so sehr am Herzen liegt, zu fördern, auf das Herzlichste zu beerüssen und willkommen zu heißen. So rufe ich Ihnen denn zu שלום שלוש לרהק ולקרב, Hierau^beirrüsste Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner S pi t / r r - Hamburg die Versammlung mit folgender Ansprache; .Im tarnen des Vorstandes unseres Synagogenverbandes, apwie in meinem Namen begrüsse ich Sie, die Sie hierbenrekommen sind, um die Befestigung der Sabbatb-!!»•iligüng zürn Gegenstände Ihrer Beratungen zu machen. Es sind gemischte Gefühle, mit denen ich Ihnen diesen unseren •Villkommensgruss zurufe, es beschleichen mich Gefühle, wie sie Josef bewegten, als er sich seinen Brüdern vorstellte: •ן אה ק•־1• :״־,—'. Er erhob seine Stimme und weinte, erst dann spricht er zu ihnen: Ich bin Josef, Ein* Bruder, den Ihr nach Mizraim verkauft habt. Wie hocherfreut er auch gewesen sein mochte, seine Brüder wieder^ntinden, sie wieder als Brüder anreden zu dürfen, so muss es andererseits bedrückend und betrübend auf ihn eingewirkt haben, dass es überhaupt notwendig geworden ,war. sich seinen Brüdern vorzustellen, sie wiederzufirden. Wie traurig musste es ihn stimmen, wenn er sich vergegenwärtigte, welche Vorbedingungen, welche ־ Umstände dieses Zusammentreffen berbeigefiihrt hatten. Freude und Schmerz, Wonne und Wehmut mit einem Worte anszudriieken vermag die Sprache nicht. Die Sprache hat kein Wort, cm so entgegengesetzte Empfindungen in einem Ausdrucke zusammenzufassen, aber es giebt noch ein anderes Ausdrucksmittel für das menschliche Gefühl, ausser Mer Sprache giebt es noch ein anderes Merkmal, durch das der Mensch von den übrigen Geschöpfen unterschieden ist — und das sind die Tränen. Tränen bedeuten Schmerz und bedeuten auch Freude. Seine aus Wonpe und Wehmut gemischten Gefühle vermochte Josef nich^t «Inders auszudrücken, als durch seine Zähren. Es waren .JreH^entränen über das Wiederfinden seiner Brüder, es waren alter auch Schmerzenszäbren, die seinen Augen die Sie hergekommen sind, um tätig einzugreifen in der Frage der Sabbathheiligung, die unser aller Herzen bewegt. Wenn es nur wenige Worte sein können, die ich Ihnen widme, ־so wird die Kürze die Herzlichkeit nicht beeinträchtigen. Sie sind ja nicht hergekommen, um schöne Worte zu hören oder zu sprechen, sondern um Taten auszuführen, die uns unserem Ziele näherbringen. Unser geistiger Führer hat es bereits ausgesprochen, welche Gefühle uns bewegen, das Gefühl der Freude und das des Schmerzes Aber in der Geschichte des Judentums war es immer so, wir blicken nicht auf eine frohe, aber auf eine arbeitsreiche Vergangenheit zurück, und wie unsere Väter allezeit ihre besten Kräfte freudig dem Woble des Judentums geopfert haben, so wollen wir uns als würdige Söhne unserer Väter־ erweisen und für den Schabbos, der die Grundsäule des Judentums bildet, eintreten und streiten. Wir wollen moderne Juden sein in dem Sinne, dass wir nicht die göttlichen Mizwaus nach den Verhältnissen ändern, sondere wir wollen die Verhältnisse zu erkennen suchen, um dabin zu wirken, dass unsere Mizwaus so gestaltet werden, wie sie uns am Sinai übergeben worden sind. Mit Trauer muss es uns gewiss erfüllen, wenn wir sehen, wie durch den Abfall in unseren jüdischen Kreisen gerade die Arbeit für den Sabbath erschwert wird, während sie um vieltes erleichtert wäre, wenn alle unsere Brüder mit uns für imt eintreten und uns helfen würden. So wollen wir es unsV zur Aufgabe machen, die entfernt Stehenden für den י Schabbos zu begeistern, damit sie mit uns für ihn arbeiten. Es ist ein tragisches Geschick, dass gerade das Volk, von dem aus die Sabbathidee in die übrigen Völker gedrungen ist, durch die Einführung des Ruhetages bei ihnen von den Nackenschlägen getroffen wird, die heute ein durch den Sabbatbgedanken angeregtes Gesetz uns bereitet. Darum aber gerade müssen wir mit aller Ener- 1 i 4