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Der Sabbath · 1911-09-01 · 9 10 u. 11 (Sept, Okt., Nov. 1911) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
11 (1911)
Issue
9 10 u. 11 (Sept, Okt., Nov. 1911)
Date
1911-09-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der Sabbath 49 die Veranstaltung, von Lese- und Lernabenden für die im Geschäft tätige Jngend am Freitagabend an. Der Vorsitzende bezweifelt die Notwendigkeit nnd Rentablität solcher Abende, während die Herren Lippstadt und Stern diese Notwendigkeit betonen. Der Vorstand verf pricht, die Angelegenheit im Ange zu behalten nnd eventnell nach dem Kongreß darant zorfickzakommen. Nach der Genehmignng des Geschäftsnnd Kassenberichts worden die Statutengemäss ansscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren A. Anerbach, H. Gnmpertz nnd Cäsar Kleve durch Zuruf als MitgUeder des Vorstandes wiedergewählt. Ostrowo. Am 22. Oktober fand hier in dem Saale der Egerloge eine Versammlung der hiesigen Ortsgruppe des ״Verbandes der Sabbathfreunde* statt. Als Redner war Herr Dr. de Haas-Posen erschienen. Nachdem der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Nenhans die Versammlung eröffnet nnd die Anwesenden begrttsst hatte, erteilte er dem Vortragenden das Wort zu seinem Referat: ״Die gegenwärtige Lage der Jnden in Deutschland*. In ansfährlichen, fast einstttndigen Darlegungen entwickelte der Redner, ausgehend von den ersten Reformbestrebungen, wie zuerst der fälschlich konstruierte Gegensatz von Judentum und Bildung Unzählige von der sorgsamen Beobachtung des Religionsgesetzes entfremdet und dadurch jene erschreckend grossen, indifferenten Massen in unseren Grossstädten hervorgebracht habe, die allem Jüdischen in kalter Gleichgültigkeit gegenüberstehen. An Erscheinungen der jüngsten Zeit sei deutlich zu erkennen, dass der Verlust der väterlichen Traditionen und in Folge dessen jener beklagenswerte Mangel an Idealismus die Jndenheit, vor allem die deutsche, in ihrer Existenz bedrohe. Gerade der Sabbath sei wegen der Fülle der religiösen Wahrheiten, deren Träger er ist, ferner wegen der Opferfähigkeit, die er bei seinen Beobachtnngen voraussetzen muss, im höchsten Grade geeignet, jenen Idealismus, wo er vorhanden, zu pflegen und zu erhalten, und wo er erloschen, anfs Neue anzufachen, jenen Idealismus, ohne den sich eine Minorität, wie die unsrige, gegen die gewaltige Ueberzabl der Andern, gegen die Anfechtungen unserer Tage nicht behaupten könne. Mit der Mahnung an die Anwesenden, alle auf die Heilighaltung des Sabbaths gerichteten Bestrebungen nachhaltig zn fördern, schloss der Redner, dessen Ausführungen von den zahlreich erschienenen Hörern mit reichem Beifall aufgenommen wurden. Mit Dankesworten an den Vortragenden schloss der Vorsitzende die Ver- Sammlung. Würzburg, im Oktober. Bekanntlich beginnt das neue Schuljahr in Bayern am 18. September. Die Aufnahmeprüfungen werden in der Regel ein bis zwei Tage vorher abgehalteu. Der 18. September war in diesem Jahre ein Montag. Am Sonntag ist natürlich keine Prüfung. Mit Rücksicht auf die jüdischen Schüler hat man nun auch den Samstag freigelassen und die Aufnahmeprüfung auf den 14. und 15. September, also auf Donnerstag nnd Freitag verlegt. Amsterdam, im Oktober. Vor einigen Wochen wurde hier die neue Diamantenbörse eröffnet. Nahezu sämtliche l.'lOfl Mitglieder der Börse sind Juden, in deren Händen die Diamantenindnstrie sowie der Handel mit Diamanten liegt. Interessant ist, dass die Börse, sowie das Post und Tclegraphenamt, das sich in dem Börsengebäude befindet, am Samstag und an den jüdischen Feiertagen geschlossen bleibt. Das erste Telegramm, das von diesem Amte ausging, war ein Huldigungstelegramm an die Königin. 5imon Spira und sein Sohn. Historische Erzählung. Von Alb. Em. Brachvogel. (Fortsetzung. In der Stadt hatte es eben elf Uhr nachts geschlagen, als das Licht am jenseitigen Ufer des Weinbergs wieder erschien, sich über dem Wasser dann rasch fortbewegte, in der Mitte der Moldau eine heftige, hin und her schwankende Bewegung machte und plötzlich mit einem Sjrunge verlöschte. Markus, der sich in der Mitte der Brücke befand, erhob seine Hände zum Himmel. | ״Die Schweden sind dal Herr, Herr, halte über uns Deine Hände!״! Damit riss er ein Piket aus seinem Ledergehänge und schoss es ab. Kaum verhallte der Knall, als auf dent Altstädterturm eine Fackel entzündet wurde. Rabbi Simon hielt sie hoch über seinem weissen Haupte, ihre dunkle Glut beleuchtete! das metallene Feld- Zeichen der luden, und am Nachhimmel erglänzte glühend im Wiederschein jetzt der sechseckige Stern. Zu gleicher Zeit ward’s auch auf der Brücke lebendig, und Markus Spira eilte sein Schwert ziehend, an die Spitze seiner Genossen. ״Die spanischen Reiter vor, dann dahinter gelegt!‘• rief er. Im Nu wurden links und rechts von den Geländern die ״spanischen Reiter“ quer über die Brücke geschoben und die Enden der vordersten in einander gestossen, durch einen dritten ״Reiter“ verzahnt, so dass sie einen undurchdringlichen Wall'bildeten, hinter welchem zuerst die Spiesser Posto fassten, die ihre Lanzen zwischen die eisernen Stacheln der ״Reiter“ einlegten, wobei sie niederknieten und den Lanzenschaft gegen den Fuss stemmten, während die folgender Glieder sich zum Schuss zurecht machten. Hierauf wurde es ruhig auf der Brücke. Pochenden Herzens lauschte jeder, was sich drüben begebe. Nun tönte jenseits Tosen und verworrenes Geschrei! Trommeten rasselten, Hörner erklangen! Jetzt gingen zwei — drei Gebäude in Flammen auf, und die Glocken begannen drüben rückwärts zu läuten! — Grossmeister von Sternberg, welcher zu seinem Entsetzen sah, wie Markus nur zu wahr geredet hatte!, und dass die Klein- Seite auf ihren schwächsten Punkten beim Weingarten Odowalsky's überrumpelt worden war, liess zur allgemeinen Alarmirung eines seiner Stücke lösen und eilte in die Altstadt zu Colloredo. Nie war der friedliche Schlaf der Stadt schreckenhafter unterbtochen worden! Während sich die Gewappneten und! Bürger unter Czernin und Kinsky hastig sammelten, die bewaffneten Studenten von allen Seiten nach ihrer Aula stürzten und die! Glocken gellten, eilte Statthalter Colloredo in schrecklichster Ar^st mit Sternberg nach der steinernen Brücke, an deren Besitz Iden Schweden ja Alles iegen musste. ' Als er daselbst anlangte, geschah j der erste Angriff des Feindes■ I Die Kriege unserer Tage haben gezeigt, dass der Israelit ein ganz eben so guter Kriegsmann ist, wie; jeder andere. Damals hatte man. indes hiervon keine Ahnung, und der Jude “galt als von Hause aus feige. Des Grafen Colloredo erste S^rge “musste mithin sein, so viel christliche Streiter nach dem bedrohten Turm zu ziehen, als ihm in der Eile möglich war. Er fand denselben und die ganze Umgebung des'Tores wie die Kreuzherrengasse und den Brückenplatz aber bereits von fanatisch erregten jüdischen Männern besetzt, die nach dem Kampf verlangten. Der Graf musste ihnen ihre Stellung lassen und stellte seine eignen Leute vorläufig zur Nachhut und Deckung auf. Mit Mühe nur gelangte er selbst in das Tor und auf die Brücke, welche er jetzt von ״spanischen Reitern“ wirklich umgangbar gemacht fand, in deren Zwischenräumen die israelitischen Fähnlein zu seinem grenzenlosen Staunen den Angriff kecken Mutes erwarteten. Gleichgültig geht Niemand in den Kampf. Auch ist es sehr möglich, dass die jüdischen Verteidiger Prag’s angesichts so naher blutiger Todesnot besonderes Zagen überkam. Eben so gewiss aber ist, dass das reizbarere jüdische Naturell, einmal entflammt in zähem Willen andere Volksrassen übjerragte und eine Kraft in ihm ganz besonders dann zu Tage tritt, (die Kraft — zu leiden. Der schwedische General KönjgSmark wusste sehr wohldass Prag einen Ueberfall gewärtige. In der Hoffnung, die Verteidiger einzuschläfern, hatte er denselben bis auf den denkbar äussersten Termin verschoben, welchen die fortschreitenden Friedens- Verhandlungen für einen wirksamen Angriff noch zuliessen. Die f

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