Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 9 10 u. 11 (Sept, Okt., Nov. 1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Sabbath. 47 giaht dies nicht ein, nämlich: Dass — wenn die nnr dem Gennas huldigenden Verächter des Gottesgesetzes in Wohlstand erblühen and, die Gewalttat fiben, rasch Jwie^Gras aafschiessen — dies nar gesc ebt, damit sie der * Ver- Dichtung am so sicherer anheim! Ilen; denn ewiglich werden Zachtand Bechtslosigkeitsich g genseitig aafreiben müssen. Ein Staatswesen and eine Vo sgemeinschaft müssen sie za Grande richten. Da, in den Höhen bleibst für immer der ansichtbare Leiter der Welt, Deine Feinde aber, Ewiger, gehen elend za Grande. Es werden sich trennen and den eigenen Halt verlieren, die ihre Macht missbrauchen and den Schwächeren nicht achten. Da erhobst reemgleich mein Sieg-Horn — and ich überlebe sie immer noch, weil ich mich in ewig frischer Lebensweihe dank der sittlichen Kraft göttlichen Beistandes verjünge. Da mein Auge jenes gesehen, so vernimmt mein Ohr, so oft neae Feinde gegen mich aufstehen, wie Spbärengesang: dass der Gerechte fracbttragend wie die Dattelpalme aafblüht und wie die Ceder des Libanon zur Höhe strebt; wie junge Sprösslinge fürsorglich gepfropft im Gottestempel, aus dem sie ihre Nahrung, Kraft und Stärke ziehen, reichen Zweige weit hinaus über die Mauern enger Gotteshäuser and zeitigen erst draussen in den Vorhöfen — wo sich ihr ganzes bürgerhches Leben abspielt — die herrlichsten Früchte, während das Gotteshaus die Centrale bleibt, die den Kraftstrom für das draussen — im Leben zu verbreitende Licht spendet. Bis ins Greisenalter hinein tragen sie Früchte, bleiben kraftvoll und jugendfriscb, um zu verkünden, dass die Wege der göttlichen Waltung gerade sind nnd nicht das geringste Unrecht in sich bergen. Der Strom der Begeisterung hatte sich gelegt. Nur einige Stimmen hallten noch nach. Zwar kannten Sie, lieber Freund, noch nicht den tief ethisch-religiösen Inhalt des 92. Psalms, des Hochgesangs auf den Sabbathtag, als die Krone der Weltschöpfung, den Inbegriff alles Lebensglückes, das wir Gott huldigend durch 248tttndige Arbeitseinstellung zu Füssen legen, um es aus seiner Hand erneut za empfangen; — aber Sie empfanden die Weihe, die Heiligkeit, die sich auf die kleine Gemeinde der Sabbathfeieruden, in der Sie sich befanden, herniedergesenkt hatte, am diese emporzuheben in die Regionen höchster Glückseligkeit. Und Ihr ahnendes Gefühl verdichtete sich zur Erkenntnis. Da schilderten Sie mir den tiefen Eindruck, den diese Feier auf Ihr Gemüt gemacht. Wie Sie den ganzen Abend in Zufriedenheit und voll Seelenruhe verbracht und — wollen jetzt gerne mehr von diesen Heileswahrheiten, in denen Sie Ihr eigenes Lebensglück gefunden za haben glauben, erfahren, wollen wissen, warum Ihnen das Judentum, dessen Bekenner Sie bisher waren, eine Befriedigung der Seele nicht geboten, sondern ein offenbar anderes Judentum, dem Sie jetzt angehören wollen, das Sie mit diesem für Ihre fernere Lebensgestaltang so folgeschweren Freitag-Abend-Gottesdienste kennen gelernt. Gern will ich es versuchen, mein lieber Freund, Ihnen einige Ausschnitte aas dem Judentum, in dessen Hafen Sie steuern wollen, zu geben. Auch werde ich Ihrem Wunsche entsprechend nicht verfehlen, Ihnen die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Judentum, zu dem Sie sich fortan zählen wollen and dem inhaltlosen neologen, dem fälschlich ,liberal* genannten Judentum, dessen Bekenner Sie bisher gewesen, vor Augen za führen. Folgen Sie mir. Treten Sie mit mir ein in das tägliche Leben eines gesetzestreu-traditionellen Juden — und dann entscheiden Sie selbst, ob Sie sich die Mühe nehmen wollen, die Quellen, aas denen sein Judentum ewiges Leben und nie verblühende Jagen!frische geschöpft, die heilige Thora — ihre schriftliche nnd mündliche Ueberlieferung fa studieren*. Sprechsaal! Sehr geehrter Herr Re dak'te u r! Als Mitglied unseres hiesigen Lernvereins habe ich die ״Sabbathvorschriften“ des Herrn Dr. E. Biberfeld unentgeltlich erhalten und seit ich das Buch besitze, bildet es am שכת meine ständige Lektüre. Noch nie ist mir der Vollinbalt der Sabbatgesetzgebung so klar geworden und noch nie habe ich mit solcher Genauigkeit die Sabbathgebote erfüllt, als seit ich diesen Wegweiser in Händen habe. Leider sind mir die Quellen- Schriften unserer Religion wenig zugänglich. In der Jugend erhielt ich nur das notwendigste praktische jüdische Wissen durch unsern Lehrer, der sich redlich mit mir abmühte, und jetzt, seit meinem löten Lebensjahre im Geschäftsleben stehend, gelingt es mir nur schwer, in der kärglichen freien Zeit, mich im Jüdischen so zu bilden, dass ich selbständig in die Schriften der Väter eindringen kann. Der Kampf ums Brot ist schwer und der Gedanke schon an ihn drückt nieder. Da ist ein solches Buch in den Feierstunden wie eine Oase in der Wüste. Man erbält erst eine Ahnung von der Grösse des Judentums, wenn man die Quelle kennen lernt, aus denen sie entspringen, und wie wäre es unsereinem möglich, je bis zu diesen Quellen.vorzudringen, wenu uns nicht in dieser Schrift^der-^eWussel zur sonst verschlossenen Pforte gereicht würde. Und dennoch, trotz der Erkenntnis von der Bedeutung dieses Werkes, trotz der Anerkennung für die edlen Männer, die ihr Geld dafür geopfert haben, dass dieses Buch seinen Zweck erfüllt und in Kreise dringt, wo es eine Lücke ausfüllt, trotzdem — —1־-— — Doch warum soll ich meine jüdische Eigentümlich-, keit verleugnen, wir sind ja doch nun einmal in unserem geistigen Streben unersättlich, also nicht trotzdem, sondern in Anerkennung dieser Grosstaten, j möchte ich noch zu Grösserem, den ״Verband der Sabb&thfreunde“, seine kapitalkräftigen Mitglieder und vor allem seine geistigen Mitstreber aufrufen. Mit kurzen Worten möchte i<jh auf die ״Sabbath- Vorschriften“ hindeuten und allen ^s vernehmlich sagen: vollbracht — bedeufür die Gesamtheit! Sehet, Ihr habt ein schönes Werk tungsvoll an sich, segenspendend Lasset es aber nicht dabei bewenddn, denket, das so nur Armut unter der jünals dass hier ein der Anfang sein, denn die geistige geren Generation ist viel zu gro^s, Stillstand möglich wäre Ueberdenket einmal, wie der Mittelpunkt unseres sabbathlichen Lebens heute in vielm Kreisen seine Wir kung verfehlt — ich meine die V 0 r 1 e~8 u n g aus der Thora. Klopfen wir jungen Leu.e uns auf die Brust und gestehen wir es unumwunden: Wem ist das Thorabuch so im Geiste offen, dass keines seiner Blätter, keiner seiner Sätze ihm fremd und unverständlich erscheint? Und dieses unser grösstes Erbe auk der grossen Verganheit, es soll doch einer kommenaen Generation unverfälscht überantwortet werden. Und gar erst die Bücher der nachmosaischen Zeit, wie wenig wissen wir in ihnen klaren Bescheid. Gewiss, um zum richtigen Verständnis zu gelangen, müsste man der Vorschrift der Thora gemäss Tag und Nacht in ihnen forschen. Aber auch nur eia sinngemässes Verständnis der Partien, eine plastische Vor- Stellung von der Geisteswelt unserer Ahnen würde uns zu besseren Juden :und zu wahren Trägern des Gottes- Wortes werden lassen, während wir ohne diese Kenntnis von dem geistigen Gehalte der!biblischen Bücher uns von unsern nichtjüdischen Mitbürgern kaum unterscheiden, ausser durch die Uebung des praktischen religiösen Le-