Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 9 10 u. 11 (Sept, Okt., Nov. 1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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. I Der Sabbath 45 »ach im Saale anwesend sind, fttr ihre Person den Sabbath nicht halten. Ich persönlich z. B. tae es durchaus nicht. Ich glaube auch, dass ein grosser Teil der Meinung sind, dass es unter den heu• tigen Verhältnissen nicht angebracht ist (hört! hört! und Unruhe links), in — wie ich glaube — übertriebener Weise die Einhaltung des Sabbaths im Centralbüro und selbst in Notfällen zu verlangen. Ich möchte deshalb bitten, dass über die Frage, die in so plötzlicher Weise aafuacht, nicht sofort abgestimmt wird, sondern dass die Sache, selbst wenn die Mehrheit schliesslich gegen mich entscheiden will, in ruhiger Weise überlegt wird. Ich habe durchaus nichts dagegen, wenn die Herren verlangen, es solle dem nächsten Gemeindetag ein solcher Antrag vorgelegt werden, aber so plötzlich lässt sich über die Sache doch nicht entscheiden. Laudtagsabgeordneter Rechtsanwalt Ür. Cohn- Dessau :. Ich möchte vorausschicken, dass ich mich zu den Liberalen rechne und für meine Person nicht weit von dem Standpunkte entfernt bin, von dem aus Juslizrat Makower eben geredet hat. Aber ich bin anderseits der Ansicht, dass es gar keiner besonderen Anregung bedarf, um hier im D.-L-G.-B. wie in auderen Institutionen sich ohne Weit teres auf den Standpunkt des Herrn Loeb zu stellen, (Beifall)! Meine Herren! Ein Deutsch-Israelitischer Ocmeindebund^muss selbst- ׳ verständlich ein Bund der deutschen Israeliten sein, er muss also so 1 geführt werden, dass alte Israeliten, auf welchem religiösen Boden sie auch stehen, mindestens die Möglichkeit haben, sich dort zusammenznfinden, also erfordert in diesem Falle das gewöhnlichste Gebot der Toleranz, taber auch das Gebot der Notwendigkeit, für alles, was wir gemeinschaftlich za tan haben, die Anschauungen auf religläsern Gebiete zu Grunde zu legen, welche diejenigen haben, die sich orthodox nennen, obwohl ich für meine Person behaupten möchte, ein ebenso guter Ju<\g za sein oder doch sein zu wollen wie jeder hier im Saale. Derartige Fragen sind für Kraftproben nicht geeignet. Kraftproben dürfen niemals da gemacht werden, wo das religiöse Gefühl verletzt werden kann. Darum bitte ich meine Freunde im liberalen Lager, sich ohne weiteres und womöglich ohne Diskussion auf den Standpunkt des Herrn Loeb in dieser Frage za stellen. Damit ist kein Tadel für das Vergangene beabsichtigt, sondern lediglieh eine Willenserklärung für die Zukunft. Darum bitte ich Sie kurz und bündig, indem sich jeder für sein Privatleben reserviert, was er für gut hält, für das allgemeine Leben im Gemeindebund sich der Resolution des Herrn Loeb anzuschliessen. (Beifall.) Vorsitzender Dr. Stern: Ich muss verfassungsgemäss zunächst darüber abstimmen lassen, ob die eingebrachte Resolution zur Verhanllang gebracht werden soll. Wer ist dafür? — Das ist die überwiegende Mehrheit. Ich mache die Gegenprobe. — Die erforderliche Dreiviertelmehrheit für die Verhandlung ist sicher erreicht. Wir kommen nun zur eigentlichen Abstimmung über die Resolution. Jastizrat L e wi n Stettin : Den letzten Passus der Resolution, der von der Aufnahme einer gewissen Klausel in die Anstellungs- Verträge der Beamten des Bundes spricht, können wir doch nicht per majora anaehmen. Ich möchte Sie bitten die Resolution anzanehmen, aber den Schlusspassus: ״ln die Anstellungsverträge usw.“ zu streichen. Vorsitzender Dr Stern: Ich werde über die Resolution in zwei Teilen abstimmen lassen: einmal darüber, ob wir im Prinzip dafür sind, dass die Büros an den Vorabenden und an den Festtagen selbst geschlossen gehalten werden, and zweitens darüber, ob wir in die Anstellangsverträge der Beamten des Gemeindebundes eine Klausel aufnehmen, wonach bei Zuwiderhandlungen gegen den ersten Teil der Resolution die sofortige Entlassung eintritt. (Zustimmung.) Loeb-Frankfurt: Nachdem Sie über den zweiten Teil der Resolution getrennt abstimmen wollen, gestatten Sie, dass ich vorher dazu das Wort nehme. Ich frage Sie: wenn der Schiasspassus fällt, wer trägt dann die Verantwortung f Wir haben eben von Prof. Philippson gehört, er hibe die Tätigkeit am gestrigen Sabbath nicht veranlassl, sondern ״ las Büro habe es selbst getan“. Um das zu vermeiden, um das Büro selbst verantwortlich zu machen, deshalb habe ich den Scblusspassas in die Resolution eingefügt. An dem guten Willen des Ausschusses, die hier gefaßten Beschlüsse darchzuführen, ist gar aicht za zweifeln and ich zweifle nicht daran. Aber wenn ein Gesetz gemacht wird und es enthält keine Strafbestimmungen für seine Uebertretung, so bleibt es ein Messer ohne Heft und Klinge. Ich will hier nicht näher auf die Sach! selbst eingehen, weil das Herr Landtagsabgeordneter Dr. Cohn 8c ton in so vorzüglicher Weise unter Ihrer Zustimmung getan hat. Ich bitte Sie aber, wachen Sie seine Ausführungen und den ersten Tei der Resolution ״ nicht selbst wieder dadurch unwirksam, dass Sieden Schlusspassus streichen, Prof. Philippson: Ich möchte Sie zunächst bitten, von jeder Gegnerschaft gegen das Büro abzusehm. Wenn Sie eine Ahnung hätten, wie das Büro in den letzten zbhn, zwölf Tagen gearbeitet hat von morgens 8 Uhr bis nachts 1, 2 Uhr, so würden Sie die Tätigkeit und Arbeitskräft dieser Herrc* mit mir bewundern. Was den zweiten Teil der Resolution betrifft, so bitte ich Sie in der Tat, ihn abzulehnen. Die Verantwortung für die Ausführung des Be- Schlusses wird in Zukunft der Vorsitzende des Ausschusses tragen, wer es auch sei. So lange ich an dieser Stelle stehe, werde ich die Verantwortung voll und ganz tragen. Herr Loeb hat die Liebens- Würdigkeit gehabt, zu erklären, an unisrem Willen, die' Beschlüsse durebzuführen, könne er nicht zweifeln An diesem ,unseren Willen können Sie wirklich nicht zweifeln. lehen Sie doch durch unsere Anstalten und sehen Sie, welche religi ist und traditionelle Färbung sie haben. Hier ist im Drange der J rbeit durch Uebergreifen des guten Willens des Büros einmal ein!.apsas passiert. Lassen Sic diesmal dafür Amnestie eintreten. Ich'verpflichte mich persönlich, dass es in Zukunft nicht mehr gcschch! n soll. Lassen Sie aber einen solchen uns verdächtigenden Passus ai s der Resolution fort. Loeb- Frankfurt: Nachdem H :rr Prof. Philippson in dieser feierlichen Form für sich und seine Nachfolger die Verantwortung• für die Durchführung des Beschlüsse: übernommen hat, ziehe ich den zweiten Teil des Antrages zuruck, ,(Beifall.) Vorsitzender Dr. Stern: Ich lasse nun abstimmen über den bestehen bleibenden Teil der Resolution. Wer ist dafür r — Das ist weitaus die Majorität. — Ich mache die Gegenprobe. — Dagegen sind im ganzeu noch nicht zehn Stimnen. Die Resolution ist also angenommen. (Beifall). Zurück zur Thora. Es war in einer Zeit, dal Manier und Unnatur ihre Orgien feierten, da alles gesunde, natürliche Gefühl unter der steinernen Maske der Schablone und hohlen Aeusserlichkeit erstorben schien und die Besten, die noch normalen Empfinden Fähigen schier verzweifelten, ob die allen natürlichen Lebensbedingungen entfremdete Gesellschaft noch einmal zur Gesundung werde geführt werden. Da Hess Rousseau sein ״Zurück zur Natur“ eischallen und dieser Ruf wurde zum Fanall, um das Alles, was uoch lebenskräftig und normal war, j sich sammelte, und über kurzem war das Idol gestürzt und dem Leben das Leben wiedergegeben. _ ״Zurück zur Thora“, so ruft in seinem Büchlein, das sich an Jung-Israel — aber nijsht nur an diese Kreise — wendet, Wilhelm Frey h an, ein wackerer Streiter für alles Gute und Schöne und Edle, ein treuetjdftarbeiter unseres ״Verbandes“ unserer Zeit zu. Wie damals auf allen Lebensgebieten, so ist heute im deutschen Juden- Unu an die Stello gesunden, natürlichen Lebens eine am Aeusserlicheu haftende, den Kern sorglähigst meidende ״Richtung“ zur Herrschaft gelangt, "die den Schein für das Sein nimmt, die Phrase und das tönende Wort zur stetsbereiteu Verfügung hat, von. der Tat, von jüdischreligiösem Handeln aber sich so gut wie völlig emaucipirt. Man braucht ja nur an den Sabbath einst und jetzt zu denken, um zu ermessen, wie' viel wir verloren, was wir für das Verlorene eingetauscht! Den Verzweifelnden, ob