Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 9 10 u. 11 (Sept, Okt., Nov. 1911)
- Date
- 1911-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 43 jenen in ihrem Kampfe beizustehen und sie darin zu unterstützen?! Und wer möchte es endlich wagen zu behaupten, dass die Gesamtheit dieser Ehrenschuld sich vollbewusst geblieben, dass sie wirklich, was au ihr ist, getan, um sabbathlreue Geschäftsleute im Einkauf zu berücksichtigen, um jungen Anfängern, stellensuchenden Angestellten den Eintritt ins Leben zu erleichtern, zu ermöglichen?! Wir Alle haben wahrlich Anlass, uns wegen dieser Unterlassungssünde reuevoll an die Brust zu schlagen und Besserung zu geloben und zu beweisen. Aber — das ist anderseits die Mahnung, die der Herbstcharakter des Thorafreudenfestes kündet! — aber es wäre verhängnisreicher, als all das Schwere und Widrige, das sonst immer gegen die Erfüllung des Sabbathsgebotes sich zusammenballen mag, wenn das Gefühl des Opfers, das der Sabbathtreue heute bringt, so überstark in Herz und Seele sich ihm prägte, dass er darob an der Selbsthilfe, der Eigenkraft verzweifelte und der Gesamtheit zuriefe הואיל ועליך מצוד, לפרוק םרוק, da dir die Pflicht mich zu erleichtern obliegt, so erfülle sie und ich will mich inzwischen erruhen! Liegt’s doch ohnedies im Zuge der Zeit mit ihrem Phrasengeklingel vom Schutze der Schwachen, dass die starke Initiative, das Vertrauen in die eigene Kraft, die Freude am Daseinskampf und die Hoffnung auf den Sieg mehr und mehr entschwindet und immer weitere Kreise in der Anlehnung an den Stärkeren, in der Protektion und Begünstigung und Förderung den einzigen Weg, der nach vorwärts führt, erblicken. Es wäre ein Unglück von katastrophaler Bedeutung, wenn die knorrige Härte und zähe Elastizität, die durch Jahrtausende das wundertätige Palladium der jüdischem Glaubenstreue war, der Verzärtelung und Verweichlichung den Platz räumte und an die Stelle der kraftvollen Tat der Verlass auf fremde Hilfe, der An- Spruch auf fremdes Wohlwollen träte. Fast will es manchmal scheinen, als wären wir auf diesem schlüpfrigen Wege schon bedenklich weit. E i n Beispiel für viele: Ist da irgendwo der Drang in socialer Hilfstätigkeit zu machen, bei Männlein und Weiblein zu explosiver Kraft gediehen und will sich nimmer erschöpfen, bis er durch einen »Blumentag“ dia Strasse erobert und fremde Portemonaies nach Kräften geleert hat. Unglücklicherweise beschliesst das Comitee den Samstag für diese gemütvolle Veranstaltung zu wählen. Flugs erhält drei Tage später der »Geschäftsführende Ausschuss des Verbandes der Sabbathfreunde“ von einem dort wohnenden Mitgliedeeinen Brief voller Entrüstung über seine Fahrlässigkeit; es wäre doch seine Pflicht gewesen rechtzeitig einzugreifen und das Comitee darauf hinzuweisen, dass orthodoxe Juden am Sabbath kein Geld ausgeben dürfen. So sei mancher in eine peinvolle Lage gekommen und manch einer der Unannehmlichkeit der Situation erlegen, (was ihm freilich schwerlich passiert wäre, wenn er nicht ohnedies am Sabbath Geld bei sich trüge!)! Ich will hier nicht über die schiefe Auffassung von den Pflichten des geschäftsführenden Ausschusses, die in diesem Schreiben zum Ausdruck gelangt, Klage führen; als hätten wir nicht Anderes, Wichtigeres zu tun, als uns um solchen — venia sit verbo — Quark zu kümmern! Sondern das Beispiel soll zeigen, wie weit bereits die verhängnisvolle Vor- Stellung sich festgesetzt bat, als wäre, was früher selbstverständliche Sache eines jeden Einzelnen gewesen, den Kampf mit Widerwärtigkeiten des Lebens, die der Sabbatbeiligung sich entgegenstellen, aufzunehmen, heute ebenso selbstverständlich Pflicht der Gesamtheit für ihn, während er selbst, ledig aller Pflicht, in dem behagliehen Gefühl des Pflegebefohlenen seine Aufgabe in der Kritik der Geschäftsführung des selbstgewählten Vormuudes zu erblicken und zu erfüllen habe. ,האיל ועליך מצוד פרוק! Dem Simchas Thauro-Festtag geht das Geschem- Gebet am Schemini-Azeres voran. Wir bitten darin den gütigen Schöpfer, dass er uns den Winter mit seiner rauhen, unfreundlichen Witterung, wie es nun einmal ist, ebenso zum Segen werden lasse,, wie den Sommer mit seiner gleissenden, lockenden, verzärtelnden Sonnenwärme. Und der Hohepriester am Jonj Kippurim erflehte im Heiligsten שגה שהוגה עש גשומה, nicht eitel Sonnenschein, sondern auch die scharfen, abhärtenden Stösse des Winterwindes. So wenig Verzärtelung und Verweichlichung dem Körper frommt, so wenig vermag sie die Seele mit der Widerstandskraft zu rüsten, die der Kampf des Lebens von ihr fordern muss. Und wenn sein Gebet weiter dahin ging ולא יצטיינו עמך זה לזה, so darf daraus für unsere Zeit der Sinn herausklingen : Sei Mann! Anregung für die Tätigkeit der Ortsgruppen. Die Tätigkeit der Ortsgruppen soll bestehen: A. In lokaler Wirksamkeit. 1. Belehrung über die religiösen Pflichten mit besonderer Berücksichtigung des Sabbathgesetzes. - | , a. Einrichtung von Lehrvorträgen, besonders am Freitag abend und Sonnabend, damit die freie Zeit^ am Sabbath gut verwertet wird. b. Einrichtung von Leseräumen und Bibliothek k e n , die auch am Sabbath zur Benutzung freistehen. (Hierzu dürfte sich in kleinen Orten das Gemeinde- oder Schullokal gut eignen). c. Eltern darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Kinder nicht gezwungen werden können, am Sabbath in der Schule zu schreiben, im Gegenteil, dass sie sogar berechtigt sind, die Dispensation vom Schulbesuch auf Grund des Falk’schen Erlasses zu verlangen. (Näheres durch den geschäftsführen• den Ausschuss). d. In den Gemeinden dafür zu wirken, dass^ den Schulkindern durch die Lehrer und Erzieher die Schmiras Schabbos eingeprägt wird, da vornehmlich hierdurch die Erhaltung des Judentums für die Zukunft gesichert wird.! e. Eltern die Ueberzeugung beizubringen, dass derjenige, der den Schabbos halten will, ihn auch halten kann, ohne dadurch in seinem Fortkommen behindert zu werden; speziell sollen die Eltern rechtzeitig vor Ablauf der Schulzeit ihres Kindes hierauf aufmerksam gemacht werden. 2. Fürsorge für Stellenvermittelung. a. Geschäftsleute und Gewerbetreibende zu veranlassen, in ihren Betrieben sabbathfreie Stellen zu schaffen, damit sie, auch wenn sie den Sabbath nicht halten, die Schmiras Schabbos fordern. — b. Anstellung vornehmlich solcher -Lehrlinge und Gefailfen, die auf sabbathfreie Stellen reflektieren.