Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 7 u. 8 (Juli-August 1911
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4874912-5428464-5428595--679-4875532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
38 Der Sabbath. I Oiler die^Gellc. die liifke 01er die .lachet, die hei ihrem Gang i»< die Synagoge unser Haus passieren mussten, hineinrinen: .Wie ist euer Lamp wieder so schön geputzt“ Wie dieses Lob uns wohl tat! Ein kleiner Splitter davon kjäm ja auch auf unser Teil, denn wir hatten doch geholfen# Jeder hatte bei der Ilerrichtung der Sehabbosiamjie!#fie Funktion. Die erste grundlegende Arbeit liel derJjiutter zu. War die Lampe in Stand gesetzt, so "drejljje iafr Vater die Dochte, legte sie an die richtige Stelle ijliid goss das Oel hinein, brannte die Dochtspitzeh an, damit sie Freitag Abend richtig brennen, wenn die Mutter die Lichter entzündete. Eist viele Jahre später, als ich den Erfahrungssatz jüdischer Weisheit kennen lernte, nach welchem die treue hingehende Pflege des :Sabbatlichts die Gewinnung unserer >;111116 für eine Erziehung im Geiste der Thora zur begluckenden Folge hat, erst damals ging mir eine Ahnung viui der Bedeutsamkeit aller dieser scheinbaren Kleinigkeiten durch die Seele. Dass das Eicht, in welchem einst unsere Kinder leuchten sollen, so vielfach den Erwartungen nicht entspricht, mag wohl auch daher rühren, dass sieh Vater und Mutter in der Pflege dieses Lichtes nicht 111 der Weise teilen, wie es nach ungeschriebenen Gesetzen beim Sabbatlicht geschieht. Nach dem Gesetz der Thora ist jedifcVater zum Unterricht seiner Kinder, also für den Ls^ktoff zu sorgen, verpflichtet, wie er beim Sabbatlicht den Docht und das <>el, somit den Leuchtstoff übernimmt. Aber die Lampe und das Kind bereit stellen filr den väterlichen .Beitrag.das muss vorher durch die Mutter erfolgt sein. Ihre Hand entzündet bei beiden das Licht, in dem sie leuchten sollen: die väterliche allein reicht dafür nicht aus.-Von 7 Brüdern berichtet die Ue- If^Äfcferung, dass sie sämtlich die Hoinpriesterwürde helpfeideten. Die Weisen fragten die Mutter nach der verdienstlichen Handlung, welcher sie dieses seltene Glück verdankte. Dass nun auch den Vater gefragt habe, wird nicht erwähnt! Das Del für die S :habboslampe beim Kolonialwaretihüiniler gegenii 1er zu holen, war mein Privilegium. Da» er meiner Uelkanne sofort ansebe, was ich wollte, war niclits auffallendes. Aber dass er. während das Maxgetass v ׳.lig austropfte, ohne dass ich ein Wort zu spi'e^nm brauchte, mir ein 1111b viertel Pfund Rosinen 'für den Kosiiienwein zum Ki ldn>ch für Sehabbos, das irup eiieru• nur jnie Woche aufs neue. Die Rosinen wurden m kleine Stücke zerschnitten un i in eine halb mit Wasser gelullte Weinflasche geschüttet. Im Sommer drei l ag11׳ ■׳ die׳ Sonne und im Winter hinter den Ofen gesteht, am Freitag wurde die Mischung durchgeseit und . ntfh war der It׳»i1:e!1wei;1 fertig. Jeh habe seitdem teuertfre und seltenere Wei te getrunken, atu-r keinen, der ^nir >1׳ gut geschmeckt hat, als der Ro-inenwein am elter- I'.i Iku^, x־habt'0stisch. Ganz ■s!> ist es mit der Schaboos־ lamp# Eine gaiize Geschichte des Beleuchtuugswesens a.ü'de ich schreiben, wenn ich meine Erfahrungen von der frühesten Kindheit bis auf den heutigen Tag hervorsuchen wollte. Vom Oellicht. Talglicht, Stearinlicht. Petr111״ui11 bis zu Oas und Elektrizität habe ich sie alle diÄdiprobiert. Die folgende Beleuchtungsart war immer b(#ser als die vorangehende, eine hat die audere verdrängt; nt!|־ meine Schabboslampe ist geblieben. Nernst und Osram-Lampen mögen die kleinen Flammeben meiner Schabboslampe huadertiäch überstrahlen; sie können sich doch nicht mit ihr messen. Diese modernen . Leuchtmittel mögen die Nacht taghell lichten, mögen den Raun? tu dem sie brennen, bis in die fernsten Winkel .erhellfln, sie beleuchten doch nur den Ort, an dem sie sind upid ihre Leuchtkraft reicht nicht weiter als die Spanne Zeit, in der sie brenneu, Ihr Licht, so jäh und grell es auch leuchtet, hat etwas werktätiges, profanes, das nach Industrie und Verkehr schmeckt. Es kann nervös machen, aber die Ruhe und den Frieden vermag es nicht zu bringen, den meine Schabboslampe ausstrahlt. Sie ist eben ein Schabboslicht, das mir an diesem Tage leuchtet, die anderen sind Werktagslichter, die in der Woche so gut wie am Sehabbos ihren unheimlichen Glanz ausstrahlen. Wenn mein Schabboslicht den langen Weg erhellt, der in die Zeit zurückführt, als es noch im Elternhause leuchtete, belebt* es gar traute Bilder und weckt dabei eigenartige Gedanken. Es zeigt mir den grossen tannenen Tisch, an dem wir Kinder in unserer Wohnstube sassen, die zugleich auch Schlaf-, Speise-, Kinder-, Bibliothekszimmer und Salon war. Der Ofen strahlte eine beliagliche Wärme aus und wir Kinder machten unsere Schularbeite 1. Auf dem Tisch brannte ein Talglicht und in dem Leuchter lag eine unverwüstliche Lichtputzschere, ein Instrnment, das die Kinder unserer Zeit kaum mehr dem Namen nach kennen. Mit dem Licht hatte es seine besondere Bewandnis. Dar Vater war Scbochet und reinigte das Fleisch von allen verbotenen Blutun 1 Fettteilen. Das Fett, das dabei abfiel und das andere fortwerfen, wurd8 sorgfältig gesammelt, ausgelassen und daraus Talglichter gegossen, dieselben, bei deren Schein wir unsere Schularbeiten machten. Ein Talglicht jvar damals ein Luxus, der gegen die Oellampen, die in den meisten anderen Häusern gebrannt wurden, ganz fürstlich abstach. In Punkto Beleuchtung zählten wir zu den ersten Honoratioren des Ortes. Und dennoch benützte jedes von uns Kindern jeden unbeachteten M »inent, um das Xicht zu sich heranzuriieken und so besser schreiben zu können. Die darauffolgende Vertiefung in die Schularbeiten benützte das vis ä vis, um das Licht wieder in seine Nähe zu bringen. So wanderte der Leuchter hin und her, aber schliesslich waren die Schularbeiten doch bei seinem Lichte fertig geworden, Wenn ich heute bei einem solchen Lichte lesen oder schreiben sollte, ich brächte es nicht mehr fertig. Wenn ich mein Grätzinlicht gegen jenes Talglicht vertauschen sollte, ich würde mich dagegen wehren. Unsere Be• leuchtung ist entschieden besser, aber die Augen sind sc 111 echter geworden. Die Gewöhnung an unser glänzend helles Licht hat. uns unfähig gemacht, bei jenem Talglicht von vor 50 Jahren fernerhin zu arbeiten. Als wir Kinder damals in dem Streben nach: .Licht, mehr Licht!“ den Leuchter einer dem andern entzogen, um ihn mehr in den eigenen Sehkreis za rücken, da wäre niemand auf den Gedanken verfallen, durch Anziindeu eines Lichts der Schabboslampe dem Lichtmaugel abzuhelfen. An Wochentagen die Sehabboslampe anzuzündeu, für gewöhnliche Schularbeiten, das wäre uns als eine Profauation erschienen, deren keiner auch nur iu Gedanken fähig war. An Wochentagen hatte die Lampe aber auch ihre Mission. In den Behälter, der unter der Lampe wie eine umgekehrte Glocke hängt, tloss alles Oel hinein, das während des Brennens der Lichter abtropfte. Dieses Oel, galt als Universalmittel gegen Hieb, Stich, Schnitt und Stoss, es heilte alle Risse, Wunden, Schäden und Geschwülste mit einigen Tropfen, man nannte es Luzer-Oel, eine Bezeichnung deren Erklärung mir nicht bekannt ist. Vielleicht hängt es mit dem lateinischen luceo leuchten zusammen, wonach auch die Stadt Luzern (Lichterstadt) ihren Namen haben soll. Das Heilmittel war unfehlbar. Obwohl es die ganze Woche offen stand, hat man nie Bak- , terien, Bazillen oder sonstige Mikroben, darin gefunden. Sie nur darin zu suchen, hätte man für ein Sakrilegiam an der Heiligkeit des Sehabbos angesehen, die unser 1׳