Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 7 u. 8 (Juli-August 1911
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Der Sabbath. *Lionel Rothschild lobte ebenfalls den guten Willen des Minister Churchill, meint aber, dass mit vielen anderen bindernden Faktoren zu rechnen sei. Er, Redner, habe aber bei einer Aussprache mit einem Mitglied der Regierung den Eindruck gewonnen, dass bei einmütigem entschiedenen Auftreten noch weitere Konzessionen in der Sache der Sonntagsruhe zu erreichen seien. Der Deputierte Steward Samuel (Bruder des Minister Samuel) erwähnte, dass auch noch andere Gesetze (Fremdengeketz, Versicherungsnovelle) zur Beratung stehen, die dip Juden mehr oder weniger berühren. Das Sonntagsruhgesetz schneide jedoch so tief ins jüdische Leben ein, ddss wir in dieser Beziehung nichts zu bitten haben, sondern unser Recht fordern. Auch zwei christliche Deputierte ergriffen das Wort und versprachen, für das religiöse Recht der Juden im Parlamente einzutreten.!1 Es sprachen noch die Herren Strauss, Leopold Rothr.ld und Dr. Salkind. Letzterer begrüsste es, dass hier I- und Westjuden einmütig für die heiligen Güter ihrer ligion kämpfen. Schliesslich wurde folgende, von Lionel tbschild vorgescblagene Resolution einstimmig ange- _3mmen : ״Die heutige, von vielen Tausenden Juden be- Richte Versammlung legt Protest gegen das Sonntagsruhigpsetz in seiner geplanten Form ein, das eine Gefahr ieutet für die sabbathaltenden Juden, da es die Juden die Alternative stellen würde, entweder den Sabbat ,«-.,^entweihen oder sich mit fünf Arbeitstagen in der 'Wdöb» zu begnügen. Die Versammlung fordert, dass man uden gänzlich aus dem Sonntagsgesetz ausnehme oder ‘«iite) Zusatzbestimmung aufnehme, die den sabbathaltenden י' " " die Sonntagsarbeit uneingeschränkt gestattet.“ lerr Karl Stettauer beantragte, die Resolution unjlich dem Ministerpräsidenten und dem Minister des Jrn zu übermitteln und fand damit die ungeteilte Zuimung der Versammlung. Zum Schlüsse bestieg der Jast anwesende Baron Alfred Günzburg aus Peters- (Sohn des Baron David Günzburg s. A.) die Rednerjüne und übermittelt ,den freien englischen Bürgern iu ihrem Kampfe für ihr Recht den Gruss der russischen Brüder“, was ihm eine stürmische Ovation seitens der tausende {Teilnehmer aus Whitechapel einbrachte. Unter , Absingen der englischen Hymne wurde die Versammlung i gegen Mitternacht geschlossen. ו־״יי^1@־׳יי-1 Sabbith und Sonntag auf der internationalen \ Hygiene-Ausstellung zu Dresden. Von Dr. Carl Roscher. (Aus AjCiusteine“, Jahrg. 1911, Nr. 515 und 516 Mai und (uni). 1er historischen Abteilung der gross gedachten und gitj®sEügig durchgeführten Hygiene-Ausstellung zu DresdbÄjdie alles, was der Gesundheit der Seele und des Leinei dient, im edlen Wetteifer der Völker vor Augen stellt. jOMdet sich Raum 3 eine wertvolle Zussammenstellung atfqpM^scher Hygiene, darunter zahlreiche Bibelstellen, die auffi^ihrwürdigen Thorarollen mit kostbarem Schmuck in zwe^ ׳Gsasschränken vorgeführt werden. Die gewaltige Gestalt'•moses, des glaubensstarken Beters, des weisen und iÄtilfen Führers, des Propheten, Dichters und Staatsmanne«, «wie ihn einst Michel Angelo’s Seele erschaute, ist, Israeliten und Christen gleich ehrwürdig, mit Recht in diesem! Raume aufgestellt. Im Hintergründe des Raumes ist, schlicht aber weihevoll ein Teil als ,Sabbathstube“ abgegrenzt. Diese bescheidene, auch dem Armen erreichbare SSbbathstube, weist auf die grösste hygienische Wohltat hin, die der Menschheit nicht aus sich selbst, sondern von oben zu Teil wurde. Alle anderen hygienischen Einrichtungen und Ratschläge, die in den 99 Gebäuden der Ausstellung vorgetührt werden, treten hinsichtlich der Verbreitung, der jahrhundertelangen Bewährung, der leichten Anwendung der sozialen Bedeutung und des vermitteiten Segens weit zurück hinter den Sabbath der Israeliten und den Sonntag der Christen. Die Sabbathstube, zu der jeder, auch der bescheidenste Raam umgewandelt werden kann, ist das Heiligtam des Israelitischen Hauses, die Stätte, wo das irdische Leben mit himmlischen Kräften erfüllt wird, ein idealer Ersatz dessen, was die hygienisch bedeutungslose ,gute Stabe* des Spiessbürgers sein soll. Meine Bitte um eine Darlegung der Bedeutung der .Sabbathstube“ erfüllte Herr Landesrabbiner Dr. Winter- Dresden durch folgende Mitteilungen: ,Die Weihestimmung der Sabbathstabe ist kein Erzeugnis der Kunst. Der Beschauer spürt das Weben des religiösen Geistes in seiner Unmittelbarkeit. Aeussere Ruhe und Bewegtheit des Herzens, gottfrohe Gehobenheit. Die Sabbatblampe, das Sabbathbrot, die Decke darüber, alles geweiht durch die Heiligkeit des Tages, jedes von besonderer. religiöser Bedeutung. Die zwei Brote mit der Decke darüber sind ein Hinweis auf das MaDna, das — 2. Moses 16. 29 — am Rüsttage zum Sabbath in zweifachem Masse bescheert wurde und mit einer Tauschicht überdeckt war. Das Licht ist ein Sinnbild festlichen Gehobenseins. Die tiefe Wirkung dieser feierlichen Ruhe erklärt sich aus dem Gegensätze zu der Unruhe der Werktage mit ihrer Plage und Pein. Die Freiheit des Gotteskindes im Gegensatz zu den Demütigungen, die die Welt bereitet. Das Joch des harten WeltdieDstes ist abgetan und vergessen. ,Kommt der Sabbath, kommt die Ruhe“. Der Sklave ist nun ein König. Angesichts seines Gottes bat er seine niedergetretene Menschenwürde wiedergefunden. Die Macht des Sabbaths wurzelt im Glauben. Für die Macht des Glaubens ist eiu beredter Zeuge der Sabbath. Freilich konnte der Sabbath so grosse Wirkung als erhaltende Macht nur bewähren, weil man ihn nicht nur nach seiner negativen Seite wertete als eine Zeit des Ausruhens von der Werkarbeit, seine Bedeutung vielmehr als erfasste eines Tages, ,heilig dem Ewigen, der Lust an Gott‘, Jesaia 58, 18, 14:. ,Wenn du vom Eutheiligen des Sabbath deinen Fuss fernhältst, dass du nicht deine Geschäfte an meinem heiligen Tage verrichtest, wenn du den Sabbath eine Wonne, den heiligen Tag des Ewigen verehrungswürdig nennst und ihn in Ehren hältst, so dass du nicht deinem Tagewerk nachgehest, deine Geschäfte vornimmst und Geschwätz vollführst — alsdann wirst du deine Wonne am Ewigen haben.“ Der Sabbath wnrde als Zweck und als Krönung des Schöpfungswerks gepriesen. Es ist ein Gespräch zweier Weisen aus dem zweiten Jahrhundert überliefert Rabbi Jehuda fragte den Rabbi Israel: Hast du vielleicht von deinem Vater gehört, wie der Satz (Genesis 2. 2) zu erklären ist: und Gott vollendete am siebenten Tag sein Werk, das er gemacht hatte?“ Rabbi Ismael antwortete mit einem Gleichnis: Ein König errichtete ein Brautzeit und stattete es mit allem Schmuck und Zierat aus. Es fehlte aber die Braut. Die Welt ohne Sabbath gleicht dem Brautzeit ohne Braut. Ein anderes Gleicbniss: Ein König trat die Herrschaft an. Er liess sich einen Siegelring anfertigen, am die königlichen Erlasse damit zu zeichnen. In dem Ringe fehlte aber der Namenszug des Königs. Der Welt ohne Sabbath fehlt das Zeichen der Gottesherrschaft. In weiterer Ausführung wird bemerkt: Was wurde denn am siebenten Tage noch erschaffen, da Gott ja bereits ruhte? Antwort: Sorgenfreiheit, Gemütst