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Der Sabbath · 1911-07-01 · 7 u. 8 (Juli-August 1911 · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
11 (1911)
Issue
7 u. 8 (Juli-August 1911
Date
1911-07-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Sabbath 33 auch bei der Kommission Anklang und wurde mit 42 gegen 17 Stimmen angenommen. Angenommen wurde aber ferner ein Zusatz, den der Staatssekretär zur Wahrung der jüdischen Interessen •vorschlug, und der folgendermassen lautet: ״Wenn die Koromunalbehßrden, die im Vorstehenden zugela>senen Ausnahmen für jüdische Läden für das ganze oder für einen Teil ihres Gebietes für wünschenswert halten, jedoch im Falle der Durchführung eine Benachteiligung der übrigen Ladeninhaher befürchten, so können sie durch Statut dieselbe Ausnahme allen Läden oder Läden bestimmter Art innerhalb des betreffenden Gebietes gewähren, und es finden in diesem Falle irgend welche Beschränkungen auf das Oeffnen der jüdischen oder der anderen Läden am Sonntag keine Anwendung“. Der Befürchtung eines Kommissionsmitgliedes, dass | auf diese Weise die Sonntagsruhe illusorisch gemacht würde, trat man von anderer Seite mit dem Hinweise entgegen, die Anwendung der Ausnahme-Klausel werde sich auf sehr wenige Gebiete beschränken. Freilich ist unverkennbar, dass sich, wie die Dinge jetzt liegen, wiederum das herausbilden wird, was Herr Lionel de Rothschild die ,Ghetto• Klausel“ nannte■ Auch ist es eine höchst bedenkliche Konsequenz des hier angenommenen Gesetz-Vorschlags, dass er zu einer siebentägigen Arbeitswoche für die nichtjüdische Bevölkerung in den betreffenden Gebieten und dazu noch ausgesprochener- I massen infolge des jüdischen Sabbats führt. Dass dadurch leicht antisemitische Strömungen, die auch in den Kommissionsverbandlungen übrigens zutage traten, Nahrung finden könnten, liegt auf der Hand. Unter diesen : Umständen mehren sich die Stimmen, die der Regierung empfehlen, das ganze Sonntagsruhe-Problem vorläufig zurückzustellen und der individuellen Freiheit auf diesem Gebiete, wie es der englischen Tradition entspricht, weiter ihren Spielraum zu lassen. Der Staatssekretär Mr. Churchill, der sich der ungeheuer schwer wiegenden religiösen Interessen, die hier für Zehntausende von Juden auf dem Spiele stehen, sehr wohl bewusst ist, möchte selbstverständlich die Sonntagsruhe-Bestimmung als solche um jeden Preis retten und nimmt als praktiscber Politiker lieber die Schwierigkeiten, die da und dort entstehen werden, mit in den Kauf, als dass er auf die gesetzliche Regelung ganz ־verzichte. Der Board of Deputies hat zu den Beschlüssen bereits Stellung genommen, und zwar wendet er sich sowohl gegen das Hineinziehen der kommunalen Behörden in ein Gebiet, das unbedingt einheitlich von der Zentral- 1 gewalt erledigt werden müsste, als auch gegen die vor- : gesehene Schaffung jüdischer Stadtgebiete mit Sonntags- •' arbeit für die Gesamtbevölkerung.! Uns dünkt, dass es gerade in England vollem , Verständnis begegnen müsste, wenn man von jüdischer Seite einfach dafür einträte, dass jüdische Ladeninhaber, die ihren Sabbath gewissenhaft beobachten, ohne jede örtliche Einschränkung, allerdings nur mit jüdischem Personal am Sonntag sollten offen halten dürfen. Der Gedanke der Sonntagsbeiligung ist unter der christlichen Bevölkerung Englands mächtig genug, um zu verhindern, dass die grossen Massen der christlichen Bevölkerung'{ ausgerechnet den Sonntag zu ihrem Einkaufstag machen sollten. Es könnte sich in dieser Beziehung nur um vereinzelte Ausnahmen handeln, und, wenn irgendwo, so gilt hier der Satz: minima non curat praetor. Inzwischen sammeln sich die Bedrohten zur Gegenwehr. Am 5. Juni fand eine von der ״Vereinigung jüdischer Ladenbesitzer“ einberufene und von Kaufleuten und Rabbinern stark besuchte Versammlung statt. Die Dajanim Heyamson und Feldmann hielten sehr eindrucksvolle Ansprachen, indem sie lebhaft gegen die geplante Fassung des § 4 der Novelle protestieren und die Regierung aufforderten die Sonntagsnihe-Paragrapher, ent* weder zurückzuziehen oder so zu mod ficieren, dass den Tausenden von jüdischen Bewohnern Englands die Möglicbkeit geboten werde, ihr Leben zu fristen, ohne zur Entweihung des Sabbats gezwungen zu sein. Die vorgeschlagene Resolution wurde einstimmig angenommen. Viel Beachtung fand dabei ein vom ״Jewisb Chronicle“ gemachter Vorschlag, der dahin geht, man möge ־für sämtliche Lälen eine Miximalstun ienzahl pro Woche festsetzen, während deren sie offen sein dürfen, und es dem Einzelnen überlassen, an welchem Tage er eine 24stündige Ruhezeit zur Durchführung bringen möge. Gelänge es, mit diesem Gedanken durchzudringen, so würde das für die ganze Entwickelung des Sonntagsruhe- Problems in der ganzen Welt' von weittragender Bedeutung sein. Diese lebhafte Erregung in weiten jüdischen Kreisen, veranlasste schliesslich auch die jüdischen Mitglieder des Unterhauses, in einem Konferenzzimmer des Parlaments־ zu einer Beratung zusammenzutreten, deren Bedeutung dadurch gekennzeichnet wird, dass an ihr auch die Mitglieder der Regierung Sir Herbert Samuel und Rufus Isaacs teilnahmen. Zur Beratung wurde auch der Vertreter der ״Board of Deputies“, Mr. Alexander und der Sekretär des kaufmännischen Vereins, Mr. Rosenfeld, zugezogen. Die Beratung dauerte mehrere Stunden und nachdem sämtliche Anwesenden — mit Ausnahme der Minister — sich geäussert hatten, konnte man konstatieren, dass alle die Fortsetzung des Kampfes zugunsten der jüdischen Bürger, welche den Sabbat heiligen, als eine Pfiicht ansehen. Die anwesenden jüdischen Minister nahmen die ausgesprochenen Wünsche zur Kenntnis und gaben, ohne in die Debatte einzugreifen, die Versicherung ihrerseits dazu beizutragen, dass die Juden infolge des Gesetzes über die Sonntagsruhe nicht geschädigt werden. Diese Beratung, unterstützt von der allgemeinen heftigen Protestbewegung unter der jüdischen Kaufmannscbaft hat auch schon den Erfolg gezeitigt, dass Minister Churchill bereits die Erklärung abgab, einige Aenderungen zugunsten der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden an dem Gesetze vornehmen zu wollen! So soll in das Gesetz eine Bestimmung aufgenommen werden, dass in bestimmten Distrikten, in denen sich eine überwiegend jüdische Bevölkerung befindet, die Läden am Sonntag bis 2 Uhr offen bleiben sollen. Die Distrikte sind im Gesetzesvorschlag bamhaft gemacht. Am Montag, 10. Juli jfand sodann eine höchst imposante jüdische öffentliche Volksversammlung statt, die von vielen Tausenden besucht׳ war, und an der auch die Notablen der Stadt, viele Deputierte und die Spitzen der englischen Judenheit teilnahmen. Da sich der Saal für den kolossalen Zudrang deij Teilnehmer zu klein erwies, wurden auch Parallelversammlungen unter freiem Himmel abgehalten. — Im Saale führte Herr H. Alexander den Vorsitz, der nach Verlesung von Entschuldigungsschreiben des erkrankten Chiefrabbi, des Lord Rothschild u. a. m. den zur Verhandlung stehenden Gegenstand eingehend besprach. Er schilderte die wirtschaftlichen Schäden und religiösen Gefahren, die vom Sonntagsruhgesetze der englischen Judenheit drohen. Das Entgegenkommen des Minister Churchill, der den Juden sehr wohl geneigt sei, sei dankbar anzuerkennen, aber noch keineswegs den berechtigten Wünschen der jüdischen Bevölkerung e־ntsprechend. Die sabbathaltenden Juden, sagte er, müssten vom neuen Gesetze völlig unberührt bleiben, zumindest aber die in London, f.iverppol und Manchester. '

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