Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 7 u. 8 (Juli-August 1911
- Date
- 1911-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der;Sabbath. mel und Erde und alles, was sie füllt, in den sechs Scliöpfungstagen, so stellt auch die Thorah an der Stelle, wo sie das innerste Wesen des Sabbats charakterisiert, kennzeichnet, als ewiges Zeichen zwischen dem himmlischen Vater und Israel bezüglich der geistigen Tätigkeit, betreffs der Seelenruhe, an diesem Tage den Schöpfer des Alles dem auserwählten Volke als Beispiel dar. Als Zeuge, dass Gott in sechs Tagen Himmel und Erde geschaffen, steht der Sabbat als Ruhetag von Uranfang an da; als Zeichen für den ewigen Bund zwischen Gott und Israel, als göttliches Merkmal für die Erwählung Israels erhält der Sabbat auf Sinais Höhen sein Gepräge. Nicht mehr als Arbeitseinstellungstag allein erweist sich nunmehr der Sabbat, "לעפש“ vielmehr als ein Tag, wo auch die Seele, wo auch der Geist in sich Einkehr hält, ähnlieh Gott, von dem die Thorah zuerst das לעפש erzählt. Das ganze Individuum, das ganze Ich des Jehudi weist dadurch, dass ■selbst das Gespräch, die Worte am Sabbat nicht auf das alltägliche Erwerbsleben bezogen weiden, auf den Doppelcharakter dieses Tages hin, auf die physisehe Arbeitseinstellung, als Schöpfungsvollendungstag, auf die Seeleneinkehr, als ewiges Bundeszeichen der Zeit für die sittlich religiöse Erhebung Israels. Auch die Seele, auch der Geist erkenne und wisse den Sabbattag als Gottestag! Als Gottestag vermag aber der Jude den Sabbat nur dann zu begehen, wenn er ihn mit Freude und Wonne begeht. Denn טלב דאז־״“ als vollkommen und sehr gut fand Gott die Schöpfung und der Vollbringung dieser Tat folgte der Sabbat; soll nun der Sabbat des Juden voll und ganz jener wirklichen Aufgabe und seinem Zweck entsprechen, so muss er als Fest- und Freudentag betrachtet und angesehen werden. Soll doch mit der Beobachtung dieses Gesetzes nicht nur bezeugt worden, dass Gott in\echs Tagen das All erschallen, sondern auch, dass nachdem^Er Himmel und Erde gut, ja sehr gut und vollkommen gefunden, an diesem Tag, als Vollendungstag wegen der Vollendung und ob der Vollkommenheit des Scböpfungwerkes geruht und gefeiert hat. Wie der Mensch in seinem vergänglichen irdischen Labensgang bei Vollendung und Wohlgelungensein eines grossen Unternehmens ein Fest veranstaltet, so verpflichtet •den Juden seine Zeugenaussage, dass Gott in sechs Tagen das All erschallen hat, also die äussere Arbeitseinstellung, zugleich auch zur aufrichtigen Festesstimmung, zur Herzenswonne. Jede Tiauer und jedwede Niedergeschlagenheit an diesem Vollendungstage bedeutet und gleicht einer Unzufriedenheit mit der Vollkommenheit dieser Welt. Deine S3ele sei freudig, der Geist fröhlich an diesem Tage, denn damit bekundest du, dass dieses Schöpfungswerk, diese Welt, um ein aristotelisches Wort zu gebrauchen, die schönste, die be.-te, die vollkommenste und vollendeste ist. Selbst wenn dir auf göttliche Fügung hin, das Teuerste entrissen und dein Schmerz noch ungelindert, weil die Spuren des Gotteszornes dir noch sichtbar und bemerkbar sind, der unvergessliche und herzlich geliebte Heimgegangene noch unbestattet vor dir liegt: dein Herz droht zu bersten, aber mit dem feierlichen Einzug des Sabbats, muss dein Schmerz weichen, muss die Trauer aus deinem Innern sich entfernen, willst du als wahrhafter und aufrichtiger Zeuge dastehn, dass Gott die Welt in sechs Tagen vollendet, dass Er sein Scliöpfangswerk auch vollkommen gefunden, und mit ״sehr gut* charakterisiert hat; auch dein herbes Schicksal rührt von demselben Gott und Schöpfer her. Wir begreifen nun, weshalb jedes Fasten, jede Kasteiung am Sabbat strengstens verboten ist, denn Fasten ist ein Zeichen der Trauer, ein Ausdruck der Niedergeschlagenheit, der sabbatliche Schöpfungsvollendungstag fordert aber Freude und Festesstimmung, gebietet Zufriedenheit und Gehobenheit. Jedoch, wie wir bereits oben angedeutet, bezeichnet das sinaitische Sabbatgesetz diesen Tag als "לעפש“, als Seeleneinkebrstag, wt0 der Jehudi in sich gekehrt Rück- und Ausschau halten soll. Ist daher deine Seele betrübt, dein Geist beunruhigt, ob der Strafe und Plage,, die dir im Xachtgedcht, im Traum vorausvorkündet und angezeigt wurde, du aber als gewissenhafter Jehudi erkannt und begriffen hast, dass Gott, der die Welt vollkommen und vollendet gefunden, der in Seiner absoluten Vollkommenheit die irdischen Geschicke lenkt un i leitet, dich n.ichtgrundlos strafen, ohne Veranlassung nicht züchtigen will und wird, und du nun zerknirscht und gebeugt dem Herz vor Ihm aussckült.eu, dein Innerstes uinl Heimlichstes vor Ihm bekennen willst, dann darfst du auch diesen Tag mit Fasten begehen, denn diese Kasteiung gestaltet und macht dir einen solchen Sabbat zu einem w'ahren und vollkommenen Seeleneinkehrtag. Denn auch die Freude, auch die Herzenswonne, die freudige Stimmung, die du au die s ein Sabbat empfinden, fühlen und zeigen sollst und musst, zeigt sich jt bei di-r und muss sich bei dir eiustelleii, soli uir dis Fasten gestattet und erlaubt sein, in dem freudigen Bewusstsein, dass Gott d3ine Stimme erhört-, in der fröhlichen Zuversicht, dass der Schöpfer des Alls dein Geschick dir nur zum Besten, dir nur zum Frommen gestalten w׳ird, in der vollberechtigen Hotfnung, dass Der die Welt vollkommen fand, auch deiue Rechtsa ne in gerechter Weise vollführen wird. Fehlt dir und geht dir diese Herzens- und Gemütsfrcide 11111 Zuversicht ab, und du willst das Fasten einzig uu 1 allein als Trauerakt., als Ausdruck der Niedergeschlagenheit auwenden uu 1 betrachten, dann ist dir auch jede Kasteiung verboten, jede Entziehung der Speise und des Trankes strengstens untersagt, (vergl. Tur Urach C11. 2M :־־,;:״. לן י;־״:־r, *שי־״עדת •ק־ע לל :ז־ דעו)• Die Freude der hotfuuugsvollen Zuversicht muss und kann die fröhliche Stimmung, die durch Speise und Trank bewirkt wird, ersetzen-.״ Zur Erfüllung und Verwirklichung las Seeleneinkehr- Charakters des Saobat, zur Vollen lang des ״sinai tisehen* Gruudwosens des Schöpfungsabschlusstages ist somit die Kasteiung' gestattet, erlauot. Nim denn, der Vorsüliniiugstag als Jlauptseeleaemkeiirstag des Jahres, womit nicht allein das Individuum, wo ein ganzes Volk seine Wieierverjüugung, seine •seelische Reiaheit, seine Versühnung mit Gott erlangen, von dem himmlischen Vater als Geschenk erhalten soll, da ist die Kasteiung nicht nur gestattet, sondern geboten, vorgeschrieben. Als Mensch, als irrender Mensch hast du ja ein Jahr zurückgelegt, als mit Fehlern behaftetes Wesen, einen Teil deiner irdischen Lebenszeit in die Ewigkeit versenkt; begreifst du den Sabbat wirklich als Eiukehrstag, so musst du an dem Hauptseeleneinkehrstag, der nun noch ipit einem allwöchentlichen Sabbatsseeleneinkehrstag verstärkt und verdoppelt ist, demütig und zerknirscht ,vor dem himmlischen Richter dich zeigen. Aber auch hierbei darf diese Demut und Zerknirschung bei dir keine Trauer, keine Niedergeschlagenheit verursachen und auslösen! Herzenswonne und Freude -entquelle deinem Innern und muss deiner Seele entströmen, wenn du die Gabe^ das Geschenk Gottes, die seelische Wiederverjüngung, die Reinheit und die Versöhnung wirklich zu. schätzen und zu ehren verstehst und kannst. An dem Sabbat der Sabbate7 an dem Versöhnungstage muss deiu laueres vor Freude schwelgen. In diesem Siuue wird uns berichtet dass das jüdische Volk seinen Hauptfesttag, seinen Hauptfreudentag 1m Versölmungstag erblickte (Taauit “2ü b). Der Tag der Versöhnung bildet ja für den sittlichen Menschen einen Tag der Freude.