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Der Sabbath · 1911-05-01 · 5 u. 6 (Mai-Juni 1911) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
11 (1911)
Issue
5 u. 6 (Mai-Juni 1911)
Date
1911-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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'26. Der Sabbath. tioo maschieren und Kulturepochen der Menschheit zur BÜRe zu bringen, dann ist — so Gott will — mein , bescheidenes Streben nicht vergebens gewesen. W. F. Das eben im Druck befindliche Buch des Vorsitzenden der Breslauer Ortsgruppe verdient infolge seiner Behändluni wichtiger Zeitfragen weitgehendste Verbreitung, Wir haben einen Teil der Auflage erworben und stellen unserei) Mitgliedern das Buch zum Preise von 75 Pfennig ( Ladenpreis 90 Pfg.) nebst 10 Pfennig) Porto zur Veriiigung. ,, Geldsendungen wolle man an Herrn Julius Plachta, Berlin C 2 Kaiser Wilhelmstr. 2 richteu. ־׳Jf(-' Der Ceschäftsführende Ausschuss : Dr. E. Biberfeld, Vorsitzender. Eine Anfrage. Mit dem Poststempel Berlin C. ging uns am 2 d. M. folgendes Schreiben zu: . Hiermit komme ich zu Ihnen mit folgender Anfrage: Mein Bruder and ich haben gemeinsam ein Geschäft, und stehe ich auf freireligiösem Standpunkte, arbeite am-Sonnabend und jüdischen Feiertagen, während mein Bruder diese Tage iidiligt, aus dem Geschäfte fAnbleibt, nnd den Verdienst-derselben mir überlässt. Ich fühle mich trotzdem als guter Jude, unterstütze überall gern jüdische Interessen, nnd möchte vor Allem ccm jüdisches Personal in meinem Geschäfte beschäftigen, welches natürlich ebenso wie ich auch gern am Sonnabend arbeitet, resp. es!auch nie anders gewohnt war, da es ein Ding der Unmöglichkeit ist.tan diesem Tage in meinem 'Geschäfte frei zu geben. Mein Bruder hindert mich daran, •la io seinem Geschäfte Juden am Sonnabend nicht arbeiten sollen, und ist die Folge hiervon, dass bei uns Juden kein Unterkommen linden, und wir nur christliches Personal beschäftigen. .-.־־>Ich will diesem mir unverständlichen nnd mein jüdisches Gewissen bedeckenden Zustand ein Ende machen, und bitte Sie, uns in ihrem unter B. M., aus Ihrer Feder oder aus der eines frommen Rahbiners, eine ganz genaue Auskunft resp. Aufklärung zu geben, ob weiter unsere Tur wie in irgend einem antisemitischen Geschäfte dem jüdischen Personal verschlossen bleiben soll, oder aber, ob wir v׳ nun ab jüdisches Personal engagieren dürfen. Bitte aber diesen Bescheid ganz präcise zn geben, da wir uns ganz nach demselben richten wollen, und auf irgend eine Concession von mir, dass ich ein Teil des Tages frei geben soll u. s. w. nicht' zu rechnen ist. Kann diese Antwort nicht- Raum in Ihrem Blatte finden, dann bitte ich, durch Ihr Blatt mitzuteilen, wann ich dieselbe unter Chiffre B. M. 90 postlagernd Hauptpostamt abholen soll. Es hängt von Ihrem gell. Bescheide sehr viel ab, Entschlüsse für ein ganzes Leben, nnd bitte ich Sie daber anf obigen Inhalt meines ergebenen Schreibens genau einzugehen. Hochachtungsvoll B. M. Wir erteilen wunschgemäss Herrn B. M. im Folgenden unsere Antwort an dieser Stelle: Zuerst eine Vorbemerkung: Herr M. fordert ziemlich imperatorisch von uns einen ,ganz präzisen Bescheid‘. Er scheint also vorauszusdtzen, als ob ich sonst geneigt gewesen wäre, mich möglichst zu verclausurieren. Das ist ein Irrtum. Und nun zur Sache. Der Bruder des Herrn M. bandelt nur pflichtgemäss, wenn er e? verhindert, dass in seinem Geschäft Jaden Gelegenheit zu der UebertretuDg der Sabbatruhe, eines Gottesgebotes, das unsere Thorah gleiche Stufe mit dem Götzendienstverbot stellt, gepten wird. Kann er schon seinen Bruder von dieser Sünde nicht zurückhalten, so müsste er doch geradezu gewissenlos handeln, wenn er nicht alles, was er vermag, aufböte, um wenigstens Andere davor zu bewahren, innerhalb seiner Machtsphäre und, direkt oder indirekt, zu seinem Nutzen den Sabbath zu entweihen. Daran ändert es gar nichts, ob diese Leute so wie so am Sabbat arbeiten oder nicht. So wenig man auf Gebieten, die das Strafgesetzbuch als Vergehen bezeichne!, einen Menschen in einer Uebertretung unterstützen daif auch dann nicht, wenn er sie ohnedies dennoch begeht-״ würde; ebensowenig auf den Gebieten, welche de Thorah als Auflehnung gegen das Gebot Gottes umschreibt. Und ich meine, dass gerade das Gebot de> 'לפג* <*־ לא ־־"־.ן דכעזיד von der Art ist, dass es selhsi dem Freireligiösesten verständlich und wohlbegründe; erscheinen müsste! Dass dieser Zustand, dass ein Geschäft mit jüdischen Inhabern, jüdischem Personal, verschlossen bleiben muss, tief beklagenswert ist, liegt auf der Hand. Herr B, M bezeichnet diese Praxis als ,antisemitisch“. Der Ausdruck ist ein wenig stark. Nennen wir sie ״unjüdisch־‘. Dann erklärt sie sich aus den Umständen. Ein Geschäft, dessen jüdischer Inhaber den Sabbath entweiht, beruht eben auf unjüdischer Grundlage. Die Conse<!uenze11 zeigen sich dann nur folgerichtig darin, dass es, so oder so, in Bezug auf das Personal ״unjüdisch“ handelt. Fntweder es beschäftigt Juden; dann fördert es den Abfall von der Religion, oder es verscbliesst seine Pforten prinzipiell jüdischem Personal, dann vorenthält es Glaubensgenossen die Arbeitsgelegenheit. Kann Herr B. M. nicht soviel jüdischen Gottvertrauens aufbringen, um sein Geschäft am .שבר zu schliessen, so dürfte es sich doch bei gutem festen Willen ermögliehen lassen, wenigstens zum Teil sabbathtreues Personal zu beschäftigen, dem der Sabbath freigegeben würde. Dieser Weg hat sich schon vielerorten als gangbar erwiesen. Möge Herr B. M. erst einmal diesen Weg betreten! Der Lohn einer guten Tat, so lehren unsere Weisen, ist eine gute Tat. Vielleicht belohnt sich diese Guttat an ihm dadurch, dass das aitjüdische בטחון in seine Brust einkehrt, das Verständnis für die Bedeutung des Sabbaths Gottes sich ihm eröffnet und er sich nicht nur, wie schon jetzt, in seinen Pflichten gegen Andere, sondern auch in seinen Pflichten gegen sich seihst als guter Jude betätigt. Dr. Ed. Biberfeld. Vermischte Nachrichten. Berlin, 28. April. Nachdem die vor einigen Wochen im Stadtwesten abgebaltene Versammlung einen so eindrucksvollen Verlauf genommen hatte, liess unsere Ortsgruppe gestern abend in der nördlichen Stadtgegend wiederum einen Vereinsabend stattfinden. Eine zahlreiche Zuhörerschaft hatte sich eingefnnden, die den Aasfuhrangen des Herrn Artar Markus in seinem Vortrage über ,Der Sabbath in derJetztzeit* mit grossem Interesse folgte. (Wir veröffentlichen diesen Vortrag an der Spitze unseres Blattes. Red.) In der Diskussion ergriff der mit lautem Beifall begrüsste, zufällig in Berlin anwesende Vorsitzende des Centralcomitös und der Frankfurter Ortsgruppe Herr Moritz A. Loeb das Wort, um in der ihn anszeichnenden plastischen Darstellangsweise zn schildern, wie gerade in Berlin mit seinem weltstädtischen Ha9ten and Treiben der Sabbath seine ganze Zauberkraft aasftben müsse, und nur der in solcher Umgebung sabbathfeiernde Jehudi eine eherne Festigkeit gegenüber allen materiellen und ideellen An-

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