Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 5 u. 6 (Mai-Juni 1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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22. Der Sabbath. weniger ״eiernt. Es genügt nicht, einem sogenannten!rhanmlen Gottesdienst beizuwohne« und eine gute Predigt ju l.ören: das können nur Hilfsmittel sein. Die Haupta,che ist: wir müssen den שנת in uns tragen, müssen ^י|יז£ frei machen von allen Geschäften und Sorgen des ,'Alltags, müssen uns, indem wir uns mit.—ת beschäftigen, ־;je«*״ en über die vielen Nichtigkeiten, die das woeben- 1 IfO&jjchq Leben mit sich bringt. Es ist mit dem Sabbat genau 60 wie mit dem ganzen jüdischen Leben, wie es unst/re R'eligion von uns fordert. Das Judentum kennt keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis, es verlargt den ganzen Menschen. So wie es unjüdisch ist, Wasser zu predigen und Wein zu trinken, so wenig entspricht •'s der jüdischen Auffassung der Sabbatheiligung, durch Gottesdienst und Gesänge, seien sie roch so schön und erbauend, den Sabbat zu feiern und zu verherrlichen und nach dem Gottesdienst seinen Geschäften nachzugehen. Ich weiss wohl, es ist ein schwieriges und nicht an einem Abend zu lösendes Problem, das ich hiermit anschneide. Tel! möchte auch nicht zu denjenigen gezählt werden, die alle, welche den Sabbat entweihen, verurteileri . Vielmehr bekenne ich mich gern zu dem Grundsatz :אל ־.־׳; א־. ־:־־;'־ ש־.:•;־ ־1ד .Verurteile Dei- Hillels: ueh Nüchstgn nicht, bevor Du an seine Stelle gekommen ־ Andererseits aber wäre es sündhaft, wollten wir nicht die Schäden aufdecken, an denen wir kranken,; damit es besser werde. Gewiss, man wird von einem ״rossen Teile derer. tjjiP. den Sabbat entweihen, nicht sagen können, dass sie e> dos .schnöden Mammons־ wegen tun. Vielmehr wissen wir sehr gut. dass es die Sorge um das tägliche Brot ist. die vitde veranlasst, oft schweren Herzens ihrer Arbeit a11׳ Sabbat nachzugehen. Anderseit ,gerade unter Leuten, die gern .נ־*“ hal eine - ,'che Indolenz gegenüber den Sch sich :! :!en in den Weg stellen, dass es t< rni - herrscht lochten, fcigkeiten, die )edingt gebopüttein.- äalbank sitzt, Weg zu leimmer und immer wieder aufzff wenn der Junge auf der S!1 Ehern, dem Kind Stefce in d{ darauf achten, dass es am .•':reicht schreibt, jedermann bekannt, einerseits* dass diese :::*-Hei Schwierigkeit macht, ja sogar ein uns tci öd verfiigir,״ zugestandenes Recht, ander- " die>e Kinder mindestens ebenso gut in der iי kommen, wie ihre am Sabbat schreibenden סי lrutaMs mnfandi§ dieses Beispiel erweitgrnd auf •la> wehere Leben anwenden und behaupten: Hk '•fi,len v.lfa.-h iüe Schwierigkeiten überschätzt, die• , s*ich der Beobachtung <!׳׳> Sabbats in den Weg stellen. fdl: nöcic■ jrdric:: hierbei nicht missverstanden werden. *J;V weiss e> ai> Kaufmann selbst nur zu gut, dass es in linsen :1!..!itigen Verhältnissen, bei dem überaus schweren lf'Uiki.i ronzkamttf. überaus schwierig ist, an einem Tage zu ridmn. ia alle Welt arbeitet. Wir sollten jedoch bei jei d*־r mir möglichen Gelegenheit im Berufsleben darauf ' hiiivvei-־׳n. dass wir am Sonnabend beruflich nicht zu haln-״ -iii■!. Wie gross bei unseren nichtjüdischen Mitbür־ ,griii ׳;io Ar'gung gerade vor den Einrichtungen ist. die i wir ge>cstzest.1eue'n Juden beobachten, das zu bemerken bat- , ten wir erst jüngst Gelegenheit, als im Reichstag gelegenti lieh der Besprechung über die Schechitoh von den Veri t.tetern sänitlicher Parteien.ja gerade auf der rechten Seite noch mehr als auf der linken, den gesetzestreuen Juden Anerkennung ausgesprochen wurde. Ausserdem aber ist ,,bis in die weitesten Volksschichten hinein der Sonnabend als der sogenannte ,jüdische Sonntag“ bekannt. Während t^ir diese Tatsachen nicht ungenutzt lassen sollten, ist es t '־ wahrhaft betrübend, z« sehen, welche Gleichgiltigkeit sich oft in unseren Reihen bemerkbar macht. Wenn Eltern vor der gewiss schweren Frage steben, welchen Beruf ihr Sohn ergreifen soll, wird in ear zu vielen Fällen garnirht die Frage erörtert, ob es ihm möglich ist, in diesem Beruf זבת? zu halten. Ja, hat ri:!• Sohn einen Beruf ergriffen, der ihm die Beobachtung dos Sabbats ermöglicht, so wird auch dann noch mit eii^r geradezu sträflichen Indolenz über die Frage hinweg׳״ - gangen, als ob diese Frage in unserer Zeit überbau!׳! nicht diskutabel wäre, als ob es ganz selbstverständli! wäre, dass man heutzutage eben nicht mehr שנת halte! kann. Gewiss wird man Eltern nicht verantwortlich machen können, wenn ihre Kinder im späteren Lebe: nicht in ihrem Sinne leben: wohl aber laden sie eir׳ grosse Verantwortung auf sieb, wenn sie, solange d״ Kinder noch ihrer Führnng bedürfen, diese veranlasen, den Sabbat zu entweihen. Diese Eltern bedenken nicht, welchen Schatz sie ihren Kindern rauben, dass sie aus ihrem Leben jede Poesie ausschalten, dass sie ihr Kind hineinzwängen in ein Leben, in dem es, da es keinen שנת mehr hat, allmählich den Sinn verliert für alle:. Hohe ur,d Göttliche. Ich meine, nicht zu übertreiben. Aber, wer mit offenen Augen sieht, welche Entwickelung das Leben unserer Volksgenossen, die sich vom שבת .emanzipiert“ haben, genommen hat, der, meine ich, muss mir beistimmen. Ich höre bereits einen Einwand: dass auch in unserer Generation noch Sinn für Hohes und Göttliches besteht, könne man daraus ersehen, dass auch heute noch in den meisten Kreisen das Bedürfnis nach Gottesdienst und Erbauung vorhanden ist. Nun, was hier als Vorzug hingestellt wird, das möchte ich beinahe als Nachteil bezeichnen. Ohne die Notwendigkeit oder den Wert de.- Gottesdienst, der ja an und für sich eine uralte jüdische Einrichtung ist, bestreiten zu wollen, möchte ich docl. bemerken: Es ist ein trauriges Zeichen unserer Zeit, da*' immer mehr der Haupt wert unserer religiösen Betätigung auf die Synagoge und die äusseren Ausgestaltung des Gottesdienst gelegt wird. Dabei ist es schon rein ausserlirh bemerkbar, dass die Mittel, mit denen der Gottesdienst veranstaltet wurde, früher viel einfacher waren als heute. Früher kamen 10 Männer zusammen, einer von ihnen nahm die Führung und so veranstaltete man einen Gottesdienst. Nach Schluss desselben wurde gelernt, woran sich, da sich jeder daran beteiligen konnte, von selbst die Diskussion schloss. Heute braucht man eine prächtige Synagoge, einen gut geschulten Kantor, einen ebensolchen Chor, womöglich noch Orgel, eine Predigt, die. da eine Diskussion nicht zulässig, bei weitem nicht den nachhaltigen Eindruck machen kann wie das Lernen von früher. Ich hebe diese Unterschiede hervor, um an ihnen zu zeigen, wie auch bei uns, auch in religiöser Beziehung, die Aeusserlichkeit zunimmt. Dass unter ihr der innere Wert leidet, liegt auf der Hand. Diese übertriebene Bewertung des Gottesdienstes geht ja schon so weit, dass bekanntlich die Berliner jiidische Gemeinde mit der Absicht umgeht, am Freitag Abend einen besonderen Gottesdienst für diejenigen Leute einznrichten, die beruflich verhindert sind, an dem festgesetzten Sabbatgottesdienst teilzunehmen. Ich meine, man kann diese Einrichtung nicht anders bezeichnen als eine amtliche Sanktionirurg der Sabbatentweihung. Ausserdem aber zeigt diese Einrichtung, welche verkehrten Ansichten über die Art des Judentums bereits unter uds Platz gegriffen haben; denn, dass solche Mittel nicht heifen das Judentum zu retten, das werden die Veranstalter selbst gewiss schnell einsehen.