Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 5 u. 6 (Mai-Juni 1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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11. Jahr$. Jio. 5 u. 6. Jtfai-JunF 1911. (!)onafsblatf zurpörderung der Sabbathheiligung im iocialen und wirtfcbaftlicben Ceben derQegenwart Organ des Verbandes der Sabbathfreunde, des Israelitischen Stellenvermittlungs- und Versicherungsuercins, Franhfurt a. M. des Vereins für Stellenvermittlung, Berlin, des Stellenvermittlungsvereins jüdischer Kaufleute, Breslau und des Israelitischen Stellenvermittlungsvereins, Hamburg. _ ' -\ Verlag: Isr. Stellenvermittlungsu Versicherungsverein, Frankfurt a M. Redactlon: Dr. Ed. Biberfeld, Berlin. Centralbureaa des Verbandes der Sabbathfreunde: Berlin C., Neue Frledrichstr. 71. Die Mitglieder des Verbandes und der Stellenvermittlungsvereine zu Berlin, Brcslsa. Frankfurt und Hamburg erbaiten das Monaf.sblatt ,Der Sabbath“ unentgeltlich. Bezugspreis ftlr Nichtmitglieder Mk. 8.— jährlich. — Anzeigen 30 Pfennig die viereespaltene Petitzeile, bei J ah res auf trägen Babatt. — Correspondenzen für die Bedaction an Dr. Ed. Biberfeld, Berlin C.. Nene Friedrkhstr. 71, alle sonstigen Mitteilungen geschäftlicher Art an die Geschäftsstelle des ,Der Sabbath“. Frankfurt * M.. Nene Zeil 63. ' Nachdruck der Artikel mit Quellenangabe erwaoaeht. Be r 11 n C״ Neue priedrichslr. 7) B r e s 1 s u I! VEREDIHRIltEABX: lllallstrasse 10. H * * b u r* 13.: Butschbahn 17. F r a ח K I u r 1 W.! Se'<־1)״n51r. W. Der Sabbat in der Jetztzeit. Vortrag gehalten in der Berliner Ortsgruppe des ,Verband der Sabbatfreunde“ am 2• Mai 1911 von Arthur Marcus, Berlin. Meine verehrten Damen und Herren! Als vor einigen Wochen der Vorstand des ,Verbandes der Sabbatfreunde“ an 1n:ch mit dem Ersuchen herantrat, ein Referat zu übernehmen, hielt ich mich, obwohl ich durchaus nicht den Beruf eines Redners in mir fühle, nicht für berechtigt, dieses Ersuchen abzulehnen, und zwar deswegen, weil das System, das der Verband damit verfolgt, indem er auch Laien zur geistigen Mitarbeit heranzieht, echt jüdisch ist. Gab es doch im Judentum niemals und früher eher noch weniger als jetzt eine Kaste oder einen bestimmten Stand, der berufen oder infolge seines Berufes allein verpflichtet war, sich mit der תודה zu beschäftigen. Nein, im Judentum hatte jeder Einzelne, ob hoch oder niedrig, welchem Stande er auch angehörte, die Pflicht, sich mit der .הו־ד zu beschäftigen. Dieser Auffassung entspricht-unser tägliebes Gebet: להנץ ולהשכיל לשמוע ללמד וללמד לשמי ולעשות ולקים את בל דברי תלמוד תורתך d. h. ,um Verständnis, zu hören, zu lernen und zu lehren, zu beobachten, auszufiihren und zu erfüllen alle Worte Deiner überlieferten Lehre“ Daher gab es auch im Judentum nie einen eigentlichen Stand der Geistlichen, und wir können wohl sagen, giebt es auch heute noch nicht, denn der Rabbiner ist vor allem, was schon das Wort sagt, der Lehrer der Gemeinde, derjenige, der durch sein Wissen über die anderen hinausragt. Entsprechend dieser Anschauung galt auch im Judentum stets der Grundsatz: לא •<*מ הארץ חסיד ,dass ein Unwissender nicht wahlhaft fromm sein könne. Wie wahr dieser Grundsatz ist, das zu beurteilen, haben wir leider heutzutage sehr viel Gelegenheit. Allerdings kann man!:einem ins Herz schauen und ergründen, wie weit Bildung *und' Frömmigkeit gleichen Schritt halten; aber, wenn wir, und das dürfen wir, wahrhaft jiidischesJLt־l«en־als Ausfluss von Frömmigkeit halten, so müssen wir ■lo •11 sagen, dass in unserer Zeit eine Unwissenheit über Juden und ■ludeni tum herrscht, die geradezu erschreckend ist. Dabei muss man die eigentümliche. Beobachtung machen, dass viele.- wenn sic sich schon über Juden und Judentum belehren lassen wollen, nicht etwa sich diese Belehrung ans unseren jüdischen (.Quellen holen, sondern aus ■ niclifjüdisrlien. oft auch jitdenfeindlirhen Schriften. Es mag zugegeben werden, dass Vielen unter ans die Fähigkeit abhanden gekommen ist, j in unseren jüdischen Schritten zu forschen, aber, wir müssen, wenn man objektiv über Juden und Judentum urteilen will, verlargen, dass man oft und vor allem einmal diejüdischen- Schriften über das Judentum liest, sonst ist es kein Wander, dass bis in die weitesten, sogenannte!! ״aufgeklärte!!“. Volksschichten hinein die verkehrtesten Ansichten über das Judentum herrschen. Von den drei Säulen, auf denen das Judentum ruht, von לד ־;דיי'-. רב־־ב werden die zweite und dritte iucli heute noch gepflegt, allein wir haben vergessen, ■lass an erster Stelle ־.—ד steht, und nichtumsonst werden unsere Weisen ת.—ה an die erste Stelle gesetzt, haben, denn ד״ ist das wichtigste, in ihr sind auch עב דיה וגמילות דכ־־כ enthalten; wer die Mizwoli ־־.־־־ erfüllt, von dem ist auch zu erwarten, dass er die beiden andern erliillt. j Wenn wir nun der Frage auf den Gfund -gehen, woher die grosse l.'!1wi>se11heit kommt, <1 io iü unsere Kreise eingerisson ist, so glaube icl! wohl, sie dahin beantworten zu dürfen: ,Der Sabbat ist uns verloren gegangen nnd mit ihm die Möglichkeit und die naturgemäss gegebene Gelegenheit, uns mit der ת—ה zu beschäftigen.“ Seit jeher nämlich galt es als die würdigste Art, den Sabbat zu begehen, indem man sich, jeder iu der Art, w ie es seine Kennt- ■ nisse gestatteten, mit der ת—ה beschäftigte. Wohl wird ■ heute in den Gotteshäusern viel von Thora gepredigt, aber