Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 3 u. 4 (März-April 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sebbath. 19 Thema ttber: In unserer Zeit sei eine Einigung aller Parteien des Judentums dringend zu wünschen. Das Einigungsmittel dürfe ׳ jedoch kein änsserliches, sondern müsse vielmehr ein historisch bcgründete8, innerliches (religiöses) sein. Redner forderte die allgemeine Anerkennung eines ״Hciligtnms“ (Synagoge, Schale, Qemeindeinstitntion) bei vollkommner Gewährung individueller Freiheit, ן ferner die Errichtung von jüdischen Schulen, in denen den Kindern 1 die hohe Idealität des Judentums, vor allem des Sabbath erschlossen werde. Der Abfall sei eine natürliche Folge der Unkenntnis des Judentums, ]{an könne doch für etwas, das man nicht kenne, schwerlich Opfer bringen. Schliesslich richtete der Redner einen warmen Appell an die Anwesenden, den Sabbath als den Pfeiler des Judentnms zu wahren und hochzuhalten. Wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen, schloss der Redner seinen . I1/, ständigen Vortrag, der für die Propagierung der Sabbath-Idee im allgemeinen, für das moralische Ansehen des ״Schomre-Schabbos“ Vereins im besonderen von unschätzbaren Werte ist. An der daranffolgenden Diskussion beteiligten sich die Herren: Rabbiner Reich (Wien V), Rabb: Dr. Funk (Pressburg) der den Tag als einen ״denkwürdigen“ bezeichnete, in dem Redner die Verkörperung des Ideals ״Thora und Bildung“ sab, Redakteur Bettelheim (Pressburg), Prof. Stenjer (Pressburg), Wolf Pappenheim (Wien) usw. Unter den Anwesenden bemerkte man ferner: eine Depntation der Eultnsgem. Eisenstadt (Ungarn), Vorstandsmitglieder aus Pressburg, Oedenburg, die Herren Rabbiner Dr. Bauer, Dr. Kaminka, Fürst, Kramer, Qoldstein, die Professoren Dr. Glaser, Dr. Singer, Dr. Weiss, Oberkantor Schorr, den Vorsitzenden der hiesigen ״Freien Vereinigung“ Herrn Bernhard Hofbauer, Sekretär Dr. Adler, Redakteur Dr. Sinnerlich usw. I)dt Vorsitzende, Herr Fe Isenburg, dankte dem Redner für den köstlichen Genuss, den er unsern Gästen geboten. In gehobene Stimmung und in dem tröstlichen Bewusstsein, dass auch im Grossstadtgetriebe noch Sinn für echtes Judentum zu finden sei wurde in später Stunde die imposante Versammlung geschlossen der ia nächster Zeit mehrere Vorträge folgen sollen. Anim. London, im März. Der Jcwish Board of Deputies hat eine Zuschrift an den Minister des Innern gerichtet, in der er sich gegen den Vorschlag wendet, wonach den Juden, die den Sabbath beobachten, nur UDter der Bedingung gestattet sein soll, ihre Geschäfte am Sonntag offen zu halten, dass sie nur jüdische Kundeu bedienen. Der Minister wollte ursprünglich nur für diejenigen jüdischen Kauflente eine Ausnahme machet!, die am Sabbath ruhen und in einer jüdischen Gegend wohnen; er änderte jedoch nachher seinen Plan und dehnte das Privileg auf alle den Sabbath beobachtenden Juden aus, begrenzte jedoch die Ausnahmebestimmung auf die Bedienung jüdischer Kundschaft. I 5imon Spira und sein Sohn. Historische Erzählvmg. Von Alb■ Em. Brachvogel. (Fortsetzung Ich hab sie unter dem Tuche, damit sie der Leichendiener nicht sehen soll und übles denken. Ach, Esther, liebe, gute Esther, sag’ an, was willst Du mit ihr tun?" Willst Du den Frieden der Todten stören?“ ,Ich will meine Ahnmutter nicht stören. Nur wiedergeben will ich ihr, was ihr einst gehört hat und was ich nicht wert bin fürder zu besitzen! Verstecke die Schaufel unter's Laub und setze ׳ Dich zu mir in’s Gras•* Täubchen zog eine kleine eiserne Schaufel unter ihrem Tuche hervor und verbarg sie im wuchernden Schöllkraut, dann setzte sie sich zu Esther, welche neben Sara’s Grabe auf der Erde Platz genommen und einen anderthalb Fuss langen, walzenartigen Gegenstand auf ihren Schoss gelegt hatte, den sie bisher ׳ unter ihrem Tuche getragen. Dieser Gegenstand war sorgsam in ein Stück Seidenzeug genäht- ,Täubchen Caro, Du bist meine einzige Freundin“, begann sie bewegt; ,wie Du liebt mich kein MejisclP auf der Welt! Die andern Alle schielen auf mein Vermögen, undf sie lächeln nicht mich an, grüssen nicht mich, sondern meine,(Perlen und meine Dukaten. —-Willst Du mir schwören Täubchen, hier bei der Todten schwören, dass Du ganz aufrichtigst sein willst, und mir alle Gedanken Deines Herzens sagen, wenn ich Dir offenbare, was mir allen Frieden geraubt hat?“ Ich schwöre es Dir zu bei meinem Leben, bei den Todten, und bei dem Gott unserer Väter!“ ן ,Du sollst -mir ein Urteil sagen, ob ich Recht tat, oder ob ch gefehlt habe. . ,Ich werde dir’s sagen.“ ,Täubchen, du weisst's. ich habe meine Mutter nicht lange gehabt, mein Vater hat mich erzogen stolz, misstrauisch und in aller Weisheit, die er selber ererbt und erforscht hat. Er hat־mich lesen gelehrt und verstehen die heilige Rolle meiner Voreltern, die sie gerissen haben aus Jerusalem’s Flammen und mitgenommen hierher in ein fremdes Land. Hier ist die Rolle!“ ' Täubchen schrak auf. ,Was willst Du hier bei den Toten - mit der Rolle“?! ״Du wirst es sehen! — — — Ich bin stolz und hochmütig gewesen auf meine Geburt, auf meinen Reichtum, auf meine Schönheit, auf die Weisheit, die verborgen ist in dieser Schrift.“ ,Vor sechs lahren hat Gott mir aber auch den Vater -genommen, und ausser foach Schamech und Rabbi Spira, die seine Freunde lange )ahre gewesen sind, hab’ ich verlassenes Mädchen Niemand gehabt, dem ich hätte mein Herz geben können! Schamech habe ich getraut und traue ihm noch, er hat mich behütet, dass ich nicht pteisgegeben bin, um mein Geld und um mein hübsches Gesicht. Dem Rabbi Spira aber hab’ ich auch getraut,־ habe Sara, sein Weib, geliebt wie meine zweite ־Mutter 1 Ich traue ihnen Allen — Allen nicht mehr! Gott meiner Väter, ich traue mir selber nicht mehr!“ ,Esther, Kind, was ist •vorgegangen mit Dir?! ״Etwas schreckliches, etwas Gemeines! Etwas, dass man sich schämen muss, nur davon zu reden!“ rief sie aus, und ihr Gesicht erglühte. ״Mir kannst Du’s doch sagen? Deiner Freundin, die Dich lieber hat, als sich äelber?!“ ,Wie ich so allein stand, bin ich oft gegangen in Spira's Haus, und mir ist dann immer gewesen,, wie wenn ich bei meinen Eltern wär’; dort habe ich Trost gefunden in meiner Einsamkeit Der Marcus ist damals noch ein Gelehrter gewesen, ein Schüler von seinem Vater. Der Mensch hat sich aber immer so sonderbar zu mir angestellt, so fremd und scheu, und doch hat er mich auch immer angeglotzt mit seinen grossen Augen, und mir ist so geweSen, als wollt’ er mir jeden Augenblick was sagen, wovor er sich fürchtet, oder als möchte er mir was autun!* ״Der Marcus? Dir? — Esther!!“ ״Ich sage Dir, er —> hat es getan!1-— Mein Vater war kaum ein )ahr. tot und ich gehe einesj Tages in des Rabbi Haus und bin mir nichts bewusst, als reiner heiliger Gedanken aus der Rolle, über die ich Simon gerade befragen will. Der Rabbi ist aber eben in der Schule gewesen und <iie Sara mit der Magd auf’n Markt gegangen und ich — ich — sieh, ich treffe den Marcus ganz allein!* Esther stockte- - ״Da — da hat der Marcus mir ungebührlich sich nähern wollen!!“ rief sie mit zorniger Scham - Täubchen Caro war aufgesprungen. ״Der Marcus? Und Dir?!! “* ״|a! Ich schwöre Dir’s zu, er hat es tun wollen aus böser Lust! Mir, der Esther Katz, der ersten Frau der fudenschaft 1 Mir deren Knecht zu sein, er nicht wert ist!“ ,Gott soll mich strafen, aber ich glaube es nicht! Es ist nicht wahr, ,Esther, es kann nicht wahr sein, denn der Marcus hat keine gemeine Gedanken!“