Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 3 u. 4 (März-April 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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\t Der Sabbath. *־:;.־׳•; Vermischte Nachrichten. '1 (u •j BWiiV 1ן;. Februar. Die Berliner Stadt verordnetenTersammlaof ^esltä&i^te sieb* gestern mit dem Erlass eines Ortsntatut* über Ein>chralkuJg׳^er Senat agsar beit im Kleinhandel. Die Beratnng nahm eifeü: leiirjeise. 'stürmischen Verlauf. Vom Magistrate warS eine Beeotdtihtfng 'der Sonntagsarbeit anf die Standen yon 7 bis 1 10 ühi (vormittags in Vorschlag gebracht worden. Der vorberatende Ausschuss hatte sich bereits für die Magistratsrorlage erklärt. Da kam noch in letzter .Stunde ein Antrag des Stadtv. Sonnenfeld, der [ wünschte, die Sonntagsarbeit in, folgender Weise zu regeln: ln der Zeit vom 1. Mai bis 1. Oktober von 8 bis 10 Uhr vormittags, in debZeit vom 1. Oktober bis zum 1. Mai von 12 bis 2 Uhr nachmittags. Infolgedessen trat der Ausschuss nochmals in Beratung. Der Antrag Sonnenfeld wurde im Ausschüsse abgelehnt nnd die Magistratsvorlage nunmehr mit 8 gegen 6 Stimmen angenommen. Gleichzeitig wurde vom Ausschüsse eine Resolution beschlossen, nach welcher der Magistrat ersucht werden soll, fernerhin die Lohn- Zahlung der städtischen Arbeiter am Freitag zu veranlassen. Der Berichterstatter des Ausschusses, Stadtv. Mommsen, empfahl daher j gestern die Beschlüsse des Ausschusses zur Annahme. Zn bemerken ■ ist, dass die vorgedachte Einschränkung anf den Handel mit Blnmen 1 nnd Nahrnngs- und (fenussmittelu keine Anwendung finden soll Neben dem Ausschussantrsge wurde vom Stadtverordneten Sonnenfeld (A. L.) sein vom Ausschasse äbgelehnter Antrag wieder ein. gebracht{ Stadtv. Hintze (30z.) dagegen beantragte völlige Sonntagsruhe mit Ausnahme des Handels mit Nabrungs- und Genussmitteln, sowie mit Blnmen. Es lagen somit drei Anträge vor, die sämtlich nach ihrer Begründung durch die Antragsteller Freunde und Befarworter fanden. Stadtv. Sonnenfeld betonte ganz besonders, dass er ein grosser Freund der Sonntagsruhe sei nnd seinen Antrag nur als einen Uebergang zu einer noch erweiterten Sonntagsruhe betrachte. Dieses Endziel dürfe jU>er nicht sprunghaft, sondern müsse schrittweise zu erreichen ,versucht werden. Dazu erscheine! sein Antrag am allergeeignetsten, da er die Verschiedenheit von Sommer nnd Winter berücksichtige nnd zudem noch weiter gehe als die Magistratsrorlage, indem er die Arbeitszeit an Sonnnnd Festtagen nur auf 2 Standen beschränke. Der Ausschuss dagegen ging von ׳der Ansicht aas, dass das kleine kaufende Publikum daran gewöhnt werden misse, seine Eiakäafe nicht mehr in, den Mittagsstunden der Sonntage, sondern in den Morgenstauden oder den Abendstunden der Sonnabende za besorgen. Es komme nar auf die Gewöhnuqp an. Für den Antrag Hintze sprach nur der Antragsteller. Den Antrag Sonnenfeld befürworteten die Stadtv. Bamberg (A. L), Rosenow (N. L.), Cassel (A. L.) and bedingt aach Gronewald, der am liebsten den alten Zustand beibehalten ^zu sehen wünschte. Die Stadtv. Friedberg (Fr. Fr.), Kollokowski (Soz. Fortschr.), Goldschmidt (A. I..) und ätadtrat Maas erklären sich für den Ausschussantrag. Der Antrag Hintze wurde schliesslich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelebnt. Ueber die beiden anderen Anträge fand namentliche Abstimmang statt. Diese hatte das Endergebniss, dass für. den Antrag Sonnenfeld 66, dagegen 47 Stupmetf abgegeben worden. Der Antrag Sonnenfeld hatte somit den Steg errangen. Für die vom Ausschass beantragte Resolution erklärte sich die grosse Mehrheit der Versammlung. (Der Magistrat ist inzwischen diesem Beschloss der Stadtverordneten- Versammlung beigetreten unter der Voraussetzung, dass die an Berlin angrenzenden Vororte eine gleiche Regelung der Sonntagsarbeit treffen.) Nürnberg, 27. März. Ein Damenkomitee unter gütiger Leitung von Frau Dr. P. Münz, Bad Kissingen veranstaltete hier am Sonntag, den, 19. März ein Wohltätigkeitsfest zum Zwecke des weiteren Ausbaues 'unserer .Peah“. Dasselbe begann nachmittags , um 4 Uhr mit vorerst mehr für Kinder berechneten Aufführungen und!wurde bis gpgen 3 Uhr früh darchgeführt. Die Herren Dr. P. Münz, Bad Kissingen und Bankier W. Ottensooser hatten uns 2 Prologe für dab Fest verfasst, ebenso Frau Dr. Feilchenfeld, Fürth min FestspieL Die Dachführung des ganzen Programmes, das ausserdem noch Kabarettvorträge umfasste, war glänzend und unterhielt das erschienene Publikum — es mögen gegen 700 Personen gewesen sein — ausgezeichnet. Wir benützen diese Gelegenheit, um nochmals allen, die an dem Gelingen des Festes mitgearbeitet haben, unseren herzlichsten Dank auszusprechen, für ihre aufopfernde Tätigkeit im Dienste unserer Sache. Ganz besondere Anerkennung aber' gebtihrt Frau Dr. P. Münz, unter deren kundiger Organisation und Leitung sich erst das Ganze entwickeln konnte, was es geworden ist. Wir erzielten bei dem Feste einen Ueberschuss von ungefähr 2400 Mark, ein Betrag, der uns bei der notwendig gewordenen Er- Weiterung unseres Institutes sehr za statten kommen wird. Bad Mergentheim. Am 18. Februar, abends 81/• Uhr fand im Hotel Fechenbach eine Versammlung der Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde statt. In derselben erstattete Rabbiner Dr. Kahn Bericht über die Tätigkeit und die Erfolge des Verbandes in den letzten 2 Jahren. Er hob besonders das Wachstum des Verbands hervor, dessen literarische Leistungen wie ״Sabbath“, ״Sabbath- Vorschriften“, Kalender, ״Sabbathbestimmnngen“ usw. Ferner betonte er die Erfolge in Sachen Sonntagsruhe usw. Auch wurde die Tätigkeit des Vereins für Versicherung gegen Stellenlosigkeit nachdrücklich und die Erfolge der Centrale für Stellenvermittelung etc betont. Es wurde auch der Bemühungen für Schaffung eines Führers ,für die Bernfswabl gedacht und des Umstande1-, dass auch hiesige Gemeiudemitglieder an der Beantwortung der Fragebogen sich beteiligt hatten. Ein vorgesehener populär wissenschaftlicher (geschichtlicher) Vortrag musste wegen vorgerückter Zeit verschoben werden. Der Gewinn einer Anzahl neuer Mitglieder war der Erfolg des Abends. — Am שבת בראשית wurde die Einführung eines Rascbi-Schiur hier angeregt. Derselbe kam zustande und würde bis daher im Lokale der Gemeinde, welche liberalerweise Licht und Heizung spendete, jeden Freitag Abend nach Beendigung des Gottesdienstes abgehalten. Der Schiar erfreute sich bis daher zahlreicher und sehr eifriger Teilmhme der Gemeindemitglieder. — Altem Herkommen gemäss wird hier wie in fast allen Gemeinden Süddeutschlands jeden Sabbath Vormittag nach dem Gottesdienste in den beiden Männer-Chevraus je ein Schiar abgehalten. Hamburg im Februar.׳ Auf das im Vorwege an den Senat ergangene dringende Auskunftsersachen der Bürgerschaft, ob nnd wann der Erlass eines Ortsstatats betr. die Erweiterung der Sonntagsruhe im Sinne ihres Beschlusses vom 9. Juli 1910 za erwarten stehe, wnrde in der gestrigen Sitzung der Bürgerschaft die folgende Antwort des Präsidenten des Senats zur Kenntnis gebracht: ״Euerer Hochwohlgeboren beehre ich mich, za dem mit Schreiben vom 2. d.' M. im Vorwege übersandten Anträge der Herren Kümpel und Genossen betr. die Erweiterung der Sonntagsruhe mitzateilen, dass der Senat zu dem Beschlüsse der Bürgerschaft vom 9. Juli 1910 bisher nicht Stellung genommen hat, weil die Erörterungen über diese wichtige, nicht nur vielseitige wirtschaftliche Interessen berührende, sondern auch in die kirchliche Verhältnisse tief eingreifende Angelegenheit noch nicht abgeschlossen sind. Der Senat vermag auch die Frage, wann eine Entscheidung za erwarten steht, heute noch nicht zu beantworten nnd muss sich auf die Erklärung beschränken, dass die Sache tunlichst gefördert werden wird." Wien, 20. Februar. Auf Einladung der hiesigen Ortsgruppe des Verbands der Sabbathfreunde sprach Herr Gymnasialleiter Rabbiner Dr. Jung aus Ung. Brod am 14. Dezebr. vor einem vielhandertköpfigen Publikum über das Thema: ״Was uns not tut“ Von nah und fern erschienen Gäste, um den glänzenden Redner, den idealen Vorkämpfer für das ״Jüdische Gymnasium“, den Führer der Orthodoxie Oesterreichs za hören, und zwar in solch grosser Zahl, dass sich der Pracbtsaal des Hotel ״Central“ als viel za klein erwies; besonders hervorgehoben sei, dass eine stattliche Anzahl von religiös-freisinnigen Personen sich eingefaaden hatte, die den geistreichen Ausführungen des Redners mit anhaltend gesteigertem Interesse folgten. Nach einer Darlegung der sozialen und hygiemachen Wichtigkeit des Sabbaths, der Schilderung des hohen sittliehen Einflusses, der spociell dem jüdischen Sabbath mit seiner geistigen Kräftigung innewohnt, ging der Redner zum eigentlichen