Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 3 u. 4 (März-April 1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Der Sabbath. bedürfnis'/eiern, sondern die ihn als das Zeichen hüten und ehrem als welchen ihn Gott zwischen sich und sein Volk gestellt hat.. Der sorgende, . ringende und den KampfV1üh& Dasein kämpfende Mensch, der für sich und der seinen Erhaltung auf seine Sorge und Arbeit angewiesen sieht, ist nur allzuleicht geneigt seine Tätigkeit find sein^ ,Intelligenz als die Schöpfer seiner Welt zu vergöttern und darüber zu vergessen, dass Gott der Schöjrfpr von Himmel ,und Erde und der auf ihr lebenden Menwjknwelt ist. Deshalb gebietet der Sabbath dem arbeitenden ringenden Menschen in Gottes Namen Halt, zieh.?--seine Hand von aller gestaltenden, produzierenden T;i.tis!flEeit zurück und lenkt den Blick auf Gott als ErhSter von Himmel und Erde. * IW jüdische Mensch, der diesem Rufe folgt, der sechs Tage emsig gearbeitet, und mit Eintritt des siebeinten die schaffende Hand sinken, den eilenden Fuss rasten lässt, nicht um zu ruhen und sich zu erholen, sondern um seine Anerkennung Gottes als Schöpfer und Meister der Natur und Menschenwelt durch die Tat, durcn die Sahbatfeier zu besiegeln, erst dieser wird des Segens und der Heiligkeit teilhaftig, die aus der treuen Beobachtung dps Sabbaths fliessen. Bei einem Sabbath, wie er in Egypten von unseren Vätern nur gefeiert werden konnte, war jedoch alles ausgeschlossen, was der Sahbathfeier den Charakter einer Gotteshuldigung verleihen konnte, eine solche hätte auch Pharao nie zugegeben und sie scheint auch bei dem schweren Druck, der auf d«n Volke lastete, von vornherein ausgeschlossen. ר Aber am letzten Sabbath. den sie in Egypten verlebten, sotten sie sich mit ihrem Opferlamm den Geist und die Gesinnung aneignen, die unerlässlich ist, um d-n Sabbath. der ihnen ja nicht erst am. Sinai, der ihnen schön in Mara geboten wurde, voli und ganz zu feiern. Was ist es deftn: das die Gotteshuldigung * des Sabbaths zu einer so schweren Prüfung macht, dass sie «־׳< viele, nicht bestehen? Verdienen, erwerben, gemessen ist die Parole, Verdienst. Erwerb, Genuss sind die Götzen des Tages . depeij׳, alle und alles huldigen. Das Kind wird in die Sctuhfe ״eschickt, um etwas zu lernen, üm sich Kenntn»s>«1uhd Fertigkeiten anzueignen, damit es später '•4 ן§<11*ז(Ws verdienen und erwerben, und dann geriÄsen Kann. . I R? Wissenschaft und alle Kunst, alle Induattje. ■ alles Denken und Wissen zielt darauf hin. Alle Idelle werden in den Dienst dieser Idole gejocht und müssen ihre Nützlichkeit nachweisen, wenn sie nicht als• 1 Eber^anntheit verlacht und verfehmt werden sollen. Je njg!r daher jemand verdient, desto mehr besitzt, desto! gearteter ist er. So entsteht der mörderische Ringi kam® den man beschönigend freie Konkurrenz nennt, \ in ddp, der Freund nicht mehr den Freund, der Bruder ן nicht ״׳W K den Bruder kennt, und der Refrain, der aus j diesem dfetummel in allen Variationen herausklingt, lautet: ן Erwirb und verdiene, ruhe nicht aus und raste nicht,; bis yu so viel an dich gerissen hast, dass du als reich; .giltst, dann bist du geehrt und geachtet und kannst! Sorglos gemessen! Mitten in diesen heissen Kampf aller gegen alle tritt der Friedensbote, der von Gott gesandte Sabbat. Er :-will den Kämpfenden den Schweiss vom göttlichen Anti litz trocknen, die Furchen in der Stirne glätten, ihnen Ruhe und Frieden bringen, indem er auf Gott, der ihn gesandt hat, hinweist, in dessen mächtiger Vaterhand doch allein Leben und Tod, Reichtum und Armut ruht. Er verlangt Einstellung aller Tätigkeit, während die Zeit •.!feitet die restlose Anspornung aller Kräfte fordert. Er ” weist' den Menschen von der Beherrschung der Natur, naefdem er sie sechs Tage sich untergeordnet hatte, zurück und verlangt durch Einstellung jeder produzierenden Tätigkeit in Gottes Welt die Anerkennung Gottes als Schöpfer und Eigner von Himmel und Erde. Aber die Gegenwart in ihrer wilden Jagd nach Erwerb und Genuss findet diesen Ruf immer unbegreiflicher und macht sich daran, in ihm eine unberechtigte Zumutung zu erblicken. *■׳ Da gehört Mut dazu unter diesen geräuschvoll auftretenden und selbstverständlich scheinenden Ansprüchen des täglichen Lebens, dem älteren Anspruch Gottes und seines sanften Friedensboten nicht nur Gehör zu schenken, sondern ihm willigen, freudigen Gehorsam entgegenzubringen. Es gehört Mut dazu, treu und fest in seiner von den Vätern überkommenen Ueberzeugung auszuharren, wo dieselbe so schroff mit der ganzen Strömung kontrastiert und diese Ueberzeugung nun in der Erziehung der Kinder, in der Führung seines Geschäftes entschieden zum Ausdruck zu bringen. Wer dieses עולת שבת בשבתו, dieses Opfer, welches jeder Sabbath neu verlangt, freudig bringen will, der muss sich von den Trotzen unserer Zeit emanzipieren, der muss den Mut haben, sie nach dem leuchtenden Vorbild unserer Väter, angesichts ihrer Verehrer zu binden, wenn er das grosse Wunder auch an sich erfahren will, dessen Gedächtnis der Sabbat Haggadol verewigt. Die Götzen, denen die Kinder unserer Zeit alles bingeben, diese gerade opferte und opfert der Jude seinem Gotte. Freilich knirschten und knirschen die Priester und Verehrer aller Götzen hierüber die Zähne, aber sie bekunden damit nur ihre Machtlosigkeit und die ihrer Idole. Erst wenn diese Götter überwunden sind, wird Ruhe und Frieden im Kreise der Menschen heimisch werden. Dieses tröstliche Bewusstsein veranschaulichten unsere -Ahnen, indem sie das Opfer, das sie Gott mit den gefesselten Götzen ihrer Zeit brachten, an ihre Ruhestätte banden. Die entfesselten Götzen verwandeln unsere Ruhestätten in ein Pfühl von Unruhe und Sorgen, aber dass unsere Lagerstätten uns wirklich Ruhe und Befriedigung bringen, dafür gibt es keine bessere Garantie, als die Fesseln, diewirdenGesichtern derHabsuchtund Genusssucht anlegen. Das w׳ar das grosse Wunder des Sabbath Hagodol; diese Gesinnung und diese Tat machten den Sabbath gross, der sie zum ersten Male lehrte, und stellen noch heute diejenigen, die sich von ihr durchdrungen wissen, hoch über das niedrige Weltgetriebe, das keine höheren Ziele, als Erwerb und Genuss kennt. Mit diesem Geist möchte uns der sinnige Brauch der Väter ausrüsten, wenn er uns alljährlich erinnert, dass nur er zum Feste unserer Freiheit führt, dass erst der Sabbath hagodol vorangegangen sein muss, wenn Pessach folgen soll. Über religiöse und weltliche Ceremonie. Vortrag gehalten in der Ortsgruppe Berlin. Von Eli Lazarus. Meine verehrten Damen und Herren! Das für den heutigen Abend von uns gewählte Thema scheint oberflächlich betrachtet nur in einem losen Zusammenhang mit dem ״Verband der Sabbathfreunde“ zu stehen. Und dennoch waren es gerade die Gedanken, die einer erneuten Ausbreitung und Vertiefung der Sabbathidee gewidmet waren, die zu diesem Thema führten, Zunächst bitte ich Sie um Ihre freundliche Nachsicht, wenn das Thema nicht erschöpfend oder laienhaft behandelt wird; aber ich bin nun einmal kein ״gelehrtes Haus* und gebe es so nach meinem besten Können. Was verstehen wir unter Ceremonie bezw. Ceremoniell? Ceremonien sind, um ein deutsches Wort dafür zu setzen, wohl nichts anderes als Umgangsmethode und Ceremoniell