Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 11 (1911)
- Issue
- 1 u. 2 (Januar-Februar 1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 5 bathfreunde* halte und ob eine ähnliche Organisation in England Aussicht auf Erfolg haben würde. Er erinnere sich, wie er vor einigen Jahren mit dem Chief Kabbi und einigen anderen Herren eine Anzahl Unternehmer besucht habe. Letztere zeigten sich mehrfach bereit, ihie jüdischen Arbeiter in der Beobachtung des Sabbath zu unterstützen. Ein oder zwei Firmen versicherten jedoch, sie hätten ihren jüdischen Leuten den Dispens am Sabbath angeboten, diese hätten jedoch abgelehnt. Ich glaube tdas, denn als der König seinen Empfangsabend auf einen anderen Abend zu verlegen anbot, zogen die Juden es meist vor, von dieser Vergünstigung keinen Gebrauch zu machen. Als ich vor sechs Jahren in Leeds war — wo der Sabbath besser' gehalten wird als in London — sagte mir der Kleidei'fabrikant Sir John Barran, er beschäftige eine Anzahl Juden, denen er am Samstag freigebe. Er deutete dann auf eine grosse Fabrik hin, deren Inhaber — einst bei ihm in Diensten gewesen sei. ,Dieser Mann־, sagte er, ,hat nie am Samstag gearbeitet und sehen Sie, wie weit er es gebracht hat“. Ich meine auch, fuhr Sir Samuel fort, dass jüdische Schneider gemeinschaftlich die Kleiderfabrikation unternehmen könnten, um so leichter der Sabbatharbeit entgehen zu können. Natürlich ist Geld und vor allem Rührigkeit und Initiative zur Begründung eines solchen Geschäftes notwendig. Eine Vereinigung der Sabbathfreunde würde u a. eine Liste derjenigen Arbeitgeber, die ihren Arbeitern gestatten, am Sabbath zu ruhen, zu veröffentlichen haben “ Von einer autonomen jüdischen Ansiedlung erhoffte er keinen Vorteil für die Sache der Sabbathruhe. Die Kolonie werde, wenn sie einen Wert habe, von Christen nicht minder wie von Juden besiedelt werden. Und wenn die Christen die Mehrheit oder eine grosse Minderheit bildeten, so würden sie sich die gesetzliche Festlegung der wöchentliehen Ruhe auf den Samstag nicht gefallen lassen. Sir Samuel sprach dann noch von den Schwierigkeiten, denen er selbst bei seiner strikten Beobachtung des Sabbaths begegnet sei. ״Aber, so schloss er, ,es ist eine hohe Genugtuung, wenn einer in meine Jahre gekommen ist, zurückzuschauen und zu sehen, dass er so viele Versuchungen zur Uebertretung der jüdischen Gesetze siegreich bestanden hat. Ich kann nur wiederholen: wo einWille ist, da ist auch einWeg.“ Charakteristisch für das Wesen dieses seltenen Mannes ist folgende interessante Anekdote, die wir der ״Oestr. Wochenschrift“ entnehmen. Er hatte einen polnischen Rabbiner für Samstag zum Mittagessen eingeladen. Der Gast liess aber solange auf sich warten, dass man sich zu Tisch begab. Während des Essens hörte Lord Swaytbling eine Zänkerei und Geschrei im Hinterhause. Es stellte sich heraus, dass es der Gast war, den die Dienerschaft entfernen wollte. Er hatte nämlich an dem Haupteingange mit dem Finger geklopft, da er am Sab- . bath nicht läuten wollte, und da ihm niemand öffnete, ging er um das Haus herum, bis er zum Dienstboten- Eingang kam. Hier aber wollte man ihn nicht einlassen, weil seine Erscheinung nicht sehr reinlich war. Lord Swaythling erkundigte sich, was das Zanken bedeuten solle, und als er hörte, was es sei, ging er selbst, begrüsste den Gast und führte ihn mit vielen Ehrenbezeugungen und Entschuldigungen zu Tisch. Der Berichterstatter der ״Jewish World‘‘ lügt hinzu: es war interessant zu sehen, wie gemütlich sich der Gast niederliess, wie höflich der Hausherr war — und wie unbewegt das Gesicht des Kammerdieners.“-— Wie der Religion seiner Jugendzeit, so blieb er eben auch sonst deren Erinnerungen treu und sie schützten ihn davor, dass er als reicher Lord vergass, wie dem vom Glücke nicht Begünstigten zu Mute ist. .תנצב׳זז Literarisches. Dös Buch Koheleth, übersetzt und erklärt von Direktor Dr. Gerson Lange, Frankfurt a. M. 1910. A J. Hofmann. Ein besonders hervorstechender Zug im Wesen des 1:י, הי" ist seine Eigenschaft, die Freude am Gottesworte zu heben und zu beleben. Von jeher war es daher in jüdischen Kreisen Sitte, am Sabbath das Studium unserer heiligen Bücher mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu betreiben und auch solche. Teile der Heiligen Schrift zum Gegenstande des Studiums zu machen, für die in der Arbeit des Werktages der Geist nicht _ die genügende Frische findet. Ein Buch aus dem Kanon der heiligen Schrift weist aber schon durch seinen ganzen Inhalt, der sich mit den höchsten Problemen des menschlichen Daseins befasst, auf ein Eingehen in solchen gehobenen Momenten des Sabbathfriedens hin — es-ist das das Buch Ko heleth. In allen Zeiten 11ab?n die in ihm behandelteil Lebensfragen, der schlichte Ton seiner Darstellung und die umfassende Gedankentiefe seiner Schlüsse viele ünserer hervorragendsten Gesetzeslehrer beschäftigt. Es sind Kommentare über das ganze Buch und hauptsächlich Schriften über einzelne seiner Probleme in grosser Menge erschienen. Dennoch muss es mit Freude begrüsst werden, wenn ein im Leben unserer Zeit als Führer der jungen Generation sich bewährender Forscher es unternommen bat, das alte Buch in einem neuen Gewände oder richtiger gesagt, in seinem zwar uralten aber durch eifrige Arbeit erneuerten Gewände uus vorzuführen. Herr Direktor Dr. Lange, dem die Auffässungskraft der Jugend aus seinem Lehrberufe ausserordentlich plastisch vor Augen steht, hat in seiner Uebersetzung und Erklärung des Buches Koheleth vor Allem pädagogische Gesichtspunkte galten lassen und bei einem Werke, das so, wie gerade dieses Buch, eine tiefgehende erziehliche Wirkung auf seinen Leser ausüben muss, erscheinen diese Gesichtspunkte durchaus die richtigen zu sein. Eine abgerundete, die hebräischen Sprachweiidungen trefflich wiedergebende Uebertragung erhöht den Genuss bei der Lektüre und auch der Verlagsanstalt gebührt für die Sorgfalt, mit der I sie das Buch ausgestattet hat,' besonderer Dank. Wir : freuen uns, das Werkchen unseren Freunden ohne Vorbe- ] halt bestens empfehlen zu können. M. N. In einer biographischen Erzählung Berthold Auerbachs, die vor etwa 60 Jahren mit dem Titel ,Dichter und Kaufmann erschienen ist, findet sich folgende Schilderung des Sabbath: ,Welche Seligkeit solch eine Freitag Nacht ist! Wenn der Nichtjude auch alles hat, wenn ihm auch gar nichts fehlt, was ihm das Leben nur angenehm machen kann, eines fehlt ihm und da tausch’ ich nicht mit ihm um alle seine Vergnügungen und das eine ist: so ein Sabbath und Freitag Abend.! Wenn man sich die ganze Woche abgeräckert hat, dass man nicht weiss, wo einem der Kopf steht, da kommt; der Freitag Abend, sind alle Sorgen und Plagen weg, man ist ein ganz frischer Mensch. Und nicht nur mir!,־ist es so. Der Arme unter den Armen, der kaum Salz auf ein Ei hat, der die ganze Woche draüssen herum in Wind und Wetter sich fast bucklig schleppt, sich von! jedem'Bauer muss stossen und verspotten lassen, damit er nur ein paar Heller verdient; der die ganze Woche keinen Bissen Warmes hat, nichts als trocken Brot und ein Gläschen Schnaps, im bessern Fall gekochte Kartoffeln und wenn es, hoch geht, eine Tasse Kaffee — wie könnte der’s aushalten ohne den Sabbath? Da kommt der Freitag-Abend und er sitzt daheim in seiner Stub’, tut sich gütlich und erholt sich wieder bis Sonntag Morgen, dann nimmt er seinen Stecken in die Hand und seinen Bündel