Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- 11 u. 12 (Novbr.-Dezember 1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 63 -t- Montreal, 10. Oct. Beträchtliche Zeit hindurch sind die beteilizten jüdischen Kreise durch die Frage der Sonntagsruhe im Bäckergewerbe in Aufruhr gewesen. Verschiedene jüdische Bäckermcister, die den Sabbath feiern, wurden wegen Verletzung der Sonntagsruhe in Anklage gestellt und teils verurteilt. Schlies-lich haben jedoch die von jüdischer Seite unternommenen Bemühungen erfreuliüberweise zu einem Erfolge geführt, und das Polizci-Ucbcrwachungskomitee hat nunmehr beschlossen, den jüdischen Bäckern hei der I.ieferung der Backwaren am Sonntag kein Hindernis mehr in den Weg 7.u legen. Einen grossen Anteil aa diesem Ergebnis bat der Berieht des Polizeipräsidenten an das Komitee, der sich zu Gunsten der jüdischen Bäckermeister aussprach. Erfreulich ist, dass auch die Kanadische Presse in dieser Frage eine den jüdischen Interessen sehr sympathische Stellung eingenommen und unsere Bestrebungen durch eindrucksvolle Leitartikel unterstützt hat. London, im Xovetnber. In einem Interwiev, das der ״Jewish t'hronicle“ veröffentlichte, äusserte sich ein ungesehener Glaubensgenösse ans Melbourne, Mr. Blashki, in bemerkenswerter Weise über dss Sabbitbproblem in Australien. .Mr. Blashki saete :.,Das Sabbatbproblem ist das ernsteste, dem wir zurzeit gegenüberrteben. In d׳-u "der oder Stier Jahren, als ich ein Knabe wjir, richteten die Rahhintr Ornstein uni Davis in Sydney ihr Hauptaugenmerk auf den Sabbath, und sie bemühten sich energisch und erfolgreich, eine bessere Beobachtung des Sabbath herbeiznführen. ln jenen Tagen war cs nichts ungewöhnliches, eine grosse Zahl von Detail- und Fngros-Geschäfieu am Sabbath streng geschlossen zu linden. Leider wird in den letzten Jahren der Sabbath allmählich weniger beobachtet, so dass die Aufgabe, passende Unterkunft für jüdische junge Leute von religiöser Gesinnung zu linden, immer schwieriger wird. Die Huuptursache dieses Rückganges ist im Grnnde der wirtschaftliche Erfolg der jüdischen Geschäftsleute. Viele haben ihre Geschäfte in Genossenschaften oder Gesellschaften umgewandelt. Die Gründer ziehen sich zurück oder sterben, und die jüngeren Dircctoren betrachten es sozusagen als eine!׳dicht gegen ihre Anteileigner, den .Sabbath allmählich zu einem Arbeitstag zu maeben. Es ist jedoch bemerkenswert, dass diejenigen Häuser, welche fortgesetzt am Sabbtth festhalten, ganz ausserordentliche geschäftliche Erfolge bähen, und dass der Wettbewerb aageutcbcinlich ihre Lage keineswegs uugünstig beeinflusst. Ich kenne eine Firma in Melbourne, deren Bureau! am Sabbath und Festtagen streng geschlossen sind und deren Inhaber am Freitag mittag punkt '2 Uhr sein Geschäft verläsit, und doch ist das Geschäft eius der erfolgreichsten der ganzen Stadt. Es ist daher sicher ein Irrtum, zu vermuten, dass der Sabbath den wirtschaftlichen Ruin bedinge. Möglicherweise nähert sich , übrigens das Problem bei uns seiner Lösung. Man geht in der Mel-; bourncr Geschäftswelt damit nra, den Sabbath zu einem Halhfeiertag zu machen, eine MassnaLmc, welche wahrscheinlich verwirklicht werden wird ‘. Mr. Blashki ■iutserte sieh d tun noch über den Syn igogenhesuch und die religiöse Erziehung in Melbourne, wo es zurzeit drei Gemeinden gibt. Die gesamte julische Bevölkerung Australiens erreicht übrigens noch nicht 20.1.0') Seelen. srtütr 5imon Spira und sein Sohn. Historische Erzählung. Von Alb. Em Brachvogel. (Fortsetzung Odowalsky war ein ganz anderer Mann. Sehnig, hager und lang wie sein Meister, der tote Friedländer, braun wie eine Wallnuss, trug er kurzes, struppiges, pechschwarzes Haar, das igelhaft um seinen Kopf herstand. Die tiefliegenden Augen, die scharf gebogene Nase, der schwarze Schnurr- und Zwickelbart mit schmalen lachenden Lippen, die beständig sein weisses, starkes Gebiss zeiguiir ebrafcht*/ ten, stellten in ihm ein Individuum her, das Allels belacht und bespottet, mit allen Hunden gehetzt Ist und das fjichts zu erregen und aus seinen Geleisen zu bringen vermag. ״Das ist ja verflucht lustig!־ sagte dieser,1 spöttisch. ״Also ■ die Juden drüben ziehen auch ins Gefecht? O, erzählt doch, Euch hört ja Niemand! Woher kam den beschnipenen Schuften denn der plötzliche Muth, und wie konnten Graf Colloredo, Kinsky Czcrtwn und die Bürgermeister es dulden, äasfe dies, schmierige Pack seine stinkenden Löcher verlassen untj sich unter Christenmcnschen mischen durfte?‘ ״Es ist lächerlich und unbegreiflich If rief Hartick -ich wünsche, die’ Schweden kämen wirklich nurl um das Juden-Geweihmer und Gezechter beim ersten Kartaunensahusjs zu hören.“ ' ״Wer führt denn aber die Mauscheln an.J Baron?“ ״Der alte Rabbi Spira selber und s< in :Sohn Marcus, der * Vi.nnändler“. j ,So. so? Und wie stellten sie es denn an, Collpredo zu bestimmen, dass er den Unsinn zuliess?' ״Wie 's gekommen ist. weis ich nur durch’s Gerücht, das herüberkam; ich glaube aber, das die Flöhe dran Schuld sind, die Marcus dein Statthalter wegen der Schweden in ’s Ohr gesetzt hat“. ״So, so, also — Nachrichten hat er ihm von ihnen gebräS Woher, das wisst Ihr wohl nicht?“ , -O ja. denn ich war dabei, als der paurnlange Jude ankam■ Ihr werdet gehört haben, Odowalsky, dass!gestern Morgen auf dem Altstädter Rathhause eine allgemeine Kriegsberatung gehalten worden ist. Den Sjatthaltcr und seinen liruqer begleiteten Kinsky und Czernin, der Gallas, Morzin und ich linuber, der übrige Adel von Hradschin und Kleinseile aber fand siqh schon am frühen .Morgen ein Als wir über die steinerne Bfücke zum Altstädter Turm wollten, war der Marcus hinter uns unjd wollte mit hinein. Er gab an, Vieh eingekau t zu haben, fpr das er einen Passirschein wünschte“. ) .So, so! Und wo hatte er das dehn noch her?“ -Colloredo fragte ihn aus, und det Jude gab an, dass die Schweden schon in Buchau ständen,, er I hajte sie *gesehen, dass sie die dirccte Strasse aiif Prag, rückten!und es bestimmt von der Kleinseitc angreifen würden, weil sie danq die Flüsse nicht zu passiren brauchten, zumal alle Brücken labgeworfen seien“. .Was der Judenkerl nicht Alles wfeisä. haha!“ Damit warf Odowalsky einen hastigen Blick in die fiunklc Ecke des'Zimmers in der Nähe seines Schranks. j .War das ein Geräusch•?!“ fuhr ■Hartick auf und richtete argwöhnisch und in einer Anwandlung j von Schrecken den Blick auf dieselbe Stelle. ״Möglich, dass es ein paar Mäusp gewesen sind. Sie sind jetzt so häufig in den Fefd£[P, dass ihrer etliche immer hereinkommen. Doch trinkt, tapferer Baron! Eure Gesundheit! Also, dass die Schweden kämen und zwar von per Klcinseite, das machte der Narr den Colloredo glauben?“ ״Erst nicht, wir lachten ihn aus hlos, dass er es bestimmt wisse, er zeigte sich nicht blos der׳ Gegend sehr kundig, er sagte auch, er habe zwei Jahre unter dem Wrangel gedient, er kenne die schwedische Art und .Kriegsführung. Das verschaffte ihm bei dem Statthalter Czrrrin und bei Kinsky mehr Glauben. Utberdem hatte er pchthundert Stück Vieh zusammengebracht, die er zur Proviantilerung eintreiben wollte* .Ihr spasst, Hartik! Wo sollte) er es aufgetrieben haben? Wo hätte er's gelassen?“ ״Nun er behauptete es und da$s er ’s im Walde versteckt hätte nebst seinen Leuten. Gelogen jhaben kann er nicht, da ihn heute, wie die Rede geht, der Statthalter zum Hauptmann der reisigen Juden gemacht hat.“ ״Vielleicht, hahaha, macht Colloredo den Marcus Spira noch zum Feldobersten und Gouverneur, der czechische Adel und andere Christenmenschen aber werden tanzen nach eines Juden Pfiff! Es muss traurig weit mit kaiserlicher Kriegsführung und Prag’s Hülfsmittein gekommen sein, dass man zi solchen Auskünften greift . - Aber er versicherte nicht