Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- 11 u. 12 (Novbr.-Dezember 1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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־60 Der Sabbath 1 an beiden Tajreti <fie Feldarbeit keine Unterbrechung erfahren haben.- Njütürlicb ist dies ein Trugschluss; in Wahrheit hat ||terStelle ,überhaupt mit d»*r Werkruhe weder in dein einen^nopb in dem anderen Sinne zu tun: man ging auch nicht darum an diesen Tagen zum Volks- ’ lehrer, weil an ihuen die Arbeit Verboten war, sondern, wie wir sehen "werden, aus anderen Gründen; und die Verwunderung des Mannes gilt lediglich der anssergewöhnliehen Reise, zu der er aus seinem Gesichtskreise heraus einen (;rund nicht zu linden vermag. Und auch das überlaschende Ergebnis, zu dem die Feststellung des Herrn Prof. 1ל. gelangt, dass ״religiöse Bedenken irgendwelcher Art. gegen.das Reisen am Sabbat nicht Vorlagen“, verliert an überwältigender Kraft alles für denjenigen, der die Entstehungszeit soferischer und biblischer Vorschriften auseinauderzubalten weiss. Von ■einem W^rkverbot im biblischen Sinne kann also am Chodesch keine Rede sein. Und dennoch wurde er als Ruhetag gefeiert: nur aus ganz anderen Gründen, als Herr Prof... jH. sypponiert. Die Angelegenheit ist von Kottek in; seiner Arbeit über ״Die Neumondsfeier im alten Israeli“ (Jahrbücher der Jüdisch-Literarischen Gesell- Schaft V unäÄfifttauf Grund der Forschungen Isaak H alevys so ersetropfead behandelt, dass Jiier nur ihre Ergebnisse kurAjtnge^ührt zu werden brauchen. Darnach ist der Neumoncfstag darum als Ruhetag begannen worden, weil (ib. V. S 374ff.) an den Tagen, an welchen ausserordentliche ,Opfer dargebracht wurden, wie hier das Mussafopfer, ,.eS seit der ältesten Zeit allgemeiner Brauch war, der Werktätigkeit sich zu enthalten.“ Es würde zu weit führen," wollte man der detaillierten Beweisführung K.’s an dieser Stelle nachgehen; hier kann nur das Ergebnis übernommen und die Nachprüfung getrost auf bie angeführten Stellen verwiesen werden. Brauch auf der einen Seite (Chodesch) und Gebot auf der a ndereu (Sabbat) führten zu demselben Resultat der Arbeitsein- Stellung an beiden Tasten. Und weil man an ihnen, zwar * aus verschiedenem Ursprünge her, der Ruhe pflog, so benützte man sie zur Unterweisung des Volkes in der Lehre Gottes, und während die Werkeinstellung gleichsam mehr ־ ein äusserliches Gemeinsames von Sabbat und Chodesch ist, so ist dagegen die Bestimmung derselben als ־ד־ ד ■א דק־א, als Tage der Berufung zur Lehrversammlung das essentiell Gemeinsame beider Tage, dem es zuzosehreiben ist, wenn sie da und dort zusammen und neben einander genannt werden. Dass Arnos und Jesajah aber an einer Gesinnung kein Gefallen fanden, die zwar die Aeusserltchkeiten der Gebote wahrte, in dem Herzen aber ganz andere, gesetzlose und gesetzwidrige Absichten und Wünsche trug, und darum das Volk herbe tadelten, kann niemand, der die Tendenz der Prophetie Israels kennt, überraschen. Mit dem Mondgott, wie Prof. Meinhold meint, haben demnach weder Sabbat noch auch Chodesch etwas zu tun. Am Sabbat ruhte man nach biblischer Vorschrift, am Chodesch nach altem Brauch und nützte, echtjüdisclf,'tlie Zeit zum Thorastudium; eine Einrichtung, der eszu danken war, daß, solange sie beobachtet wurde, sich iir Israel kein so stumpfes, dumpfes Proletariertum entwifeeln konnte, wie bei allen Völkern ringsumher. Kennt der Talmud doch kaum ein verachtungswürdigeres Geschröpf .als den Am haararez, der die Gelegenheit zur Fortbildung! und Geistespflege verabsäumt! Die Vorstellung, als spielten hier polytheistische Atavismen herein, hat, gegen; Nywack, schon D. Hoffmann in seinen ״Wichtigsteh Instanzen“ (S. 108, Anm. 1) für den Chodesch abgetan; nun gar auch den Sabbat für solche Verirrungen in Anspruch zu nehmen, das überschreitet entschieden das Maö des wissenschaftlich Zulässigen. Und wenn Herr Prof. M. behauptet, dass ״erst mit dem Absterben .polytheistischer Neigungen in Israel sind sie“, (Sabbat und Chodesch) ״wie manche andere in Israel eingebürgerten und eingedrungenen Feste und Sitten auf die I-Religion übertragen, die ihnen ursprünglich ganz fremd stand“, — so ist eine solche Vorstellung vom Standpunkte eines christlichen Theologen allerdings verständlich. Hat doch das Christentum mit weitschauendem Blicke nicht gezögert, heidnische Feste und Sitten seinem Rehgionssystem, umgestaltet und umgedeutet, zu inkorporieren, wenn es sich daraus eine Förderung seiner missionarischen Tätigkeit verhieß. Der jüdischen Religion, die gerade in diesem Punkte von einer bis zum Brechen gehenden Starre war und blieb, einer Religion, die der מצבה, trotz ihrer althergebrachten Sanktion im Kultus, ihre Türen schloss, weil sie inzwischen auch in den heidnischen Kultus übergegangen war, darf man, ohne den Boden der wissenschaft lieben Betrachtung zu verlassen, solche Neigungen nicht unterstellen. Fehlt somit die Grundlage, so fällt von selbst der stolze Aufbau, den Herr Prof. M. auf ibr errichtet, zusainmen. Der Sabbat Israels war vom ersten Tage bis heute ,Sabbat für den Herrn“ und brauchte darum nicht erst als nationales Unterscheidungsmerkmal von der ״Sekte der Frommen“ in der Verbannung entdeckt oder, nach bewusster Verschüttung der alten Quellen, neu aufgedeckt zu werden. Wir könnten uns ein Eingehen auf diesen Teil der Meinholdschen Ausführungen ganz ersparen, wenn sie nicht lehrreich für die Art wären, mit der man in manchen christlich-theologischen Kreisen an die Kritik des jüdischen Relgionssystems herangeht. Einige Proben dieser Art! ,Der Hauptgesichtspunkt ist, am Sabbat alles anders zu machen, wie am Werktag“ (Meinhold S. 28). ,Mit dieser abergläubischen Tagewählerei hängt gewiss (!) auch das Verbot der ehelichen Freuden zusammen. Es liegt kein Segen auf dem an diesem Tage Gezeugten.. Das gilt nun auch bezüglich der Tierwelt; darum hindert man da den Geschlechtsverkehr. So ist es denn auch nach Hillel und seiner Schule geraten, keine Eier zu geuiessen, die ain Sabbat gelegt waren usw.“ (ib. S. 31), — ,Ein Xaziräer, der verpflichtet ist, sich des Weins zu enthalten, wird durch den Sabbat frei von dieser Verpflichtung“ (ib. S. 28). — ,Es ist geraten, schon vor'Anbruch des Sabbats sich vom Nichtjuden fernzuhalten, dass man sich Licht durch Berührung mit ihm verunreinige und also den Sabbat entheilige •Deshalb (!) erklärt die strenge Schule des jüdischen Weisen Schamay es für verboten, einem Nicbtjuden etwas zu verkaufen, seinen Esel zu bepacken usw.* (ib. S. 261. — Usw. usw! Kurz, das ganze Kapitel (5) ist nichts anderes, — ich hätte gern das scharfe Wort vermieden; aber gegenüber dieser empörenden Karrikierung meiner Religion darf Milde nicht walten — nichts anderes, als eine unglaubliche Anhäufung von Unwissen uni verkehrten Auffassungen, denen man machtlos gegenübersteht, weil eia Kampf von dieser Art mit \\ affen geführt werden müsste, die auf dem wissenschaftlichen Gebiete bislang nicht gebräuchlich sind. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass in diesem ganzen Kapitel kaum eine Zeileist, dievor wisse nschaftlicher Prüfung auch nur entfernt bestehen könnte. Vorschriften, die für die Festtage und nur für diese Tage gelten, werden wahllos mit Sabbat- Vorschriften durcheinander geworfen und aus dieser Konfusion Schlüsse auf die Art der Sabbatheiligung gezogen; Anekdoten zweifelhaftester Fides werdeD in eiuor sonst nicht eben als wissenschaftlich geltenden Art zur Förderung der Tendenz des Herrn Prof. M., den Sabbat nur recht lächerlich zu machen, herbeigetragen; selbst anerkannte Tugenden des jüdischen Stammes in mehr geschickter als