Mannheim
Compact Memory

Der Sabbath · 1910-12-01 · 11 u. 12 (Novbr.-Dezember 1910) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
11 u. 12 (Novbr.-Dezember 1910)
Date
1910-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4874912-5428460-5428587--614-4875471
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

58 Der Sabbath. -ii bens mit weihevfjlllta Inhalt ausznstatten und in den Herzen ihrer Gläubige! ihrp eine Stätte zu bereiten, sondern zur höheren Ehdeipeb. Sonntags nicht besser -wirken zu können glauben, als njdem sie ihn in möglichst heller Beleuchtung von dem schwarz in schwarz gehaltenen Hintergnmd des jüdischen .Sabbaths sich abheben lassen zu können vermeinen. Nur in einem Punkte hat die Situation sich heute gegen damals doch verschoben. Wenn Robert Haas aus dö^ Geistesrichtung der vierziger Jahre vorigen Jabrbu! der•' mit ihrer menschenbefreienden Tendenz und ihrem Streben' nach ausgleichender Gerechtigkeit und Niederreissung scheidender Schranken heraus den Juden den Rat gab, ihren Sabbath auf den Sonntag zu verlegen, so ist von solcher Gesinnung und derartigen unzeitgemäße^ Anschauungen bei Herrn Prof. H. Meinhold, dessen Buch*) über den ״Sabbath und Sonntag1־ uns heute Stoff und Anlass zur Betrachtung bietet, keine Spur zu entdecken. Hier lebt und webt ein anderer Geist, der mit Versöhnung und verständnisvoller Rücksicht auf fremde, 'religiöse Empfindungen nicht das Gcringste gemein hat: irr diesem freisinnigen, modernen Theologen feiert die gemeinhin als ״mittelalterlich׳‘ bezeichnete Auffassung ihre Wiederauferstehung, die in dem Juden und seiner Religio» ein von der Vorsehung feinsäuj berlich eigens für deu*inzigen Zweck aufbewahrtes gej schichtliches Dokument bewertet, an dem die Bekenner der wahren Religion lernen und erkennen sollen, um wieviel höher sie selber Stehen, und wie sie's nicht machen sollen. — Da gewählt rs denn einen eigentümlichen Reiz neben diese neuzeitliche Auffassung von den Rechten und Grenzeu (j®r Polemik, die so vorzüglich' die Forderungen des"Tüges zu münzen versteht, die in ihrer altmodischen Ueberlebtlfeil so weltfremd klingende des alten jüdischen Theologen zu setzen, die von dem Beurteiler einer fremden Religion sogar Unbefangenheit verlangt! Und nun zum Thema! Meinbold's Buch zerfällt in gegebener Einteilung in zwei getrennte Untersuchungen, deren erste Entstehung und Geschichte des Sabbaths, die zweite in gleicher Weise den Sonntag behandelt, nur, dass hier die Beziehungen zum Sabbath sich überall von selbst ergeben. Dasffi־ste, kurze Kapitel behandelt den durch die Assyriologenilur ״Frage“ erhobenen, angeblich Wbylonisehen. Ursprfiig des Sabbaths und bekämpft mit guten Gründen"'wfin auch keineswegs erschöpfend, diese unberechtigten *spräche. ״Eine Erklärung von anderswo her hat deijlsraelitische Sabbath auch gar nicht nötig. Das A. T. g%bt sie uns selbst an die Hand“, mit dieser Feststellung wird zu dem zweiten Kapitel, das ״den Sabbath in Altisrael“ behandelt, übergeleitet. Aus der Beobachtung, dass im Königsbuch, lei Arnos, llosea und Jesajah Sabbath und Ueumondstag öfter neben einander genannt unc) der eine wie der andere offenbar als Volksfesttage begangen wurden, wird geschlossen, dass der Sabbath dem Neumondstage nahe verwandt, der Sabbath ursprünglich nichts ar.deres als der festlich begangene Vollmondstag gewesen sein könne, wofür auch die Etymologjp (schabat fertig sein, mit einer Sache aufhören) spricht. Aus' seiner Ntitur als Festtag sei dann seine Dignität als Ruhetag erflosser. ״Versammelte man sich zur Feier des Mondes, so unterblieb naturgemäss die gewohnliche Arbeit;“. Sabbath und Neumondstag galten ursprünglich dem Mondgott und wurden erst mit dem Absterben polytheistischer Neigungen in Israel auf die mo- .׳ '1 *) 3^6bat und Sonntag. Von Hans Meinhold, ord. Professor an der Universität Bonn. (Wissenschaft und Bildung. Einzetdar- Stellungen aus allen Gebieten des Wissens. Herausgegeben von Privatdozent Dr. Paul Herre. Leipzig 1905. Quelle u. Mever. V und U7 S. 8*. 1 uotbeistische Gottesreligion in entsprechend zugestuzter Form übertragen. Keine Spur davon sei uachzuweisen, dass die Ruhe des Sabbaths auf religiöse Gründe zurückginge, sondern in der Festfeier und nicht in derArbeitsenihaltung sei die ursprüngliche Bedeutung des Tages zu erblicken. So Herr Prof. .Meinhold. Unsere Kritik an diesem phantasievoüen Lnftgebilde soll alle Stellen, an denen im biblischen Sdirifttum des Neumondtages Er* wähnung geschieht, der Reihe nach Revue passieren lasse;!, um zu zeigen, ob sich daraus ein Bild von seiner Stellung im Reigen der Festtage gewinnen lässt; und sodann, wie dieses Bild sich zu der Zeichnung des Herrn Prof. Mein hold, verhält. I II. Zum ersten Male wird der ־אים הודים im 4. B. M. 10.10 alsausgezeichneter Tag. der durch Posaunenschall zu begrüssen ist, genannt. Wesentlich, im Sinne des Herrn Prof. Meinhold, ist die Feststellung, dass er uns hier akkompagniert von den Festtagen strengeren Stils (מועדים), aber ohne seinen ״gegebenen' Begleiter, den Sabbat entgegentritt. (Denn, dass eine talmudische Lehrmeinung im Sifri z. St. hinter den Worten וביום יםמההבם den Sabbat sucht, sei, um Herrn Prof M. nicht neuen Stoff und Anlass zu einem bequemen Ausfall gegen die ״spitzfindige Weise der Rabbiner* zu bieten, sorgfältig verschwiegen.) Hinsichtlich des Kultus wurde demnach schon in der Zeit der Wüstenwanderung der יאים הודים auf gleiche Stufe mit den מיעדים gestellt. Umgekehrt, sehen wir in dem Festkatalog des 3. B M. (Kap. 23) den Sabbat als ersten der Tage, an denen Werk verbot vorgeschrieben ist, neben den anderen מועדים aufgezäblt; von dem ־אים הודים aber ist in diesem Zusammenhänge mit keinem Wort die Rede. Noch mehr: Der 1. des 7. Monats (Tischri) wird, als Fest des Truahblasens ausdrücklich und besonders dem Verbot der Werktätigkeit unterworfen, was zur Evidenz beweist, dass in seiner Eigenschaft als Neumondstag ihm diese Qualität nicht zirstehen würde. Wirsehen ja auch, dass die Wanderung am Neumondstage keine Unterbrechung fand (2. M. 19, 1), dass die Aufrichtung des Stiftszelts, ausgerechnet, an einem Neumondstag stattfand (2. M. 40, 1), was alles klärlich beweist, dass ein Werkverbot im Sinne des sabbatlichen dem ראש הו־־ים niemals zugestanden worden ist. Nur im Opferkatalog des 4. B M. (Kap. 28) erscheint zum ersten und einzigen Male im Pentateuch der Neumondstag neben Sabbat und י den übrigen Moadim; hier, wo das Mussafopfergebot das* Thema •liefert, werden in geboterer Reihenfolge zuerst der Sabbat als der läufigst wiederkehrende, sodann der Rosch Chodesch und schliesslich chronologisch die Festtage mit je ihren Extraopfern aufgeführt. Ebenso wenig wird in den kurzen Verzeichnissen der Wallfahrtsfeste (2. B. M 23, 12, 34, 18 ff.), wo das Werkverbot des siebenten Tages betont wird, des Rosch Chodesch gedacht. Kurz: im ganzen Pentateuch findet sich nicht nur keine ' Spur, die auf ein sabbatähnliches oder sonst irgendwie! geartetes Werkverbot am Rosch Chodesch binweist; im Gegenteil erweisen zahlreiche Stellen, dass dieser Tag, abgesehen vom Kultus, durchaus, als Werktag galt und : so behandelt wurde Schreiten wirweiter zu den Büchern der Propheten, i Die Erzählung von der Verabredung Jonathans und David j (Sato. 1.20, 18) lässt erkennen, dass in jenen Tagen am j königlichen Hofe, wahrscheinlich aber auch in bürgerlichen Kreisen, der Neumondstag^ durch Festmahl gefeiert wurde; mehr nicht. Vergleichende^ Schlüsse von dort auf den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.