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Der Sabbath · 1910-09-01 · 9 u. 10 (September-Oktober 1910) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
9 u. 10 (September-Oktober 1910)
Date
1910-09-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der Sabbath. 51 f machen, unbedachtsam und stolz! — Hütet euch — oder das Zuviel des Guten auf dieser Welt könnte euch leichtsinnig wie andere vergessen und euch untauglich machen, eiest zu erscheinen vor eurem allmächtigen Richter. An diesem Sabbathtage lasset es euer Geschäft sein, über alle diese Dinge nachzudenken; blicket in die Tiefen eures eigenen Herzens und sehet, was hier mangelhaft sei. O, ihr werdet da Vieles finden, was der Ausbesserung bedürfe, Vieles, was ins Gute umgewandelt, oder auch mit der Wurzel hinweggeschafft werde. Blicket auf die Woche zurück, die jüngst dahingeschwunden; habt ihr oft an Gott gedacht, an seine Gnaden und seine Segnungen? hat euch für dieses Alles das Dankgefühl genügsam erfüllt? hat euch stets Scheu durchdrungen, Gott durch ein böses Betragen zu beleidigen? wart ihr stets bestrebt, Herr der Fehler zu werden, deren ihr euch bewusst seid? traf euch nie die Schuld der Selbstsucht? der Lieblosigkeit gegen eure Brüder und Schwestern, des Ungehorsams gegen eure Eltern und Lehrer, irgend einer Unwahrheit in Wort und Tat? habt ihr keine kostbare Gelegenheit zu euerer Fortbildung vernachlässigt? — habt ihr nicht viele Stunden im Müssiggang und Leichtsinn verloren — Stunden, die für immer verloren sind, und die so gut und vorteilhaft verwendet werden konnten? Solche Gedanken sollen euer Gemüt ganz vorzüglich am Sabbathtage beschäftigen; diese Selbstprüfung soll euch bewegen, gute Vorsätze zu fassen und dann müsset ihr beten, die nötige Kraft zu erhalteu, sie während der Woche auszuführen. Mit jeder Wiederkehr des Sabbaths mag dann ein kleiner Fortschritt zum Guten sichtbar werden, ist vielleicht irgend ein Fehler entwurzelt, oder doch, bis zu einem gewissen Grade, vermindert; und Gott, wenn er euer ernstliches Bestreben, vorwärts zu kommen, bemerkt, er wird euch gewiss Mut verleihen, auf dem rechten Pfade zu verharren. Ausserdem sollet ihr, um solchen Betrachtungen und Selbstprüfungen mehr Nachdruck zu verschaffen, den Sabbath-Tag dadurch heiligen, dass ihr vorzüglich an diesem Tage, allem Bösen ferne bleibet. Hadert und streitet nicht untereinander; seid liebevoll in Wort und Tat, bemüht euch, den Lebensgenuss und die Lebensfreude eurer Angehörigen vermehren zu helfen; gebt eure eigenen Neigungen und Wünsche auf, Anderen zu Liebe. Auf diese Weise werdet ihr beitragen zum Frieden, zur Behaglicbkeit und zum Wohlgefühle eures eigenen Hauses; auf diese Weise — Weihe erteilen diesem ,Tage der Ruhe“ und befolgen die Vorschriften eures Schöpfers, welcher befohlen, dass derselbe geheiligt׳ werden solle, als ein Ihm besonderer gewidmeter Tag. — So erblickt denn, meine Kinder den Sabbath-Tag in diesem Lichte — nicht ausschliesslich als einen Tag, an welchem euere, gewöhnlichen Arbeiten und Lehrstunden ausgqsetzt werden, um ihn nur in Vergnügungen oder in Gedankenlosigkeit hinzubringen — sondern als eine von Gottes ausgezeichneten Wohltaten, als einen, Ihm zugehörigen Tag, wenn wir eifrig bestrebt sind, uns selbst zu veredlen und zu läutern — mit einem Worte: als ein ,Erbe“ welches uns die Pflicht auferlegt, es in frommer Betrachtung und ernstlicher Selbstprüfung zu geniessen, frei von allen weltlichen und leichtfertigen Gedanken. — Man soll das Leben nicht bloss als Etwas betrachten, was mit Leichtigkeit und sorgloser Gemächlichkeit genossen und hingebracht werde, sondern als eine Zeit des Daseins, während welcher wir Pflichten zu erfüllen haben, — ja Pflichten, die oft schwer sind und mühsam. Erwägen sollen wir, dass Gott uns nicht hierher gesetzt hatf^Um nur unsern eignen Willen und Begehren nachzugehen, unseren selbstsüchtigen Wünschen und Begierden zu genügen. Er hat uns hierher gesetzt als vernünftige und verantwortliche Wesen und verlangt von uns, dass wir unsere Fehler verbessern, unsere Leidenschaften mit ausdauerndem Willen unteitänig machen, dem Pfade der j Pflicht unabweichlich treu bleiben, den Befehlen unseres Gewissens Folge leisten und Ihm für unser Denken und! Handeln auf Erden einst Rechenschaft ablegen. — Und zur Erleichterung dieses Werkes ist uns der Sabbath gnadenvoll verliehen worden. Befohlen istjms, an diesem Tage die weltlichen Geschäfte bei Seite zu legen, damit uns Müsse geboten sei, uns selbst unserer himmlischen Angelegenheiten und der Wohlfahrt unserei unsterblichen Seele hinzugeben. Denn an diesem einer unter den sieben Tagen soll der Lärm und Tumult def Welt ausgeschlossen sein, damit der Leib ruhen und die Seele Kraft gewinnen möge für neue Mühe und Anstrengung. — Dazu ist uns der' Sabbath gegeben, so benützt, so geweiht, so geheiligt zu werden. — —: Sabbath und.Maturitätsprüfung. Aus dem Büro des ,Württ. Landesverbandes für die Interessen des gesetzestreuen Judentums“ wird uns geschrieben:; ,In der August-Nummer Ihres geseb. Blattes fühlt ' sich ein Sabbathfreund, wie er selbst sagt, verpflichtet, über die Angelegenheit Sabbath und Maturitätsprüfung | zu berichten. Sein Bericht enthält jedoch so viel Un-! richtigkeiten und ist darauf angelegt, einerseits das Verl halten des Landesverbandes und des ,Israelit‘ in dieser; Sache einer abfälligen Kritik zu unterziehen, anderer-! seits die Verdienste des Kirchenrats Dr. Kroner nichL nur j in dieser Sache, sondern um das gesetzestreue Judentum I in Württemberg überhaupt, so herauszustreichen, dass i von Sachlichkeit in diesem *Berichte nicht mehr die Rede;׳ sein kann. Damit sich die Leser Ihres gesell Blattes, j zu denen ja auch die Mitglieder unseres Verbandes! grösstenteils gehören, ein richtiges Bild von der Anj gelegenheit zu machen in der Lage sind, ersuchen wir! Sie, die folgende aktenmiissige Darstellung iu der nächsten I Nummer zu bringen.! Am 29. Mai d. J. berichtete der Vorsitzende •des Landesverbandes, Herr Heinrich Her z-Hall bei einer Ausschusssitzung, dass in diesem Jahre die schriftlichen Reifeprüfungen für die Vollanstalten des ganzen Landes derart angesetzt worden seien, dass auch ein Sabbath in Betracht komme. Da nun am Haller Gymnasium ein jüdischer Schüler an den Prüfungen teilzunehmen beabsichtige, der am Sabbath nicht schreibe, so sei es Pflicht des Landesverbandes bei der zuständigen Behörde um ן Verlegung des schriftlichen Examens auf einen anderen! Tag, als den Sabbath nachzusuchen. — Der Ausschuss | betraute nun den Vorsitzenden mit der Abfassung und ■ Einreichung einer entsprechenden Eingabe. Acht Tage : zuvor war gleichfalls auf Veranlassung unseres 1 Vorsitzenden von Seiten des zuständigen Rabbinates; Braunsbach an die K. Isr. Oberkirchenbehörde das Ersuchen gerichtet worden, ebenfalls bei der Ministerialabteilung für höhere Schulen um Verlegung des Examens aus obenangeführtem Grunde nachzusuchen. Die K. Isr. Oberkirchenbehörde war natürlich diesem Ersuchen sofort nachgekommen. Hat sie doch als Ob’erbehörde der Gsraeliten Württembergs die Pflicht, die Interessen aller Glaubensgenossen, und sicher nicht zuletzt die ge setze streuen Juden zu vertreten. Auf eine besondere Anerkennung hierfür, wie sie der sonderbare ,Sabbathfreund*

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