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Der Sabbath · 1910-09-01 · 9 u. 10 (September-Oktober 1910) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
9 u. 10 (September-Oktober 1910)
Date
1910-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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50 Der Sabbath Familie., Abe.r von seinen Eltern und Gschwistern drang keine Kunde zu ihm, auch er konnte zu ihnen keine Nachrieht gelangen lassen. Da, eines Tages, als die Sehnsucht naHi,!tf-qjten Angehörigen immer grösser und grösser wur^t'j bSgiegnete er einem Manne, der aus seiner Vaterstadt stammte und geradewegs aus ihr her kam. \Vos>en Freude war grösser als die unseres Helden Er begriisste d>־n Keisenden, stellte sich ihm als Landsmann vor. führte ihn in sein Haus und begann ihn auszufragen nach Vater und Mutter, Vetter und Base und nach allen Leuten der Heimat. Da wurde aber der Reisende etwas ungeduldig und sagte: Es ist ja schön, dass du noch so stark an der Heimat hängst, aber meine Zeit ist kostbar, ich muss meinem Geschäfte nachgehen, damit ich Spesen und llaüshaltüngskosten verdiene. .Gut“ antwortete der Amlere, .du sollst nicht zu Schaden kommen; nenne mir die Summe, welche du täglich verdienen würdest und ich will sie dir erstatten, dafür musst du mir von der Heimat erzählen. Das war der Reisende zufrieden, er nannte den Betrag und der Hausherr zahlte aus. Dann nahm er ihn mit sich zu Tische, den die Hausfrau in Anbetracht des erwünschten.Gastes besonders gut und reich ausgestattet und mit Wein tüchtig bestellt hatte. Der Reisende tat auch all!Jem Gebotenen wacker Ehre an, während er erzählte •uiid dem Hausherrn auf seine nimmer endenden Fragen Antwort gab. Bald stellte sich die Wirkung des reichlich gerfOssenen Mahles ein, und unser guter Reisender fing an zu nicken, die Augen fielen ihm zu und er fing an einzuschlummern. Da aber sprang der Hausherr entrüstet auf und rief: .Was tust Du denn da:■׳ Ich lade dich zutn Essen ein, gehe dir reichlich Speise und Trank, .vergüte dir sogar noch deine Zeit, sodass du ohne Arbeit und Mühe doch zu deinem Tagesverdienst gelangst, damit ich den G׳ nuss deiner Berichte habe und nun fängst du an zu schlafen? Was sind das für Sachen?!“ So, lieber Jude, ist es auch mit Dir. Von rechtswesen solltest Du ja täglich und stündlich dich mit Thora und Mizwoh beschäftigen, selbst an Wochentagen, aber Gott begnügt .sich mit einer halben oder ganzen Stunde am Tage umDIfc.fit, dass du wenigsten den ganzen Sabat, ihm weihest, und vertröstet sich auf diesen siebenten 'l ag. Darum giebt er Dir in der Woche soviel, dass Du am Sabbat’feiern kannst und Ihm dienst durch Lernen und Lehren. Und anstatt dass du nun Gottes Erwartungen erfüllst, macht dich die gutgeratene Sabbatmahlzeit schläfrig, du gehst dem Vergnügen und der Unterhaltung nach, während Gott doch all die Annehmlichkeiten der Satrfiatrifhe’ verliehen hat, dass du mit Thora dich beschäftigst, zum Schiur gehest und dort aufmerksam zuhörest umrdanach mit Kindern und Hausgenossen lernst. Dazu hat dich Gott am Sabbat an seinen Tisch geladen und nicht, damit Du deinem Vergnügen nachgehest. DarunR lieber Jude, feiere den Sabbat nichts für Dich und in;4)ciner Weise, sondern so,■wie es Gott geboten: ein Sabbat, den Gott haben will ■und so, wie er ihn haben will? Dr. M. K. i. M. ■ffiSjrg. Die Wohltat der Sabbathfeier.“> Eine Betrachtung für die Jugend. *! ,Gedenke des Sabbathtages, ihn zu heiligen Sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk verrichten. Doch der siebente Tag ist der Sabbath des Ewigen deines Gottes“. Exod. XX. 8. 9. 10. Habt Ihr schon nachgedächt meine Kinder, über die grosse Gnade' des allmächtigen Gottes, welche sich in dieser Verordnung an die Kinder Israel kund gibt? Habt Ihr schon erwogen, von welcher Schönheit diese Einrichtung sei, welche Moses zuerst der Welt verkündigt und die seitdem nachgeahmt und eingeführt wurde von allen Gottbekennenden Völkern? Sechs Tage sind uns verliehen zu unsern mannigfaltigen Verrichtungen, zu Studien, Geschäft und Handarbeit. Während der sechs Wochentage sollen wir die Plichten erfüllen, welche unsere Stellung im Leben uns auferlegt; sollen wir das Werk ausführen (denn uns allen liegt bienieden ein Tagewerk zu vollbringen ob), welches Gott uns zugewiesen; sollen wir unserem weltlichen Beruf nachkommen, der für Manche fast beständig von Freude und Glück erfüllt, für Viele, ach! von Mühsal und Beschwerde voll ist. — — Der siebente Tag, der Sabbath nimmt eine besondere Stelle ein : er sei geweiht dem Ewigen, er sei ein Ruhepunkt für Uebermüdung, eine Unterbrechung für Mühsal — er sei für Alle ein Tag des Nachdenkens, des Friedens und der Danksagung. — Am Ende jeder Woche, so voll von unsern irdischen Sorgen, so aufgegangen in well liehen Geschäften und Gedanken hat Gott uns befohlen, anzuhalten, jene liegen zu lassen einen Tag, der vorzüglich Ihm selbst, dem Gebete, heiligen Gedanken und der Ruhe gewidmet sei. Gott kennt unsere fehlervolle und unvollkommene Natur; er weiss, wie schwach wir sind gegenüber der Versuchung, wie leicht überwunden von den Reizen der Welt, wie geneigt zur Selbstsucht und eitlem Lebensgenuss, wie schnell im Vergessen seiner unzähligen Segnungen, seiner unaufhörlichen Liebe und Gnade - — darum hat er den Sabbath eingesetzt, um uns Gelegenheit zu bieten, regelmassig und häufig die Heimat aufzusuchen, zu Ihm uns zurückzuwenden, seine Vergebung für unsere Fehler und Vergehungeu innigst zu erflehen, unser eignes Herz in der Brust zu untersuchen, um zu sehen, wo es fehle da drinnen, und Dank zu zollen für die Wohltaten, welche vom Himmel in so reichlicher Fülle sich über uns ergiessen. An diesem, unserm Sabbath-Tage, meine Kinder, sollen wir von unserer Wochenarbeit, von unsern alltäglicheu Geschäften lassen, — das ist wahr — deshalb aber ihn doch nicht zubringon in nutzlosem Müssiggange. ״Wir sollen ihn heiligen“, ihn also nicht durch ein Betragen entweihen, welches dem Allmächtigen missfiele. — Der Arme, welcher im Schweisse seines Angesichtes das Brod für sich und seine Kinder verdient, welcher vom; frühen Morgen bis zum späten Abend in Bewegung ist,; ein kärglich Mahl für seine Lieben zu erringen — — er ׳ wirft am Sabbath sein Handwerksgerät bei Seite; für ihn; ist es in der Tat ein ״Tag der Ruhe“, ein Tag fried-; liehen Genusses, eine willkommene Unterbrechung für Arbeitsmübe und Druck. An diesem Tage versucht er, ins Grab der Vergessenheit zu senken die Sorgen der vergangenen, und neuen Mut zu gewinnen für die Sorgen der kommenden Woche. Er ohne Zweifel erhebt sein Herz in der Fülle des tiefsten Dankes zum Allmächtigen, der ihm diesen heiligen Sabbath geschenkt, diesen einzigen Tag der Ruhe! Ihr, meine Kinder, kennet keine Mühe, welche müde Glieder ein schinezgebeugtes Haupt verursache, aber der j Sabbath sei euch deshalb nicht weniger willkommen, nicht weniger teuer; er ist vielleicht auch euch noch notwendiger als dem armen Handwerksraanne. Hütet Euch — oder euer irdisches Glück könnte Euch den vergessen lassen, der es euch gibt und der es euch ebenso leicht wieder nehmen kann!-Hütet euch — oder Euer Wohlstand könnte Euch selbstsüchtig *) Aus ,Der Freitagabend“ 1859. S. 456 ff.

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