Mannheim
Compact Memory

Der Sabbath · 1910-08-01 · 8 (8.1910) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
8 (8.1910)
Date
1910-08-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4874912-5428460-5428583--586-4875445
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der ־^. 42 v einzigen Schülers eine Verfügung, •welche für das ganze Land gelte, nicht umstossen, zudem dieser Schüler einige Wochen vor dem Examen das Schreiben am Samstag an-!refansren liijtte. Die Gesetzestreuen seien eine ganz kleine Minderheit, der Verband vertrete nur eine ganz unbedente'ndä Anzahl von Israeliten. Ferner wurde gesa״t. dass^j^ auch Rabbinerssöhne am Sabbat schreiben, tinu dass׳ w;e diese, sich auch andere Dispens geben lassen solltet!. '־־Das .Tudentum gebiete ja, dass man die Staatsgesetfce ebenso wie Relisrionssresetze erfüllen solle, und ge- _ nau wie sich die jü lischen Soldaten am Sabbate dem Militärdienste unterzögen, dürften sie an dem Schreiben am Sabbat keinen Anstand nehmen. Auf diese Aeusserung der ״zuständigen Seite“ erschien 8 Tage darauf ebenfalls im .,S1b,w. Merkur“ eine Entgegnung von ,.Orthodoxos“, welche alle Punkte in ruhiger, sachlicher Exaktheit wider-, legte und richtig stellte, dabei der Erwartung Ausdruck gebend״* dass die Behörde, sobald sie nur richtig unterrichtet sei. die religiösen Imponderabilien beachten und unserer Bitte in Zukunft nachgeben würde. Gleichzeitig hatte aber auch der .,Israelit“ in der ihm eigenen tem- {»eramentvollen A׳t die Angelegenheit eingehend behandelt jind 'dabei neben ipanchem Richtigen auch mandies Unzutreffende gescl rieben, war insliesondere mit Personen und Behörden umgegangen, wie es mindestens der Klugheit nicht־ entsprach. Nun erschien im ,,Reobachte1 -׳ Stuttgart 1 eine Notiz des Herrn Kirchenrat Dr. Kroner, worin er im Einverständnis mit der Ministcrialhehörde dartat, dass durch Verweigerung des Gesuchs der Isr. Oberkircheuhchördc das gute Verhältnis zwischen Ministerialabteiluvg und Isr. Oberkirchenbehörde nicht gelitten habe. Diese Kundgelmi g wurde wiederum im ..Tsraelit“ nicht gerade sehr liebenswürdig besprochen. (Es »pi«pn da. die Nach wehen der traurigen Schächtaffaire -denpKeligfc>11s״esellscbaft mit. aus der viel Erbitterung gegen die religiösen Instanzen ,.der Gemeinde“ und des Landes hergetios.-en sind.) Zu allem Ueherflnss erschien auch noch im ,.Neuen Tageblatt“ eine Kundgebung aus idem .,Bureau des Württemhg. Landesverbandes für die Interessen des orthodoxen Tmlen'nms״, welche die Angelegenheit, besprach, die Ausführungen des ,,Schwül». Merkur“ noch einmal widerlegte, dem Kirchenrat Kroner uhni irgend welche Veranlassung und ohne. Grund manchea am Zeuge flickte usw. WiF können übrigens kaum glaijben, dass diese Ausführungen dem Vorsitzenden des ..Butreau des Landesverbandes“ Vorgelegen' haben, denn der Vorsitzende ist ein viel zu ruhiger, ernster, saehlieher Mann, als dass er derartige Ausführungen in die Qetfentlichkeit herausgehen liesse, die insbesondere den Kircbenrat Kroner mehrmals herausfordern, einen Mahn, auf. dien die Gesetzestreuen Württembergs nach wie vor grosse Hoffnungen setzen und zu dem sie Vertrauen haben der 4ich um die Sache des Judentums und der Gesetzestreue* in Württemberg, und nicht zuletzt um die des ״Verbands der Sabbat!!freunde“ grosse Verdienste erworben hat. Auch g׳ g>m die Ministerialabteilung ist in jener Zuschrift ein Ton angeschlagen, der unserer Meinung nach tycht der passende ist. Möge in Zukunft der Laudesyerbfcnd andere Wortführer vorschicken. : Auch unsere ganz besonders geliebten .,Brüder“ von der .linken Seite der Stammesu. Glaubensgenossenscliaft, der ״liberale Verein“ in Stuttgart, hat zu der Angelegemheit Stellung nehmen zu müssen geglaubt. Er, der eintritt ״für Fortschritt“ im religiösen Leben und sonst noch für Dinge phrasenhaften Tones, auf Deutsch aber für Fdrtbringung alles Jüdisch-religiösen und Bekämpfung alles positiven Judentums, wollte sich lieb Kind bei der Regierung machen und sprach seine Missbilligung des ץ Vorgehens der Orthodoxen aus und seine Freude über die Sabbath. Ablehnung ihrer Bitte. Dabei hob er hervor, dass er selbst noch nie etwas gefordert habe, was eine Belästigung der christlichen Mitglieder sei. Nun, man kennt die Söhne, welche durch Anschwärzung der Brüder sich dem Wohlwollen der Väter empfehlen wollen; wenn unsere lieben ״liberalen Brüder“, sie noch nicht kennen sollten, so mögen sie sich in den ,,Räubern“ den Franz Moor recht gründlich betrachten. Im Übrigen sollen sie sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und nicht um die religiöse^ Dinge der positiven Israeliten, für die sie ja doch alles Verständnis verloren zu haben scheinen, sollen ihneD, die so hart ringen und kämpfen, nicht in den Rücken fallen. Das Ergebnis der ganzen Campagne ist aber trotz mancher betrüblichen Erscheinung das, dass der religiöse Gedanke, insbesondere die Sabbathidee eine Stärkung erfahren bat, dass die Welt erkennt, dass man nicht ohne schlimme Folgen das religiöse Moment vernachlässigen darf, und dass der Gesetzestreue allerorten Helfer und Vertreter ersteben. Auch ist da ein Anfang bei den Beliörden in Examensangelegenheiten gemacht, ein Anfang, der bei der in Württemberg wirklich herrschenden Toleranz zu den besten Hoffnungen berechtigt. Ein ״Sabbatfreund'L Der Sabbathschiur und die Thora. Unter den zahlreichen Stellen in der Thora, in welchen die Beobachtung des Sabbatbs geboten wird, wollen wir die Stelle II, B. M. 35, 1 — 3 herausgreifen: ,Mosche -versammelte die ganze Gemeinde der Kinder Israel und sprach zu ihnen:׳ dies sind die Dinge, welche der Ewige geboten hat, dass man sie ausführe. Sechs Tage darf Werk verrichtet werden, aber am siebenten Tage soll euch ein Heiligtum, ein durch Werkeinstellung dem Ewigen zu Ehren zu begehender Sabbat sein; jeder, der ein Werk an ihn! verrichtet, muss hingericlitet werden. Ihr sollt, kein Feuer anzünden am Sabbat in allen euren Wohnsitzen“. Der Midrasch Jalkuth zur Stelle führt aus: Unsere Lehrer, welche die Agada erforschen, sagen: vom Anfang bis zum Ende der Thora finden wir nirgends, dass an der Spitze eines Abschnittes das Wort קהל" ,er versammelte* steht, ausser in diesem, der von der Heiligung des Sabbats hajidelt. Als Moscheh dem Volke die verschiedenen Gebote lehrte, war doch immer die Zusammenberufung (las. Volkes notwendig. Wenn also bei der Ueberbringung des Sabbatgebotes die Tatsache, dass das Volk versammelt wurde, um es entgegen zu nehmen, besonders hervorgehoben wird, so soll gerade der Versammlu n g des Volkes ganz nachdrückliche Bedeutung beigelegt werden. Und wirklich fährt der Midrasch fort: Gott sprach: veranstalte grosse Versammlungen und halte in denselben öffentlich Vorträge über die Vorschriften betreffs des Sabbats, damit künftige Geschlechter dir nachahmen und gleichfalls allsabbatlich zu Versammlungen zusammentreten, in die Lebrhäuser kommen, um daselbst die Gebote der Thora zu lernen und zu lehren. Dort sollen sie hören und merken, was erlaubt und verboten ist, was genossen werden darf und was nicht zum Genüsse gestattet ist. Durch dieses gemeinschaftliche Studium meiner Thora und durch die öffentliche Proklamation und Erklärung meiner Gesetze wird mein Name geheiligt und gepriesen werden“. Aus dieser das Wort ״wajakhel* ausführenden Erlauterung Gottes habe dann Mosche Veranlassung genommen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.