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Der Sabbath · 1910-07-01 · 6-7 (Juni-Juli 1910) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
6-7 (Juni-Juli 1910)
Date
1910-07-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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34 Der Sabbath. man nun ifc; dass das Verhältnis der Gesetzestreuen zu den Andei »leimenden etwa das gleiche wie in Deutschland ist, so ka an nfcin sich ein Bild machen, wie es hier mit dem Jude!*fern bestellt ist. Die Jjkend ist dem Judentum zum grössten Teil enfre'mde» •uira Vollständig indifferent. In den meisten Gemeinden |1bie« die Reform Triumphe und hat doch nicht die Sy na! jog4» zu fällen vermocht. Selbst dem Zionismus ist es nu1 teM der allergrössten Mähe und unter unglaubliehen S< 1/wTftigkeiten• gelungen, eine italienische Föderation zust ii^eP^u bringen, obwohl sich ihm recht namhafte italienisc le Juden anschlossen. ' Wi ׳ geben hiermit den Sammlungsaufruf in seinen Haupttei en wieder: ״E > ist bedauerlicherweise eine nicht zu leugnende Tatsache, ■dass seit langer Zeit das jüdische Leben in Italien ür alle, welche nicht gewillt sind, es leicht aufzugeben, ein Leben von unerträglichen Opfern geworden ist und 5s immer mehr wird — ein wahres Martyrium. Icl ן spreche nicht von den Rabbinern, für welche dae täg iche Martyrium, wenn auch gleichen Ursprungs, docl> vo 1 einer anderen Art ist und eine Frage für sich bildet; ich spreche auch nicht von den reichen Juden, die sich bedauerlicherweise zum grössten Teile fern vom jüdischen Leben halten. Ich spreche aber von den Juden, welche von ihrer eigenen Arbeit leben müssen und unter welcher doch noch in Italien nicht wenige sind, welche mit ihr!m ganzen Herzen wünschen, treu an den Gesetzen ihrer R iligipn und an den heiligen Ueberlieferungen ihrer Väter 1 astzuhalten. Die Lage dieser ist eine unglückliche. In ihren Kampfe um die Existenz finden sie sich unüberwindlicien Schwierigkeiten und fortgesetzten furchtbaren Gewiss iüskonflikten gegenüber. Ich kenne Fälle von erschütte rnder Tragik. Junge Juden, von Grund auf gläubig, die durch die erhaltene Erziehung und durch ihre natürliehen Herzensanlagen an die genaueste Beobachtung des praktisfeben Religionsgesetzes, insbesondere des שנת und der an leren jüdischen Feste gewöhnt waren, sind, als sie zur Rtife gelangt und gezwungen waren, um zu leben einen ieraf zu ergreifen, alle Strassen gegangen, haben an alh Türen geklopft, an die von Glaubensbrüdern und an die Andersgläubiger, um eine Stelle zu finden, die es ihnen irmöglichte, fortzufahren als Juden zu leben, doch, von al en zurückgewiesen, von materiellen Nöten gezwungen, hiben■ sie sich nach einem langen und schmerzlichen innere: 1 Kampf der harten Notwendigkeit ergeben und haben ihre Ideale und die heiligsten Bedürfnisse und Ueber!eugungen ihres Herzens opfern müssen. Aehnliche Fälle kommen sicher nicht selten in anderen jüdischen Gemeinden Italiens vor. Aber es gibt noch Schlimmeres. Vus unseren Schulen, aus unseren Waisenhäusern, unser( n Kunst- und Handwerkschulen treten jedes •Jahr viele junge Leute beiderlei Geschlechts aus, welchen wir mit־ a len Kräften und Mühen, warme und herzliche Gefühle für die väterliche Religion und für die treue Beobachtung ihrer Gebote einschärften. Nun, was ist aus der grossen Anzahl dieser jungen Leute geworden? Kaum 6icd ie unserer Obhut entwachsen, kaum stehen sie im prakt sehen Leben, ergreifen sie, sei es durch den eigenen WiUei oder aus Gehorsam gegen den Wunsch ihrer Eltern den e •sfcn öffentlichen oder privaten Beruf, der sich ihnen bietei, es ihnen vollständig unmöglich macht, das Fund ijpipiV־ des praktischen Religionsgesetzes zu beobachte v.jfhd aus diesem Grunde sind wir beim besten Willen der Welt nicht imstande, ihnen eine Unterkunft zu bieten, in der ihnen diese Heilighaltung möglich wäre. Und nun, wozu dienen alle die ' nstrengungen, die wir gemacht■, um unsere Jugend religiöi zu erziehen? Ist es nicht eine unnütze Vergeudung an m«. ־alischer und materielle rH^raft? Und wie ernst der Schaden und <Me Gefahr sind, einst aus diesen traurigen Bedingungen der Verhältnisse für die Zukunft des Judentums in Italien erstehen werden, ist für jedermann leicht zu verstehen. Ist einmal das erste Widerstreben ihres Herzens besiegt, einmal die Loslösung von ihren teuern Gewohnheiten und den heiligen Erinnerungen an ihre Jugend vollendet, verlieren die jungen Leute nach und nach die Vertrautheit mit den Beziehungen, mit der gemeinschaftlichen Idee und der Zuneigung, die sie mit ihrer Religion verbunden, sie entfernen sich immer mehr von den religiösen Traditionen ihres Volkes und werden Gleichgültige und Fremde im Leben der jüdischen Gemeinde. Sollen wir fortfahren, diesem Ruin untätig zuzusehen P Oder haben wir nicht die heilige Pflicht, unsere ganze Kraft und unseren ganzen guten Willen dafür einzusetzen, um hierin Besserung zu schaffen? In Italien gibt es noch, da und dorthin zerstreut und einer dem anderen unbekannt, viele Juden, die aufrichtig ihrer Religion anhängen und die sicherlich bereit sein werden, dem Werke ihre Person zu leiben nnd auch Opfer zu bringen, den fortschreitenden Verfall des heiligen Erbes unserer Väter zu verhindern. An alle diese Juden, welcher Klasse und welchem Berufe sie auch angehören, richte ich den warmen und herzlichen Appell, sich in einen Bund zusammenzuschliessen, welcher ihre Kräfte vereinigt, um wenigstens einen Teil dieses schweren Problems zu lösen, auf das ich hingewiesen habe, und das, wie jedermann einsehen wird, eine Lebensfrage des italienischen Judentums bildet. Bilden wir unter uns einen Verein aller derjenigen glaubenstreuen Juden, welche sich in erster Linie das Ziel setzen, mit materiellen Mitteln, doch vor allem durch Stellennachweis diejenigen jungen Leute zu ermutigen und ihnen zu helfen, die Sabbath und Festtage zu beobachten wünschen. Dieser Verein müsste seinen Hauptsitz in einer Stadt haben, in welcher eine zahlreiche jüdische Bevölkerung ist und in der Handel und Industrie blühen, wie z. B. in Mai-־ land und Genua, und müsste sein Werk mit Hilfe der Bezirkskomitees in allen Gemeinden des Reichs aus• breiten. Ich verhehle nun durchaus nicht die Schwierigkeiten, die sich der Ausführung meines Vorschlages entgegenstellen, aber ich glaube nicht, dass man ihrer nicht Herr werden könnte, mit einem bischen guten Willen und einer ehrlichen Begeisterung von seiten religiöser und einflnssreicher Personen, an denen es unter uns in Handels- und Industriekreisen wirklich nicht mangelt. Es kann wohl sein, dass trotz des besten Willens und trotz aller Begeisterung im Anfang die Ergebnisse{ welehe die Arbeit des Vereins zeitigen werden, spärlich genug sein werden. Doch, wenn es auch in den ersten Jahren gelingt, nur zwei oder drei junge Leute per Jahr für das jüdische Leben zu retten, werden unsere Kräfte nicht unnütz verbraucht sein; vielmehr würde unsere heilige Sache de«, grössten Vorteil daraus ziehen. Diese jungen Leute, die durch unser Werk der Beobachtung der Religion erhalten wurden, würden, wenn sie unabhängig geworden, nach und nach zu uns kommen und dadurch die Mitglieder des V ereins vermehren, sie würden ihre kostbare Mitwirkung geben und so das Erreichen unserer Absichten immer leichter machen. Anderseits ist es sicher, dass allein die Tatsache des Bestehens eines solchen Vereins auf die Gemüter vieler V äter und ihrer Söhne eine heilsame moralische Wirkung ausüben würde. Wissend, dass sie von ihren Glaubensbrüdern nicht vollständig verlassen sind, und dass es welche gibt, die sich um sie knmmern und ihnen in ihren edlen Absichten, treu den Pflichten ihrer Religion zu bleiben, helfen wollen, werden sich die einen und die anderen erhoben und gestärkt fühlen und werden grössere

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