Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- 6-7 (Juni-Juli 1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Der Sabbath. das wir im ״׳׳) gung' entg! Bedeutnng religiüjeir \Vir tia' Mi, rbande der Sabbathfreunde“ einer Beweringen müssen, die von einschneidendster rden muss für die Entwicklung unseres ItS. * -י. f vor allem nach den Gründen der Erscheiinnig zu fräsen und da müssen wir ohne Weiteres sagen: <>s sind erst uw letzter Keihe jene von Breslauer beklagten;iuascren \ mstande, die die Juden zur Abwanderung drängen. \Vittaben die Gründe vor Allem in uns selbst zu -1.011, י. — Wir |nden haben eine stark ausgeprägte Neigung zur Kritili. an TN•!; Verhältnissen, in denen wir leben; wir -eben det£!j is, iiattenseiten oft in verstärktem Masse und •1; ׳or-r■hiitzvu da? Hute des Bestehenden. — Wir stellen;,׳ äere AbaMrüche‘ au das Leben, als Andere in gleicher Stellung.H ftie. Jahrhunderte lange Entfremdung von der Ln׳:dwi!■hat in uns vielfach das Interesse an der Natur und roc Freude an ihr ertötet•; die Bube, die von dir a1:s״e«t;*ist uns darum auch völlig verloren gegangen, < s - ׳>> kl iw uns ein unruhevoller Geist, der über das me immer hinausstrebt in neue, unbekannte M as Wunder, dass die Juden der Kleinge des Kleiustadtlebens sich nicht wohl ie den Mangel an BildungsgelegeDheiten giere empfanden und dass sie auch das bitnatten. auf wirtschaftlichem Gebiete kein , Betätigungsfeld zu haben. — M as Wunder, er Kunde von dem culturellen und wirtfufstrehen grosser Städte mit allen Fasern nten aus der vermeintlichen Enge ihres Das sie in Scharen nach den grossen Städten, r nach Berlin wanderten, wo dem Intellitatsächlich Erfolge beschieden waren. — ge dpr Einen waren bestimmend für zahldie ebenfalls ihr Glück in der grossen Stadt I und es oft auch gefunden haben. — Es emiiss in erster Beihe die intelligenteren völkerung, die sich nach der grossen Stadt io trat allmählich in den kleinen Städten ein jelligenz und materiell werbender Kraft ein, II erscheint. — Allmählich, aber in stetig len: l'mfange nahm die Abwanderung ihren je älteren Brüder sorgten für die Verheirawe>tern in den grossen Städten und schliesslie Ehern ihren Kindern, um mit ihnen die Vlters za verleben. So trat also allmählich der• einst blühenden jüdischen Gemeiden ein; f)er Zustand ein, über den die Klagen jetzt iir,!,t veriiltnmien wollen, und den im Grunde wir doch >01 ,!st ^!ej’bpjgeführt haben. — In büchst seltenen Fällen >11!d Faudben aus Not oder Mangel an Nahrungssuchen aligewa .(Mt; ungleich häuiiger sind die Fälle, in denen;••;׳•ligfetvoijrene Leute nach der Grossstadt gezogen sind, 1:11׳ dort in׳ grosserer Geselligkeit und unter comfortablereu Lebmisveiliäluiissen ihr otium cum (lignitate zu ger.io'eu^ | .' ־ K> sind also in hervorragendem Masse Gründe ma- 11 •rieller .^,rt, die für die Abwanderung der Juden bestimmeiid waren׳ und sind, es ist die hohe Bewertung eines den Erwerb irdischer Güter als sein Ziel!las auf die Freuden, die die Mrelt bietet, hten will. nun an sich eia redliches Streben auch im n Anerkennung verdieut, und so sehr auch 1111 den Genuss erlaubter Lebensfreuden als igte Forderung des Menschen anerkennt, so wir doch diese Strömung, von der zahllose ri!Feil wurden, im Interesse unseres religiösen uem: denn für die Entfaltung unseres religiist die materielle Lebensauffassung ein schlechsuchen.;״4 trii Lebeus,;< ansieht,•’ n!j nicht verzl SvO־'' s Erwerbs! .das Jude eine i>e re sehr m iss' Scharei 4■ Leben ösen Ldöö j ter Boden und in dieser Lebenauffassung finden wir auch j den Berührungspunkt und den Zusammenhang*. der zwij sehen der Abwanderung aus den Kleinstädten und dem! Rückgänge der Sabbatbheiligung besteht, i In zweiter Keihe hat uns die Frage nach den Folge-! erscheinungen der Abwanderung zu beschäftigen; am aller-! deutlichsten, aber auch ain erschreckendsten zeigen sich diese I Folgeerscheinungen an den jüdischen Gemeinden der kleinen; Städte selber: sie gleichen einem verdorrenden Baume, von dem ein Ast nach dem andern abfällt, einem Baum, der selbst schon halb verdorrt, nur ab und zu noch einen schwachen Trieb zeitigt. — Es sind, wie bereits erwähnt, zumeist die einstigen Stützen der Gemeinden, die abgewandert sind; die begüterten Familien, deren Steuer-; kraft die Gemeinde in ihrer äusseren Machtstellung eri hielt, deren Häuslichkeit in ihrer Behaglichkeit anderen! Gemeindemitgliedern eine Stätte froher Geselligkeit, an- | regenden Gedankenaustausches bot, sind es vor allem,; deren Fortzug fühlbare Lücken hinterlässt. — Und es ist Dicht minder die Jugend, in der ja jede Gemeinschaft gewissermassen die Gewähr für ihren eigenen Fortbestand ■ erblickt, deren Abgang den kleinenGemeinden schmerzlich I fühlbar wird. M'ir sehen jetzt in den meisten Gemeinden vorwiegend Greise; jüngere, und zugleich intelligente Elemente sind nur sporadisch zu finden; alteingesessene Familien, deren Namen mit Stadt und Gemeinde untrennbar verknüpft schienen, lösen sich auf; man verzichtet darauf, die alten Geschäfte, die durch Generationen im Besitz der Familie waren, auf die Söhne zu vererben, sowohl, weil tatsächlich die Erwerbsverhältnisse der Juden schwierigere geworden sind, aber in der Hauptsache, weil man es den Söhnen nicht ״zumuten* will, in der kleinen Stadt zu leben. — Es liegt auf der Hand, dass Gemeinden, die in dieser Mreise ihrer besten Elemente sich entäussern, in socialer Hinsicht ungemein verlieren; eine Gemeinde kanD nur dann auf Respekt und Ansehen Anspruch machen, wenn sie auch wirklich respektable Persönlichkeiten aufzuweisen hat. Es ist auch nicht be- ■ rechtigt, sich darüber zu entrüsten, dass man den Juden! Mangel an Heimatsliebe und Mangel an Bodenständigkeit vorwirft, wenn einer Mehrzahl der Juden diese Begriffe völlig fremd geworden sind. Aber es ist nicht nur der Verlust unseres Ansehens nach aussen: es ist vielleicht in noch höherem Grade die schwere Schädigung im Innern, die ausserordentlich zu beklagen ist. — Es wird Ihnen nicht unbekannt sein, dass in den letzten Jahren manche jüdische Volksschule wegen Mangels an Schülern aufgelöst werden musste; noch grösser ist aber die Zahl der jüdischen Volksschulen, die zwar noch nicht aufgelöst sind, deren Gesamtschülerzahl aber zwischen 2 und 10 variirc, so dass ihr Fortbestand mehr auf die Gnade der Regierung als auf innere Berechtigung zurückzuführen ist. — M'ie sehr aber das religiöse Leben in den kleinen Gemeinden gefährdet ist, mögen Sie daraus ersehen, dass zahlreiche Gemeinden überhaupt nicht mehr in der Lage sind, einen Rabbiner zu unterhalten, und dass in den sogenannten Zwerggemeinden die Erhaltung der wichtigsten religiösen Institutionen nur noch eine Frage der Zeit• zu sein scheint. Es ist ein. rapider, tief betrübender Auflösungsprozess, dessen Zeugen wir sind, und wir Können nicht behaupten, dass das, was in den kleinen Gemeinden zerstört und niedergerissen wird, in den grossen Städten etwa zu neuem Leben erblüht. Man muss bedenken, dass es 5:umeist noch Kinder sind, die von ihren Eltern zur Abwanderung veranlasst werden, Kinder, die entweder in der grossen Stadt die Schule besuchen oder einen ‘Berjif erlernen sollen. In diesen jugendlichen Seelen hat inl den seltensten Fällen