Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- 4-5 (April-Mai 1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Der Sabbath Meiler-Gelnhausen die ländlichen Gemeinde-Verhältnisse nicht immer so rosig gefunden hat, wie der Yortrag es darstelle; eine Abhilfe gegen die Flucht aus den Kleinstädten und vom Lande werde inan auch besonders dtdliw erreichen, daß man überall für Anstellung gesetzestreuer jüdischer Lehrer sorge. Gegen den Hochmutsgeisf d^r Großstädter, der sich sogar in Fachkreisen geltend ma^he, wendet sich auch Dr. Wresx:hner-Samter,der unter Hinweis auf die Veri hältnisse in den verschiedenen Landesteilen eine Dezentralisation der ()rgaujsation durch die Bildung vonProvinzialverbänden der Ortsgruppen verlangte. Der Vorsitzende er- : klärte, daß dem absolut nichts entgegenstebe, daß solche : Organisations-Formen, in Württemberg sogar ein Landes- Verband, bereits bestehen. Wertheim Fulda verspricht sich Erfolge durch günstigere Versorgung der Landbevölkerung mit Groß- ' Stadterzeugnissen. Mit. dem Beschlüsse, den Vortrag Markus im ״Sabbath‘־ zum Abdruck zu bringen, endete die Debatte über diesem Gegenstand. ׳ Zur Beratung steht nunmehr Antrag 6 Berlin (Jünglingsheim), den Lazarus begründet: Der Antrag j ist aus^pilfn Bedürfnissen, wie sie in Berlin obwalten, \ ־heraugdipÄpllt worden. — Ursprünglich dachten wir an ein Mqjfottfsheim. aber bei den Verhandlungen innerhalb der «MSpe hat es sich herausgestellt, dass cs vortettjä^^w, das Unternehmen auf alle junge Leute auszudehnen. Dass eine solche Gründung in den Bahmen des ״Verb. d. Sabbathfr.־* gehört, steht doch ausser Frage. Referent verbreitet sich über die Lehrlings- und Gehilfenmisere, die in den Großstädten ihre Begründung finde, in dem Hineindrängen der schulentlassenen Jugend in minderwertige Berufe, iirMenen aber schnell fester Lohn zu verdienen sei. Viele Eltern in Kleinstädten, die ihren Kindern in der Großstadt eine kaufmännische Bildung angedeihen lassen wollen, verlieren infolge der Großstadt- Verhältnisse in religiöser Beziehung jeden Einfluss auf die jungen.Leute, die leicht in Kreise geraten, durch die sie nur dem Materialismus zu und von der Religion hinweg geführt werden. Diese bilden dann das Kontingent der Verächter alles Religiösen. Es muss solchen jungen Leuten ein Heim geschaffen werden, in dem sie, ohne einem Zwange zu unterstehen, körperlich und geistig gut gefördert werden. Es ist zu bedenken, dass wir mit einer solchen Einrichtung etwas schaffen wollen, was für andere Großstädte vorbildlich wirken soll. Es komme hier nicht auf die Höhe der zu bewilligenden Summe an, als vielmehr darauf, dass das Institut eine Gründung des ״V. d. 8.“ sein müsse, um zu gedeihen. Die Geldfrage dürfte sich picht zu schwer regeln lassen, dieser Punkt muss zurücktreten hinter dem ungeheuren Nutzen,den ^|ir auf diese Weise der Schmiras-Schabbos.leisten werden. An djer Debatte beteiligen sich Kober, Jacobsen, Neuberfer» Zimmt, Frankel, Plessner, M. Posen, Kahn iandi Dr. Wreschner. Zur Annahme gelangt der AntragJmder von Löwy-Rawitsch und .Gen. vorgeschlagehen Win: ,H D.-T. begrüsst die Absicht der Begründung ״«es Jünglingsheims in Berlin unter Aegide des ״y.d.S.“ aufs Freudigste und bewilligt hierzu M. 100. Antrag Hamburg 5 b (Ortsgruppenanteil) wird zuriii kgezögen. Eckstein-Nürnberggiebt den Antragstellern die Anregung, zur Deckung der besondem Kosten in den Ortsgruppen einen speziellen Ortsgruppenbeitrag zu erheben. Die Anträge Nürnberg 3b, Breslau 4b und Hambucg 5a (Tagungsort des V. D. T.) werden zusammen geraten. Die Abstimmung ergibt die überwiegende Mehrheit für Breslau, dann folgen Hamburg u. N ü r n b e r g. Es wird beschlossen, falls Breslau aus irgend einem Grunde ausfallen sollte, ohne Weiteres dann Hamburg zum Tagungsort zu bestimmen. Antrag Breslau 4a. (2-jähr. Cyclus) wird zurückgezogen. Eine Resolution Frey 11 an-Breslau, den Delegiertentag des Verbandes möglichst an ,demselben Ort und in derselben Woche abzuhalten, wie den der ״Freien Vereinigung“, wurde abgelehnt, dagegen Antrag Hamburg 5 c auf Einsetzung einer Kommission zur Revidierung der Statuten angenommen und die Kommission zusaramengesetzt aus Rabbiner Dr. Bamberger -Wandsbeck, Referendar Möller- Altona , Freyhan - Breslau, Dr. B i b e r f e 1 d - Berlin und Lev y - München. Ein Antrag W e r th e i m-Fulda, welcher verlangt, dass die Ortsgruppen, wenn in jüdisch-religiösen Geschäften zu viel christliches Personal angestellt sei, dies der Zentrale mitteilen sollen, die sich dann an die betreffende Firma wenden möge, wurde mit der Modifikation gutgeheissen, dass dies in erster Reihe Aufgabe der Ortsgruppen bleibe und man nur, wenn deren Eingreifen schwer zu erreiche'n ist, sieb an die Zentrale wenden solle. Der vorgerückten Zeit wegen mussten die weiteren Punkte der Tagesordnung: Handwerker - Zentrale und Sonntagsruhe abgesetzt werden, und es gelangte nur noch das Referat Plachta-Berlin über die ״Peah״- Institutionen (jüdischen Brocken - Sammlungen), deren Entwicklung als eine ausserordentlich günstige zu bezeichnen sei, zur Erledigung. In der Diskussion berichtet Freyhan- Breslaa über die vielfachen Kämpfe prinzipieller Natur, die er als Vorsitzender der Ortsgruppe Breslau und Mitbegründer der dortigen Peah gegenüber den Kollegen im Kuratorium zu bestehen habe. Weil er sich stets auf den Boden der Prinzipien des ״Verbandes der Sabbathfreunde* gestellt habe, habe man ihn nicht als Vertreter der Peah zum Delegiertentage gesandt, was die Gesinnung seiner Amtskollegen genügend kennzeichne. Er fordert als erste Bedingung für jedes Peah-Unternehmen, dass es sich streng an die Tendenzen des »Verbandes der Sabbathfreunde* halte. Der Vorsitzende spricht sein Bedauern über das Verhalten der Breslauer Peah-Leitung aus, er habe jedoch von Anfang an seine Stimme warnend gegen das Breslauer System erhoben. Man hätte von vornherein auf die eigne Ehre mehr bedacht sein müssen. Bei einer Institution, die der Schmiras Schabbos diene, dürfe man sich an leitender Stelle nicht auf Kreise stützen, bei denen der Sabbathgedanke nicht als heiliges Gut lebe. W e r t h e i m - Fulda wünscht Ausbreitung der Peah-Institute auch nach den Provinzstädten Dr. Rosenthal - Köln berichtet über die treffliehen Erfolge der Kölner Peah. Alle Gemeindemitglieder beteiligten sich an dem guten Gedeihen. Er schildert einen Fall, in dem es möglich war, 4 Familien, die wegen Arbeitslosigkeit ausgewiesen werden sollten, in der Peah zu beschäftigen und ihnen so die Sesshaftigkeit in Köln zu sichern. Eckstein- Nürnberg gibt einen Ueberblick über die Kämpfe vor Begründung der Peah. Trotz aller Anfeindungen sei das Werk vollbracht worden. Ein Ab!■ kommen mit einer Schuhfabrik stehe bevor, durch das ea möglich sein würde, weibliche Arbeitskräfte mit Heimarbeit in der Peah zu versorgen. Eine Resolution J acobstamm - Posen : Der Geschäftsführende Ausschuss wolle sich bemühen, geeignete Apparate bekannt zu geben, die das Warmbalten von Speisen am Schabbos nach religionsgesetzlicher Vorschrift