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Der Sabbath · 1910-10-01 · 4-5 (April-Mai 1910) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
4-5 (April-Mai 1910)
Date
1910-10-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der Sabbath. 55 ermöglichen, nimmt der Vorsitzende zur Erwägung entgegen. Lazarus gibt einige Erläuterungen zu dem Führer für die Berufswahl und ersucht die Delegierten um sorgfältiges Ausfüllen der Fragebogen. Nachdem auf Antrag der Revisoren dem geschäftsführenden Ausschuss Entlastung gewährt worden, wird derselbe per Akklamation wieder gewählt. Es gehören demselben an die Herren Dr. Biberfeld, Plachta, Lazarus, Gradenwitz und für den ausgeschiedenei! Rechtsanwalt Gronemann Max Jaffa. Das Zentralk 0 m i 16 wurde ebenfalls wieder in der früheren Zusammensetzung gewählt. Mit Dankesworten des Vorsitzenden an die Teilnehmer und von Jacobsen - Hamburg an die Geschäftsleitung, wird der Delegiertentag nach 9 ständiger Dauer geschlossen. Nach Schluss folgen die Delegierten zum Teil einer Einladung zur Besichtigung der Peah. Während der Tagung war folgendes Telegramm des Vereins der Sabbathfreunde in Wien eingelaufen: ״Generalversammlung Sabbathfreunde Wien entbietet Delegiertentag Schwesterverband herzliche Grüsse Felsenburg, Obmann“. 5imon Spira und sein Sohn. Historische Erzählung. Von Alb- Em. Brachvogel. (Fortsetzung) Viertes Kapitel. Halt- und gehaltlose Charaktere werden durch schwere innere, namentlich geistigelKämpfe, denen ihre bisherigen lieber■« Zeugungen unterliegen, oder durch des Genusses Uebermass oft völlig zersetzt und'*zum Nichtsmehr-Wissen, -Denken, -Empfinden- Wollen, zum Ueberdruss an sich selbst und der Welt herabge-! stimmt, jenem Zustande, den wir heute im engeren und weiteren Sinne ״blasirt* nennen. Selbst Salomo, nachdem er weise, glänzend, ' mächtig und alt geworden, quittierte i.’die Summe seiner Existenz : mit dem Ausspruche: ״Alles ist eitel!■1 Von solchem Charakter, war Esther Katz nicht, und deshalb . konnten die schweren Kämpfe ihrer Seele‘auch keine moralische 1 Zersetzung zur Folge haben. Ihre Erziehung 'war einseitig und; wenig für das Weltleben berechnet gewesen. So wie sie jetzt i war, hätte sie ohne ihren Reichtum und ihr Ansehen unter ihren Mitmenschen gar nicht fortzukommen vermocht, denn Weltklugheit und Lebenserfahrung besass sie nicht, das übrige Prag kannte.sie nicht, kaum einmal die )udenschaft. Ihre Lebensbeziehungen hatten sich im engsten, abgegrenztesten Kreise bewegt, und sie stand I nur mit dem vornehmsten Teile ihrer Stammesgenossen in wirkj lichem Verkehr. Mit dem fünfzehnten Jahre war sie mutterlos ge-! worden, also zu einer Zeit, wo das jungfrauentum 'in seinem Aufblühen unbedingt des innigen, weiblichen Anschlusses und der , Leitung bedarf. Diese Leitung war ihrem Vater, einem gelehrten! Talmudisten und Forscher anheimgefallen, welcher ihr diejenige Vermischte Nachrichten. Nürnberg, 21. Februar. Gestern Abend hielt hier im dichtgefällten Saal des Restaurants Qoldschmidt Herr M. A. Loeb aus Frankfurt a. M. einen Vortrag äber die Pcah-Institution. Der Redner entwickelte in beredten und überzeugenden Worten die Wichtigkeit dieser Einrichtung, die in Frankfurt a. M. und anderen Städten bereits grosse Erfolg erzielt hätte. Der Vortrag wurde mit grosser Begeisterung aufgenommen, so dass noch am gleichen Abend eine ״Peah“ mit der Bezeichnung ״Jüdische Arbeitsstätte Peah“ gegründet werden konnte. Die Neugiündung findet in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung Nürnbergs und Umgebung lebhaftes Interesse. Dresden, 11. Februar. Zu der Sekte der Adrentisten, den sogenannten Heiligen der sieben Tage, die den Sonnabend als heiligen Tag durch völlige Arbeitsruhe begehen, gehört der Infanterist Karl Arthur Rattey der 1.'Kompagnie des 102. Infanterieregiments in Zittau. Als frommer Adventist kam Rattey, ein Dienstknecht aus Ostpreussen, bald mit der militärischen Disciplin in Konflikt. Er verweigerte eines Sonnabends den Dienst, weshalb er vom Kriegsgericht zu 14 Tagen strengen Arrest verurteilt wurde. Nach Verbflssung dieser Strafe blieb Rattey am nächsten Sonnabend wieder dem Dienst fern und konnte trotz gütlichen Zuredens seines Unter- Offiziers nicht zur Teilnahme an der angesetzten Felddienstübung bewogen werden. Wegen Beharrens im Ungehorsam erhielt der Adventist, der in der Verhandlung erklärte, er habe die ganze Nacht vor dem Felddienst mit sich und seiner Ueberzeugung gerungen und sei schliesslich zu dem Entschluss gekommen, seinem Glauben treu zu bleiben, mit Rücksicht auf den Beweggrunds Wochen strengen Arrest. London, 1. März. Die letzte Nummer der ״London University Gazette“ enthält folgende Kundmachung: ״Mit Rücksicht darauf, dass die ersten zwei Tage der Immatrikulierung für das Sommer- Semester auf den 13. und 14. Juni fallen, an welchen Tagen die Juden das Wochenfest feiern, wird den jüdischen Kandidaten ge■ stattet werden, ihre Aufnahmeprüfungen anstatt an den erwähnten Tagen schon am 9. und 10. Juni abzulegen“. Bemerkenswert ist, dass die jüdischen Studenten, die von diesem Rechte Gebrauch machen wollen, ausser den regulären Gebühren noch eine Gebühr von 10 Schillings zu entrichten haben, was bisher in ähnlichen Fällen niemals geschehen ist. Wir empfehlen den Consumenten von Rasierp u 1 v e r sich darüber zu vergewissern, ob dasselbe kein ״Chomez“ enthält. Die Firma S. B. v. Maarssen Frankfurt a. M. bittet uns zu berichten, dass ihr Erzeugnis frei ist von ״Chomez״ und daher über Pesach im Hause behalten werden kann. Entwicklung nicht zu geben vermochte, deren ein Mädchen bedarf, um ihren Beruf einst zu erfüllen. Durch ihn hatte ihr Geist eine viel zu spekulativ männliche, ascetische, ja skeptische Richtung genommen, sodass ihre Herzensbildung; im Rückstände geblieben war, auf deren Kosten sich ihre Eitelkeit, ihr Hochmuth und ihr Selbstbewusstsein nur allzu stark entwickelt hatte. An innerem Gemüts- und Geistesleben fehlte es ihr indess gewiss nicht. Ihr Herz war von tiefer Frömmigkeit, weiblicher Sitte und Würde erfüllt, ihr Geist lebte in den hohen, uralten Ideen der jüdischen Offenbarung, die sie in ihrer vollen Reinheit überkommen und in sich aufgenommen hatte. Niemand konnte idealere Anschauungen von der Bestimmung des Menschen und einen reineren Willen haben, empor zur Wahrheit zu ׳ streben, das Gute zu tun und den leisesten Mahnungen des GewiBsens zu lauschen. Indem sie diese ihre innere Vortrefflichkeit mit ihren strengen, aristokratischen Gewohnheiten und den stolzen Traditionen ihres Geschlechts verband, war sie der Sinnpflanze vergleichbar, welche sich bei der leisesten Berührung empfindlich zusammenzieht, jenen ernsten, keuschen Blumen, die ihre Kelche nur dem Mondstrahl öffnen und im dunklen duften. Leider raubte das Geschick ihr mit siebenzehn Jahren auch den Vater und machte sie zur Erbin eines ungeheuren Reichtums. Es war natürlich, dass die Verwandtschaft sich alsbald an sie drängte, um sie ihrem Einflüsse unterzuordnen, dass sofort jüdische Eltern sich fanden, welche für ihre mannbaren Söhne eine so schwerwiegende, vornehme und schöne Lebensgefährtin־ lebhaft wünschten, und die Männerwelt erwies ihr auffallende Huldigungen, welche nie ohne Nebenabsichten waren. Besass Esther auch keinerlei Lebensklugheit, so besass sie doch die Schlauheit, den feinen Instinkt und die Beobachtungsgabe ihrer Nation, spiritualistischen Hang, Zweifelsucht und kritische Zersetzungslust. Sie hatte sehr bald verkannt, worauf es ihrer Verwandtschaft wie ihren Freiern ankam, und da Vater wie Mutter in kluger Voraussicht solcher Speculationen Esther testamentarisch höchst frei und selbständig gemacht hatten, ihr Vormund aber der Vorsteher joach Schamech war, der dem alten Katz eng befreundet gewesen und dessen Ansichten genau kannte, so lies dieser ihr wohlweislich ihren vollen freien Willen, und seine Ratschläge konnten sie nur in Ihrer abweisenden Haltung bestärken. In seinem ersten ruhigeren Gespräch nach des Vaters Tode hatte joach zu ihr gesagt: (Fortsetzung folgt)

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