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Der Sabbath · 1910-10-01 · 4-5 (April-Mai 1910) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
4-5 (April-Mai 1910)
Date
1910-10-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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22 Der Sabbath. finden, die ausreichend sind, den Bedenken entgegenzutreten. Vielleicht aber auch können Kautelen gefunden werden, woduiäjh die Verwirklichung des Antrages wenigstens in Ein^Hlllen möglich ist, und das würde genügen. Der AntraStoosenheim wird angenommen, nachdem er auf Anregu^F Jacobstamm-Posen noch den Zusatz erhält ״aucttk^ihtjüdische Geschäfte“. Gegen deqs Antrag 2 Mülhausen wendet sich Moller-Altona. A\1f die Jugend müsse durch Schule und; Haus gewirkt werden, das sei nicht Aufgabe des ״V.d.S.‘•; Freyh an-Breslau befürwortet den Antrag mit Dankesworten für die Antragsteller. In Breslau ist in einem י solchen Jugendbund Hervorragendes geleistet worden, es gehören zu ihm Schüler im Alter von 13—16 Jahren, die sich gegenseitig behülliich sind, um jeden Cbillui Schabbos beim Schulbesuch zu vermeiden. Eckstein - Nürnberg hält die Verwirklichung aus schultechnischen Gründen für Bayern für unmöglich. Hofinann - Berlin. Es muss nur eine geeignete Form gefunden werden, durch die jeder Conflikt mit den ' Schulinteressen wegfällt. Der Antrag ist wärmstens zu empfehlen, da er die Einwirkung auf die Jugend richtig einschätzt. Rzeszewski - Posen. Wir haben in Posen seit 10—12 Jahren einen solchen Sabbathbund. Um das Tragen der Bücher am Schabbos zu verhindern, haben die Schüler gemeinsam’ eine Kasse gebildet, aus der der Pedell eine Vergütung für die Aufbewahrung erhält. Die abgehenden Schüler lüsseu ihre Bücher den jüngeren zurück, sodass alle Bücher doppelt vorhanden sind. Dieser eine Punkt ist schon wichtig genug. Aber auch 2 Schiurim, wie sie der Antrag verlieht, -haben wir bereits lange Zeit für Schüler eingerichtet. Dr. M u n k^jflferlin befürwortet den Antrag. Dr.* Bambefcr er-Wandsbeck hält ihn für überflüssig, gr* Es gelangt der Antrag Plessner-Posen zur Annahme. ״Ich beantrage die 3 Anträge Mülhausen den Ortsgruppen aufs Wärmste zu empfehlen, es diesen aber zu überlassen, den weiteren Ausbau zu übernehmen“. Den Antrag Nürnberg ״Vakanzenliste“ begründet Ec kg t ein-Nürnberg: Es kommt vor, dass der ״Sabbath“, der die Vakanzenliste enthält, manchesmal erst nach 2 Monaten erscheint. Wir haben daher schon bei der Stellenvermittlungscentrale beantragt, sie solle wenigstens den Ortsgruppen, die sich mit Stellenvermittlung befassen, alle 14 Tage die Vakanzenliste zugehen lassen. Da wir das nicht erreicht haben, bitte ich hier einen Beschluss darüber zu fassen. Rosen he im-Frankfurt a. M. Der Del. T. ist nicht in der Lage den Antrag anzunehmen, da die Stellenvermittlungscentrale eine unabhängige Institution ist. Es besteht freilich kaum ein Bedenken dagegen, dass die Vakanzenliste alle 14 Tage den interessierten Ortsgruppen zugehe, weswegen ich vorschlage, dass der Antrag der Stellenvermittlungscenirale zur Berücksi chtigung überwiesen werde. Nach Aeusserungen von Jacobsen-Hamburg, Rotholz-Posen, Dr. Wreschner-Samter zu diesem Punkte findet der Antrag Rosenheim Annahme. Der Antrag b) Nürnberg soll mit gleichen Anträgen Breslau und Hamburg beraten werden, c) erledigt sich durch Hinweis auf das Statut. Antrag 5 d) Hamburg (Sabbath). Auf die Begründung durch Möller-Altona antwortet der Vorsitzende; Was ddwversand des Sabbath anbetrifft, so ist die Centralisierunjg in;Berlin und der Versand von dort aus schon erfolgt. FaHs Unregelmässigkeiten in der Versendüng eintreten, so fallen sie nicht unserer Expedition, sondern den Ortsgruppen zur Last, die Aenderungea nicht meldeh. Für die Redaktion fehlt es an Mitarbeitern. Trotz mehrfacher Bemühungen ist es nicht möglich gewesen, die in Frage kommenden Persönlichkeiten zur Mitarbeit zu gewinnen. Auch die Ortsgruppen leisten viel zu wenig Mithülfe. ׳! Der ״Sabbath“ kann nicht stets ein einheitliches Gepräge haben, oft muss die politisch-religiöse Seite vorherrschen, dann wieder ist für das Ethisch-religiöse mehr Raum vorhanden. Kob er-Breslau bittet die Antragsteller, mehr auf die Mitarbeit zum ,Sabbath“ hinzuwirken. Die Kritik sei bisher bei allen Delegirtentagen hervorgetreten, ohne dass der Appell zu eifriger Mitarbeit, den der Vorsitzende stets habe ergehen lassen, von Wirkung gewesen sei. Nach Anregungen Löwy-Rawitsch und Hofmann-Berlin zu diesem Punkte wird der Antrag erste ijälfte abgelehnt, zweite Hälfte angenommen. Punkt 2 der Tagesordnung wird hierauf der vorgerückten Zeit wegen verlassen und A.;Mar cus - Pinne erhält das Wort zu seinem Referate: ,Die Ab wänderung aus den Kleinstädten*) lu der Besprechung ergriff, nachdem der Vorsitzende dem Redner in wärmsten Worten für das ausgezeichnete Referat gedankt hatte, Rose nh ei m - Frankfurt das Wort: ,Ich habe auch das persönliche Bedürfniss unserem Herrn Referenten herzlichst zu danken, aber meine Freude über das Referat hat eine deprimirende Unterschwingung und ich glaube, das ist der beste Beweis dafür, dass der Referent die Absicht, die ihm vorschwebte, verwirklicht hat. Das Referat wirkte gradezu erschütternd. In vortrefflicher Weise hat der Redner die Tat- Sache der Landflucht, ihre Ursachen und ihre Konsequenzen für das überlieferte Judentum darzutun gewusst, aber er hat nicht versucht, ein radikales Heilmittel anzugeben, und wir müssen konstatiren, dass es ein Spezifikum gegen diese Krankheit nicht gibt. Die Abwanderung ist eine Erscheinung, die eine allgemeine Tatsache der Volks- Wirtschaft darstellt, die nur bei den Juden in erhöhtem und besonders in den östlichen Provinzen in verschärftem Maasse in die Erscheinung tritt. Abgesehen von dem völkerpsychologischen Unterschied, den auch Herr Marcus erwähnte, dass nämlich bei uns Juden die Freude am Bodenständigen nicht so stark entwickelt ist wie bei den Nichtjuden, ist der wichtigste Grund für die jüdische Abwanderung in den wirtschaftlichen Verhältnissen zu finden. Gerade wegen^ihrer wirtschaftlichen Interes- | sen, die sie an die Heimat knüpfen, wird die nichtjüdi- , sehe Bevölkerung eher am Lande festgehalten. Auch dort! wirken die moralischen Factoren, die gegen das Verbleiben sprechen, schlimm genug, aber es ist doch ein wirtschaftliches Band da, das sie zurückhält: die Landwirt- Schaft. Bei uns fehlt die Landwirtschaft fast gänzlich und ich glaube, dass auch in den Kleinstädten unter den Juden die Landwirtschaft kaum vertreten sein dürfte, j Dieses wirtschaftliche Moment könnten wir beseitigen, wenn wir.imstande wären, die deutschen Juden im grö.ßeren Maße der Landwirtschaft zuzuführen. Das halte •ich aber leider nicht für möglich, vor allem deshalb nicht, weil die Landwirtschaft im Kleinbetrieb kein rentables Unternehmen ist. Ich spreche hier im Namen der ״Conimission für ländliche Wohlfahrtspflege*, die von der ,Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums* vor drei Jahren eingesetzt worden ist und die seitdem sich mit dieser Frage beschäftigt. Freilich •)M°lge Raummangels musste der wörtliche Abdruck des Hefe■ rats bis zur n&chsten Nummer verschoben werden.

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