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Der Sabbath · 1910-10-01 · 4-5 (April-Mai 1910) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
4-5 (April-Mai 1910)
Date
1910-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der Sabbath. 19 werden wissen, dass was im Gegensätze hierzu von uns in Gemeinschaft mit der .Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“ und auch durch die Vorstellungen des .Verbands der deutschen Juden“ erreichtworden ist, nicht ganz allen Wünschen entspricht, es ist abtf wenigstens erzielt worden, dass in einem offiziellen'Gesetzgebungswerke der deutschen Reichsregierung anerkannt werden wird, dass die Kreise der Sabbathhaltenden einen Anspruch darauf haben, in ihrem Gewissen staatlicherseits geschützt zu werden. Das ist ein so hochpolitisch wichtiger Erfolg, dass dagegen die Frage, ob eine Stunde mehr oder weniger der Sonntagsarbeit eingeräumt wird, zurücktreten muss. Was erzielt worden ist, ist erzielt worden, nicht indem wir auf die Zahl derer, die den Sabbath heiligen, gepocht haben, sondern, indem wir der Reichsregierung sagten, es würde einen Veratoss gegen unser Gewissen darstellen, wenn uns von den höchsten Stellen unseres Staatswesens der Sabbath nicht erhalten werden sollie. Und dass unseren berechtigten Vorstellungen der Erfolg nicht versagt bleiben soll, dass ist ein wirklicher Kiddusch haschern, denn es ist ein Kiddusch haschern, der seine Wirkung nicht nach aussenhin, sondern nach innen, auf uns selbst hin richtet, getreu dem Thoraausspruche ונד־שתי בתוך בד יש־אל. Durch unser Eintreten und die Anerkennung unserer. Motive ist in Kreise, die nicht auf dem Stand-! punkte der praktischen Sabbathheiligung stehen, die Erkenntnis von der hohen Bedeutung hiueingetragen worden, die der שבת für uns hat. Zur Herausgabe der Schriften unseres Verbandes übergehend, muss ick bemerken, dass die seit langem vorbereiteten ״S a b bla t h v 0 r s c h r i f t e n“ nunmehr hier druckfertig vorliegen. Ich bin der Anschauung, dass in Bezug auf ein Werk von so grosser Tragweite und Wichtigkeit die Anforderungen nicht hoch genug gestellt werden können und es nur gewinnen kann, je mehr und je länger man sich die Einzelheiten durch den Kopf gehen lässt. Das lässt die Verzögerung bei der Herausgabe gerade dieses Buches begreiflich erscheinen. Wenn es auch ausgeschlossen ist, dass das Werkchen schon, wie wir glaubten, auf Pesach versendet werden kann, so können wir aber versieh:rn, dass es nun in aller Kürze fertiggestellt sein wird. Wir können Ihnen aber dafür zu unserer diesmaligen Tagung den ״Führer zur Berufswahl* hier überreichen, ein Buch, das erst, bei eingehendem Studium seinen Zweck ganz erfüllen wird. Die Beziehungen der Ortsgruppen zum Geschäftsführenden Ausschuss seien noch kurz gestreift. Wie Sie wissen, ist unser Verband mit 1(10 Ortsgruppen und nahezu 6000 Mitgliedern unter allen jüdischen Vereinen mit religiöser Tendenz an erste Stelle gerückt. Wenn wir aber denjenigen, die sich unserer Führung anvertrauen, gerecht werden sollen, dann ist es auch unbedingte Pflicht, dass wir jederzeit rechtzeitig über alles, was in den Ortsgrappen vorgeht, unterrichtet werden. Das geschieht aber in den seltensten Fällen. Nur einzelne Ortsgruppen gehen uns mit Anregungen zur Hand. Dann giebt es andere, die wenden sich an uns, wenn sie etwas brauchen — das sind nicht die schlechtesten, denn die schlimmsten sind solche, die überhaupt sich gar nicht an uns wenden. Ich muss es als Redakteur des ״Sabbath“ als tadelswert bezeichnen, wenn wir über in Ortsgruppen stattgefundene Versammlungen”erst durch Berichte in den jüdischen Wochenblättern unterrichtet werden. Früher habe ich solche Berichte in den ״Sabbath“ übernommen, aber ich bin von dieser Praxis abgekommen, weil ich mir sage, es ist eine Rücksichtslosigkeit gegen die Schriftleitung de; ,Sabbath“, wenn man ihr zumutet, dass *sie Verbandsangelegenheiten aus anderen Blättern übernehmen soll. Der ״Sabbath* bringt nunmehr solche Berichte nur dann, wenn sie ihm originaler zugehen; das sei aus dem Grunde hervorgehoben, weil die Geschäfte unter einer derartigen Gepflogenheit, wie sie bei den Ortsgruppen jetzt besteht, sehr schwer leiden müssen. Noch ein Wort über diejenige Institution, die in unserem Berichte einen sehr breiten Raum einnimnt, die ״Peah“. Es ist bisher bei uns üblich gewesen, dass wir keinen übertriebenen Wert darauf gelegt haben, dass in einer Sache, die von uns aus unternommen wird, unser Verdienst zu sehr unterstrichen wird. Für uns kommtes ja nur darauf an, unser Ziel zu erreichen. So legen wir auch keinen besonderen Wert darauf, wenn vor def Geschichte die Erkenntnis und die Tatsache fcstgesiellt bleibt, dass der Gedanke der Peah durch den ״Verband der Sabbathfreunde“ in die jüdische Oeffentlichkeit hinein-, getragen worden ist; aber wünschenswert ist es und unbedingt erforderlich, dass die Tendenz, die wir in derartige Ideen bineinlegen, keine Trübung erfährt. Wir haben den Peahgedanken nicht gepflegt, um nur mitzutun in Werken sozialer Fürsorge, sondern lediglich in der Absicht der Schmiras Schabbos durch ihn eine Stütze zu bieten. Das muss überall, wo Peah-Institute bestehen, festgehalten werden, und nur, w׳enn das geschieht, können wir die betreffenden ״Peab's“ zu uns rechnen. Wenn dieselben aber nichts anderes sein wollen als jüdische Wohl-, tätigkeitsinstitute, so wird keiner unter uns' sein, der ihnen nicht besten Erfolg wünschen würde, aber es wurde ־־ für unseren Verband schädlich wirken, wenn nicht an einer strengen Abgrenzung der Wirkungskreise festgehalten würde. Für den Verband dar Sabbath trenn le erlischt in dem Moment, wo sich ein solches Institut nicht mehr in den Dienst der .Sehmiras Schabbos stellt, jede Pflicht und jedes Recht eine Verbindung damit aufrecht zu erhalten. Lassen Sie mich mit einem Hinweis auf eine Stelle des Wochenabschnittes schliessen. Zu dem Satze _ והאש על המלבה תוקך בו sagt der Midrasch, dass das Feuer auf dem Opferaltare anders gebrannt habe, als sonstiges Feuer. Während sonst das Feuer den Gegenstand auf — dem es sich befindet, mehr oder weniger amrreift, so ist der Altar von dem Opferbrandc nie angegriffen worden, sodass es schien, als ob der Altar das Holz der Opferscheite in Flammen setzte. Was in diesemjfilde ausgesprochen wird, gilt für alles echtjüdische Tun Die jüdischen Ideen setzen die Herzen in Flammen zu Taten und es scheint fast, als ob sie das Ilerz verzehrten. Aber in Wirklichkeit ist es nicht so; nur diejenigen jüdischen Unternehmungen h&^en Bestand, die gleichsam aus dem Herzen heraus entzüadet werden. Ich will nicht von dem zum Schlagworte gewordenen ״jiilisclnn Harzen* in diesem Zusammenhänge sprechen, aber in tjer Umsicht können wir das Wort gelten lassen, dass es eiu M issstab ist, ob eine Sache wirklich echt- und gutjii lisch ist oder nicht. Die Idee, die nicht in sich erlischt, sondern aus sich heraus neue Kraft empfängt — ist gutjii lisch! Die bald .zusammensiukt — ist 03 nicht! Der Gedanke, der uns zusam׳.nenfiihrte zur Gründung des ״Verbandes der Sabbatlifreun le* war eine echte, gutjüdische, war eine Idee, die es verdiente, gefördert zu werden, das haben ihre Erfolge bisher deutlich erwiesen. Unter Gattes Schutz ist unser Weg ein ständiger Aufstieg gewesen, nie ist uns der Galanke gekommen, dass wir uns zu etwas Ueberflüssigem verbunden. So möge denn die göttliche Iluld, die bisher über unserem Verbände gerwaltet hat, ihn auch in Zukunft geleiten, nicht um unserer selbst willen, sondern damit gemehrt werde unverfälschter echtjüdischer Geist, in lern das Grün lgesetz der Thora, der Sabbath, in Treue ,geheiligt wird!״

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