Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- 1 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 7 an Sonn• «nd Festtagen «ährend der für das betreffende Handelsgewerbe freigegebenen Zeit gestattet“. Sollte in missbräuchlicher Auslegung dieser Bestimmung ein Geschäftsinhaber «ährend der sonntäglichen Verkaufszeit gewerbliche Arbeiten verrichten lassen, die nicht lediglich als unaufschiebbare ״Aenderungs- oder Zürichtnngsarbeiten an den Waren beim Ladenverkauf“ zu betrachten sind, so würde er wegen Zuwiderhandlung gegen die Vorschriften des § 105b Absatz 1 zur .Rechenschaft zu ziehen sein. Wiesbaden, 10. Jaa. Auf Einladung der Ortsgruppe des ״Verbandes der Sabbathfrennde* fand sich letzten Sonntag Abend eine stattliche Anzahl von Herren und Damen, zumeist aus den Kreisen der hiesigen Religionsgesellschaft, im geräumigen Saale der ״Wartbürg“ ein, um einen Vortrag des Hem Redactear Schachnowitz aus Frankfurt a. M. anzuhören. Die politische Jahresbilanz, bemerkte der Redner einleitend, erwecke beim Juden einerseits ein Gefühl hoher Genugtuung angesichts des rapiden Steigens aller Knlturwerte, die uns so nahe, mit unseren tausendjährigen Hoffnungen so eng verknflpft seien. Andererseits müssen leider gerade wir Juden konc tarieren, dass mit dem technischen Aufschwünge der' ethische und moralische noch immer nicht gleichen Schritt halte, denn allenthalben sei die alte Schuld den Juden gegenüber noch immer nicht getilgt und von den Völkern auch aufs neue Jahr übertragen. Der Referent gibt einen Ueberblick über die Gesamtlage des jüdischen Volkes. Das Bild, meint er, sei ein recht trübes, doch dürfen wir die äusseren Erscheinungen nicht als Haßstab zur Beurteilung der Lebenskraft des jüdischen Volkes nehmen, wollten wir nicht zu dem Schlüsse unserer ungeratenen und unberufenen Ratgeber gelangen, die die Lösung der Judeafrage einzig in der Auflösung des jüdischen Volkes finden. Die innere Werbekraft der jüdischen Idee, die ihre Herrschaft in der Kulturwelt, in welcher sich heute mehr denn je ein Streben nach Licht, Wahrheit und sittlicher Freiheit bemerkbar macht, immer mehr befestigte, werde schliesslich auch ihrem Träger, dem jüdischen Volke, den Sieg bringen, vorausgesetzt, dass es sich an sein Jahrtausende altes Ideal mit aller Kraft seiner Seele klammere nnd Judentum und Judenheit wie einst ein und derselbe Begriff bleibe. Obornlk, 14. Febr. Gestern abend hat sich hier eine Ortsgruppe des ״Verbands der Sabbatbfreunde“ konslituirt. Herr Koschmann Wreschner, der alle Vorarbeiten aufs Beste erledigt hatte, eröftnete die Versammlung mit einer «armen Ansprache, in der et auf die Bedeutung der SabbathheiUgang für das Judentum hinwies, und erteilte hieraufHerrnPinkusPlesaner-Posen das Wert za einem Referat über den ״Verband der Sabbathfrennde“ Eingehend schilderte der Redner die Begründung und Entwickelung des Verbandes und berichtete über die Erfolge, die derselbe auf den verschiedensten Gebieten seiner Tätigkeit bisher zn verzeichnen habe, ln der Discussion trat Herr Jacob Wreschner warm für die Förderung des religiösen Lebens ein: jeder habe die Aufgabe zn erfüllen, mit gutem Beispiele in der Treue zum Gottesgesetz voranzngeben. — 24 Mitglieder traten der nengegrilndeten Ortsgruppe bei. iaffn, im Januar. Dem ״Chabazeleth* wird von hier folgende fast unglaubliche Geschichte gemeldet: Der jüdische Pedell an der Jaffaer jüdischen Mädchenschule ist in den Streik getreten, nicht weil er eine Erhöhung seines 55 Fr. bemessenen Monatslohnes anstrebt, sondern weil man ihn gegen die Vereinbarung zwingen wollte, am Sabbath Arbeit zu verrichten. Im Jaffaer Gymnasium wurde nämlich am Sabbath-Chanukka-Abend eine Theatervorstellung gegeben. Den ganzen 8amstag hindurch wurden die Vorbereitungen getroffen, die Bühne gezimmert usw. Es fehlten nur noch die Bänke, nnd diese hätten nun von der jüdischen Mädchenschule geholt werden sollen. Als nun die Arbeiter den Diener der Mädchenschule aufforderten, die Bänke heranszugeben, erklärte dieser, dass er als gesetzestreuer Jude am Samstag keine Arbeit verrichte und auch keine verrichten lasse. Kurze Zeit darauf erschien der Gymnasiallehrer Eisenstein mit drei Arabern, um die gewünschten Bänke event. mit Gewalt fortschaffen zu lassen. Bei der hierauf zwischen des£ Herrn Professor und dem Diener entstandenen Auseinandersetsung griffen der Professor und die Araber den Diener tätlich an nnd prügelten den Diener sowie dessen zum Schutze ihres Mannes herbeieilende hochschwangere Frau mit Stöcken, so dass letztere in Ohnmacht fiel. Der Vorfall der noch ein gerichtliches Nachspiel haben wird, hat in\Jaffa peinliches Aufsehen erregt. (Sonst nichts?! Red.) Simon Spira und sein Sohn. Historische Erzählung. Von Alb. Em■ Brachvogel. (Fortsetzung) Die AIt״Neu-Schule, deren sonderbares Äussere wir schon beschrieben haben, ist erst zu würdigen, wenn man In dem Heiligturne selbst steht. Welch’ ein wunderbarer Bau und erfüllt von wie wundersamen Erinnerungen 1 Genau von Mord-Osten nach Süd״ westen liegend, wie der alte Tempel zu Jerusalem, ist er in seiner Grundform erbaut wie dieser und die Stiftshütte, das Allerheiligste, das Heilige, der innere Vorhof mit dem Hofe der Weiber befinden sich an der gleichen Stelle. Dies wäre weniger merkwürdig, als naturgemäss, und auch moderne Synagogen, haben ähnliche Einteilung. Die Alt-Meu-Schule heisst aber dieser Tempel, weil er alt und zugleich neu ist. Der alte Tempel liegt mehr denn zehn Fuss tief noch heute unter der Erde, der neue, der auf und aus ihm heräuswuchs, hebt sich gen Himmel und überblickt die Juden- Stadt. Durch eine kleine, seitlich stehende Pforte des südlichen Anbaues steigt man sieben Stufen hinab wie in einen Heller, der kaum dämmerhaft erleuchtet ist. Man hat Vorsicht nötig, nicht zu fallen. Dies ist die Vorhalle. Ihre Decke bildet ein rundes, römisches Gewölbe, und ohne jeglichen Zierrat gleicht sie einer melancholischen Höhle, einem Herker. Links eine Seitenpforte führt zu einem anderen, ebensolchen Raume, der als düsterer Gang die drei übrigen Seiten des eigentlichen Tempels umzieht: hier verrichten die Weiber ihre Andacht; durch schmale, schlitz״ artige Mauereinschnitte in Höhe der Augen vermögen sie in das Heiligtum selbst zu sehen und den Vorsänger oder Rabbiner zu hören. Von dieser Halle, oder dem Hofe der Männer, führt an der Südseite der einzige Eingang ln -das Gotteshaus. Drei Stufen schreitet man zu ihm hinab. Wir stehen in dem kleinen alten Tempel, der im dritten Jahrhundert nach der Zerstreuung der Juden und Jerusalems Fall erbaut sein, soll, in den wilden'Kämpfen barbarischer Zeiten durch Horden, welche die Völkerwanderung über das Land ergoss, zerstört und wohl gegen vierzig-Fuss hoch verschüttet wurde. Nur ein wüster, von Buschwerk und Trümmern bedeckter Hügel deutete den späteren Geschlechtern der Prager Juden das Grab ihrer alten Synagoge an. Im dreizehnten Jahrhundert, der Zeit der frühgotischen Bau״ kunst, spielten — so meldet die Sage —. jüdische Kinder Auf diesem Hügel und eines brach plötzlich durch eine dünnere Erd״ Schicht hindurch, in des alten Tempels Nacht hinab. Nach dem Kinde grabend, das durch seinen Tod zu dem versunkenen Heilig״ tum der Väter den Weg gezeigt hatte, fanden sie es zwischen den vier Säulen im Osten, und im Allerheiligsten die heilige Lade des Gesetzes und unversehrt in ihr die verlorene Rolle des alten Bundes, die Tora, welche man aus Palästina einst mitgebracht haben soll. Die Prager Judenschaft beschloss darauf, den Tempel wieder aufzurichten. Die alte Baukunst hatte aber längst der Gotik Platz gemacht, und es blieb nichts übrig, als auf dem alten unteren Tempel ein neues oberes, gotisches Bauwerk zu errichten. So wölbte sich die Neue-Schule auf. der Alten in majestätischen Spitzbogen, die getragen werden von zwei hochstrebenden sechsseitigen Säulen, zwischen denen die Stelle der ״Verkündigung“ des Worts, der Platz des Rabbiners lag, eine Stein״Estrate, umgeben