Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- 1 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Der Sabbath. ---£<- 1 von Lampen^' zu welcher man westlich drei Stufen wieder hinabstieg. *,) Die Alte-Schule, klon härtestem Granit erbaut, ist sonderbarerweise («!leicht durch den Schutt, welcher die Mauern vor Verwitterung iliqhützte)^■ weiat geblieben, während der Sandstein, in dem diq' ty^-Schule fürer^Thrniit ihren gotischen Bogen errichtet־ wurdet gcttwacz, düflqrHind verwittert ist, so dass man bei der Dämtherungj weldhtPtrotz^der sechs gotischen Fenster in dem ganzen Rau1!!!? ,herrscht, nur schwer die Gurtungen und Schlusssteine der decke zu erkennen vermag. Die vier Säulen, welche die heilige Lade im Osten umschliessen, zu der abermals drei Stufen e!npor führen, tragen giebelartig zwei rechtwinklige Dreiecke, deren׳ Aussenseften der gotische Baumeister mit barockem Eichblätterschmuck verziert' hat, welchen die gotische Zeit liebte, während an den ehedem verschütteten runden Säulen des alten Tempels die Traubengewinde losua's und Kaleb's — das Symbol des gelobten und verlornen Landes — ausgemeisselt sind. Auf dem Eckpfosten der Balustrade, welche die Erhöhung vor der Bundeslade einfasst, vor dem Vorhänge, der das Allerheiligste zwischen den Säulen verschliesst, steht links der grosse, seltsam geformte, eheme, siebenarrr.ige Leuchter des Salomonischen Tempels 1 und rechts ein Träger mit neun Lampen. Aber den matten Schein aller dieser soeben rings entzün- : deten Lichter und Ampeln überstrahlt das alte sechseckige Licht-; Symbol, hoch droben thronend mit des ewigen Namen, dargestellt! durch die Fensterrose im Osten, durch welche glühend jetzt die Morgensonne in den fast nächtigen Tempel hereinquillt und den .Stern der Verheissung‘ durchleuchtet. Es ist ein Anblick von zauberischer, die Herzen ־wahrhaft bezwingender Gewalt! Dieser Gewalt untertan und von ihr durchzittert sind die Männer der jüdischen Gemeinde, welche, in ihre Gebetmäntel ge- , hüllt, mit joacp Schamach, bem Vorsteher, und Rabbi Simon Spira eintreten. Draussen in der Welt, selbst innerhalb seines Getto, ja, in dfem eigpen Hause fühlt sich der Jude als Sklave, als ein Fremdlipg, ewig verfolgt, gedrückt und nur mit Wiederstreben geduldet, hifer ist er frei, ist er das auserwählte Kind Gottes, das zu ׳ seinem Vater reden darf.! Das Gebet beginnt, und wie ein Geisterhauch geht das i Flüstern so vieler Lippen durch den heiligen Raum. Endlich wird! es stiller und stiller. Alles lauscht; Rabbi Spira tritt vor den Vorhang, der die heilige Lade bedeckt, zwischen die Säulen und ׳ die Leuchter. ,Wir gehen wieder Tagen der Not und der Trübsal, des Blutes und der Angst entgegen, wie es so oft geschehen ist“, sagte er. ,Der Gott unserer Väter, der uns bisher errettet hat 1 wird uns aber auch aus dieser kommenden Not herausführen,’ | wenn wir sein Wort recht verstehen und in seinem Zeichen wan- I dein 1 — — — Die Not und die Qual, der Tod und das Verderben! welche kommen werden über uns, kommen nicht etwa von der j Gewalt, der wir untertan sind, vom Kaiser, kommen nicht von dem i Volke, unter dem wir jüdischen Leute hier leben fast dreizehnj hundert fahre, sondern von demselben mörderischen Feinde, der! schon so lange verwüstet hat die Welt mit Feuer und Schwert, der die Menschen seines Glaubens so wenig verschont, wie die \ unsres Glaubens, und dessen Begier ist Mord, Schändung, Raub und Gräuel ohnd Unterschied, ohne Erbarmen! Was für ein Feind der Schwede ist, wir haben es gespürt vorig' Jahr und denken daran mit Schaudern! Was der Kaiser für ein Herr ist, davon wissen nicht blos wir, sondern unsere Väter zu sagen, die in Frieden schlafen drüben unter den Büschen, wie sie haben in rtiedeü leben dürfen und gedeihn!-Wird Gott uns diesmal die Heimsuchung ersparen? Nein, er wird sie uns nicht er- ) sparen! Er wird über uns kommen lassen des wilden Feindes | Schrecken zehnmal ärger und uns schlagen lassen zehnmal schwerer I — Warum? Weil wir nicht aufgetan haben vorig' Jahr zu rechter ■ Zeit unsre Augen, zu erkennen, wer unsere Stütze sein soll! Weil : wir damals unsre Herzen verschlossen haben beim Unglück des! Volks ringsum,׳ Veil wir damals uns losgekauft von den Schweden, i unsre Hände aber haben ruhen lassen gegen unsre Landsleute. Und so wird der Feind jetzt kommen über uns selber ohne Mitleid, denn er hat gekostet von unserm Reichtum!- Wie sollen wir aber tun, dass der Herr im Zorn nicht über uns Blut, Tränen, Schmach und Wehklage verhänge, sondern uns führe zum Siege? Wir sollen zu dem Volke, bei dem wir wohnen, treten und sagen: .Deine Feinde sollen unsere Feinde, Deine Not soll unsere Not sein!* und zu dem Kaiser unserm Herrn sollen wir starkmütig halten und schützen sein Recht, wie er. und seine Vorgänger haben geschützt unser Recht in Prag seit alter Zeit! Wer also schwach ist am Fleisch, aber begütert, der gebe von seinem Gute zum allgemeinen Besten, damit der Verderber ihm nicht hinterher dennoch einmal sein Gut raube und das Leben dazu. Wer stark ist an Kräften, aber arm an Habe, der recke seine Hände zum Streit gegen den Widersacher und biete sein Blut! Wahrlich besser ist’s doch, er sieht es rinnen in gerechter Sache und fühlt das ewige Zeichen über seinem Haupte, als dass er erwürgen lässt sich, sein Weib, seine Kinder, wie man das wehrlose Rind und Lamm würgt ohne Mitleid! — — — Ihr sollt nun nicht meinen, weil ich Eurer Rabbi bin, verordnet zu reden, ich rede, nur, aber lasse die Sache selbst an mich kommen- Nein, ich muss auch der Erste sein von aller Judenschaft zu Prag, der das Werk anpackt, zu dem Er ruft, und der sich zuerst auferlegt, was er Euch, seinen Brüdern, auferlegt! Ich bin gesegnet am Erbe, das von Vätern und Grossvätern ist erworben worden in Prag unter des Kaisers Schutz. Ich will hingeben wieder an Prag in seiner Not alles, was mein ist, und will der Aermste unter Euch sein! Gott hat reich auch gesegnet mit einem einzigen Sohn und . wird meines Bluts und Samens nicht mehr gefunden, wenn dieser dahin ist! Aber ich gebe in diesem .einen Sohn, der stark, ist und eifrig — ein Gibber — meinen letzten, höchsten Reichtum und mit ihm meines Herzens Blut! Wer geben will, sei es viel oder wenig, gebe joach Schamech, wer streiten will für Befreiung und Sieg mit allen Kräften, trete zu Marcus, meinem Sohne! Ich aber werde Euch führen vor des Statthalters Grafen Colloreda Angesicht und ihm bringen unser Geld, unser Blut und unsem Eifer Der Schild David's“, und er erhob die Hand zu dem strahlenden sechseckigen Stern, der den dunklen Tempel durchglühte, .Das Licht des Herrn wird unser Schutz sein!“ Der kleine Rabbi mit der gewaltigen Stimme, der gesprochen hatte wie einer der Propheten aus alter Zeit, stieg herab vom Heiligsten und schritt still zum Tempel hinaus, Schamech und die Gemeinde folgten ihm langsam nach. Die Gemüter waren in allen Tiefen bewegt! (Fortsetzung folgt.) Zur Beachtung! Es ist uns gelungen, mit der Verlagshandlung des soeben in 9ter Auflage erschienenen Werkes; Bibel- und Talmudschatz von J. H. Hohn (siehe Besprechung unter ״Literarisches.״) ein Abkommen zu treffen, durch das wir in der Lage sind, dieses ausserordentlich anregende und empfeh• lenswerte Buch in elegantem Leinwandband zum Ausnahmepreise von nur 5f. * 75 (Ladenpreis M. 5 — an unsere Mitglieder zu liefern. Bestellungen sind unter Beifügung des Betrags und SO Pfg. für Porto direkt an uns zu richten. Verband der Sabbathfreunde. Geschäftsführender Ausschuss. .