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Der Sabbath · 1910-01-01 · 1 (1.1910) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
10 (1910)
Issue
1 (1.1910)
Date
1910-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Der Sabbath 5 Die Folgezeit hat dieser Auffassang Recht gegeben. Gegen&ber der fast einmütigen Ablehnung,: welche der Plan einer völligen Sonntagsruhe d. J1. des Verbots jeden Offenhaltens der Verkaufsstellen bei den Bundesregierungen, Handelskammern und Detaillistenvereinigungen fand, hat das Reichsamt des Innern, wie in einer bochoffiziösen Auslassung der ״N. politisch. Corr.“ Anfangs November v. Js. mitgeteilt wurde, anerkannt, dass für die offenen Verkaufsstellen, namentlich auf dem platten Lande, in kleinen und mittleren Städten eine gewisse Beschäftigungs• zeit, die auf S statt bisher 5 Stunden bemessen werden soll, sich als notwendig erwiesen hat. Für Contore und Bareaux ist prinzipiell die absolute Ruhe vorgeschrieben und Ausnahmebestimmungen sind der ortsstatutarischen Regelung Vorbehalten. Was aber das Wichtigste ist: der Entwurf sieht eine Berücksichtigung der an jüdischen Feiertagen gänzlich ruhenden Betriebe dahin vor, dass durch Anordnung der höheren Verwaltungsbehörden oder durch Ortsstatut ihnen gestattet werden kann, ihr jüdisches Personal in für den Verkauf geschlossenen Geschäftsräumen drei Stunden zu beschäftigen. Der nicht hoch genug anzuschlagende ideale Wert dieser Bestimmung liegt darin, dass hier zum ersten Male offiziell von Reichswegen der jüdische Sabbath als integrierender Bestandteil des Judentums Anerkennung gefunden hat, dass Reichs- und Bundesregierungen die Bedeutung der sittlichen Faktoren, welche das Festhalten am Religionsgesetz seitens der jüdischen Bevölkerung für diese und dadurch für das Ganze bedeutet, hoch genug bewerten, um ihnen Schonung und Förderung seinerseits angedeihen zu lassen, dass die massgebenden Stellen über;den nackten Zahlenwert hinaus das jüdisch - religiöse Empfindungsleben als ein Imponderabile des öffentlichen Lebens anzusehen geneigt sind, das trotz der Kleinheit der Zahl seiner Träger Anspruch auf Schutz vor Störung beanspruchen darf. Das ist eine symptomatische Kundgebung, die über das Gebiet der Sabbathheiligung hinaus auch für andere Tagesfragen des jüdischen Lebens von ungewöhnlicher Bedeutung ist. Mag darum der Vorschlag, den das Reichsamt des Innern z. Z. den Bundesregierungen unterbreitet hat, auch vielfach unsere Wünsche materiell nicht ganz erfüllen, so darf das verständnisvolle und wohlwollende Entgegenkommen, das wir bisher schon dort fanden, uns zu der Hoffnung berechtigen, dass auch hinsichtlich dieser noch verbliebenen Schönheitsfehler das letzte Wort zu unseren ÜDgunsten noch nicht gesprochen ist. Doch dem sei, .wie ihm immer wolle : das schon jetzt Erreichte mit seiner Anerkennung des sittlichen Hochwerts unserer! שמירת שבת ist fürwahr ein so schöner קדוש השם, dass ן Alle, die an seinem Zustandekommen mitwirkten, auf ihre I Tätigkeit froh und stolz zurückblicken dürfen. i KRMS 0 Literarisches. J. H. Kohn אוצר התורה והתלמוד• Bibel- und Talmudschatz. Ein Buch für die jüdische Familie. Neunte Auflage, ׳neu bearbeitet von Rabb. Dr. S. Bamberger. Hamburg 5670/1910 Georg Kramer 512 S. 8° Wir haben Mangel an guten Familienbüchern, Büchern, die in echtjüdischem Sinne gehalten, den Inhalt des Judentums nicht verwässern und verdünnen, sondern den kraftvollen Gebalt unserer Thor&h zu einer kraftvollen Nahrung für Geist und Herz verwenden, die ebenso den -Seichten Ton oberflächlicher Tagesliteratur wie den larmoyanten eines Predigtmagazins, wie die Unnatur einer gekünstelt-naiven Sprechweise vermeiden, und dadurch auch dem Erwachsenen, auch der modern gebildeten jüdischen Fra«, dem im modernen Leben stehenden jüdischen Manne Zusagen und etwas zu sagen haben. Ein solches Buch ist Kohn’s Bibelnnd Talmudschatz, war es vielmehr, da die äussere Gestalt, vor allen die Sprache und die Darstellungsform, die für die ältere Generation die gegebne war, der durch die rapide Entwickelung aller Lebens•- formen veränderten Geschmacksrichtung unserer Zeit nicht mehr zu genügen vermochte. Herr Rabb. Dr. Bamberger bat sich ein Verdienst dadurch erworben, dass er durch eine Neubearbeitung dieses alt-neue Buch in bestem Sinne des Wortes ״modernisirt“ und dadurch einen hoffentlich recht grossen Leserkreis neu gewonnen hat. Bis zur ם׳ תולדות ist das Buch vollständig umgearbeitet; von da an hat, aus äusseren Gründen, Herr Rabb. Dr. Bamberger sich damit begnügen müssen, unter Anlehnung an die alte! Vorlage den Text nach Form und Inhalt zu revidiren. Der Verlagsbuchhandlung muss die Anerkennnng gezollt ׳ werden, dass sie in der äusseren Ausstattung es an nichts : hat fehlen lassen, um das Buch auch verwöhntesten An•'! Sprüchen entsprechend zu gestalten. So möge das Buch I ein סתר מוסר wie es besser nicht gedacht werden 1kann, einen welen Leserkreis 'finden und Kenntnis und damit Liebe zu unserer אמונה allenthalben wecken und kräftigen. Simon Rosenblüth: Psalm-Vorträge, gehalten im Verein Auhawe Tauroh in Fürth (Bayern) Winter- ־Semester 1908/09 Frankfurt a. M. 1909, Sänger und Friedberg, 50 S. 8°. Zum Gebet und Lobgesang, zum Preise des Höchsten, will Verfasser durch seine Psalm-Vorträge seine Hörer und Leser wecken. Der Mensch als Geschöpf Gottes, als Diener Gottes, gilt ihm als Thema der Psalmen; nicht die Natur als Selbstständiges besingt Psalm 90, sondern als Geschöpf Gottes, das Seinen Gesetzen gehorcht; die Flucht zu Gott in Leid, das Bewusstsein des Gottesgeschöpftums in der Höchstspannung der Affekte lehrt Psalm 42; dass Israel auch heimatlos nicht aufgeht in den Völkern, wie es seine Zusammengehörigkeit sich wahrt, durch richtigen Gebrauch und richtige Bewertung seines Gotteshauses, seines Gebets, tun die ״Stufenlieder“ dar und in ein Loblied auf die ע־ר הקדש, klingt ihre Betrachtung aus. Natürlich vermag dieser knappe Ueberblick dem überreichen Inhalt dieser Vorträge, die durch die Schönheit ihrer Bilder, die edle Sprache, die Fülle eingestreuter, schöngedeuteter Midraschim, durch vertieftes psychologisches Verständniss der jüdischen Wesensart vor anderen ihrer Art hervorragen, nicht entfernt gerecht zu werden. Aber sie dürfte ausreichen, um den Wunsch, hoffentlich recht vielfach, nach der Bekanntschaft mit dem schönen Buche anzuregen; ohne Genuss wird es niemand aus der Hand legen. Vermischte Nachrichten. - . Berlin, 25. Januar. Die Gewerbedeputation des hiesigen Magistrats hatte vor einem Jahr, am 8. Januar 1909 eine Umfrage bei hiesigen Geschäftsinhabern veranstaltet, um deren Stellungnahme zur Frage der absoluten Sonntagsruhe anlässlich der Neuregelung dieser Materie durch die beabsichtigte Gewerbeordnungsnovelle zu erfahren. Der Geschäftsführende Ausschuss hatte damals durch Mitteilung an die jüdischen Zeitungen die Aufmerksamkeit unserer glaubensgenössischen Kaufleute auf diese Umfrage gelenkt und um ein ablehnendes Votum gebeten. Wie der jetzt ereehieneae 5. Be-

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