Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- 12 (12.1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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67 Der Sabbath. bringen haben, ihre Pflichten als treue Staatsbürger im vollsten Maasse za erfüllen haben und auch gerne erfüllen. DTc^Lusübung dieser Pflichten sollte doch nicht yschwert werden, Ni{n£ftd zu Nutzen, der Gesamtheit zum Schaden׳! Der Verband der Sabbathfreunde würde sich daher ein nicht hoch genug anzascl tagendes Verdienst erwerben, wenn er durch ein zielbewusstes Vorge ien dazu beitragen würde, dass in dem die Sonntagsruhe betreffenden Gesetze die Bestimmung Aufnahme finde, der zufolge die an den jüdischen Feiertagen gänzlich ruhenden Geschäftsbetriebe berechtigt se n sollen, die jüdischen Angestellten einige Stunden ausserhalb der Geschäftszeit an den Sonntagen und christlichen Feiertagen in für den Verkehr geschlossenen Geschäftsräumen zu beschäftigen. Dadurch 1 ann der Zweck der Sonntagsruhe in keiner Weise beeinträchtigt werden. Möge der Verband der Sabbathfreundo diese aussergewühnlfche Gelegenheit, die sich ihm hier bietet, der orthodoxen Judeobejit einen unschätzbaren Dienst zu erweisen, nicht vorübergehenlassen, bondein alle Kräfte und Mittel in Bewegung setz ein, um einen vollen Erfolg zu erreichen. Wandsbeck. Auf Anregung des Voritandes der Ortsgruppe Hamburg fand am 21. November hier eine öffentliche Versammlung zwecks Gründung einer Ortsgruppe statt, die von ca. 60 Personen besucht war. Nach o:nigen einleitenden Worten des Herrn M. Jacobsen-Hamburg sprach Herr Babbiner Dr. Bamberger-Waudsbeck über ,Religiöse urfd soziale Probleme im Judentum‘‘. Rcdnjer erwähnte besonders den im Judentum hochgeschätzten Wert der Arbeit, dass von Alters her unsere praktischen Weisen durch ihrer!Hände Tätigkeit ihren Lebensunterhalt erworben, dass aber die Arbeit nur dann eine gesegnete sein kann, wenn sie im Geist und Sinn linserer Thauroh ausgeführt, wenn also auch die befohlene Sabbathruhc damit verbunden und beobachtet wird. Redner führte weiter aus, wie der,Verband der Sabbathfrennde“ vor allem bdstrebt sei, die Hindernisse, welche der Erfüllung des Sabbathgebotet entgegenstehen, nach Möglichkeit zu beseitigen und die Beobachtung des Sabbaths zu fördern. Die Rede wurde mit grossem Beifall aufgenommen. Zum Schluss gab Herr Jacobsen noch eine gedrängte Uebersicht über die Geschichte und bisherige Tätigkeit des j.Vcrbandes der Sabbathfrennde“, seiner Ortsgruppen und speziell der naheliegenden Hamburger Ortsgruppe und forderte zur regetj Mitarbeit auf. Es traten sofort ca. 20 Mitglieder bei,! Wien, 26. November. Der erste Vortragsabend des hiesigen Vereins der Sabbathfrennde fand am 2il. d. M. im Festsaale des Hotels Continental, II., Taborstrasse statt und darf als vorzüglich gelungen bezeichnet werden. Herr Oberrabbiner Dr. M. Güdemann sprach ,Ueber den Sabbath“ vom geschichtlichen, ethischen und sozialen Standpunkte in so klarer überzeugnnder Weise, dass alles dem Redner zujubelte, als der Vortrag beendigt war. (Wir bringen den Vortrag nach der ,Oesterr. Wochenschrift“ an leitender Stelle dieser Nummer.) Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Herr Dr. Alfred Stern, mit einem grossen Teil der Vorsteher, fast sämtliche Wiener Rabbiner, viele Gelehrte und Notabilitätcu füllten den grossen Saal bis auf den letzten Platz und so bildete dieser Abend eine wahre Huldigung für die altehrwürdige Sabbath-Idee, sowie einen grossen Erfolg dieses jungen, in seinen Zielen nicht genug zu lobenden Vereines. Um das Zustandekommen dieses erhebenden Vortragabends hat sich die Vereinsleitung, Präsident Felsenburg, besonders aber der Schriftführer Herr Moritz Nasch, auch der Kassier, Herr Nathan Pollak besonders verdient gemacht. 5imon Spira und sein Sohn. Historische Erzählung. Von Alb■ Em Brachvogel. (Fortsetzung) . 1 .. Drittes Kapitel ' Esther Katz sitzt während der letzten Vorgänge bei Rabbi in ihrem Hause, in demselben Gemache im Oberstock, wo die grauseidenen Vorhänge die -Fenster schliessen, zu denen Marcus heraufgestarrt hatte. Das Gemach ist ihr schönstes- Es stösst an ihr Schlafzimmer, und seine jüdisch-orientalische Pracht, diese kostbaren Tapeten, Teppiche, Polster und silbernen Gefässe bilden einen grellen Contrast zu des Hauses trübselig rauher Aussenseiff. Sie hat ihr schönes Haupt in die feinen, stark beringten Hände gestützt, nachdem sie von ihm das juwelenbesetzte Stirnband soeben herabgerissen. ,Ich vergehe vor Scham und Wut 1 Ich werde .noch toll von dem Blick des Menschen!“ murmelte sie. ״Haha — ihn lieben! -Und w׳enn ich so unsinnig wäre und liebte ihn doch? | -— Gott meiner Väter, ich danke Dir, dass ich mich ver•׳ schworen habr’ vor der'Sara! Mein Schwur wird mich fest machen und hart und trotzig, dass mich keine Schwachheit antritt F Es müsst’, haha, wahrhaftig ein anderer Mann sein, als der Marcus, der bezwingen will der Esther Katz Gemüth!!-— Es ist aber 'was Fürchterliches um Sara’s Prophezeiung! -ן-— Redet der Geist in mir, warum soll er denn lügen in Sara's Munde?!- Ich weiss ein Mittel, das bringt mir Ruhe! — — — Ich will aufschlagen die heilige Schrift meiner Väter — und — — je die zehnte Zeile vom zehnmal zehnten Blatt vom dreimal neunten Abschnitt!! Was da steht, lass meine Leuchte sein, Herr!“ Esther Katz nahm, um ihre inneren Regungen und Erregungen zu bannen, zu einer Procedur ihre Zuflucht, die selbst für sie, die sich des Besitzes und der Kunde sehr alten und verborgenen Wissens (ühmte, nicht leicht war; sie hatte sieb durch plötzliche Eingebung dafür entschieden, dass die zehnte Zeile des zehnmal zehnten, also des hundertsten Blattes, im dreimal neunten, also siebenundzwanzigsten Abschnitt jener Geheimschrift, welche sie ererbt hatte, die Lösung enthalten sollte, die sie beruhigen, ihr über ihren eigenen Zustand Licht geben werde. Sie wies die demütig gebotenen Dienste ihrer alten Rahel rauh zurück und verschmähte Speise wie Trank. Sie 'wollte erst Gewissheit haben, was das heilige Buch an der bewussten Stelle ihr verheisse! Zunächst schrieb sie die Zahlen auf, um sie nicht zu vergessen, denn der'Geist, wie sie fest glaubte, hatte sie ihr ja eingegeben, und dass es nur der Geist Gottes in ihr sei, darauf wäre sie gestorben. Als sie sich also derselben versichert hatte, trat sie in ihr Schlafgemach an die bunte, bemalte, ־mit vergoldetem Blech beschlagenen Truhe bei ihrem Bett. Dieser ungeheure Kasten war ihr Schatzhaus. Er enthielt ihren Reichtum, ihre Juwelen, ihr Gold und — das Herrlic|jste von Allem — die ererbte Schrift, dieses Palladium, auf w׳elcherp ihr Stolz, ihre Seelenruhe, ihr Ansjhen in der Welt, ihre eigene Selbstschätzung beruhten, eine Selbstschätzung, welche bereits über den gesunden Menschenverstand stark hinausging-;' Sie zog aus der Truhe eine anderthalb Fuss lange, silberne, sehr dicke Kapsel, die mit eingegrabenen Figuren geschmückt war, öffnete das Behältnis^und brachte eine dicht mit Charakteren bedeckte Rolle hervor — eine sehr alte Schrift auf Pergament, die wohl mehrere tausend Seiten umfasste und um einen Stab gewickelt war, an dem die einzelnen Blätter befestigt waren. Wie in Andacht versenkt, trug sie das geheimnisvolle Buch in ihr Wohngemach, legte es auf den Tisch, küsste es und verrichtete ein Gebet, ehe sie an die Ausführung ihres Vorhabens ging. Ein einzelnes Blatt, das zwischen den beiden ersten Seiten lag, enthielt den Schlüssel der Geheimnisschrift, also die Methode ihrer Entzifferung. Ehe sie diesen Schlüssel nach der ihr von dem verstorbenen Vater erteilten mündlichen Anweisung in Gebrauch nahm, schlug sie wohlweislich erst den dreimal neunten, also siebenundzwanzigsten Abschnitt des Cotivoluts auf, dann das hundertste Blatt und suchte auf ihm endlich die zehnte Zeile. Als sie die Stelle gefunden hatte, schrieb sie dieselbe mit grösster Genauigkeit auf ein Blatt Papier ab, prüfte Zeichen um Zeichen die Richtigkeit der Abschrift, und nun ^4t wagte sie, den Schlüssel zu lösen. Dieser Chiffemschlüssel war indess nicht etwa ein ystem von Zeichen oder Zahlen, sondern eine mathematische igur, die zuförderst nach dem RecepLwelchr* Esther eitWlt