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Der Sabbath · 1909-12-01 · 12 (12.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
12 (12.1909)
Date
1909-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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66 Der Sabbath. Ganzen, sondern auch nur zu der Summe der Geschäfte mit jüdischen Besitzern so überaus klein sei, auf eine Berücksidhtuug ihrer Wünsche an massgebender Stelle nicht rechnen zu dürfen. Als ob an den verantwortlichen Stellen nur die groben Zahlenwerte und nicht auch die Imponderabilien des Volkslebens ihre Berücksichtigung fänden! Von diesem Gedanken ausgehend, unternahm es in der geschilderten Situation der ״Verband der Sabbathfreunde“ die mutlosen Geister mit Vertrauen und neuer Hotfnubgsfreudigkeit zu erfüllen und die schlummernden Kräfte zu gemeinsamer Beratung und Abwehrtat zu ,wecken. Am 29. Oktober 1905 fand auf Einladung des ״Verbandes“ hier im engsten Kreise eine Konferenz der ' hervorragendsten Vertreter der verschiedensten kaufmänuischen Branchen, die den Sabbath heilig halten, statt, deren Ergebnis nach Würdigung alles Für und Wider der Entschluss war, nichts unversucht zu lassen, um nach Beschaffung der erforderlichen genauen Zableminterlagen die Reichsregierung wie die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten über die verhängnisvolle Bedeutung auf- ' zuklären, welche eiu ausnahmsloses Verbot jeder Sontagsarbeit für das Leben zahlreicher Staatsbürger, denen kein. Unrecht vorzuwerfen ist, als dass sie an Gottes ■Wert festhalten, gewinnen musste. Unberechtigte!] Optimisrtius lag den Teilnehmern an jener denkwürdigen Besprechung 'sicherlich fern; dafür bürgte ihre Stellung im kaufmännischen und industriellen Leben, wo mjan am allerwenigsten mit Selbsttäuschung etwas erzielen! kann. Aber sie fühlten sich auch frei von jenem Verhängnis- ' vollen Fatalismus, der oft genug die Dinge nur;darum ■gehen lässt, wie sie gehen, weil er zu träge cjder zu unfähig it, um sich in ihnen geltend machen zu können: * Die nächse Zeit, das ganze Jahr 1906 verstrich, dhne dass über die Absichten der Reichsbehörden uud über• ihre Stellungnahme zu der immer ungestümer auf* tretenden Forderung nach absoluter Sonntagsruhe etwas verlautbar^ hätte. Wohl aber fand sich Gelegenheit für den ״Verband der Sabbathfreunde“ und seine Ortsgruppen schon jetzt in den Kampf einzugreifen, da in vielen Städten dii Agitation der Handlungsgehilfenorganisationen es durchzusetzen wusste, dass ortsstatuarisch das Verbot der Sonntagsarbeit vorgeschrieben wurde, wodurch alle die schweren Schädigungen, welche bei reichsgesetzlicher Regelung der Gesamthei t der sabbathtreuen Kaufleute, nunmehr hier und dort umso schärfer einigen wenigen fühlbar werden mussten. Es war dem Impuls, der von dem ״Verband“ namentlich auf seinen Delegiertentagen und in dem Verbandsorgan gegeben wurde, zu danken, dass unsere Freunde allerorten, wo diese Gefahr drohte, sich zur Gegenwehr aufrafften und, unterstützt von dem Verbande und der ״Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“, ihre Bitte um eine Ausnahme zu Gudsten der am Sabbath geschlossenen Betriebe an den geeigneten Stellen vorzubringen wussten. In München, Breslau, Mainz, Cöln, Kitzingen, Posen, Nürnberg, Hamburg, Schweinfurt und Würzburg — eine lange Liste! — hatten ,unsere Freunde um dieses ihr Recht zu kämpfen; teilweise mit dem Erfolg, dass ihren Wünschen Rechnung getragen wurde. Aber auch, wo ihren Bemühungen ein Erfolg nicht beschieden war, hatten sie wenigstens die Genugtuung, konstatieren zu können, dass in allen vorurteilslosen und einsichtigen Kreisen — jüdischen und nichtjüdischen — ihre Sache vollen Sympathieen begegnete, und dass jene blasse Furcht am allerwenigsten berechtigt war, die da vermeint, der Sache könnte es schaden, wenn man im Bewusstsein des guten Rechts seine Forderungen der Oeffentlichkeit unterbreitet. : (Schluss folgt) Vermischte Nachrichten. Alteaburg, im November. Aus Anlass eines Specialfalles bat das Sachseo-Altenburgische Ministerium bestimmt, dass Schulkinder jü- (Tischen Glaubens an jeden Sabbath vom Schulunterricht zu befreien sind, desgleichen an allen hohen jüdischen Festtagen, sofern die Eltern der Kinder dies verlangen. Hamburg, 18. Xov. Gestern fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe statt. Dieselbe war zahlreich besucht, speciell in Erwartung eines interessanten Vortrages des Herrn Dr. Arthur Kahn aus Berlin. Leider wurde derselbe durch die Schneeverwehungen am rechtzeitigen Erscheinen verhindert, so dass der Vortrag verschoben werden musste. — Der Vorsitzende gab in seinem Bericht Kenntnis vod der Tätigkeit des Verbandes im letzten Geschäftsjahr, erwähnte den vorigen Delegirtentag und die daselbst gefassten Beschlüsse, speciell die uns berührende Ablehnung des diesjährigen Tagungsortes, als welcher an Stelle von Hamburg, Breslau gewählt wurde. Voraussichtlich wird jedoch der Delegirtentag 1910 in Hamburg statt finden. Es wurde ferner die Gründung der Darlehenskasse besprochen, sowie die inzwischen erfolgte erhebliehe Vermehrung der Ortsgruppen und der Brockensammlangen (Peah), die in letzter Zeit erfolgreich gewesene Tätigkeiten Sachen Sonntagsruhe, die Ausgabe neuer Schriften, speciell’ des Luach, Kalenders für 5670 etc. etc. Auf die Tätigkeit der Hamburger Ortsgruppe übergehend, erwähnte der Vorsitzende die im Berichtsjahre stattgefundenen Vorträge des Herrn Moritz A. Lüb und des Herrn Dr. A. Kahn, sowie die Gründung der hiesigen Peah. Letztere ist seit 15. Februar in Tätigkeit getreten and hat grossen Anklang bei den Hamburger Glaubensgenossen gefunden. Der Vorsitzende gab dafür einige Zahlen an, die demnächst separat veröffentlicht werden sollen. Kurz sei nur erwähnt, dass die Peah in den ersten 8 Monaten ihres Bestehens ca M. 4000.— eingenommen, und ca. M. 20C0.— für Arbeitslohn ausgegeben hat — Der Tätigkeit der Hamburger Ortsgruppe ist die Gründung einer Ortsgruppe in Geestemünde gelungen, mit weiteren Orten werden Verhandlungen gepflogen. Verschiedene Personen wurden durch Darlehen unterstützt Bei der Strassenbabn wurde eine Erleichtenng zu Gunsten der am Schabbos nicht fahrenden Schulkinder durchgesetzt. — Der Bericht wurde mit Beifall zur Kenntnis genommen. Alsdann wurde der Kassenbericht erstattet, und dem Vorstand Entlastung erteilt. Auf einige aus der Versammlung gerichtete Anfragen, speciell in Sachen der Peah, erteilte der Vorsitzende befriedigende Auskunft. An Stelle des, wie oben berichtet, ausfallenden Vortrages des Herrn Dr. Kahn, welcher in Gemeinsamkeit mit dem Mekor Chajim Verein stattfinden sollte, sprach Herr Babbiner Baznberger aus Wandsbeck über ״Religiöse und soziale Probleme im Judentum“. Reicher Beifall lohnte die inbaltsreichen Ausführungen des geschätzten Redners, über die an anderer Stelle ds. Bs. noch ausführlich berichtet wird. Nürnberg, 24. Nov. Mit grossem Interesse habe ich Ihre unter ״Vermischten Nachrichten“ erschienene Notiz über die beabsichtigte Aenderung des die Sonntagsruhe betreffenden Gesetzes gelesen. Wie in dieser Mitteilung ganz richtig bemerkt wird, ist es von grösster Bedeutung, dass die Genehmigung zur Beschäftigung der jüdischen Angestellten an den Sonntagen nicht von dem Gutdünken irgend einer Behörde an dem betr. Platze abhängig gemacht werde, zumal oft unmotivierte Momente, oft Mangel an Toleranz, zur Abweisung dieser berechtigten Forderung führen. In Nürnberg z. B. ist vor einiger Zeit ein derartiges Gesach an den Magistrat, ausgehend von einem Teil der hiesigen, auf orthodoxen Standpunkt stehenden Gemeindemitglieder, zurückgewiesen worden, da dieses in erster Reihe von jüdischen Magistratsräten bekämpft wurde, welche kein Verständnis für die Ueberzeugungstreue ihrer andersdenkenden Glaubensgenossen haben and. es im Interesse der Gesamtbevölkerang nicht für gut befanden, dass einem Teil der israelitischen Bevölkerung eine ״Ausnahme“ zugebilligt werde. — Es ist sonderbar, dass diese Herren nicht einsehen können, dass ein solcher ״Rechtsstandpunkt“ eine grosse Rücksichtslosigkeit gegenüber denjenigen in sich schliesst,* die trotz der grossen Opfer, welche sie als strenggläubige Juden zu

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