Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- 12 (12.1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Der Sabbath. worden war, in ihre Bestandteile zerlegt werden musste. Diese erst ergaben in ihrer Reihenfolge das Alphabet der Charaktere, in denen die' geheime Schrift abgefasst war und die den hebräischen Schriftzeichen wie ihren 'Aspirationen und Interpunktionen oder 1, Beugungen entsprachen. ,*׳ Begreiflich, dass dies schon für einen scharfen Denker eine sehr schwierige Arbeit war, weil es bei derselben allein auf Ruhe, schärfste Aufmerksamkeit und die genaueste Ausführung der anzuwendendenden Methode ankam, sollte sich n icht das Ganze total verwirren, die Zerlegung einer solchen Figur in ihre Grundbestandteile>k!cleicht etwa der Abwicklung eines verworrenen Knäuels, das^ich nur noch unlöslicher verfilzt, wenn statt des richtigen Fadens der falsche zuerst abgewickelt wird. Esthers jetzige Verfassung war nun nicht gerade danach angethan, Ruhe, Aufmerksamkeit und Genauigkeit inne zu hatten. Indes war sie /in Weib von eben so starkem, wie zähem Willen und hatte schfjn oft genug sowohl für sich als auf den Wunsch Rabbi Spiras, so lange sie nämlich noch mit ihm befreundet gewesen war, von dem Schlüssel Gebrauch gemacht, um nicht auch heute, obwohl erst nach langer Mühe zum Ziele zu kommen. Der Tag waS• .bedeutend vorgerückt und die Schatten wurden bereits lang/afs sie erst im Stande war, den besagten Text der zehnten Zeile des hundertsten Blattes des siebenundzwanzigsten Abschnitts ins Hebräische zu übertragen ־ Brennend, vor steigender Begierde und Ungeduld, unternahm •sie difse letzte Mühe, und ihrer Feder bauten sich Wort um Wort folgende Sätze auf: auf ihrer Herren Wink gewärtig. In der Judenstadt hingegen war Alles noch still und tot, die Türen der Häuser geschlossen; nur 1 der .Synagogendiener ging von Tor zu Tor, um die Judenschaft zu! Gebet und Ratschluss in die Alt-Neu-Schule zu rufen, ln der ' Wohnstube von Simon Spira’s Haus stand der Rabbi, bereit zu gehen, neben seinem Weibe, und ihre Hand lag in der seinen• ,Mag der Gott Abraham’s, Isaak’s und Jacob’s über uns sein!“ flüsterte er, als der letzte Schlag des Dieners an der Tür und sein melancholischer Ruf verhallt war. In diesem Augenblicke trat Marcus ein, beugte vor den Eltern das Haupt, und leise segnete sie ihn.! ,Hast Du mit der Mutter und Schamech geredet? Habt Ihr nachgedacht über das, was ich Dir gestern gesagt habe?“ ״Wir haben gesprochen und gedacht“, sagte der Rabbi, ,und sind zu dem Schlüsse gekommen, dass Du tun sollst, wozu Dein Gemüt und Gottes Wille Dich treibt I“ ״Marcus“, versetzte Sara bewegt, voll Inbrunst, ״der Geist : der Dich treibt und Dir ins Herz gegeben hat, zum Schwert zu j greifen, das ist ein guter Geist gewesen: Du bist auferweckt für! uns Alle zum Beispiel, und wenn meine Augen Dich auch nicht! Wiedersehen, ich will Gott danken und mich selig preisen, dass i ich so einem Sohne das Leben gegeben habe! Geht in Frieden Beide! Rabbi Simon Spira wird das Auge des Herrn und sein Sohn wird Sein Arm sein, um zu schlagen den Verderber!“ Nach kurzem, herzlichen Abschied schritten beide Spiras der Alt-Neu-Schule zu, wo Schamech und ihre Glaubensgenossen sie bereits erwarteten. (Fortsetzung folgt.) 4 \ ״Weib vpll Dünkel der Weisheit — Du bist eine Närrin!! Maan ohne Geist — Du bist nur ein Tier! Bist Du ein Mann — trachte nach Wahrheit! Bist Du ein Weib — strebe nach Güte! i Vor Allem sollt’ Ihr Liebe haben, sie ist das Höchste!! Aus ihr quillt Weisheit und Güte, Männliches und Weibliches, Sie hebt die Seele zum Licht, sie schafft alle Dinge!“ Einen Augenblick starrte Esther die Worte an, welche sie zu ihrem Orakel erkoren hatte, dann sank sie händeringend und j wehklagend auf die Kniee und beugte unter Strömen von Tränen! das zitternde Haupt bis auf des Fussbodens Teppich. ״Die Liebe also ist das Höchste!“ hatte das heilige Buch gesagt, Esther aber hatte im Stolz und Dünkel ihrer geistigen Vorrechte sich gebläht! Entweder hatte das heilige Buch Recht und Esther war nur eine Närrin oder das heilige Buch hatte Un- . recht — dann war sie aber um so mehr eine!Närrin, weil sein Besitz sie so hoffährtig gemacht hatte! — — — Bedenkt man, dass Esther im geistigen Hochmut, im Bewusstsein ihrer hohenpriesterlichen Geburt und ihres fürstlichen Reichtums ebenso erzogen worden war, wie man etwa bei uns Prinzen von Geblüte erzieht, dass die Geschichte ihres Geschlechts; mit diesem •' alten Schriftstück unlöslich verbunden war und sie ׳ dasselbe aus reinem, göttlichem Ursprünge herleitete, wie die Torah, dass ferner ihr Temperament orientalisch-feurig, ihr Charakter energisch war, so wird man sich von den bitteren Seelenkämpfen ׳ eine Vorstellung machen, denen das schöne Mädchen zum Opfer! fiel — inneren Orkanen, denen ihr Gemüt' wie ihr Geist zu erliegen schien. Sie brachte den Rest des Tages, die schlaflose Nacht und den andern Tag bis nach Tische in einer fieberischen Exaltation und Seelenpein zu, ja, oft kamen Augenblicke über sie, wo sie in Grimm und Verzweiflung sich den Tod wünschte. — — — —-Am Morgen des nächsten Tages zog ein finsterer Geist durch das alte Prag Alle bürgerliche Handtierung war eingestellt, jedermann trug Waffen, atmete Kampf und Verteidigung! Auf dem Rossmarkt stand, in langen Reihen gebunden, die Heerde, welche Marcus Spira während der Nacht eingetrieben, und eine Menge Landvolk hatte diese Gelegenheit benutzt, mit seiner beweglichen Habe noch in die sichere Stadt zu kommen, bevor der Feind erscheine. Auf dem Altstädter״ wie Neustädter-Ring wurden Spiessbürger gemustert oder Knechte bewaffnet und vor den Pa-!ästen Colloredo's wie Kinsky’s und Czernin’s standen deren Reisige Officielle Mitteilungen. Es wäre für uns von Interesse, Material über die Genehmigung oder Verweigerung der Verlegung von Wochenmärkten um der jüdischen Festtage willen baldigst zu erlangen. Um einschlägige Mittei-׳ lungen seien daher unsere Mitglieder ergebenst ersucht. Der Geschäftsfülirende Ausschuss : Dr. Ed. Biberfeld, Vorsitzender. Bibliothek des jüdischen Volksfreundes Inhalt: Religioiisyorschriften und Exegese Man abonniert für I Mark pro Jahr (für 12 Lieferungen) beirr! Verlag des Israelit, G. m. b. H. Frankfurt a. M., Hansa-Haus iS C3 UJ 'S נס c •«a LJ L1_ Q_ ־־£ O LJ _1 CU ^1 ei. «50 n in CÜ n b r "c5 3 a *n & r!2 N *5 o c d. o (/) c b £ 0) o י° E CO e« a CM 3 IO ■יי» CM C נס cS 3 נס a c3 CTJ m *0 כד c: ±5 0-8 ״ g _J C CA 4> > o CA O tit> c rs 2 K < 11 W « > ש t: 3 ה o V• -V