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Der Sabbath · 1909-12-01 · 12 (12.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
12 (12.1909)
Date
1909-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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62 Der Sabbath. da^s er mit astrologischen und anderen mythologischen Vorstellungen verwachsen ist. Die Folge davon ist die Erkenntnis,' fc>s an eine Entlehnung des Sabbath nicht i zu denken,♦ 'dass er vielmehr innerhalb der israelitischen Religion ,!k^lenständig und durchaus mit deren mono- UieistisejheK Charakter behaftet, ja, dass er die älteste ünd vorhehmste Stütze des Monotheismus ist. Der! Sabbath konnte nur in einem Volke entstehen, das so wie i das' israelitische das Elend der Sklaverei bis auf die! Neige ausgekostet hatte, er musste ihm auch als die gttickliehste und herrlichste Bezeugung der Einheit und Einzigkeit Gottes, oder des Monotheismus erscheinen. Aus dieser auf der Geschichte Israels beruhenden Voraiissctznng erklärt sich die zwiefache Begründung des Sabbath, rüinlqh seine Zurückführung auf die Schöpfung nrd seine Ableitung von der Befreiung des Volkes aus Egypten. Vom geschichtlichen Standpunkte aus würden . wir erwarten, dass die Thora die letztere Ableitung des Sabbath an die Spitze gestellt und seine Zurückfilhrung auf die Schöpfung an zweiter Stelle erwähnt hätte; Die . beiden Dekaloge' verfahren aber bekanntlich umgekehrt. Der erstere spricht in dem Sahbathgehot nur v<jn der SrKtpfung. der letztere nur von der Befreiung aus Egypten. Diese auf den ersten Blick befremdliche Anordnung; ti klärt sich aber leicht aus dem Geiste der Religions- Verfassung, wie sie in der Thora urd überhaupt in unsereu heiligen Schriften vorliegt. Hier wird überall zuerst auf die natürlich(■ Otfenbarurg Gottes und erst an zweiter Stelle auf die geschichtliche hingewiesen. Um dies zu erkenneH. ",-braucht man nur das Gebetbuch in die Hand zu nehmen. Der 19. Psalm beginnt mit den Worten! »Die Hilnniel erzählen die Ehre Gottes usw.“ Sodann ab( r. hersst.es: ,Die Lehre Gottes ist vollkommen usw.“ Ebenso ih^salm 93. Der Anfang lautet: ,Der Ewige .regieM, er kleidet sich in Majestät usw. Mächtiger als das Pauschen der stiömenden Flut ist die Brandung des. Welt!!!(eres, mächtiger Gott in seiner Höhe.“ Dann kommt aber der Schluss: ,Deine Zeugnisse sind: durch»• aus!«währt, usw.“ Aus diesen Beispielen, die sich leicht vermehren lassen, gellt hervor, dass in unseren heiligen Schäften die Ofenbarung Gottes in der Natur imtner zuerst'zu Worte kommt, worauf alsdann an zweiter Stelle die < ifienbarucg Gottes in und für Israel betont wird. Danach richtet sich auch die zwiefache Begründung des Sabbath, zuerst als des r־rs*: ,־:r, der auf der Scbüpfiipgsg. scliiclite beruht, sodann als des hervorragendsten Erinnerungszeichen an die Erweisung Gottes in der Belieiung'.Israels aus der egyptischen Knechtschaft. Mit dieser Anordnung hängt aber noch ein zweites wichtiges Moment zusammen. Durch die Verknüpfung des Sabbath mit dem Leben der Natur erhält diese Institution einen; lyiiversalen Charakter, denn die Natur ist, wie Gott selbst.! ftir alle Menschen, für alle Geschöpfe da, es ist aber der j Beruf Israels, als des Kronliüters dieser religiösen In-; stitution, sie vor allem zur Erscheinung zu bringen und 1 zu heiligen. Je heftiger unserer Religion von nichtjüdij scher Seite der universale Charakter abgestritten wird, ,,desto nachdrücklicher müssen wir ihn betonen, nnd dazu | bietet der Sabbath die beste Gelegerheit. Die Geschichte der Schöpfung ist keine Spezial- und Nationalgeschichte, sie hat ajlflit das Volk Israel, sondern den Menschen zum Gegensfjwnie, also ist der auf die Schöpfung begründete Sabbath kein israelitisches Spezifikum, wohl!aber ist Israel durch seine Geschichte vorzugsweise dazu! erzogen, der Bannerträger und Herold dieser schon in dfr SchöpfungsgesChichte begründeten göttlichen Wahrheit zu sein. Die universale Institution des Sabbath erhält pur durch ifire Verknüpfung mit der egyptischen Knechtschaft ihren *Pil2^50^ israelitischen Einschlag. Ich habe naebgewiesen, dass dieses Ansgehen von dem Allgemeinen mit dem nachfolgenden Uebergang auf Israel im Besonderen auch in unseren Gebeten, besonders in der Schemono-Essre, zu Tage tritt. Dasselbe Verhältnis spiegelt sich auch in der zwiefachen Natur des Sabbath. Aus dieser Uebereinstimmung des Sabbath mit dem ganzen Religionssystem der Thora geht hervor, das er mit ihm organisch verwachsen und nicht von anderswo entlehnt ist. Denn was zu einem Organismus gehört, muss auch mit ihm entstanden sein, der Sabbath aber ist das Rückgrat unserer Religion, an ihm baut sfe sich auf, er führt in diesem Sinne den Namen שבת שבתרן, der Ruhetag par exellence, das Rückgrat aber kann am allerwenigsten von einem Organismus erborgt und ihm erst nachträglich eingefügt worden sein. Man' kann von dem Ursprung und der geschiehtliehen Beziehung des Sabbath nicht reden, ohne auch dem Worte als solchem Beachtung zu schenken. Wenn wir uns auch gewöhnt haben, שבת durch ,Ruhe“ wiederzugeben, so ist diese Uebersetzung doch nur eine sinngemüsse, keine wörtliche. Durch die Verdoppelung des mittleren Konsonanten bezeichnet das Wort dem hebräischen Sprachgebrauch gemäss einen, der eine Tätigkeit ausübt, wie ציד den Jäger, רקה den Salbenmischer, ננב den Dieb bezeichnet. Danach sollte man erwarten, dass das Wort שבת durchgängig als Maskulinum behandelt würde. Das ist aber nicht der Fall, sondern es wird öfter als Femininum gebraucht. Dies erkläre ich mir so, dass man bei dem Worte שבת unwillkürlich an das Wort .מלאבד Arbeit, gedacht und infolgedessen das weibliche Geschlecht dieses Wortes auf das Wort שבת übertragen hat. Wenn dem so ist, dann läge' hier eiue Art Synekdrome, talmudisch gesprochen ein ש;־א דלשנא vor, das ist die sprachliche Erscheinung des Zungenlaufs, wodurch man sich gewöhnt, ein Wort nach der Analogie eines anderen, erinnerungsverwandten auszusprechen, obwohl die Aussprache tatsächlich unrichtig ist. So sagt man im Deutschen unrichtig ״morgendlich“ mit einem ganz umpassenden d, bloss weil man dabei an den Gegensatz ,,abendlich“ denkt, wo das d allerdings am Platze ist. Aehnlich so mag שבת als Femininum nach der Analogie von .מלאבד in Gebrauch gekommen sein. Im Griechischen ist Sabbath ein Neutrum, wofür ich keine Erklärung weiss, dagegen drückt das deutsche ״der Sabbath“ instinktiv richtig den männlichen Charakter des Sabbath aus, wenn rieht ״der Sabbath“ bloss eine Verkürzung für Sabbathtagj wie Samstag sein sollte. Soviel ist gewiss, dass שבת keinen passiven Zustand bezeichnet, sondern den siebenten Tag in dem Sinne qualifiziert, dass er eine Tätigkeit, eine Wirkung ausübt. Demgemäss ist der Sabbath eigentlich der Arbeitsbrecher, oder, um das im Deutschen gebräuchliche Wort auf ihn anzuwenden, wozu er ja alle Veranlassung bietet, der Sorgenbrecher. Also schon als blosses Wortgebilde ist der Sabbath eigenartig. Es wird wenige Wörter sittlichen oder religiösen Inhalts in welcher Sprache immer geben, die ihren Begriff so präzise und kräftig verlautbaren. Als der Arbeits- und Sorgenbrecher ist der Sabbath der älteste und lauteste Protest gegen die Sklaverei, ist er der Herold der Freiheit, erhebt er den Menschen aus dem Staube, aus dem er geboren, über diesen Urspruug hinaus zum Gottesbewusstsein und zur Menschenwürde. Um dies näher auseinanderzusetzen, schreite ich zum zweiten Teil meiner Aufgabe, der Betraebtung des Sabbath von seiner ethischen Seite. II. Hat unsere Religion nur die Natur abgeschrieben, indem sie dem Menschen jeweilige Ruhe geboten hat? Die Frage ist anscheinend berechtigt, denn nichts ist

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